Die Lage der Welt anhand einer Top-Ten-Liste

Wir befinden uns in der Karwoche oder auch Stillen Woche zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag, Karfreitag und schließlich Ostern. Es ist die wichtigste Woche im christlichen Kalender. Mit Entsetzen und Bestürzung nehme ich die zwei Anschläge auf christliche Kirchen in Ägypten zur Kenntnis. Gotteshäuser jeder Glaubensrichtung sollten in jedem Wortsinne sakrosankt sein. Heute jährt sich jedoch auch bereits zum 15. Mal der Anschlag auf die Al-Ghriba-Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba, zu dem sich damals Al-Qaida bekannten. 19 Touristen starben damals, 30 wurden zum Teil schwer verletzt.

Doch zu Entwicklungen aus jüngster Vergangenheit und Tagesgeschehen kann und will ich mich jetzt nicht ausführlich äußern. Stattdessen biete ich meinen werten Lesern einer doppelten Top-Five-Liste mit Ereignissen des 11. April, in denen sich die heutige Weltlage spiegelt:

  • Hl. Stanislaus, der Bischof von Krakau, hatte den polnischen König Boleslaus II. mehrfach für seinen Lebenswandel kritisiert und schließlich exkommuniziert. Dieser verurteilte den Bischof zum Tode. Doch kein Ritter wollte den König unterstützen. Schließlich erschlug der König 1079 selbst den Heiligen, während dieser die Messe las. Seinen Sieg über den Kirchenmann konnte er nicht feiern. Ein Volksaufstand zwang ihn ins ungarische Exil, wo er zwei Jahre später verstarb.
  • Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach wurde Karfreitag 1727 in der Leipziger Thomaskirche uraufgeführt. Es gibt keine überlieferte Stellungnahme zu dieser Aufführung. Es scheint dieses Werk weitgehend ignoriert worden zu sein. Nach Bachs Tod geriet es fast vollständig in Vergessenheit. Felix Mendelssohn Bartholdy führte sie 1829 in gekürzter Fassung wieder auf und läutete damit die Bach-Renaissance ein. Heute ist die Bedeutung der Matthäus-Passion unbestritten.
  • 1814 überreichen die Siegermächte der Koalitionskriege Napoléon ein halbes Jahr nach der Völkerschlacht bei Leipzig ein Vereinbarung, die seine bedingungslose Abdankung zum Inhalt hat. Er unterschreibt zwei Tage später und geht in die Verbannung nach Elba.
  • Die Jungfernfahrt der Titanic begann bereits am 10. April 1912 in Southampton. Doch heute vor 105 Jahren machte sie sich vom irischen Queenstown auf die Reise nach New York, das sie niemals erreichen sollte.
  • Charlie Chaplins Stummfilm The Tramp hat 1915 Premiere. Die Filmfigur des Tramp gab es bereits ein Jahr vorher. Und sie begleitete Chaplin bis ins Jahr 1936, da er am Ende von Modern Times auf einem endlosen Highway ins Nirgendwo verschwindet.
  • Die Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora werden 1945 von US-amerikanischen Soldaten befreit. In Buchenwald hatten sich vorher schon Widerstandsgruppen gebildet, die bereits 125 SS-Männer gefangengenommen hatten. In den Folgetagen wurden die Einwohner Weimars durch Buchenwald geführt und mit den Gräueln konfrontiert. Niemand soll sagen, die KZs hätte es nicht gegeben!
  • 1961 hat Bob Dylan seinen ersten professionellen Auftritt in Gerde’s Folk City im New Yorker Greenwich Village. Er ist ein Teil des Vorprogramms von John Lee Hooker. Doch wichtiger an diesem Tag wird wohl der Beginn des Prozesses gegen den SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann in Israel gewesen sein.
  • In seiner Enzyklika Pacem in terris (Über den Frieden auf Erden) richtet sich mit Johannes XXIII. zum ersten Mal ein Papst nicht nur an alle Katholiken, sondern an alle Menschen guten Willens. Er schrieb, dass Konflikte nicht durch Waffengewalt, sondern durch Verträge und Verhandlungen beizulegen sind.
  • Der Studentenführer Rudi Dutschke wird 1968 Opfer eines Attentats durch den Hilfsarbeiter Josef Bachmann. Dutschke stirb Heiligabend 1979 an den Spätfolgen dieses Attentats. Bachmann lernte das Schießen bei einem NPD-Funktionär in Peine.
  • Bei der Oscarverleihung 1983 erhält der Film Gandhi von Richard Attenborough mit Ben Kingsley in der Titelrolle acht Oscars, darunter bester Film und bester Hauptdarsteller. Die Konkurrenz in jenem Jahr war äußerst prominent, nämlich unter anderem: Tootsie, E.T., Ein Offizier und Gentleman, Das Boot, Poltergeist, Blade Runner und Garp und wie er die Welt sah. Doch ein Film über gewaltlosen Widerstand tat den von Ronald Reagan geführten USA gut.

