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Der Barbaratag

Heute ist der Namenstag der Hl. Barbara. Die Hl. Barbara lebte in Nikomedien in der heutigen Türkei zu Beginn des dritten Jahrhunderts. Sie war die schöne Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Dioscuros. Dioscuros aber hütete seine Tochter wie einen Schatz. Er baute einen Turm mit nur zwei Fenstern und schloss Barbara dort ein. Vom Christentum erfuhr Barbara durch eine Magd, die sie auch in alle Glaubensgrundsätze einweihte. Als sie selbst Christin geworden war, ließ sie ein drittes Fenster in den Turm schlagen, um so die Dreifaltigkeit Gottes immer vor Augen zu haben. Als der Vater erfuhr, dass Barbara eine Christin geworden war, wollte er sie gleich erschlagen. Sie konnte aber fliehen, indem sich vor ihr ein Berg öffnete und sie aufnahm. Nachdem ihr Versteck allerdings verraten worden war, zeigte ihr Vater Dioscuros die Hl. Barbara beim Statthalter an. Nach langen Verhören und Folterungen wurde sie schließlich geköpft. Ihr Vater bat um die Ehre, seiner eigenen Tochter das Haupt abschlagen zu dürfen. Nach der Hinrichtung wurde er vom Blitz erschlagen. Die Hl. Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute.

Mit dem Barbaratag verbunden ist der Brauch der Barbarazweige. Wenn man am 4. Dezember Zweige von Obstbäumen oder der Forsythie schneidet und sie im Warmen in eine Vase stellt und wässert, blühen diese Zweige drei Wochen später zu Weihnachten. In den meisten Fällen funktioniert das mit erstaunlicher Präzision, auch wenn man in den ersten zwei Wochen ganz und gar nicht davon überzeugt sein mag. Diese Barbarazweige sollen ein Symbol des Wiedererwachens sein und uns Hoffnung geben. So wie durch die Geburt Jesu Christi auch in der Welt wieder Hoffnung herrscht. Wer das heute verpasst hat, kann es bestimmt auch morgen noch nachholen.

Schon in vorchristlicher Zeit hat man Zweige im Winter auf diese Art zum Blühen oder Grünen gebracht. Mit diesen Zweigen hat man Zuchttiere geschlagen, um die Kraft der dem Winter trotzenden Zweige auf die Tiere zu übertragen. Heute werden in manchen Regionen Deutschlands auf diese Art unverheiratete Mädchen von ihren Verehrern gepfeffert. Auch die Rute des Nikolaus könnte aus dieser Tradition stammen: das unartige Kind wird mit den Zweigen wieder brav geschlagen.

Der Maler und Dichter Max Dauthendey verfasste 1907 für sein Singsangbuch ein Gedicht über den Brauch der Barbarazweige, in dem allerdings das Erleben des Naturphänomens im Vordergrund steht:

Am Barbaratag im dürrsten Hag,
Langsam der Saft wieder steigen mag,
Glück schwebt schon draußen in kahlen Zweigen,
Hebt leise an Leises zu geigen:

Jetzt tut Dir noch jede Schneeflocke weh,
Doch die Hand, die heut, ach, am Sorgengarn spinnt,
Wohl Morgen schon Glocken zu läuten beginnt,
Und der Sinn wird ein hurtiges Reh.

Solange Du lebst, auch das Leben Dich mag,
Saft steigt in das Dürrholz am Barbaratag,
Saft steigt auch ins Glück wohl schon morgen,
Unsterblich sind nicht nur die Sorgen.

Namenstag von Maria Magdalena

Nun habe ich ganz den 20. Juli 1944 vergessen, dessen man in den heutigen Zeiten (Stichwort Freital) doch gedenken sollte. Das große Jubiläum im letzten Jahr hatte ich dafür feierlich begangen, indem ich eine Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden besuchte. Nun ist Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr eine Wanderausstellung. Bis zum 13. September 2015 ist sie in Ludwigsburg (bei Stuttgart) zu sehen. Sie besteht zu großen Teilen aus dem, was der Museumspädagoge Flachware nennt. Es ist also viel zu lesen. Aber mich haben einige der Originalbriefe beeindruckt, die dort gezeigt werden.

