Neuerscheinung: „When you’re not around …“

Ich war nun über einen Monat blogabstinent. Aber das heißt nicht, dass ich untätig gewesen wäre. Neben meinem Unterricht habe ich auch mein jüngstes Buch ins Englische übertragen und veröffentlicht. Aus „Wenn du nicht da bist …“ wurde „When you’re not around …“. Ich hoffe, dass es so noch mehr Leser erreichen kann.

When you're not aroundWhen you’re not around … von Fabian W. Williges
ISBN 9783741876172; Preis: 7,95 EUR

http://www.epubli.de/shop/buch/When-youre-not-around-Fabian-Williges-9783741876172/59289

Neuerscheinung: „Wenn du nicht da bist …“

Der 9. November ist ein ganz besonderer Schicksalstag. Er steht stellvertretend für das düsterste und schuldhafteste Kapitel deutscher Geschichte (Reichspogromnacht 1938). Und er kennzeichnet einen Neuanfang bzw. den Höhepunkt einer friedlichen Revolution (Mauerfall 1989). Noch viel mehr ist passiert in Deutschland an einem 9. November. Doch diese beiden Daten sollen zur Veranschaulichung reichen.

Heute kommt ein weiteres Datum hinzu: Donald Trump ist zum 45. Präsidenten der USA gewählt worden. Ob er ein katastrophaler Präsident wird oder nur ein schlechter, vielleicht entgegen allen Erwartungen ein farbloser oder letztendlich gar ein passabler, das wissen wir heute noch nicht. Wir kennen nur seine Demagogie des Wahlkampfes. Schon da hat er neue Maßstäbe gesetzt. Und wir kennen seine Wählerschaft, die sich von offensihtlichen oder zumindest später bewiesenen Lügen nicht beeindruckt zeigt.

Dem möchte ich – in einem ganz kleinen und persönlichen Schritt – etwas entgegensetzen. Der 9. November 2016 ist nun auch der Tag, an dem ich mein Bilderbuch über die Liebe und das Vermissen mit dem Titel „Wenn du nicht da bist …“ offiziell herausgebe.

Wenn du nicht da bist

Zu beziehen ist das Buch über den Buchhandel, über Versandhäuser wie Amazon oder über den Verlag epubli selbst. Natürlich kann man auch mich direkt ansprechen. Die Beschreibung zum Buch: Ein verliebter Mann sitzt zu Hause und denkt über die Liebe nach, über das Fehlen der geliebten Person. Wie kann das sein? – Vor kurzem kannte man sich noch gar nicht; und jetzt vermisst man sich schon. Mit einfachen Bildern nähert er sich diesem Phänomen, das man in der Weltliteratur auch als süßen Schmerz kennt. Die sprachlichen Bilder sind übersetzt in ebenso einfache Zeichnungen, die einem das Herz erwärmen.

Wenn du nicht da bist … von Fabian W. Williges
ISBN 9783741864629; Preis: 7,95 EUR

http://www.epubli.de/shop/buch/Wenn-du-nicht-da-bist-Fabian-Williges-9783741864629/57549

Todestag bedeutender Autoren

Heute ist vor allem der Geburtstag zweier für mich sehr wichtiger Menschen. Da aber deren Bedeutung – vorerst – nur persönlicher Natur ist und nicht kulturgeschichtlichen Rang besitzt, sollen sie hier nicht Gegenstand eines Blog-Eintrags werden. Stattdessen kümmere ich mich um Todestage bedeutender Autoren in einer Top-Five-Liste in zeitlicher Reihenfolge:

  1. Gottfried Keller (1819–1890) – Der gebürtige Züricher wurde erst Landschaftsmaler, dann politisch Bewegter Lyriker des Vormärz und schließlich einer der wichtigsten Vertreter des bürgerlichen Realismus. Der grüne Heinrich, Kleider machen Leute und Romeo und Julia auf dem Dorfe sind bis heute weit bekannt.
  2. Anton Pawlowitsch Tschechow (1860–1904) – Umfasst das Œuvre Tschechows auch hunderte von Novellen und Erzählungen, kennt man heute vor allem die letzten vier Theaterstücke des russischen Dramatikers, Autors und Arztes: Die Möwe, Onkel Wanja, Drei Schwestern, Der Kirschgarten. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich lediglich den Kirschgarten gesehen habe. Aber dafür habe ich außerdem den Roman Gletschertheater der isländischen Steinunn Sigurdardóttir gelesen, in dem eine Leienspielgruppe den Kirschgarten zur Aufführung bringt.
  3. Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) – Er ist ein wichtiger Protagonist der Wiener Moderne, Mitbegründer der Salzburger Festspiele, ein Freund Stefan Georges und der Librettist von Richard Strauß. Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes wird seit 1920 jedes Jahr in Salzburg aufgeführt. Seit 1922 in einer Mundartfassung auch in Mondsee. Dort habe ich es 1989 sehen können.
  4. Roberto Bolaño Ávalos (1953–2003) – Ich hätte diesen chilenischen Autoren wohl nie kennengelernt, hätte nicht Patti Smith bei ihrem Konzert von der Bühne herab seinen letzten und großen, postum veröffentlichten Roman 2666 zur Lektüre empfohlen. Ein aufmerksamer und guter Freund schenkte mir daraufhin ein Exemplar. Leider befindet es sich noch in dem Regal der zu lesenden Werke. Was ich über das Buch weiß, klingt aber vielversprechend.
  5. Otto Häuser (1924–2007) – Einen ganz anderen Ton bekommen wir mit dem Fünften in der Liste, der aus der erzählerischen Perspektive des 12-jährigen Ottokar Domma den DDR-Alltag beschrieb. Der Diplom-Pädagoge und Oberstudienrat bekam dafür noch 2006 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Nicht mit in der Liste, aber heute im stolzen Alter von 105 Jahren gestorben ist der argentinische Autor Juan Filloy (1894–2000). Ich kenne ihn nicht. Bei meinen Recherchen bin ich auf ihn gestoßen. Und die Tatsache, dass er 14.000 Palindrome verfasste bzw. sammelte, lässt mich ihn doch noch erwähnen. Palindrome sind Wörter oder Sätze, die man Zeichen für Zeichen von vorne wie von hinten lesen kann. Kurt Schwitters rühmte seine Anna Blume dafür; Erich Fried zog seine Anna Emulb vor. Dazu kommt noch der Gag, dass die Angst vor Palindromen Eibohphobie genannt wird.

Todestag von Klaus Mann

Heute ist der Todestag eines meiner absoluten Lieblingsschriftsteller: Klaus Mann. An meinem Schreibtisch sitzend habe ich immer seine Werke im Regal gegenüber im Blick. Ich habe sie demütig unter die Werke seines Vaters und Nobelpreisträgers Thomas und seines Onkels Heinrich gestellt. Das sagt schon viel über seine schwierige Position.

Geboren wurde Klaus Mann am 18. November 1906 in München als zweites Kind von Thomas und Katia Mann. Sein vollständiger Name lautet Klaus Heinrich Thomas Mann. Das ist so platt wie beschreibend. Drei äußerst schwierige Startbedingungen prägen sein Literarisches Schaffen wie sein selbst verkürztes Leben: Der berühmte Vater, die zur vollständigen Auslebung drängende Homosexualität und sein Kampf gegen den Faschismus und für ein geeintes Europa. Am 21. Mai 1949 nahm sich Klaus Mann in Cannes das Leben.

Klaus Mann hätte sicherlich einen ganz langen und ausführlichen Artikel verdient. Aber ich fühle mich heute nicht danach. Aber ein paar Empfehlungen möchte ich aussprechen in Form einer Top-Five-Liste der für mich wichtigsten Bücher von Klaus Mann.