Todestag von sieben Schriftstellern

Der 5. April ist manchem pop-kulturell Gebildeten bekannt als der Todestag von Kurt Cobain. 50 Jahre wäre er am 20. Februar 2017 geworden, hätte er sich 1994 nicht das Leben genommen. Manche seiner Texte haben bis heute überdauert. Zur Open Stage in der Villa höre ich immer wieder auch Lieder aus seiner Feder bzw. Songs, die auch er interpretiert hat.

Ich möchte mich aber heute den Schriftstellern und Dichtern widmen, da ich mit diesem Blog-Eintrag die wichtige Arbeit an meinem nächsten Buch herauszögere. Und da ich mich gerade nicht entscheiden kann, wird meine traditionelle Top-Five-Liste der an einem 5. April verstorbenen Autoren um zwei weitere Namen ergänzt:

  • Asukai Masatsune (1170–1221) – Höfling des japanischen Tenno Go-Toba, der selbst auch dichtete. Er arbeitete mit an der Shin Kokinshū, einer Anthologie von Waka-Gedichten. Eine Unterart der Waka sind die bis heute beliebten Haiku.
  • Edward Young (1683–1765) – Auch Young stand in der Gunst seines Herrschers. Er war Hofkaplan am britischen Hofe King Georges II. Doch das schien ihm wohl zu anstrengend zu sein. Denn bereits zwei Jahre später entschied er sich für eine kleine Pfarrei in Hertfordshire. Seine Energie steckte er in die Dichtkunst. Den Tod seiner Frau verarbeitete bis 1745 er in seinen The Complaint or Night-Thoughts, die Novalis als Vorlage für seine Hymnen an die Nacht dienten.
  • Fabre d’Églantine (1750–1794) – Er ist einer der Väter des französischen Revolutionskalenders. Standesgemäß verlor er auf der Guillotine Kopf und somit auch Leben gemeinsam mit seinem Weggefährten George Danton. Französische Kinder singen auch heute noch sein Lied: Il pleut, il pleut Bergère.
  • Friedrich Wilhelm Weber (1813–1894) – Seine Initialen machen mir persönlich Weber sofort sympathisch. Außerdem wurde er Weihnachten geboren. Vom Berufsstand Arzt, engagierte er sich in der Politik, war für die Zentrumspartei im preußischen Landtag. Seinem dichterischen Bemühen seit der Schulzeit maß er selbst wenig Bedeutung bei. Mit 65 Jahren veröffentlichte er das Versepos Dreizehnlinden, welches seinerzeit eine immense Verbreitung erfuhr: 2 Millionen verkaufte Exemplare! Weiter unten gebe ich zwei kurze Gedichte wieder, die zeigen, dass auch in katholischem Umfeld eine protestantische Arbeitsethik gedeihen kann.
  • Elsa Asenijeff (1867–1941) – Ich muss gestehen, ich kenne diese Dame überhaupt nicht, bzw. ich habe nichts von ihr gelesen. Denn ihr Gesicht ist jedem bekannt, der mit dem Schaffen Max Klingers vertraut ist. Als seine Muse und Geliebte stand sie auch häufig für ihn Modell. Mit ihren Schriften sollte man sich wohl einmal beschäftigen. Die Titel klingen vielversprechend: Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht, Unschuld – Ein modernes Märchenbuch, Tagebuchblätter einer Emancipierten, Die neue Scheherazade – Ein Roman in Gefühlen, Aufschrei – Freie Rhythmen, Bilanz der Moderne – Gedichte aus der Anstalt.
  • Saul Bellow (1915–2005) – Auch hier betrete ich – Schande über mein Haupt! – mir unbekanntes Terrain. Ich weiß lediglich, dass Bellow ein Nobelpreisträger für Literatur ist. Philip Roth nannte ihn das Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und ich habe nichts von ihm gelesen.
  • Allen Ginsberg (1926–1997) – Ginsberg ist mir wieder vertrauter. Howl schrieb 1956 Beat-Literatur- und zugleich amerikanische Rechtsgeschichte. Dazu gibt es seit 2010 übrigens einen schönen Kinofilm. Ginsberg ging mit Bob Dylan auf Tour und lebte 43 Jahre in einer schwulen Beziehung.

Mit diesem Schluss müsste ich jetzt eigentlich Allen Ginsberg zitieren. Aber ich habe mich für F.W.W. entschieden:

Der beste Orden

Gar manches Knopfloch ist geschmückt,
weil machem Dies und Das geglückt
mit Klingen und mit Kielen.
Jedweder Leistung Ehr und Preis:
DER BESTE ORDEN, den ich weiß,
ist eine HAND voll SCHWIELEN.

