Anschlag auf Betende in Christchurch, Neuseeland

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KiwiMond_JesusWeint_Christchurch

Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.
Johannes 11, 34b–35

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Links
https://www.christchurchnz.com/
https://www.theguardian.com/world/video/2019/mar/15/mass-shooting-at-two-christchurch-mosques-video-report
https://edition.cnn.com/asia/live-news/new-zealand-christchurch-shooting-intl/index.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/christchurch-anschlag-auf-moschee-er-wollte-keine-ueberlebenden-a-1258021.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

Flagge zeigen!

Heute hat die deutsche Flagge Geburtstag, bzw. einen ihrer vielen Geburtstage. Denn die Farben Schwarz-Rot-Gold sind nicht nur älter als die Bundesrepublik und die Weimarer Republik, sondern sogar ein wenig älter als der Deutsche Bund von 1815. Denn davor kommen noch die Burschenschaft und das Lützowsche Freikorps der Befreiungskriege. Aber heute ist ein besonders rundes Jubiläum. Vor 100 Jahren beschloss der Staatenausschuss die Farben der deutschen Nationalflagge. Der Staatenausschuss war die Ländervertretung zur Zeit der Weimarer Nationalversammlung, quasi der Bundesrat der Übergangsphase.

Heute wissen wir, wie tragisch und brutal die Weimarer Republik endete. Doch das besudelt nicht die Farben Schwarz-Rot-Gold, die – nebenbei bemerkt – die Regeln der klassischen, aristokratischen Heraldik brechen. Bezeichnend ist nämlich, dass die Nationalsozialisten die Farben wieder abschafften. Statt der selbstbewussten bürgerlich-freiheitlichen Flagge wehte überall das heraldikkonforme Hakenkreuzbanner.


Für eine andere Entwicklung in Richtung Freiheit ist dieser Tag auch besonders wichtig. Die LGBT-Bewegung, deren Fortschritt ebenfalls am Wehen einer bestimmten Flagge abgelesen werden kann, kann heute bedeutender Ereignisse und Geburtstag gedenken. Ich liste sie in zeitlicher Reihenfolge auf:

  • 1895 – John Sholto Douglas, 9. Marquess of Queensberry lässt in seinem Club einen Brief übergeben für Oscar Wilde, den posierenden Sodomiten. Douglas ist der Vater von Alfred Douglas, dem Geliebten Oscar Wildes. Die quasi-öffentliche Betitelung als Sodomiten zwingt Wilde zu Verleumdungsklage. Diese wiederum führt zu Wildes strafrechtlicher Verurteilung wegen Homosexualität.
  • 1932 – Andreas Meyer-Hanno wird geboren. Der u. a. mit einem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Opernregisseur ist einer der wichtigsten Schwulenaktivisten der Bundesrepublik. Er setzte sich ein für das Mahnmal Homosexuellenverfolgung in Frankfurt a.M. auf dem dafür umbenannten Klaus-Mann-Platz. Es war das erste bundesdeutsche Denkmal für schwulen und lesbischen Opfer des NS-Regimes.
  • 1933 – Yoko Ono wird geboren. Sie ist nicht nur eine fantastische Künstlerin und die große Liebe von John Lennon; sie ist eine Menschenrechtsaktivistin, eine Kämpferin für den Frieden und die Gleichstellung von Homosexuellen. In der Komödie Jeffrey (1995) wird der schwule Innenarchitekt Sterling (Patrick Stewart) nach seiner größten erotischen Phantasie gefragt. Seine Antwort: einen Tee trinken mit Yoko Ono, um ihre Inneneinrichtung zu sehen.
  • 1937 – Der Reichsführer SS Heinrich Himmler hält in Bad Tölz eine Geheimrede vor den SS-Gruppenführern. In dieser Rede bezeichnet er Homosexualität als ein anormales Leben. Nach der relativen Zurückhaltung während der Olympischen Sommerspiele 1936 bedeutet dieses Rede die Rückkehr bzw. Ausweitung der Verfolgung von Homosexuellen.
  • 2006 – Die lesbische Polizistin Laurel Hester stirbt. Sie setzte sich erfolgreich dafür ein, dass ihre Partnerin nach ihrem krankheitsbedingt frühen Tod Anspruch auf Pensionszahlungen erhält, wie es bei heterosexuellen Paaren üblich ist. Julianne Moore spielt Hester im Film Freeheld (2015).

Vaterbilder – Band 2

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Vaterbilder Band 2

Der zweite und abschließende Band meines Projekts Vaterbilder ist gestern erschienen. Zur Feier dieser Publikation möchte ich hier das Vorwort wiedergeben:

Im Dezember 2002 begann ich mit dem Projekt, das mich fast 17 Jahre lang beschäftigen sollte; erst unter dem reißerischen Titel Vatermörder, später dann und etwas ruhiger als Vaterbilder.

Es ging und geht bis heute um Söhne, die ohne ihren leiblichen Vater aufwachsen. Viele dieser Söhne fanden sich von Projektbeginn an in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Weitere traf ich in meinem beruflichen Umfeld von Soziokultur, sowie Fort- und Weiterbildung.

Im September 2017 veröffentlichte ich endlich die ersten Interviews aus den Jahren 2003 und 2004, gemeinsam mit zwölf grafisch bearbeiteten Porträts der Interviewten. Darüber hinaus konnte ich mit zweien der ehemals jugendlichen Söhne noch einmal sprechen, nachdem sie mittlerweile selbst Väter von Söhnen geworden waren.

Im nun vorliegenden zweiten und abschließenden Band präsentiere ich 24 weitere Interviews, wieder mit zwölf Illustrationen, zu denen ich im letzten Abschnitt noch meine Überlegungen ausführe. Für zwei Gesprächspartner habe ich meine ursprüngliche Altersgrenze von 25 aufgehoben. Ich wollte ihre Lebensgeschichte unbedingt wiedergeben.

Abgerundet wird die Sammlung durch zwei zusätzliche Interviews von Söhnen, die bei ihrem leiblichen Vater, aber ohne ihre Mutter aufwachsen. Einer von ihnen ist der Stiefbruder von zwei Interviewpartnern des ersten Bandes.

Vaterbilder Band 2Alle in diesem Band versammelten Interviews wurden in den Jahren 2004 bis 2017 in Leipzig geführt. Die politischen Umbrüche von 1989/90 wirken hinein bis in die Familien meiner Gesprächspartner, sowie der technische Wandel. In manchen Interviews sind Handys und Computer sehr wichtig, in anderen werden sie noch nicht einmal erwähnt.

Trotzdem habe ich die Interviews nicht zeitlich nach ihrer Entstehung sortiert, sondern nach dem Alter meiner Gesprächspartner, weil mir die sich entwickelnde Sicht der Söhne auf ihren Vater wichtiger schien als die technischen Begleiterscheinungen des 21. Jahrhunderts.

Nach wie vor soll aber nicht eine bestimmte sozialwissenschaftliche Hypothese über die Implikationen der Vaterlosigkeit belegt, sondern die Lebenswelt von Söhnen beleuchtet werden, die in einer Familie aufwachsen, zu der ihr leiblicher Vater nicht zählt.

Die Studioatmosphäre des Interviews vermag es nicht, ein vollständiges Familienbild auszuleuchten, mit all seinen Schattierungen. Der geneigte Leser mag an manchen Stellen – bei besonders konfliktreichen Situationen – eine zweite Perspektive vermissen.

Doch hier steht ausschließlich der vaterlose Sohn im Rampenlicht. Gleich einer Brecht’schen Figur steht er am Bühnenrand und kommentiert das Geschehen für uns. Und wir sind eingeladen, wenigstens für die Dauer der Lektüre, seine Sicht zu teilen.

Nun liegen 17 Jahre der Projektarbeit hinter mir. Gerne sprechen Kreative von ihren Projekten wie von ihren Kindern. Fast volljährig wäre dieser Sohn heute, den ich zu seiner Geburt so vorschnell Vatermörder taufte. Jetzt wird es aber Zeit, ihn in die weite Welt zu entlassen, ihn freizugeben, bevor er sich noch gegen seinen Projektvater wendet.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/Vaterbilder
http://www.vaterbilder.de/

Blick zurück und Blick nach vorn

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Jahresrückblick

Das Jahr 2018 hat nur noch wenige Stunde vor sich. Da kann man langsam Rückschau halten. Da ich viel grafisch arbeite, habe ich mir aus meinem Fotoarchiv ein Bild des Jahres 2018 ausgesucht.

Jahresrückblick

Es ein Modell des Titelbildes meines gezeichneten Bilderbuches Wenn du nicht da bist …, welches seit dem Jahr 2018 in 18 Sprachen vorliegt. Das habe ich natürlich nicht allein gemacht. Freunde, die ich teilweise schon sehr lange kenne und teilweise erst im endenden Jahr kennengelernt habe, halfen mir bei den Übertragungen in ihre jeweilige Muttersprache. Allein schon für dieses Projekt bin ich dem Jahr 2018 dankbar.

Ich habe dem Foto eine Sepia-Färbung gegeben, da es ein wenig an Gold erinnert. Im kommenden Jahr feiern meine Eltern ihre Goldene Hochzeit. Die Liebe dieser zwei Menschen zueinander hat nicht nur mich und meine Geschwister hervorgebracht, sie ist mir auch ein Modell geworden für zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt und die Ehe als Ein- und Dauerpartnerschaft im Besonderen.

Anfang 2018 durfte ich als Trauzeuge einem guten Freund und seiner Braut eine ganz ähnliche Zukunft wünschen. Ich wäre zu der Feier in jedes Provinznest gefahren. Versprochen! Tatsächlich fand sie auf dem Kapitolinischen Hügel mitten in Rom statt. Das ist auf jeden Fall eine Erinnerung an 2018, die bleiben wird.

Ich weiß auch, dass nicht jedes Paar, das verliebt in die Ehe hineingeht, auch ein Leben lang in diesem Zustand verharrt. Meine Langzeitprojekt Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien beschäftigt sich ja damit. Ende 2017 habe ich den ersten Abschlussband veröffentlicht. Anfang 2019 wird der zweite und damit letzte Band erscheinen. Die Kraft dazu hat mir das noch laufende Jahr gegeben oder zumindest nicht nehmen können.

Gerade erst vor wenigen Wochen hat eine gute Freundin ihre Mutter verloren. So enden langjährige Beziehungen. Die Normalität des Todes lässt ihn aber nicht weniger bedrohlich, unheimlich, traurig scheinen. Er reißt Menschen aus unserer Mitte. Wir können es kommentieren, aber wir können es nicht ändern. Bei der nächsten Feier, zu der ich 2019 eingeladen werde, wird ein wichtiger Mensch fehlen. Auch das sieht man in meinem Foto.

Gerade heute fällt mir eine weitere mögliche Bedeutung für dieses Foto ein. Es sieht aus, als wäre in der Mauer vor der Person ein Durchgang, genau für sie gemacht. Vielleicht ist das der Weg zum neuen Jahr. Die kleine Person wird sich schon irgendwie durchwurschteln. Aber es würde auch nicht schaden, wenn sie noch etwas wüchse. Ich frage mich, ob ich im Jahr, aus dem wir heute Nacht gehen werden, wirklich alles gemacht habe, was ich hätte machen können. Habe ich mich meinen Mitmenschen gegenüber richtig verhalten? Habe ich meine Energie in die richtigen Projekte gesteckt? Bei kritischer Würdigung der vergangenen 365 Tage, muss ich gestehen, dass da doch wohl noch erheblich Luft nach oben ist. Das ist ein guter Vorsatz für das anbrechende Jahr: wachsen!

Wachsen – nicht im kapitalistischen Sinne. Da sind unserer Welt doch Grenzen gesteckt, die wir mehr und mehr zu sehen scheinen! Wachsen – in einem inneren, seelischen Sinne. Und auf diesem Gebiet müssen wir uns über Grenzen keine Sorgen machen.

Ich habe das Jahr 2018 mit so vielen guten und freundlichen Menschen verbracht: Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Kursteilnehmer, Besucher von VILLA-Angeboten. Die meisten Begegnungen waren positiv, fruchtbringend, unterhaltend, schön. In einem solchen Kreis von lieben Menschen fühle ich mich gut aufgehoben. Vielen Dank dafür!

Und das nächste Jahr? Was wird 2019 bringen? So Gott will und wir leben, soll es in meiner näheren Umgebung gern so weitergehen. Gegen die großen Weltthemen Hunger, Krieg und Umweltzerstörung werden wir mehr machen müssen. Wir werden über uns hinaus wachsen müssen. Aber heute Abend bin ich voller Zuversicht, dass uns das auch gelingen wird.

Söhne – Kalender 2019

Während noch der Dezember meines Kalenders 2018 im Zimmer hängt, verschenke ich in Familie und Freundeskreis den Kalender 2019. Er steht unter dem Motto: Söhne aus Rumpf- und Patchwork-Familien.

Die Porträts sind collagierte Weiterbearbeitungen der Bilder aus 144 Strichen, die teils bereits in meinem Buch Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien zu sehen sind und teils im zweiten Band der Vaterbilder zu sehen sein werden. Auf den Monatsblättern ist jeweils ein Zitat aus dem Interview des Porträtierten abgedruckt.

Kalender 2019-00 Titel

Ich wünsche uns allen, meiner Familie, meinen Freunden, Arbeitskollegen, flüchtigen Bekannten und jedem Menschen auf der Welt ein gesegnetes Jahr 2019.

Todestag von Amadeu Antonio Kiowa

Heute vor 28 Jahren starb Amadeu Antonio Kiowa mit 28 Jahren. Das heißt er ist nun schon so lange tot, wie er überhaupt leben durfte. Und am 9. Januar wird sein Sohn, der seinen Vater nie hat sehen können, so alt wie sein Vater war, als er von Rechten in Eberswalde erschlagen wurde.

Konstantin Wecker hat sein Lied Willy, das er 1977 für einen ebenfalls von rechten Schlägern getöteten Freund geschrieben hatte, an den neuen tragischen Vorfall angepasst.

Selbstverständlich ist jeder Mord schrecklich, tragisch und unerträglich. Dass aber Unschuldige nur aufgrund ihres Aussehens, ihrer offensichtlich anderen Herkunft getötet werden, erfüllt mich als Deutscher, der sich der deutschen Geschichte bewusst ist, mit besonderer Scham.

1998 wurde die Amadeu Antonio Stiftung gegründet. Ihr erklärtes Ziel ist die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Und diese Stiftung ist aktiv! Gerade jetzt wird eine Publikation zu Kindern Rechtsextremer in Kindergärten diskutiert.

Link
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/