  1. Mephisto (1936) – Viele kennen von ihm nur dieses Werk. Und es ist auf jeden Fall eines seiner besten Bücher. Überdeckt wird es immer wieder von der einfachen Gleichung: Hendrik Höfgen im Roman = Gustaf Gründgens im Leben. Doch Klaus selbst wies immer wieder darauf hin, dass Mephisto nicht als Schlüsselroman zu lesen sei. Wir machen es uns mit dieser Lesart auch wirklich zu einfach; denn solche Typen wie Hendrik Höfgen gibt es viele. Die sind nicht alle mit Gründgens gestorben.
  2. Alexander. Roman einer Utopie (1929) – Die Geschichte Alexander des Großen. Mir kommt es vor, als hätte Klaus sich hier ein wenig am Verständnis eines Stefan Zweig orientiert. Natürlich ist aus dem Autor nicht schnell ein fundierter Historiker geworden. Trotzdem ist dieses Buch für an der griechischen Antike Interessierten wie auch träumenden Weltbürgern immer noch lesenswert.
  3. Symphonie Pathétique (1935) – Es geht um Tschaikowsky, wie er seine 6. Symphonie komponiert und die unglückliche Liebe zu seinem Neffen Wladimir. Klaus setzt diesem großen Komponisten aus dem Reigen homosexueller Künstler eine sehr empfindsames Denkmal.
  4. Der fromme Tanz. Das Abenteuerbuch einer Jugend (1926) – Mit 19 Jahren schrieb Klaus Mann das Buch, was einer (wenn nicht der) der erste Homosexuellen-Romane in deutscher Sprache. Davon ausgenommen sind wilhelminische Schoßbüchlein und andere Schundliteratur. Hier wurde das Thema Homosexualität auf die Agenda des Feuilletons gehoben. Schon dafür gebührt Klaus Ruhm und Ehre.
  5. Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht (1942, 1952) – Bereits 1932 als 26-Jähriger veröffentlichte Klaus Mann eine Autobiografie heraus. Das brachte ihm viel Häme ein, er litte doch wohl entschieden an Selbstüberschätzung. Heute liefern seine drei Autobiografien – The Turning Point erschien 1942 in den USA, Der Wendepunkt, von ihm überarbeitet, postum 1952 – ein gutes Bild das Lebens eines denkenden und fühlenden deutschen junge Mannes zu Zeiten der Weimarer Republik, des Faschismus und der frühes Nachkriegszeit.

Jonas

Heute habe ich über epubli.de das Buch Jonas – Eine Text- und Bilder-Collage veröffentlicht. Geschrieben, gemalt und geklebt habe ich es für meinen Neffen, der eben diesen Namen trägt und im letzten Sommer geboren wurde. Zu seiner Taufe im November habe ich es ihm als Sonderausgabe geschenkt. Jetzt dürfen auch andere Menschen dieses Buch besitzen.

Jonas Cover

In wenigen Wochen wird das Buch über den Buchhandel erhältlich sein. Auch über Amazon kann man das Buch bestellen. Heute ist es bereits im Epubli-Shop verfügbar.

http://www.epubli.de/shop/buch/Jonas-Fabian-Williges-9783737597791/50598

Leipziger Buchmesse 2016

Die Buchmesse in Leipzig hat heute begonnen. Ich war mit meiner Kollegin und guten Freundin Kathleen Stemmler unterwegs. Meine Erzählung Lucias Aufbrüche ist eine der vielen Neuerscheinungen, die auf der Messe 2016 vorgestellt werden. Ein anderes ist die Masterarbeit von Robert Steinmüller, die ich zu lektorieren die Ehre hatte. Ein weiteres Bild zeigt mich im Gespräch mit Schülern des Paulsen Gymnasiums in Berlin-Steglitz. Ich bin gespannt auf ihren Beitrag von der Buchmesse.

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Die Fotos wurden von Kathleen gemacht. Vielen Dank!
Morgen geht es wieder auf das Messegelände.