Im Kreuz ist Heil

Was gift’ge Zungen dir auch zischelnd künden,
was eitle Blätter dir auch rauschen mögen,
eins mußt du treu und tief im Herzen hegen,
dass nirgend Heil als nur im Kreuz zu finden.
Trau du den Weisen nicht, die Torheit lehren,
nicht falschen Worten, die das Wort verkehren.
Und schlaf ich längst schon unter Friedhofslinden,
das sollst du stets bewahren im Gedächtnis
als meiner Liebe treuestes Vermächtnis:
„Es ist kein Heil als nur im Kreuz zu finden.“

Musikalische Geburtstage

Der Frühling liegt in der Luft. Immer wieder erwischt sich auch der Herr im grauen Anzug mit einer gesummten Melodie auf den Lippen. Es kann kein Zufall sein, dass heute der Geburtstag einiger großartiger Musiker ist, die ich hier in einer der gewohnten Top-Five-Listen versammeln möchte:

  • Céline Marie Claudette Dion (* 1968) – Die Kanadierin gehört zu den erfolgreichsten Popsängerinnen der Welt. Ich habe keine CD von ihr, aber ich müsste das Radio auch nicht ausstellen, wenn ihre Stimme zu hören ist.
  • Tracy Chapman (* 1964) – Diese Singer-Songwriterin ist dann schon eher nach meinem Geschmack. Aber auch hier muss ich gestehen, dass ich zumindest bei den neueren Veröffentlichungen nicht auf dem Laufenden bin.
  • MC Hammer (* 1962) – Der Rapper steht für die schrill-bunten 90er wie kaum ein Zweiter. Aber so sehr man auch schmunzeln mag, seine Songs blieben mir bis heute im Gedächtnis.
  • Wolfgang Niedecken (* 1951) – Jetzt wird er schon 66 Jahre. Da ist seine Geburt schon verdamp lang her. Zumindest länger als mein letzter schlechter Wortwitz.
  • Eric Patrick Clapton (* 1945) – Mister Slowhand hat wohl bald jeden Rekord gebrochen, den es im Musikalischen gibt. Nun gehört er bald zu den letzten Überlebenden Großen. Wer wird eigentlich bei seiner Beerdigung spielen?

Heute wird außerdem noch der evangelische TV-Pfarrer Jürgen Fliege glatte 70 Jahre, während der bayerische Landesbischof und EKD Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm heute erst 57 Jahre alt ist.

Der wichtigste Geburstag heute ist aber wohl der von Vincent Willem van Gogh (1853–1890). Viele seiner Bilder zeigen besonders die hellen Jahreszeiten. Für die berühmten Sonnenblumen ist es allerdings noch etwas zu früh im Jahr. Heute vor genau 30 Jahren wurde ein Bild aus dieser Serie für den Rekordpreis von 24,75 Millionen Pfund versteigert.

Doppelte Top-Five-Liste von Geburtstagen

Auch auf die Gefahr hin, mich dem Vorwurf der Beliebigkeit auszusetzen, muss ich heute gleich eine weitere Top-Five-Liste von Geburtstagskindern erstellen und sie – bei Überdehnung ihres Namens – um weitere fünf Geburtstagskinder erweitern. Aber auch hier entsteht für mich in der Zusammenstellung und zwischen den Zeilen ein Bild unserer heutigen Welt und meiner Prägung. Gut, eine doppelte Top-Five-Liste von Geburtstagskindern des 18. März in zeitlicher Reihenfolge:

  • Christian Friedrich Hebbel (1813–1863) – Er gehörte zum Kanon meiner Schulzeit. Maria Magdalena hat mich merkwürdig berührt. Seine Sicht auf die Nibelungen wirkt nach. Auch wenn manches Gedicht von ihm heute ein wenig altbacken wirkt, mag ich seine Verse. Den Vorfrühling zitiere ich aus aktuellen Anlass weiter unten.
  • Stephen Grover Cleveland (1837–1908) – Er ist der einzige US-amerikanische Präsident, der seine zwei Amtszeiten nicht direkt hintereinander absolvierte. Er ist der 22. (1885–1889) und der 24. (1893–1897) Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
  • Emilie Kempin-Spyri (1853–1901) – Sie ist die Nichte der Heidi-Autorin Johanna Spyri; aber das bringt ihr nicht den Platz auf dieser Liste. Sie ist die erste Frau, die in der Schweiz als Juristin promovierte und sich habilitierte, letztendlich aber nicht als Anwältin praktizieren durfte. Sie emigrierte in die USA. Damals waren die noch ein Einwanderungsland.
  • Rudolf Christian Karl Diesel (1858–1913) – Er ist der Erfinder des Dieselmotors, einem Motor, der in den letzten Jahren arg in Verruf geraten ist. Hoffen wir, dass die Zeit der Verbrennungsmotoren tatsächlich bald vorbei ist!
  • Arthur Neville Chamberlain (1869–1940) – Den britischen Premier kennt man aus dem Geschichtsunterricht. Seine Appeasement-Politik machte Hitler vielleicht stärker, mit Sicherheit stellte sie ihm nicht genug entgegen. Daran muss ich heute häufiger denken: Syrien, Türkei, Russland, USA, Ungarn, Polen …
  • Kurt Erich Ohser (1903–1944) – Man kennt ihn eher unter seinem Pseudonym e.o.plauen, noch markanter sind seine Bildergeschichten von Vater und Sohn. Ohser wurde als Regimegegner denunziert und erhängte sich am Vorabend seines Prozesses vor dem berüchtigten Volksgerichtshof.
  • Charlotte von Mahlsdorf (1928–2002) – Als Lothar Berfelde geboren gründete der berühmteste Transvestit der DDR ein Gründerzeitmuseum, das bis heute Bestand hat. Sein Leben kennt alle Licht- und Schattenseiten, die man sich vom Nationalsozialismus, Kommunismus und der Nachwendezeit vorstellen kann. Eine Galionsfigur der ostdeutschen Schwulenszene mit Bundesverdienstkreuz.
  • Christa Wolf (1929–2011) – die große deutsche Schriftstellerin hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Die Lektüre ihres geteilten Himmels in der 11. Klasse ließ in mir den Entschluss reifen, zum Studium in den Osten zu ziehen. Im Germanistikstudium lernte ich dann Christa T. und Kassandra lieben. Weitere Werke folgten.
  • Anne Will (*1966) – Als Moderatorin der Tagesthemen trat sie in mein Leben. Ihre Talkshow liefert oft Grund zum Ärgern. Aber auch das ist wohl gut so.
  • Charlotte Elisabeth Grace Roche (*1978) – Ich habe sie nie als VIVA-Moderatorin erlebt, ihre Feuchtgebiete nicht ergründet und keine Schoßgebete gen Himmel oder sonst wohin gestoßen. Da sie nun aber heute Geburtstag hat, käme ich mir komisch vor, diese popkulturelle Gestalt nicht zu erwähnen.

Vorfrühling

Wie die Knospe hütend,
Daß sie nicht Blume werde,
Liegts so dumpf und brütend
Über der drängenden Erde.

Wolkenmassen ballten
Sich der Sonne entgegen,
Doch durch tausend Spalten
Dringt der befruchtende Segen.

Glühnde Düfte ringeln
In die Höhe sich munter.
Flüchtig grüßend, züngeln
Streifende Lichter herunter.

Daß nun, still erfrischend,
Eins zum andern sich finde,
Rühren, alles mischend,
Sich lebendige Winde.

Das Geburtstagsparadoxon

Heute haben vier Menschen aus meinem Freundeskreis Geburtstag. Das ist eine ganze Menge. Zwei davon waren sogar einige Zeit miteinander verheiratet. Tatsächlich findet man in Gruppen über 23 Personen mit einer Chance von über 50 % zwei, die am gleichen Tag Geburtstag haben. Das lässt sich mathematisch herleiten, ist aber doch so überraschend, dass man diesen Umstand Geburtstagsparadoxon getauft hat.

Da nun aber – bei aller Häufung – vier Personen nicht für eine Top-Five-Liste reichen, und ich schon allein zur Wahrung der Privatsphäre der Vier nicht ins Detail gehen würde, weiche ich auf berühmte Personen aus, die am 17. März geboren wurden (in zeitlicher Reihenfolge):

  • John B. Sebastian (*1944) – Singer/Songwriter und Woodstockveteran; mit seiner Band Lovin‘ Spoonfull nahm er Welthits wie Summer in the City und Daydream auf.
  • John Wayne Gacy (1942–1994) – US-amerikanischer Serienmörder, der 33 junge Männer vergewaltigte und ermordete. Für seine Strafe (21-mal lebenslänglich und 12-mal Tod) erhielt er sogar einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Er war als Pogo der Clown bekannt und ist wohl an der heutigen Angst vor Horrorclowns nicht ganz unschuldig.
  • Rudolf Chametowitsch Nurejew (1938–1993) – Ballett-Legende und frühes AIDS-Opfer. Seit Nurejew sind männliche Tänzer nicht nur dazu da, die Ballerina aufzufangen. Ballett wurde durch ihn Popkultur.
  • James Benson Irwin (1930–1991) – Astronaut der Apollo-15-Mission war der achte Mann auf dem Mond. Um ihm einen ersten Platz einzuräumen: er war der erste, der von einem Kollegen mit einem Mondfahrzeug herumgefahren wurde. Später wurde Irwin ein Prediger und forschte nach Überresten der Arche in der Nähe des türkischen BErges Ararat.
  • Siegfried Lenz (1926–2014) – Wichtiger Erzähler der Nachkriegszeit; Deutschstunde und die Sammlung von Erzählungen So zärtlich war Suleyken kommen mir in den Sinn. Später wurden seine Texte seichter.

