Namenstag von Hendrik Vos und Johannes van Esschen

Gestern erst war der Gedenktag der Ersten Märtyrer von Rom. Heute ist der Gedenktag der ersten Märtyrer der Reformation. Allerdings ist dieses Datum nicht willkürlich gesetzt, sondern historischen Ursprungs. Denn am 1. Juli 1523 wurden die Augustinermönche Hendrik Vos und Johannes van Esschen in Brüssel auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie den Glaubensgrundsätzen der Reformation nicht abschwören wollten.

Martin Luther schrieb am gleichen Tag noch Ein neues Lied wir heben an, welches ich hier im originalen Frühneuhochdeutschen Luthers widergeben möchte:

Eyn newes lied wir heben an
des wald Gott vnser herre.
Zu syngen was got hat gethan
zu seynem lob vnd ehre.
Zu brussel yn dem nidderland
wol durch zwen yunge knaben
Hatt er seyn wunder macht bekant
die er mit seynen gaben.
So reichlich hat getzyret.

Der erst recht wol Johannes heyst
so reych an Gottes hulden.
Seynn bruder Henrich nach dem geyst
eyn rechter Christ on schulden.
Vonn dyßer welt gescheyden synd
sye hand die kron erworben.
Recht wie die frumen gottes kind
fur seyn wort synd gestorben.
seyn Mertrer synd sye worden.

Der alte feynd sye fangen ließ
erschreckt sye lang mit drewen.
Das wort Gotts er sye leucken hieß
mit list auch wolt sye tewben.
Von Löuen der Sophisten viel
mit yhrer kunst verloren.
Versamlet er zu dysem spiel
der geyst sye macht zu thoren.
Sie kundten nichts gewinnen

Sye sungen suß sye sungen sawr
versuchten manche lysten
die knaben stunden wie eyn mawr
verachten die Sophisten.
Den alten feynd das seer verdroß
das er war vberwunden.
Vonn solchen yungen er so groß
er wart vol zorn von stunden.
gedacht sye zuuerbrennen.

Sie raubten yhn das kloster kleyd
die weyh sye yhn auch namen.
Die knaben waren des bereit
sie sprachen frölich Amen.
Sie danckten yhrem vater Got
das sye loß solten werden
des teuffels laruen spiel vnd spot
daryn durch falsche berden.
die welt er gar betrenget.

Das schickt Got durch seyn gnadt also
das sye recht priester worden.
Sich selbs yhm musten opffern do
vnd gehen ym Christen orden.
Der welt gantz abgestorben seyn
die huchley ablegen.
Zu hymel komen frey vnd reyn
die muncherey außfegen.
Vnd menschen thandt hie lassen.

Man schreib yhn fur ein brieflein kleyn
das hies man sye selbst lesen.
Die stuck sye zeychten alle drein
was yhr glaub war gewesen
der hochst yrhtumb dyser war
Man mus allein got glauben
der mensch leugt vnd treugt ymer dar
dez soll man nichts vertrawen
des musten sye verbrennen

Zwey grosse fewr sye zundten an
die knaben sie her brachten.
Es nam groß wunder yderman
das sye solch peyn verachten.
Mit frewden sye sych gaben dreyn
mit Gottes lob vnnd syngen
der muet wart den Sophisten klein
fur dysen newen dyngen
da sych Gott ließ so mercken.

Noch lassen sy yr lugen nicht
den grossen mort zu schmucken.
Sie geben fur eyn falsch geticht
yhr gewissen thut sye drucken
die heylgen Gotts auch nach dem todt
von yhn gelestert werden.
Sie sagen yn der letzten not
die knaben noch auff erden
sych sollen han vmbkeret.

Die laß man liegen ymer hyn
sie habens kleinen fromen.
Wir sollen dancken Got daryn
seyn wort yst widderkommen
der Sommer yst hart fur der thur
der winter yst vergangen
die zarten blumen gehn erfur
der das hat angefangen.
der wirt es wol volenden.

Ich lese zur Zeit Der abenteuerliche Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und weiß nicht erst seitdem, dass Vos und van Esschen nicht die letzten Märtyrer der Reformation blieben. Und wenn ich die Nachrichten der heutigen Tage lese, wird mir angst und bange; denn das Morden hat noch lange nicht aufgehört. Es wird wohl erst mit dem letzten Menschen auch der Krieg ein Ende haben.

In den sozialen Netzwerken verfolge ich viele Diskussionen um Religionskriege. Häufig gibt es dann einen scheinbar aufgeklärten Konsens, dass die irrationalen Religionen zum Morden auffordern. Und ich denke, ihr Kleingläubigen, wenn es keine Religionen gäbe, fände der Mensch genug andere Gründe, sich gegenseitig zu ermorden. Lasst uns vielmehr nach den Chancen von Religiosität schauen. Bonhoeffer war schließlich auch ein religiöser Mensch – und außerdem friedfertig.