Links
leipziger-buchmesse.de
kathleenstemmler.de
robertsteinmueller.de
paulsengymnasium.de

Namenstag des Hl. Theodor

Dieser Namenstag wird meines Wissens nur in den orthodoxen Kirchen begangen, aber das passt auch gerade ganz gut. Der Name Theodor kommt aus dem Griechischen und heißt Geschenk Gottes. Man kann beide Namensteile auch vertauschen und kommt dann auf einen sehr gebräuchlichen weiblichen Vornamen: Dorothée, Dorothea oder Dorothy.

Der Hl. Theodor war ein einfacher Soldat im Heer das römischen Tetrarchen-Kaisers Maximinus Daia. Er soll den Tempel der Großen Göttermutter Kybele niedergebrannt haben. Dafür wurde er am 17. Februar 306 gefoltert und schließlich verbrannt.

Bereits um 400 wurde auf seinem Grab eine Kirche erbaut. Er ist der Schutzpatron der Soldaten. Und er war der Schutzpatron Venedigs, bevor der Evangelist Markus ihn in dieser Funktion abgelöst hat. Sein Gedenktag war damals noch der 9. November. Nun muss er sich mit dem deutlich weniger schillernden Brindisi begnügen.

Die russische Form des Namens Theodor lautet Fjodor. Und von Fjodor Dostojewski lese ich gerade Die Brüder Karamasow. Dostojewski wurde übrigens – nach Gregorianischem Kalender – zwei Tage nach dem alten Gedenktag 1821 geboren und starb acht Tage vor dem neuen Gedenktag 1881. Aber das ist wohl nicht genau genug, um irgendwie aufregend zu wirken.

Der Geburtstag von fünf Schriftstellern

Eigentlich hätte ich viel langweiliges Zeug zu machen. Stattdessen mache ich, was man in dieser Situation eben macht: Ich surfe ein wenig herum und lese Facebook-Posts, ohne die sich unsere Welt sicherlich auch weiter drehen würde. Da fallen mir zwei Geburtstage ins Auge: Fußballbundestrainer Jogi Löw wird heute 56 Jahre alt, der nicht nur die deutsche Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft führte, sondern auch das neue Bild des modernen Mannes prägen half. Der US-amerikanische Autor Paul Auster wird heute 69 Jahre alt. Sein immer etwas grimmiges Gesicht kenne ich bereits aus Teenager-Tagen. Damals kam seine New-York-Trilogie heraus. Ich glaube, er ist ein guter Autor. Aber ich habe tatsächlich noch nie etwas von ihm gelesen. Für Empfehlungen oder Geburtstagsgeschenke (in drei Wochen ist es ja bei mir soweit) bin ich offen.

Der 3. Februar ist, was Schriftsteller angeht, ein geburtenreicher Tag. Das kann man durchaus als Ironie begreifen, ist er doch ebenso der Todestag von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der die Druckerzeugnisse erst erschwinglich werden ließ. Mich inspiriert der Tag zu einer Top-Five-Liste von schreibenden Geburtstagskindern (nach Geburtsjahr).

  1. Sidney Lanier (1842–1881) – Als Südstaatler kämpfte er im Bürgerkrieg. Seine Gedichte sind von einer besonderen Musikalität geprägt. Er tat sich auch als Literaturwissenschaftler und professioneller Flötist hervor. Den amerikanischen Jungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts brachte er in Neufassungen die Sagen um König Artus nahe: The Boy’s Kind Arthur.
  2. Ernst von Wildenbruch (1845–1909) – Von ihm habe ich nichts gelesen. Aber auch er geistert in meinem Leben seit mehr als 20 Jahren herum. Gottfried Benn nennt seinen Namen im Gedicht Teils-teils. Die erste Strophe lautet: In meinem Elternhaus hingen keine Gainsboroughs / wurde auch kein Chopin gespielt / ganz amusisches Gedankenleben / mein Vater war einmal im Theater gewesen / Anfang des Jahrhunderts / Wildenbruchs »Haubenlerche« / davon zehrten wir / das war alles.
  3. Gertrude Stein (1874–1946) – Sie schrieb, wie die Kubisten malten. Eine Amerikanerin in Paris. Sie gab der Lost Genration ihren Namen. Überhaupt ist sie hochgradig zitierfähig – zu jedem Anlass. Ganze Werke von ihr zu lesen, finde ich persönlich allerdings deutlich anstrengender, als ein kubistischen Gemälde zu betrachten. Tender Buttons (1914) habe ich gelesen. Jetzt fühle ich mich sehr konservativ. Ihr schönster und wohl auch bekanntester Satz: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Und da hat sie ja auch irgendwie recht.
  4. Georg Trakl (1887–1914) – Er gehört in den großen Klub 27, auch wenn heutige Jugendliche den expressionistischen Dichter wohl nicht mehr kennen. Er starb an einer Überdosis Kokain. Ob Unfall oder Suizid ist bis heute ungeklärt. Die letzten vier Zeilen des 1913 veröffentlichten Gedichts Menschheit sprechen mich besonders an: Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen / Und jene sind versammelt zwölf an Zahl. / Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen; / Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.
  5. Henning Mankell (1948–2005) – Er ist einer der bedeutendsten Vertreter des Schweden Krimi. Seine Kurt-Wallander-Reihe weit bekannt. Ich muss gestehen, auch von ihm habe ich nichts gelesen. Aber die Kieler Tatorte, deren Drehbücher er verfasst hat, habe ich gesehen.