Apollo_15_Lunar_Rover_and_Irwin

Link
http://www.im-chaos-daheim.de/geburtstag.php – Zum Berechnen der Wahrscheinlichkeit von gemeinsamen Geburtstagen in einer Gruppe

Thinking Day und Todestage

Heute ist der Thinking Day. Seit 1932 feiern Pfadfinder weltweit den Geburtstag ihres Gründervaters Robert Stephenson Smyth Baden-Powell (22. Februar 1857). Heute ist also sein 160. Geburtstag. Roberts Frau Olave hat übrigens auch am 22. Februar Geburtstag. Nur nicht im selben Jahr. Sie war 32 Jahre jünger und starb, als ich bereits auf der Welt und schon vier Jahre alt war. Vor zehn Jahren wurde der Thinking Day größer angelegt. Neben dem 150. Geburtstag Baden-Powells gab es da noch das 100-jährige Bestehen der Pfadfinderbewegung zu feiern. Heute ist er wohl eher eine vereinsinterne Angelegenheit.

Heute vor 74 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl gemeinsam mit Christoph Probst in München hingerichtet. Sie bildeten die studentische Widerstandsgruppe Weiße Rose. Ein Satz von Sophie Scholl hat sich mir besonders eingeprägt: Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben. Dazu brauchen wir einen harten Geist und ein weiches Herz. Wir haben alle unsere Maßstäbe in uns selbst, nur suchen wir sie zu wenig.

Die Hauptsache meines heutigen Blogeintrags ist aber eine Top-Five-Liste runder Todestage in zeitlicher Reihenfolge:

  • Heute vor 220 Jahren starb Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (1720–1797), der als Lügenbaron in den Texten von Gottfried August Bürger weiterlebt, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht und auf Kanonenkugeln reitet.
  • Vor 30 Jahren starb eine ähnlich schillernde Persönlichkeit. Andy Warhol (1928–1987). Ich war bereits 14 Jahre alt blieb aber damals vom Tod des großen Pop-Artisten unbeeindruckt. Heute weiß ich um den des Werkes, das die Digitalisierung traumwandlerisch vorwegnahm.
  • Vor 15 Jahren starb der Zeichner, Regisseur und Drehbuchautor Chuck Jones (1912–2002). Den Namen kennt wohl kaum einer. Seine Looney Tunes kennt fast jeder. Zahlreiche Oscarnominierungen erhielt Jones für seine Arbeiten. Dreimal gewann er den Oscar. Ein vierter kam für sein Lebenswerk hinzu.
  • Vor 10 Jahren starb Lothar-Günther Buchheim (1918–2007). Er war Maler, Fotograf, Filmemacher, Autor und Verleger. In Erinnerung bleibt er uns für den Roman Das Boot, der in meinem Geburtsjahr 1973 herauskam. Aber wer liest schon so einen Schinken? 1981 verfilmte Wolfgang Petersen den Roman mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer und vielen anderen bekannten Schauspielern.
  • Vor 5 Jahren starben die US-amerikanische Journalistin Marie Colvin (1956–2012) und der französische Fotograf Rémi Ochlik (1983–2012) bei einem Artillerieangriff im syrischen Homs. Der Bürgerkrieg in Syrien hat zigtausende unschuldige Opfer gefordert. Diese beiden stehen für Menschen aus unserem Umfeld. Dadurch rückt das Geschehen näher an uns heran.

Beginn der Geburtstagswochen

Was meinen Geburtstag angeht, bin ich ein Kind geblieben. Der Satz klingt etwas eigenartig, entferne ich mich doch gerade mit steigender Zahl an Geburtstagen von meiner Kindheit. Geblieben ist mir die Spannung auf diesen Tag hin, obwohl ich im Erwachsenenalter keine großen Überraschungsgeschenke erwarte. Es ist eine Art individueller Adventszeit, vielleicht weil mein Geburtstag auf den Vierundzwanzigsten fällt. Es sind für mich die Geburtstagswochen. Die möchte ich heute einläuten mit einer Top-Five-Liste von besonderen Jahrestagen des 1. Februar 2017, in denen sich auch die aktuelle Lage der Welt spiegeln soll:

  • 1892, vor 125 Jahren, gelangen dem Astronomen Martin Brendel gemeinsam mit dem Geografen Otto Baschin am Altafjord in Norwegen die ersten bekannten Fotografien des Nordlichts.
  • 1917, vor 100 Jahren, eröffnete die deutsche Marine im Ersten Weltkrieg den uneingeschränkten U-Boot-Krieg um Großbritannien und Frankreich, sowie im Mittelmeerraum. Das Kriegsglück drehte sich nicht. Die deutsche Jugend zwischen den Kriegen erhielt neue Helden.
  • 1942, vor 75 Jahren, ging der US-amerikanische Auslandssender Voice of America von Großbritannien in deutscher Sprache zum ersten Mal auf Sendung, um den Propaganda geplagten Deutschen die Wahrheit über den Krieg und die Naziverbrechen zu verkünden.
  • 1957, vor 60 Jahren, lief der von Felix Wankel entwickelte und später nach ihm benannte Drehkolbenmotor DKM54 auf dem Prüfstand der NSU zum ersten Mal. 1960 wurde der Wankelmotor mit dem NSU Prinz III erstmals in einem Pkw verbaut.
  • 2012, vor 5 Jahren, starb die polnische Dichterin und Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska. Eines ihrer bekanntesten Gedichte heißt Kot w pustym mieszkaniu (Katze in der leeren Wohnung) und erschien vor 25 Jahren in deutscher Sprache. Der Übersetzer Karl Dedecius verstarb übrigens 2016, ebenfalls im Februar.