Namenstag des Albert Knapp

Der evangelische Pastor und Dichter Albert Knapp (1798–1864) erhielt seine Ausbildung im Seminar in Maulbronn, das vor und nach ihm so namhafte Personen wie Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse besuchten.  Ab 1816 studierte Knapp in Tübingen Theologie und trat einer Burschenschaft bei. Das war allerdings noch die Zeit, in der Burschenschaften allgemein für progressives und libertäres Gedankengut standen. Er beging feierlich das Gedenken an die Schlacht bei Waterloo, deren Tag sich heute beim Schreiben dieses Blogeintrags zum runden 200. Male jährt. Der 18. Juni sollte 1864 auch Knapps Todestag werden; doch das hatte dann mit Napoleon nichts mehr zu tun. Vorher folgter er noch als Pastor der Leonardsgemeinde in Stuttgart dem berühmten Gustav Schwab nach, den bibliophile Kinder und Jugendliche seiner Sagen des klassischen Altertums wegen immer noch verehren.

Albert Knapp gründete im Winter 1837 den ersten Tierschutzverein auf deutschem Boden. Knapp sah, mit Verweis auf den Schöpfungsbericht und den Römerbrief (Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Römer 8, 19), den Tierschutz als eine christliche Aufgabe. Nun bin ich nicht im Tierschutz aktiv, aber als praktizierender Vegetarier fühle ich mich dem Knapp nahe. Apropos Essen: Es gibt ein recht bekanntes Tischgebet von Albert Knapp, das aus dem Gründungsjahr stammt und heute im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 462 zu finden ist. Man kann es also gut nach einer vegetarischen Mahlzeit sprechen:

Wir danken dir, Herr Jesus Christ,
dass du unser Gast gewesen bist.
Bleib du bei uns, so hat’s nicht Not,
du bist das wahre Lebensbrot.

Namenstag des Häuptlings Seattle

Chief Noah Seattle war Häuptling der Suquamish- und Duwamish-Indianer. Er wurde 1786 geboren und starb am 7. Juni 1866. Sein Name lautet in Lushootseed, seiner Muttersprache, Si’ahl. Die Bedeutung dieses Namens konnte ich bisher nicht herausbekommen. Von den weißen Händlern erhielt er den Spitznamen Le Gros oder The Big One, weil er mit seinen 1,85 Metern für die damalige Zeit ein Riese war. Chief Seattle setzte sich für die friedliche Koexistenz von Indianern und weißen Siedlern ein. Die Hauptstadt des Staates Washington trägt seit ihrer Gründung seinen Namen.

Bekannt ist Chief Seattle heute vor allem wegen einer Rede, die er 1854 vor dem Gouverneur des Washington-Territoriums Isaac Ingalls Stevens gehalten haben soll. Fraglich ist dabei nicht, ob er eine Rede hielt – das tat er mit Sicherheit. Allerdings gibt es kein Skript und kein Protokoll. Erst 33 Jahre später schrieb der Journalist und Zeitzeuge Henry A. Smith die Rede, welche in Lushootseed gehalten wurde, in englischer Sprache nach seinen eigenen Notizen auf.

The great, and I presume also good, white chief sends us word that he wants to buy our lands but is willing to allow us to reserve enough to live on comfortably. This indeed appears generous, for the red man no longer has rights that he need respect, and the offer may be wise, also, for we are no longer in need of a great country.

[…] The ashes of our ancestors are sacred and their final resting place is hallowed ground, while you wander away from the tombs of your fathers seemingly without regret. […]

We will ponder your proposition, and when we have decided we will tell you. But should we accept it, I here and now make this the first condition: That we will not be denied the privilege, without molestation, of visiting at will the graves of our ancestors and friends. Every part of this country is sacred to my people. Every hill-side, every valley, every plain and grove has been hallowed by some fond memory or some sad experience of my tribe.

Der texanische Professor Ted Perry schrieb 1972 die Rede für ein Filmskript um. Nun war es ein Brief an den Präsidenten Franklin Pierce, den Chief Seattle geschrieben haben soll. Dies allerdings ist reine Fiktion. Die Veränderungen in der Rede dienen zum einen der Anpassung an modernere Sprachgewohnheiten und zum anderen der Verlagerung des thematischen Schwerpunktes von Völkerverständigung und resignativer Unterwerfung zu globalem Umweltschutz. Chief Seattle wird dem heutigen US-Amerikaner und den anderen Bewohnern vor allem westlicher Staaten als Edler Wilder um die Ohren gehauen. Auch wenn der Text nicht historisch ist, kann eine Ausrichtung an solchen Maßstäben für uns wohl sinnvoll sein.

The great chief in Washington sends word that he wishes to buy our land. The great chief also sends us words of friendship and goodwill. This is kind of him, since we know that he has little need of our friendship in return. But we will consider your offer, for we know that if we do not do so, the white man may come with guns and take our land.

How can you buy or sell the sky—the warmth of the land? The idea is strange to us. Yet we do not own the freshness of the air or the sparkle of the water. How can you buy them from us? Every part of this earth is sacred to my people. Every shining pine needle, every sandy shore, every mist in the dark woods, every clearing and humming insect is holy in the memory and experience of my people.

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Stefan Vesper schrieb 1978 mit 22 Jahren einen Kanon zu dem berühmten Satz Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. In vielen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs findet sich der Kanon. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika gedenkt am 7. Juni des berühmten Häuptlings.

 

Links
duwamishtribe.org – Informationen über Chief Seattle auf der Website des Duwamish-Stammes
en.wikisource.org – Wiedergabe der ersten Aufzeichnung der berühmten Rede (auf Englisch)
studiesincomparativereligion.com – Wiedergabe der unhistorischen Briefversion (auf Englisch)

Namenstag des Johann Gramann

Johann Gramann, genannt Johannes Poliander (Gräzisierung von Grau und Mann), wurde 1487 in Mittelfranken geboren. Er studierte ab 1503 in Leipzig und ab 1519 in Wittenberg beim nur vier Jahre älteren Dr. Martin Luther und beim zehn Jahre jüngeren Philipp Melanchthon. Bereits seit 1516 war Gramann Lehrer und später auch Rektor der Thomasschule zu Leipzig. Die berühmte Leipziger Disputation im Sommer 1519 wurde von Gramann protokolliert. Weitere Stationen waren für ihn Würzburg und Nürnberg, bis er auf Empfehlung Luthers Pastor in Königsberg wurde. Er beriet den Herzog Albrecht bei der Neuorganisation des nun protestantischen Schulwesens. Daraus ging 1544 die dritte protestantische Universität hervor, an der sich 196 Jahre später der damals 16-jährige Immanuel Kant einschrieb. Die Gründung der Universität erlebte Gramann nicht mehr. Er starb am 28. April 1541 in Königsberg.

Im Evangelischen Gesangbuch ist unter der Nummer 289 ein Lied von Gramann zu finden, das er mit Bezug auf den Psalm 103 wohl 1530 geschrieben hat: Nun lob, mein Seel, den Herren.

Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein!
Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein!
Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß,
Errett dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß,
Mit rechtem Trost beschüttet, verjüngt dem Adler gleich.
Der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

Er hat uns wissen lassen sein herrlich Recht und sein Gericht,
Dazu sein Güt ohn Maßen, es mangelt an Erbarmung nicht.
Sein‘ Zorn lässt er wohl fahren, straft nicht nach unsrer Schuld,
Die Gnad tut er nicht sparen, den Schwachen ist er hold.
Sein Güt ist hoch erhaben ob den‘, die fürchten ihn.
So fern der Ost vom Abend, ist unsre Sünd dahin.

Wie sich ein Mann erbarmet ob seiner jungen Kindlein klein,
So tut der Herr uns Armen, wenn wir ihn kindlich fürchten rein.
Er kennt das arm Gemächte und weiß, wir sind nur Staub,
Ein bald verwelkt Geschlechte, ein Blum und fallend Laub:
Der Wind nur drüber wehet, so ist es nimmer da,
Also der Mensch vergehet, sein End, das ist ihm nah.

Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit
Bei seiner lieben G’meine, die steht in seiner Furcht bereit,
Die seinen Bund behalten. Er herrscht im Himmelreich.
Ihr starken Engel, waltet seins Lobs und dient zugleich
Dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein heiligs Wort!
Mein Seel soll auch vermehren sein Lob an allem Ort.

Namenstag des Meister Eckhart

Der als Meister Eckhart bekannte Mystiker wurde 1260 in Hochheim bei Gotha geboren. In seiner Jugend schloss er sich den Dominikanern in Erfurt an. Er studierte und lehrte in Köln, Paris und Straßburg. Eckhart starb 1327 oder 1328 in Köln oder in der damaligen Papstresidenz Avignon, während ein Häresie-Prozess gegen ihn gerade vom Kölner Bistum auf die Päpstliche Ebene gehoben wurde. Er blieb also sein Leben lang im Schoß der Kirche. Postum wurden 28 seiner Sätze als häretisch oder zumindest heräsieverdächtig eingestuft. Eckhart selbst wurde aber nicht verurteilt.

Bemerkenswert für seine Zeit ist, dass Eckhart viele Werk auf Deutsch veröffentlichte. Er war ein früher Verfechter der Volksbildung. Auch theologisch diffizile Themen sollten der einfachen und somit wenig gebildeten Gemeinde vorgestellt werden. Die Möglichkeit, das manches nicht richtig verstanden würde, sah er nicht als größeres Problem.

Bekannte Schüler Meister Eckharts sind Johannes Tauler, von dem heute das Adventslied Es kommt ein Schiff geladen allgemeine Bekanntheit genießt, und Heinrich Seuse, dem das makkaronische Weihnachtslied In dulci jubilo zugeschrieben wird.


Als deutschsprachiger Mystiker schuf er ein neues Verständnis, eine neue Sprache der Theologie. Auch heute sind seine Gedanken (wieder) aktuell. Er sprach von einer Einswerdung der menschlichen Seele mit Gott, aus der Gott im Grunde der Seele neu geboren werde. Er sagte, dass Gott nicht über uns stehe, sondern in uns Menschen lebe. Dies war dann allerdings auch einer der Sätze, welche den langwierigen Prozess gegen Eckhart zur Folge hatten.

Meister Eckhart ist ein Vertreter der sogenannten Negativen Theologie. Der Begriff beschreibt die Idee, dass Gott von uns nicht treffend beschrieben werden kann, weil alle unsere Beschreibungsversuche zwingend als Zuschreibungen aus der Welt der Geschöpfe stammen, Gott aber als Schöpfer jenseits der Geschöpfe stehe.

Diesem Gedanken folgend kann man nicht mehr sagen: Gott ist Vater, weil der Begriff Vater sofort Bilder von menschlichen Vätern mit all ihren Unzulänglichkeiten evoziert. Gott aber ist nicht unzulänglich wie ein menschlicher Vater. Dann wäre es also eher zutreffend zu sagen: Gott ist kein Vater. Wir haben also einen Teilaspekt Gottes nur beschreiben können, indem wir eine negative Formulierung wählten.

Doch Meister Eckhart wehrt sich letztendlich auch gegen die Negative Theologie, wie sie bis dato verstanden wurde. Gott, so sagt Eckhart, sei ja gerade ein Nicht-Verneinender, somit schließe eine negative Beschreibung Gottes stets einen Aspekt aus. Oder, um es auf die sprachliche Spitze zu treiben, man müsse auf dem Weg des Verneinens letztendlich auch zu einem Verneinen des Verneinens kommen.

Der Sozialpsychologe und Philosoph Erich Fromm, dessen 115. Geburtstag gerade vier Tage zurückliegt, hat sich viel mit Meister Eckhart beschäftigt. In seinen beiden wohl bekanntesten Büchern Die Kunst des Liebens (1956) und Haben oder Sein (1976) zitiert er den mittelalterlichen Denker immer wieder.

Erich Fromm diskutiert im dritten Kapitel von Haben oder Sein eine Predigt Eckharts über das Jesus-Wort aus der Bergpredigt: Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Himmelreich (Matthäus 5, 3). Eckhart definiert in seiner Predigt diese Armut so: Das ist ein armer Mensch, der nichts will und nichts weiß und nichts hat.

Nichts zu wollen, bedeute, überhaupt keine Begierden zu haben. Und Eckhart zählt auch das Gott-dienen-Wollen zu den Begierden. Nichts zu wissen, bedeute, nicht einem dogmatischen Wissen anzuhängen. Es bedeute aber nach Fromm nicht, zu vergessen, was man weiß, sondern dass man weiß. Ein Denken außerhalb dieses Armutsbegriffs (Fromm nennt es im Gegensatz zum Wissen im Haben ein Wissen im Sein) sei eines, das nie den Wunsch verspürt, stillzustehen, um Gewissheit zu erlangen. Zum Nicht-Haben erklärt Eckhart in seiner Predigt, dass er nicht nur der Welt ledig sein wolle, um eine Stätte Gottes zu sein, sondern Gott selbst sei die Stätte, in der er wirke. Dieser Gedanke steigert sich noch: Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache.


Ich war noch in der Grundschule, als ich zum ersten Mal auf Meister Eckhart stieß oder viel mehr gestoßen wurde. Die Tochter meines Babysitters, der Schule gerade entwachsen, schrieb in mein Poesiealbum folgendes Eckhart-Wort:

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.

Ich habe damals natürlich nicht genau verstanden, was das bedeuten soll. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie wusste, warum sie mir diesen Satz ins Album schrieb. Aber ich bin froh, diesen Satz schon so lange mit mir herumtragen zu können.

Die Predigten Meister Eckharts sind recht preiswert bei Reclam erschienen. Und von den beiden Werken Erich Fromms gibt es Taschenbuchausgaben bei Ullstein und dtv.