Menschen, mit denen ich keinen Tee mehr trinken kann

Gestern Abend war in der VILLA wieder die OpenStage, die ich in alter Verbundenheit immer noch den Gitarrenabend nenne. Und ein Lied habe ich gestern auch wieder gehört: Hotel California, dessen Co-Autor und Eagles-Mitglied Glenn Frey am gestrigen Tag in New York City im Alter von 67 verstorben ist. Nun bin ich kein ausgesprochener Eagles-Fan, aber Hotel California gehört doch zum internationalen All-Zeit-Repertoire von Klassikern.

Jeden Tag werden Menschen geboren und jeden Tag sterben welche. Sicherlich gibt es auch tragischere Schicksale als den Tod eines Rockstars, wie zum Beispiel im Mittelmeer ertrinkende Flüchtlinge. Doch Tode aufzuwiegen bringt ebenfalls nichts. Menschen, die wie Glenn Frey im Lichte einer wohlwollenden Öffentlichkeit stehen, sind bequem von zuhause aus zu betrauern. Und niemand wird als Reaktion auf seinen Tod eine Gesetzesänderung verlangen.

Aber ich schweife ab. In den letzten Tagen und Wochen, sind einige berühmte Menschen von uns gegangen, die mir durchaus viel bedeutet haben. In Momenten der Selbstüberschätzung stelle ich mir gerne vor, wie ich z.B. – nicht ein Konzert besuche, sondern – mit einer musikalsichen Berühmtheit gemeinsam ein Konzert gebe. Mehr noch gefiele es mir, mich bei einer Tasse Tee mit großen Künstlern in einem Gespräch auszutauschen oder ein gemeinsamen Projekt zu planen. Solchen Träumen sind ja keine Grenzen gesetzt. Und bevor es in die Kommentare kommt: Mir selbst ist klar, wie unrealistisch solche Vorstellungen oft, fast immer sind.

Besonders fragwürdig werden solche Phantasien, wenn die Person des Verlangens verstorben ist. Das schreit nach einer neuen Top-Five-Liste der Personen, die ich leider nicht mehr zum Tee einladen kann. Ich nehme auf diese Liste nicht John Lennon, der erschossen wurde, als ich sieben Jahre alt war; denn als ich anfing Musik zu machen, war er bereits einige Jahre tot. Auch Thomas Mann kommt nicht mit auf die Liste. Der starb ja noch vor meiner Geburt. Bob Dylan, Leonard Cohen, Joni Mitchell und Yoko Ono sind ebenfalls nicht vertreten. Es ist zwar äußerst unwahrscheinlich, dass ich bald einen Status erreiche, der ein Treffen mit einer dieser Personen ermöglicht, aber es ist immerhin theoretisch möglich.