Katze in der leeren Wohnung

Sterben – das tut man einer Katze nicht an,
Denn was soll die Katze
in einer leeren Wohnung.
An den Wänden hoch,
sich an Möbeln reiben.
Nichts scheint sich hier verändert zu haben,
und doch ist alles anders.
Nichts verstellt, so scheint es,
und doch alles verschoben.
Am Abend brennt die Lampe nicht mehr.

Auf der Treppe sind Schritte zu hören,
aber nicht die.
Die Hand, die den Fisch auf den Teller legt,
ist auch nicht die, die es früher tat.

Hier beginnt etwas nicht
zur gewohnten Zeit.
Etwas findet nicht statt,
wie es sich gehört hätte.
Jemand war hier und war,
dann verschwand er plötzlich
und ist beharrlich nicht da.

Alle Schränke durchforscht.
Alle Regale durchlaufen.
Unter Teppichen geprüft.
Trotz des Verbots
die Papiere durchstöbert.
Was bleibt da noch zu tun.
Schlafen und warten.

Komme er nur,
zeige er sich.
Er wird’s schon erfahren.
Einer Katze tut man sowas nicht an.
Sie wird ihm entgegenstolzieren,
so, als wollte sie’s nicht,
sehr langsam,
auf äußerst beleidigten Pfoten.
Noch ohne Sprung, ohne Miau.

Namenstag des Basilius und Top-Five-Liste von Geburtstagen

Ein neues Jahr hat begonnen. Die letzten Monate war ich deutlich weniger Aktiv auf diesem Blog. Aber das kann man ja als guten Vorsatz nehmen, wieder etwas häufiger zu schreiben. Mit dem Schreiben ist es wohl wie mit dem Sport. Man geht nicht einfach als Teilnehmer zu den Olympischen Spielen. Man muss jeden Tag ein bisschen machen (oder auch etwas mehr), um letztendlich – sprachliches Bild – den ganz großen Wurf zu landen. Begonnen hatte ich den Blog mit Namenstagen von Heiligen und mit Top-Five-Listen. Diese Traditionen möchte ich fortführen.

Der Heilige Basilius der Große wurde um 330 in Caesarea, Kappadokien (im Herzen der heutigen Türkei) geboren und starb 379 eben dort. Die 49 Jahre seines Lebens reichten aus, um ihn zu einem der wichtigsten Kirchenväter werden zu lassen. Die von ihm verfasste ausführliche Mönchsregel hat in der orthodoxen Kirche bis heute bestand. Seine Abkehr von der Welt und Hinwendung zu Gott ließ ihn aber nicht die Barmherzigkeit vergessen. In Armenküchen versorgte er Not leidende Christen wie Juden, mit dem Hinweis, sie hätten alle die gleichen Eingeweide. Aus einer Predigt an die Reichen stammt folgender Absatz:

Wenn ich in das Haus eines Luxus liebenden Neureichen komme und es mit allerlei Schmuck geziert sehe, so weiß ich, dass ihm die sichtbaren Dinge über alles gehen, ja dass er das Unbeseelte schmückt, die Seele aber ohne Schmuck lässt. Dann sag’ mir, wozu die silbernen Bettstellen, die silbernen Tische, elfenbeinernen Sänften und Sessel, derentwegen der Reichtum den Armen nicht zugute kommen kann, die zu Tausenden vor der Türe stehen und alle Jammertöne hören lassen? Du aber versagst die Gabe mit der Ausrede, es sei dir unmöglich, ihrer Bitte zu willfahren. Du beschwörst mit der Zunge, was deine Hand Lügen straft mit dem funkelnden Diamantringe am Finger. Wie viele könnte dieser eine Ring von den Schulden befreien! Wie viele baufällige Häuser könnte er aufrichten! Ein einziger deiner Kleiderkästen könnte ein ganzes frierendes Volk kleiden, und dennoch bringst du es über dich, den Armen hilflos zu entlassen, ohne die gerechte Vergeltung des Richters zu fürchten! Du hast dich nicht erbarmt; du wirst auch kein Erbarmen finden. Du hast dein Haus nicht geöffnet; du wirst im Himmel nicht Einlass finden. Du hast kein Brot gegeben; du wirst auch das ewige Leben nicht erlangen.