Links
mhmbw.de – Militärhistorisches Museum in Dresden
garnisonmuseum-ludwigsburg.de – Garnisonmuseum in Ludwigsburg (aber das sagt ja schon die URL)


Ich wollte mich heute auf Maria Magdalena stürzen; denn heute ist ihr Namenstag, der von nahezu allen Kirchen begangen wird – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Maria Magdalena wird im Deutschen auch Maria von Magdala genannt. Das ist kein Adelstitel, sondern eine Herkunftsbezeichnung. Der Name Maria ist zur Zeit Jesu einfach zu häufig gewesen. An Beinamen zur Identifizierung fehlt es unserer Maria aber nun wirklich nicht. Lediglich Maria, die Mutter Jesu, hat noch ein paar mehr.

Maria Magdalena ist eine höchstwahrscheinlich historische Person aus einem Dorf am westlichen Ufer des See Genezareth, was heute unter dem Namen Migdal bekannt ist. Sieben Dämonen soll Jesus ihr ausgetrieben haben, bevor sie selbst eine Jüngerin Jesu wurde. Sie wird an einigen Stellen in den Evangelien erwähnt. Sie ging mit nach Jerusalem, war Zeugin der Kreuzigung und der Auferstehung. Der Religionswissenschaftler David Flusser entwickelte eine Theorie, nach der Maria Magdalena dem Evangelisten Lukas zugearbeitet hätte. Hippolyt von Rom nannte sie bereits im dritten Jahrhundert die Apostelin der Apostel.

Die Geschichte der anonymen Sünderin, die Jesus die Füße wusch und salbte, wurde seit Papst Gregor I. mit Maria Magdalena assoziiert. Aus der Sünderin wurde mit der Zeit eine Prostituierte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Besserungsanstalten für gefallene Mädchen Magdalenenheime genannt.

In einigen apokryphen Schriften gnostischer Tradition wird Maria Magdalena als Gefährtin oder gar Ehefrau Jesu bezeichnet. In popular- und pseudowissenschaftlichen Artikeln und Büchern wurde die kühne These aufgestellt, dass Maria mit Jesus nach Frankreich ausgewandert sein soll. Die Nachfahren bildeten dann das Haus der Merowinger.

Das aus Frankreich stammende Kleingebäck in Form einer Jakobsmuschel trägt seinen Namen Madeleine nur mittelbar der biblischen Gestalt wegen. Die Köchin am herzoglichen Hof zu Lothringen, die das Gebäck erfand, soll schlicht so geheißen haben. Aber sie stammte gewiss aus einer katholisch geprägten Familie.

Während es gerade schwül-warm ist über Leipzig, möchte ich zwei Bauernweisheit zitieren:

An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.

Und in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig frustrierend:

Regnet’s am St. Magdalentag, folgt gewiss mehr Regen nach.

 

Namenstag von Jan Hus

Martin Luther (1483–1546) war nicht der erste, der unter großer persönlicher Gefahr das anprangerte, was seiner Überzeugung nach in der katholischen Kirche des Mittelalters in die Irre lief. John Wyclif (1330–1384) predigte bereits 150 Jahre vor Luther gegen die Reliquienverehrung und übersetzte die Bibel ins Englische. Allerdings war die Grundlage seiner Übersetzung nicht wie bei Luther der hebräische bzw. griechische Originaltext, sondern die lateinische Vulgata. Auf dem Konzil von Konstanz (1414–1418) wurde Wyclif posthum zum Ketzer erklärt. Im Jahre 1428 ließ der Bischof von Lincoln Richard Fleming, der selbst auch am Konzil teilgenommen hatte, die Gebeine Wyclifs exhumieren und verbrennen.