Hier nun die Top-Five-Liste der Menschen, mit denen ich leider keinen Tee mehr werde trinken können, in der aufsteigenden Reihenfolge ihrer Sterbedaten:

  1. Michael Ende († 28. August 1995) – Von Jim Knopf über Bastian B. Bux zu Momo hat er meine Kindheit nicht nur begleitet sondern ausgestaltet. Als Jugendlicher hat mich der Spiegel im Spiegel so fasziniert, dass er zu einem wichtigen Teil für den Wunsch verantwortlich ist, selbst solche Texte zu schreiben. Jetzt ist Michael Ende schon über 20 Jahre tot, aber an seine Qualität komme ich lange noch nicht heran.
  2. Lou Reed († 27. Oktober 2013) – The Velvet Underground haben mich früh begeistert. Und am Walk on the Wildside kommt man als Teenager in Verwirrung der Gefühle wohl auch kaum vorbei. Aber besonders hat mich sein 1973er Album Berlin umgehauen. Es war ein regelrechter Zufallskauf aus einem Ausflug nach Hannover. Die Melancholie diese Albums fiel bei mir auf fruchtbaren Boden.
  3. Will McBride († 29. Januar 2015) – Sein Tod ist für mich besonders tragisch. Will McBride habe ich tatsächlich bei einer Ausstellung seiner Fotos von Romy Schneider getroffen. Nach einem Gespräch gab er mir seine Telefonnummer. Ich habe mich nie getraut, ihn anzurufen.
  4. David Bowie († 10. Januar 2016) – Ziggy Stardust, Major Tom und überhaupt dieser Mann, der im Kleid wie im Anzug einfach umwerfend aussah. Time takes a cigarette, puts it in your mouth. Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich selbst noch ein Raucher und verstand ihn sofort, fühlte mich verstanden. Ich hätte ihn gern gefragt, ob Wild-Eyed Boy from Freecloud tatsächlich, wie ich vermute, durch das Gedicht Mai von K. H. Macha inspiriert ist.
  5. Alan Rickman († 14. Januar 2016) – Ein Freundin hatte vor mir Robin Hood – Prince of Thieves mit Kevin Costner gesehen. Sie sagte zu mir, dass mir der Sheriff von Nottingham gefallen würde. Er sähe aus wie Cat Stevens. Das ist natürlich nicht alles, was es zu Alan Rickman zu sagen gäbe. Aber ich möchte es an dieser Stelle einfach mal so stehen lassen.

Nachtrag
In der Tagesschau um 20:00 Uhr muss ich erfahren, dass gestern auch der französische Schriftsteller Michel Tournier gestorben ist. Sein bekanntestes Buch heißt Der Erlkönig aus dem Jahre 1970. Es ist 1996 von Volker Schlöndorff unter dem Titel Der Unhold mit John Malkovich verfilmt worden. Er erhält nun einen nicht nummerierten Ehrenplatz in meiner heutigen Top-Five-Liste.

Hilflosigkeit

Es gibt so vieles, über das man schreiben könnte, ach, müsste! Da gibt es hier in Leipzig die gestrigen Demonstrationen zu/gegen ein Jahr Legida inklusive rechter Ausschreitungen, die bereits mit dem November 1938 verglichen wurden. Dann haben wir noch die Geschehnisse der Silvesternacht in Köln, die noch einiges an Ermittlungsarbeit erfordern, die aber andererseits schon viel in der Politik bewegen. Und das Unwort des Jahres 2015 steht fest: Gutmensch. Da traut man sich fast nicht mehr, noch David Bowie mit aufzuführen, der gestern mit 69 Jahren einem Krebsleiden erlag.

Mir fehlt es heute an gesitreichem Witz, diese Aspekte nun gekonnt miteinander zu verbinden. Stattdessen möchte ich René Goscinny (Text) und Albert Uderzo (Zeichnung) zitieren, die bereits 1974 im 21. Band der Asterix-und-Obelix-Reihe Das Geschenk Cäsars den greisen Methusalix in Pegida-Manier über Fremde sinnieren lassen:

Ich habe nichts gegen fremde aber