Ich glaube, in unserem Diskurs zum Thema Flüchtlinge und Grenzkontrollen, fremdes Leid und eigene Sicherheitsgefühle muss ich diesen Prediktauszug nicht weiter kommentieren. Der Hl. Basilius wird bis heute verehrt als ein Schutzpatron der Armen und Kranken und ein Kämpfer für den Frieden.


Aber eine Geburtstagsliste wollte ich noch ergänzen, in zeitlicher Reihenfolge:

  • Karl Friedrich Louis Dobermann (1834–1894) – Der Justizangestellte aus dem thüringischen Apolda beschäftigte sich von berufswegen mit der Hundesteuer und im Privaten mit der Zucht des nach ihm benannten Dobermann. Diese Rasse gilt vielen als Kampfhund, wird aber auch in Therapien und als Blindenhund eingesetzt.
  • Ernst Barlach (1870–1938) – Als Bildhauer ist der früh-expressionistische Künstler aus Norddeutschland bekannt. Er verfasste aber auch eine Reihe von Dramen. Ich lernte ihn durch die Lektüre des Romans Sansibar oder der letzte Grund von Alfred Andersch kennen. Dort spielt die Plastik Lesender Klosterschüler eine wichtige Rolle.
  • Carl-Heinrich Rudolf Wilhelm von Stülpnagel (1886–1944) – Der bereits im ersten Weltkrieg dekorierte General war Teil des Kreises, der das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verübte. Stülpnagel ließ im besetzten Frankreich die Obersten von SS und Gestapo festsetzen. Er wurde letztendlich in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
    Um bei der Zahl fünf zu bleiben, ergänze ich hier noch den Medizinstudenten Willi Graf (1918–1943), der als Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose in München-Stadelheim hingerichtet wurde. Auch er hat heute Geburtstag.
  • Isaac Asimov (1920–1992) – Er war Biochemiker und steht als Science-Fiction-Autor für die Wissenschaftlichkeit der Visionen. In dieser Funktion half er bei der Produktion des ersten Star-Trek-Kinofilms. Außerdem war er Mitglied von Mensa; das verbindet.
  • Todd Haynes (*1961) – Regisseur, Drehbuchautor und Produzent und ein wichtiger Vertreter des New Queer Cinema. Zwei Filme von ihm sind absolute Empfehlungen: Velvet Goldmine (1998) und I’m not there (2007).

Link
https://www.unifr.ch/bkv/index.htm – Bibliothek der Kirchenväter (Universität Freiburg, Schweiz)

Top-Five-Liste von Spendenmöglichkeiten

Um Weihnachten steht das Geben im Vordergrund. Wir suchen die passenden Geschenke für unsere Freunde und Familienangehörigen. Und wir beben still in freudiger Erwartung, auch etwas Kleines geschenkt zu bekommen. Für Kinder ist das etwas wichtiger als für Erwachsene. Aber auch wir Abgeklärteren können uns noch über freundliche Gaben freuen. Mittlerweile schon gute Tradition ist es auch, um Weihnachten denen abzugeben, die man vielleicht nicht immer ganz direkt am eigenen Wohnzimmertisch sitzen haben möchte, deren Not man aber doch anerkennt.

Aus diesem Anlass möchte ich meine persönliche Top-Five-Liste an Spendenkonten für diese Jahreszeit (aber auch den Rest des Jahres) nennen. Es ist keine Rangfolge. Alle fünf Organisationen haben unsere Unterstützung verdient:

  • Brot für die Welt – Der Entwicklungsdienst der evangelischen Landeskirchen leistet seit 58 Jahren vorbildliche Hilfe zur Selbsthilfe in den Ländern der Dritten Welt. Als Pastorensohn begleiten mich die Bilder und Plakate von Brot für die Welt mein gesamtes Leben. Motto der diesjährigen Aktion: Satt ist nicht genug!
    http://www.brot-fuer-die-welt.de/
  • Amnesty International – Nur wenig jünger ist der in London gegründete Verteidiger der Menschenrechte. AI beobachtet, prangert an und klopft auch in Deutschland der Verwaltung auf die Finger, der sie in diesem Jahr ein mancherorts rassistisches Vorgehen bescheinigte.
    http://www.amnesty.de/
  • SOS-Kinderdörfer – Die Hermann-Gmeiner-Stiftung ist nicht nur im deutschsprachigen Raum tätig. In Österreich begann 1949 die wichtige Arbeit, die Kindern ein sicheres Zuhause bietet. Heute gibt es SOS-Kinderdörfer weltweit. Gerade wird ein neues im syrischen Damaskus aufgebaut.
    http://www.sos-kinderdoerfer.de/
  • Ärzte ohne Grenzen – Aus Paris stammen die 1971 gegründeten Médecins Sans Frontières. Sie liefern Hilfsgüter ins zerstörte Aleppo und retten in Seenot geratene Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. DAs sind natürlich nur zwei prominente Beispiele für die umfangreiche Arbeit der MSF.
    https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/
  • Soziokulturelles Zentrum „Die VILLA“ – Selbstverständlich kann sich die VILLA nicht mit den vorher genannten Riesen messen. Was aber nicht heißt, dass die Arbeit des Hause zu vernachlässigen wäre. Die soziokulturelle Arbeit war schon immer wichtig. Zur Zeit steht auch sie unter dem Stern der Fluchtbewegungen. Sprachkurse unabhängig vom Aufenthaltsstatus, Möglichkeiten der Begegnung und seit neuestem auch die wissenschaftlich Aufarbeitung der Auswirkungen der Migration im Projekt New Forms of European Citizenship in the Era of Migration.
    http://villa-leipzig.de/
    https://it.surveymonkey.com/r/KVRTTYB – zur Umfrage im Rahmen des besagten Projekts.