Unter anderem von den Schriften Wyclifs inspiriert, stritt der tschechische Theologe Jan Hus (1372–1415) gegen die zunehmende Verweltlichung der Amtskirche und für die Gewissensfreiheit. Außerdem setzte er sich für Gottesdienste in der jeweiligen Landessprache ein. Heute vor genau 600 Jahren wurde er auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer verbrannt, nachdem ihm vom König und späteren Kaiser Sigismund freies Geleit zugesichert worden war.

Besonders bekannt ist ein Satz, den Hus kurz vor seiner Hinrichtung gesagt haben soll: Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen. Im Deutschland der Reformation deutete man diesen Satz auf Luther, weshalb auf evangelisch-lutherischen Kirchen oft statt eines Wetterhahns ein Schwan zu sehen ist.

Luther selbst bekannte 1520 in einem Brief an seinen Freund und Beichtvater Friedrichs des Weisen Georg Spalatin: Ich habe bisher unbewusst den ganzen Hus gelehrt und gehalten. Und etwas später schreibt er noch: Wir sind alle unbewust Hussiten. Ja, Paulus und Augustin sind aufs Wort Hussiten.

Alle drei hier im Artikel genannten Reformer und Reformatoren sprachen sich übrigens gegen die Heiligenverehrung aus. Aber auf dieser Website gedenken wir ja nur ihrer und bitten sie nicht um Beistand am Throne Gottes. Dann ist es wohl auch weiter in Ordnung so.

Namenstag des Hl. Bonifatius

Der Hl. Bonifatius wurde um 673 in Crediton (in der Grafschaft Devon) unter dem Namen Winfried geboren. Seine umfangreiche Missionstätigkeit im Osten des expandierenden Frankenreiches brachte ihm den Titel Apostel der Deutschen ein. Er reorganisierte und begründete eine Reihe von Bistümern in Bayern, Thüringen und Hessen. Besondere Erwähnung verdient dabei das Reichskloster Fulda, welches er 744 errichten ließ. 746 wurde Bonifatius Bischof von Mainz, später Bischof von Utrecht. Am Morgen des 5. Juni 754 oder 755 wurde Bonifatius mit seinen Begleitern euf einer Missionsreise in Friesland bei Dokkum erschlagen.

Er liegt in der Ratgar-Basilika in Fulda begraben. Um das Kloster wuchs die Stadt Fulda heran. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 verlor das Kloster Fulda seine im Heiligen Römischen Reich hervorragende Stellung. Die Städte Crediton, Fulda und Dokkum sind heute Partnerstädte.

Bonifatius ist wohl kein großer Theologe gewesen. Es gibt kein großes theologisches Werk, dass seinen Namen trägt. Die wohl wichtigste von ihm verfasste Schrift ist eine lateinische Grammatik. Aber sein Missionierungseifer ist bis heute legendär. Er soll den friesischen Herzog Radbod davon abgehalten haben, dem Donnergott Thor Menschenzu opfern. Außerdem soll er eine dem Gott geweihte Eiche gefällt haben. Als er dabei nicht von Thor aufgehalten wird und auch später offensichtlich nicht bestraft wurde, ließen sich viele Friesen bekehren. Es kann aber auch sein, dass mit dieser Tat der spätere Mord an Bonifatius durch die Friesen besiegelt wurde.

