Rom und die Kunst

Das erste Mal in Rom – seit 27 Jahren. Als Teenager war ich bereits in der Ewigen Stadt, zwei Mal. Daher habe ich heute die großen Ziele wie das Kolosseum und den Vatikan ignoriert. Stattdessen ging ich in eine Kirche aus den frühen 50er-Jahren, in das Etruskische Museum in der Villa Guilia, in den Park der Villa Borghese und durch die Straßen der Innenstadt.

Doch besonderen Eindruck machte ein lebender Künstler, der in seinem museo all‘ aria aperta am Straßenrand nahe dem Mausoleum des Augustus witzige und geistreiche Kunstwerke präsentierte. Er heißt Fausto Delle Chiaie. Ich hatte die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen und ein Porträt von ihm zu schießen. Schließlich bekam ich auch ein kleines Kunstwerk von ihm geschenkt.

Kunst von Fausto Delle Chiaie

Fausto Delle Chiaie

Zum Abschied sagte mit Fausto Delle Chiaie, dass er zwar keine eigene Website hätte, dass ich ihn aber finden würde, wenn ich seinen Namen über Google suchte. Er hatte recht. Auf Ciao Roma gibt es beispielsweise ein Interview mit ihm. Dokumentarfilme sind über ihn gemacht worden. Ein kurzes YouTube-Video verlinke ich hier mal:

Weihnachten und der Koran

Der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel promovierte 1977 über Jesus in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Betreut wurde er von niemand Geringerem als Hans Küng und Walter Jens. Seine Habilitationsschrift 1989 trug den Titel Geboren vor aller Zeit? Der Streit um Christi Ursprung. Kuschel beschäftigt sich also mit der zentralen Person des Christentums. Bis 2013 hatte er den Lehrstuhl für Theologie der Kultur und des interrreligiösen Dialogs an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Tübingen inne. Er war außerdem der stellvertretende Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung der Universität. Von Kuschel und seinem Doktorvater Küng stammt der Begriff der Abrahamitischen Ökumene, der einen Trialog von Judentum, Christentum und Islam beschreibt. Wer mal nicht weiß, was er mir schenken soll, kann gerne die Literaturliste in Kuschels Wikipedia-Eintrag wildern.

Weihnachten und der Koran

2008 (und in 2. Auflage 2012) veröffentlichte Kuschel ein Buch, das sich mit dem Weihnachtsgeschehen beschäftigt, wie es im Koran wiedergegeben wird. Das brachte mich auf die Idee einer ganz besonderen Top-Five-Liste: dem Christentum und dem Islam gemeinsame Aspekte der Weihnachtsgeschichte.

  1. Maria, die Mutter Jesu, brachte ihren Sohn als Jungfrau zur Welt.
  2. Den Naturgesetzen hält Lukas 1,37 entgegen: Denn für Gott ist nichts unmöglich. In Sure 3,47 heißt es: Wenn er [Gott] eine Sache beschließt, dann sagt er zu ihr nur: ‚Sei!‘ Und da ist sie.
  3. Jesus ist ohne einen irdischen Vater gezeugt. Er ist Geist von Gott. (Sure 4,171) An anderen Stellen im Koran wird Jesus nicht nur Prophet Gottes sondern auch Wort Gottes genannt. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, sagt Johannes 1,14.
  4. Für Christen beginnt mit der Geburt Jesu die Umkehrung aller Werte. Er verkörpert in seiner Person den Frieden Gottes auf Erden. Das singen bereits die Engel zu den Hirten im Lukasevangelium. Im Koran spricht Jesus: Er hat mich nicht zum unseligen Gewalttäter gemacht. (Sure 19,32)
  5. Im Neuen Testament weist Gott Jesus durch Taten, Wunder und Zeichen aus. Der Koran (Sure 19,21) erklärt ihn zu einem Zeichen für die Menschen, indem er Blinde und Aussätzige heilt und Tote auferweckt.

Natürlich sind Christentum und Islam nicht gleichzusetzen. Es gibt auch viele Unterschiede. Aber die sehen wir schon allzu oft. Es wird Zeit, sich einmal auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren.

Link
http://www.patmos.de/weihnachten-und-der-koran-p-8147.html

Deutsche Digitale Bibliothek

Heute vor fünf Jahren ging die Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek online. Die Idee war, bei der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen ein Gegengewicht zur Arbeit von Google zu schaffen, da Google als international agierendes Wirtschaftsunternehmen nicht zwingend und verlässlich dem deutschen Gemeinwohl dient. Apropos Gemeinwohl: Heute ist auch der Geburtstag von Friedrich Engels.