Top-Five-Geburtstagsliste am Ursulatag

Der 21. Oktober ist der Ursulatag. Die Hl. Ursula ist höchstwahrscheinlich keine historische Gestalt. Als Köln von den Hunnen belagert wird, bietet ein hunnischer Prinz ihr die Verschonung ihres Lebens im Gegenzug zu einer Ehe mit ihm. Sie lehnt ab und erleidet lieber das Martyrium.

Der Ursulatag gilt als letzter Erntetag. Was ein Landwirt bis heute nicht eingeholt hat, wird wohl eher verderben als geerntet werden. Eine andere Bauernweisheit sieht diesen Tag eher als ausblick auf den bevorstehenden Winter: Wie der Ursulatag anfängt, so soll der Winter beschaffen sein.

In diesem Spannungsfeld von Ernte und Aussaat soll auch das eigentliche Thema meines Blogeintrags stehen, eine Top-Five-Liste von Geburtstagen. Die Jubilare meiner Liste gaben ihren Namen für Dinge, die wir heute noch kennen und nutzen. Nur in kontrapunktischer Funktion nenne ich hier Kim Kardashian, die – außer bekannt zu sein – wohl keinen anderen Grund für ihre Bekanntheit ernsthaft nennen könnte. Vielleicht wird ihr Name später mal für den endgültigen Niedergang der Unterhaltungsindustrie stehen.

  • Gustav Langenscheidt (1832–1895) – Langenscheidt entwickelte Unterrichtsbriefe zum Erlernen der französischen Sprache und kann somit als Vater des Fernunterrichts gelten. Kein Verlag interessierte sich dafür. Deshalb gab er sie schließlich selbst heraus, so wie ein deutsch-französisches und später noch ein deutsch-englisches Wörterbuch. Heute kennt wohl jeder deutsche Sprachschüler den Namen Langenscheidt.
  • Alfred Bernhard Nobel (1833–1896) – Insgesamt 355 Patente meldete der schwedische Chemiker Nobel an. Seine Erfindungen brachten vor allem die Rüstungsindustrie voran und brachten in der Folge unendliches Leid über die Menschheit. Seinen Nachlass vermachte er für die Zukunft jährlich denjenigen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben.
  • Georg von Siemens (1839–1901) – Er ist nicht der berühmteste Spross seiner Familie. Der in Torgau geborene Bankier ist lediglich ein Neffe zweiten Grades der großen Erfinder. Aber sein Vater stellte einen großen Teil des Gründungskapitals der späteren Siemens AG. Unser Geburtstagskind selbst wurde einer der Gründungsdirektoren der Deutschen Bank.
  • Hermann Müller (1850–1927) – Der Rebzüchter aus dem Kanton Thurgau hat der Welt den Müller-Thurgau hinterlassen, eine Rebsorte, die er selbst als Mischung von Riesling und Silvaner verstand und sie daher Rivaner nannte. Erst durch die Gentechnik kam 1996 heraus, dass nicht der SIlvaner beteiligt war, sondern die Rebe Madeleine Royale (wiederum vom Gutedel). Der Bekömmlichkeit des Müller-Thurgau tut das keinen Abbruch.
  • Leo Kirch (1926–2011) – Vom Filmverleih zum Medienmogul und schließlich zu einem der berühmtesten Bankrotteure der Bundesrepublik, woran Mitarbeiter der Deutschen Bank nicht ganz unschuldig sein sollen. Sein erster Film war La Strada von Federico Fellini. Das filmische Niveau sank dann allerdings mit seiner wachsenden wirtschaftlichen Macht. Die Kirch-Gruppe versorgte das ZDF mit Hollywoodfilmen, bis Kirch einer der wichtigsten Vorreiter im Privatfernsehen wurde. Sat1 und ProSieben sowie DF1 (heute Sky) gehörten ebenfalls zu seinem Wirtschaftsimperium.