Link
bistum-fulda.de

Namenstage der Eisheiligen

Mit dem heutigen Tage gehen die sogenannten Eisheiligen zu Ende. Mit dem Begriff sind – landschaftlich unterschiedlich – meist drei der folgenden Heiligen gemeint, die ich gleich in einer Top-Five-Liste der Eisheiligen präsentieren möchte:

  1. Hl. Mamertus († um 477) war Bischof von Vienne in Gallien – Namenstag am 11. Mai
  2. Hl. Pankratius (290–304) wurde als 14-Jähriger seines Glaubens wegen in Rom enthauptet – Namenstag am 12. Mai
  3. Hl. Servatius († 384) war Bischof von Tongeren im heutigen Belgien – Namenstag am 13. Mai
  4. Hl. Bonifatius von Tarsus († 306) ist ein frühchristlicher Märtyrer; er sit nicht zu verwechseln mit dem Apostel der Deutschen, welcher den gleichen Namen trägt – Namenstag am 14. Mai
  5. Hl. Sophia († um 304) ist eine frühchristliche Märtyrin und Mutter dreier geweihter Jungfrauen; ihr Name gehört in den letzten 5 Jahren zu den beliebtesten Mädchennamen in Deutschland – Namenstag am 15. Mai

Jeder dieser Heiligen hätte natürlich einen eigenen Eintrag verdient. Gemeinsam als Eisheilige haben sie aber Einzug in die Kalender und Herzen der Kleingärtner gefunden. Nach diesen fünf Tagen ist in Deutschland allgemein nicht mehr mit Nachtfrost zu rechnen. Bestimmte Aussaaten oder Pflanzungen sollen erst jetzt vorgenommen werden. Eine entsprechende Bauernregel lautet: Pflanze nie vor der Kalten Sophie. Auch viele Zimmerpflanzen kann man ab heute ohne Bedenken wieder auf den Balkon stellen.

Und in diesem Jahr mit dem Sonnenschein zum langen Himmelfahrtswochenende zum Abschluss der Eisheiligen sieht man die Grünanlagen der Stadt mit besonders vielen Menschen bevölkert. Wenn es noch eines Zeichens bedurft hatte, dass der Winter endgültig vorbei ist, dies ist es wohl.

Europatag

Heute ist der Europatag des Europarat. Das hat so erstmal nichts mit der EU zu tun, die am 9. Mai ihren Europatag feiert. Der Europarat wurde am 5. Mai 1949 mit dem Vertrag von London begründet. Seinen Sitz hat er im französischen Straßburg. Die Flagge und die Hymne teilt sich der Europarat mit der EU, weshalb es landläufig auch zu Verwechslungen kommt. Im Europarat sind allerdings 47 Nationen vertreten, während in der EU nur 28 Staaten verbunden sind. Beispielsweise die Türkei war noch vor Deutschland Mitglied des Europarats. Auch die Ukraine, Russland und Armenien sind Mitglieder dieser Institution.

Europaflagge

Die EU sieht am Anfang ihrer Geschichte die Pariser Rede des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman, der am 9. Mai 1950 die Gründung der Montanunion vorschlug. Das Datum in der Nähe des Jahrestages der Europaratgründung mag bewusste gewählt worden sein oder gemeinsam mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 eine dieser schicksalhaften Häufungen und Verquickungen darstellen, die ein Geschichtsstudium so interessant werden lassen. Deutschland kann mit seinem 9. November ein facettenreiches Lied davon singen. Aus der Montanunion wurde die EWG, dann die EG und schließlich die EU. Den sechs Gründungsmitgliedern traten mehr und mehr Staaten zur Seite.

Heute ist die EU ein komplexes Gebilde mit 24 Amtssprachen und sieben Organen, die längst nicht jeder EU-Bürger auseinanderhalten kann: Der Europäische Rat (Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs), der Rat der Europäischen Union (Treffen der jeweils zuständigen Minister), das Europäische Parlament, die Kommission, die Europäische Zentralbank und schließlich noch der Gerichtshof und der Rechnungshof.

Ich möchte aber keinen staats- und völkerrechtlichen Exkurs starten. Mir ist zwischen diesen beiden Europatagen die Idee von Europa wichtig – unabhängig von der konkreten Vertragsform: In Vielfalt geeint.