Link:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/

 

Volkstrauertag und Gettysburg Address

Heute ist Volkstrauertag. Seit 1952 ist der vorletzte Sonntag des Kirchenjahres dem Gedenken von Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaft. Wichtig ist hier, dass es nicht um eine Verherrlichung vermeintlicher deutscher Heldentaten geht. Alle Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft stehen gemeinsam im Zentrum.

Genau heute jährt sich die Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld von Gettysburg in Pennsylvania. Dort hielt Präsident Abraham Lincoln eine Rede, die heute zu den berühmtesten von US-Präsidenten gehaltenen Reden zählt. Martin Luther King wählte bspw. als Einstieg in seine I-have-a-dream-Rede eine ganz ähnliche Satzkonstruktion. Hier die Rede in ganzer Länge:

Four score and seven years ago our fathers brought forth on this continent, a new nation, conceived in Liberty, and dedicated to the proposition that all men are created equal.

Now we are engaged in a great civil war, testing whether that nation, or any nation so conceived and so dedicated, can long endure. We are met on a great battle-field of that war. We have come to dedicate a portion of that field, as a final resting place for those who here gave their lives that that nation might live. It is altogether fitting and proper that we should do this.

But, in a larger sense, we can not dedicate – we can not consecrate – we can not hallow – this ground. The brave men, living and dead, who struggled here, have consecrated it, far above our poor power to add or detract. The world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here. It is for us the living, rather, to be dedicated here to the unfinished work which they who fought here have thus far so nobly advanced. It is rather for us to be here dedicated to the great task remaining before us – that from these honored dead we take increased devotion to that cause for which they gave the last full measure of devotion – that we here highly resolve that these dead shall not have died in vain – that this nation, under God, shall have a new birth of freedom – and that government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth.

Abraham Lincoln
November 19, 1863

Der Begriff „score“ meint eine Einheit von zwanzig, also vor 87 Jahren (4 × 20 + 7 = 87). Die Bewertung von Lincolns Rede war durchaus unterschiedlich. Er selbst hielt sie für schwach. Sein mit zwei Stunden Redezeit ausführlicherer Vorredner Edward Everett schrieb in einem Brief an Lincoln:

I should be glad if I could flatter myself that I came as near to the central idea of the occasion, in two hours, as you did in two minutes.

Die Chicago Times kannte 1863 Präsident Trump noch nicht. Daher goss sie ihre Häme über Abraham Lincoln aus:

The cheek of every American must tingle with shame as he reads the silly, flat and dishwatery utterances of the man who has to be pointed out to intelligent foreigners as the President of the United States

Links
http://www.volkstrauertag.de/
http://www.abrahamlincolnonline.org/
http://www.loc.gov/exhibits/gettysburg-address/
https://en.wikipedia.org/wiki/File:Gettysburg_Address_Bliss_copy.jpg

Bundesweiter Vorlesetag 2017

Heute ist der Bundesweite Vorlesetag 2017. Am dritten Freitag im November gehen ehrenamtliche Vorleser in Grundschulen und Kindergärten und lesen aus selbst gewählten Büchern vor. Organisatorisch begleitet wird dieser Tag von der Stiftung Lesen, der Deutsche Bahn Stiftung und der Wochenzeitung Die Zeit.

Zum ersten Mal war ich auch mit dabei. Ich las an der 74. Grundschule im Osten Leipzigs in einer DaZ-Klasse aus meinem Buch Jonas. DaZ bedeutet Deutsch als Zweitsprache. In einer DaZ-Klasse sind vornehmlich Kinder aus geflüchteten Familien, die erst einmal Deutsch lernen müssen, bevor sie in den regulären Schulbetrieb integriert werden können.

Ich habe mein eigenes Buch nicht allein aus Eitelkeit gewählt. Der Prophet Jonas ist sowohl im Christentum als auch im Islam bekannt. Seine Geschichte von Seenot und Errettung, von Geborgenheit im Bauch des Fisches kam bei den Kindern gut an. Sie ergänzten immer wieder eigene Fluchterfahrungen. Nach dem Lesen erstellten wir als Collagen jeweils einen Fisch, in dem wir selbst in Sicherheit wären.

Zum Abschluss erhielt ich eine Urkunde, die meine Teilnahme am Vorlesetag bestätigt. Es wird wohl nicht die letzte ihrer Art bleiben.