Umso spannender ist natürlich, was in diesem Jahr zwischen eben diesen beiden Europatagen passiert. Am 7. Mai wird im Vereinigten Königreich, von vielen Deutschen auch England genannt, das Unterhaus gewählt. Diese Wahl wird als Schicksalswahl empfunden, die über den Verbleib in der EU oder den Austritt entscheidet. Für mich ist das ein weitere Grund, dem sonst schon etwas farblosen Ed Miliband die Daumen zu drücken.


Und ganz nebenbei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass heute der Namenstag des  Godehard von Hildesheim ist. Godehard ist nicht nur in der direkten Nachfolge des Hl. Bernward von 1022 bis zu seinem Tode 1038 Bischof meiner Geburtsstadt Hildesheim. Der Gotthardpass (und der heute wohl bedeutendere Gotthardtunnel) ist seit 1237 nach dem Bischof benannt, der 1131 heiliggesprochen wurde.

Somit steht Godehard auch für die Idee eines verbundenen, geeinten Europas. Ob es die Pilgerreisen nach Rom waren oder die Italienschwärmer, die nach einem Besuch Neapels auch beruhigt sterben mögen, immer ist der Gotthard mit im Gespräch (okay, manchmal auch der Brenner) und verbindet Europas Norden mit dem Süden.

Links
europa.eu – Die Website der Europäischen Gemeinschaft
coe.int/de – Die Website des Europarates

Namenstag des Hl. Georg

Der Hl. Georg ist wohl einer der bekanntesten unter den Heiligen. Er gehört zu den 14 Nothelfern, die man in Bedrängnis anruft. Seine Historizität ist – wohlwollend formuliert – nicht gesichert. Er soll Anfang des 4. Jahrhunderts sein Martyrium erlitten haben.

Bekannter ist allerdings, was er vorher gemacht haben soll. Er kämpfte als tapferer Ritter gegen einen Drachen, um eine Prinzessin zu befreien. Diese Prinzessin heiratete er selbstverständlich nicht. Es geht hier ja nicht um ein romantisches Märchen. Er führt sie und ihre Untertanen mit der Taufe der christlichen Kirche zu. Als Drachenkämpfer ist der Hl. Georg ein Sinnbild für das Ringen mit übermenschlichen (bzw. unterweltlichen) Kräften.

Georg muss vielen Ländern als Schutzpatron dienen. England und Georgien sind da natürlich an erster Stelle, haben sie ja auch das Georgskreuz auf ihren Flaggen. Aber auch Russland, Schweden, Deutschland und Frankreich berufen sich auf diesen edlen Ritter, sowie unzählige Städte.

Den Kampf mit dem Drachen muss aber immer noch jeder einzelne von uns allein bestehen.

Namenstag des Hl. Joseph von Nazareth

Der Hl. Joseph gehört wohl neben Jesus und Maria zu den bekanntesten Personen des Neuen Testaments. Doch weiß man mehr über seinen Beruf (Zimmermann) als über seine tatsächliche Beziehung zu den beiden anderen. War er der Ehemann Marias, der mit ihr viele Kinder hatte, wie zum Beispiel Jakobus, den „Bruder“ des Herrn? Oder war der alternde Joseph der jungen Maria eher ein väterlicher Freund, der mit ihr die geschlechtslose und nach ihm benannte Josephsehe führte?

Der Stammbaum Jesu, der in den Evangelien nach Matthäus und nach Lukas (unterschiedlich) aufgelistet ist, nennt Joseph als das letzte Glied der Kette, das Jesu Abstammung von König David bezeugen soll. Eine Beweisführung, die bei wortwörtlicher Jungfrauengeburt offenkundig obsolet wäre.

Vielleicht ist das aber auch eine moderne Funktion des Hl. Joseph, uns zu zeigen, dass biologische Vaterschaft am Ende nur für den Genetiker interessant ist. Vater ist, wer die Rolle des Vater annimmt, sie mit Leben füllt und dem Kind gegenüber Verantwortung übernimmt. Joseph hat genau das getan.

In meinem Projekt Vatermörder, an dem ich dieser Tage verstärkt arbeite, beschäftige ich mich mit abwesenden biologischen Vätern und den ihnen folgenden Stiefvätern bis hin zu modernen Patchwork-Familien. Vor allem aber geht es mir darum, was diese Lebenssituation mit den Söhnen macht. Man darf gespannt bleiben.

Der Josephstag war bis in die späten 60er Jahre in Bayern ein gesetzlicher Feiertag, in Italien sogar noch bis 1977. In vielen Kantonen der Schweiz wird er bis heute gefeiert. In manchen Bundesländern Österreichs ist auch heute noch zu Sankt Joseph schulfrei.

Eine schöne Bauernregel verheißt uns nach dem heutigen Sonnentag ein gutes Jahr:

Ist es zu Sankt Joseph klar,
folgt ein gutes Honigjahr.

Namenstag des Hl. Patrick von Irland

Wie bei vielen Heiligen der ersten Jahrhunderte ist über den Hl. Patrick kaum Gesichertes überliefert. Er soll zwischen 385 und 461 gelebt haben. Wahrscheinlich war er ein Sohn eines in Britannien stationierten Römers, der bereits ein Christ war. Mit 16 Jahren soll er von Seeräubern nach Irland verschleppt worden sein, wo er als Sklave verkauft seine Jugend über Schafe hüten musste, bis ihm die Flucht nach Frankreich und dort in ein Kloster gelang. Später als ausgebildeter Geistlicher kehrte er zur Mission nach Irland zurück.

Durch ein Gebet allein soll der Hl. Patrick sämtliche Schlangen von der Insel vertrieben haben. Dies gleicht wohl aber eher dem alten Witz vom Holzfäller, der seine Ausbildung in der Sahara absolvierte und auf die Anmerkung, dass es da doch keine Bäume gebe, erwiderte: „Ja, jetzt nicht mehr.“ Bereits seit der letzten Eiszeit sind keine Schlangen auf Irland nachweisbar.

Noch bekannter als die Geschichte von den Schlangen ist jedoch die vom dreiblättrigen Kleeblatt – Shamrock genannt. Der Hl. Patrick nahm das Kleeblatt, um die Dreifaltigkeit Gottes zu erklären: ein Blatt, das aus drei Blättern besteht. So haben Christen auch nur einen Gott, der sich aber in drei Gestalten zu erkennen gibt: als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Dass diese drei eins sind, ist wichtig, um dem Vorwurf des Polytheismus zu entkräften. Im Islam ist dies der wohl größte Kritikpunkt am Christentum. Dieser Umstand basiert allerdings auf einem Missverständnis und hat mit dem Hl. Patrick nichts zu tun.

Der Hl. Patrick gehört heute zu den bekannteren Heiligen. Allerdings nicht, weil so viele Menschen die Legenden um ihn kennen würden, sondern nur, weil er der Schutzheilige Irlands ist und Exiliren in der ganzen Welt den Saint Patrick Day bekannt gemacht haben. Heute wird er auch von vielen Nichtiren feierlich begangen. Zumindest nutzen die Irish Pubs in den deutschen Großstädten den Tag, um ihre Kundschaft grün anzumalen, Guinness Beer und Irish Whiskey zu verkaufen.

Der irish-katholische Moraltheologe Denis Vincent Twomey sprach sich 2007 im The Irish Independent gegen die bestehenden Festtagstraditionen aus und sagte, es sei an der Zeit, den Saint Patrick’s Day wieder als einen kirchlichen Feiertag zu beanspruchen. Die alkoholgetriebenen Ausschweifungen sollten einer frommeren [und familientauglicheren] Freude weichen. Ich persönlich stimme ihm mit dem Hinweis zu, dass er sich – ganz echter Ire – nicht absolut gegen den Alkohol ausspricht. Der Artikel im März 2007 war betitelt: More piety, fewer pints ‚best way to celebrate‘