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Links
http://www.vorlesetag.de/
http://www.stiftunglesen.de/
http://74-grundschule-leipzig.de/
https://www.epubli.de/shop/buch/Jonas

Was lange währt, wird gut

Im Dezember 2002 begann ich mit einer Ausstellung die Arbeit am Phänomen der Vaterlosigkeit von Söhnen. Vatermörder nannte ich das Projekt. Das sollte auch ein wenig knallen. Dann schoben sich viele andere Dinge, Projekte, Ideen dazwischen. Nun endlich kann ich den abschließenden Band von Interviews vorstellen. Mit der Zeit ist das Projekt etwas milder geworden. Jetzt heißt es Vaterbilder.

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Das Buch Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien ist für 14,95 EUR unter der ISBN 978-3-7450-1597-3 im Buchhandel erhältlich. Es kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/vaterbilder-fabian-williges-9783745015973/66957
http://vatermoerder.de/
http://www.vaterbilder.de/

Namenstag der Hll. Maria und Martha

Heute ist der Namenstag der Schwestern Maria und Martha von Bethanien. Im Evangelium nach Johannes wird von ihnen erzählt und im Evangelium nach Lukas. Dort ist über die beiden Schwestern folgende Passage zu lesen (Lukas 10, 38–42):

Sie zogen zusammen weiter und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Der Herr antwortete: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“

Es geht hier nicht darum, dass müßig rumzusitzen besser sei als einen Gast zu bewirten. Wir kennen das von manchen Menschen, die sich mit Haushaltsarbeiten beschäftigen, ablenken, um nur nicht über etwas Wichtiges nachdenken zu müssen oder sich einem bestimmten Menschen zuzuwenden. Zu vergleichen ist das vielleicht mit den ersten beiden Vorübergehenden im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Pünktlicher Tempeldienst ist bestimmt nichts Schlechtes. Aber einem anderen Menschen in einer empfindlichen Notsituation zu helfen, ist dann doch dringlicher und vor allem wichtiger.

Übrig blieb von dieser Passage eine jahrhundertelange Gleichsetzung von Maria mit der namenlosen Sünderin der Fußsalbung und Maria Magdalena einerseits und die Einsetzung der Hl. Martha als Schutzpatronin der Kellner. DA ist mal wieder am Kern vorbei gehandelt worden; aber genau darum geht es ja in der Geschichte.

Das Evangelium nach Lukas ist übrigens das weiblichste der vier Evangelien. Manche meinen sogar, es sei dem Evangelisten von Maria Magdalena diktiert worden. Viele weibliche Personen kommen in diesem Evangelium vor, an prominenten Stellen. So sind es beispielsweise Frauen, die als erste den Auferstandenen am Ostermorgen sehen.

Über die Rollen von Männern und Frauen wird heute wieder viel gestritten. Mittlerweile unterscheiden wir biologisches und soziales Geschlecht, untersuchen die angestrebte Gleichbehandlung im Arbeitsleben und diskutieren die Einrichtung von Unisex-Toiletten. Manchem dröhnt davon der Schädel. Mit Begriffen wie Genderwahn und Gendergaga werden solche Fragen von konservativen und weniger flexiblen Kreisen abgetan.

Dies ist auch der marketingwirksame Titel, unter dem Professor Thorsten Dietz einen Video-Vortrag hält, der von der evangelischen Organisation Worthaus auf YouTube bereitgestellt wurde. Das Bob-Dylan-T-Shirt soll uns nicht in die Irre führen; Prof. Dietz ist ein seriöser Wissenschaftler, der seinen Forschungsgegenstand fundiert bearbeitet hat. Aber er kann, wie auch andere Redner bei Worthaus, seine Erkenntnisse locker und verständlich rüberbringen. Die Worthaus-Beiträge sind zwischen einer und anderthalb Stunden lang. Die Zeit lohnt sich.

Link
http://worthaus.org/

Vios Videos – nach 12 Jahren veröffentlicht

Gut Ding will Weile, sagt der Volksmund. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet muss das Projekt Vios Videos wohl grandios sein. Sechs Videos nehmen mit Ausdruckstanz zu mal mehr mal weniger bekannten Pop-Songs Stellung zu aktuellen Gesellschaftspolitischen Themen. Da muss dann schon die Einschränkung hinein: vor 12–13 Jahren waren diese Themen aktuell. Manche sind wohl heute eher historisch, andere erschreckend aktuell geblieben. Ach, was soll das Gerede? Einfach mal anschauen: