Zuckerfest 2019 – Eid Mubarak!

Gestern Abend bzw. heute Morgen begann das Zuckerfest. Moslems feiern damit das Ende des Fastenmonats Ramadan. Es ist von der sozialen Bedeutung mit dem Weihnachtsfest zu vergleichen: die Familie steht im Vordergrund, es wird viel zu viel gegessen und die Kinder erhalten Geschenke.

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Für den jahreszeitlich geprägten Festkalender Deutschlands ist es eine Herausforderung, dass sich das Zuckerfest in jedem um zehn bis elf Tage verschiebt. Aber in gut 15 Jahren werden wir die Ähnlichkeit von Zuckerfest und Weihnachten leichter spüren können.

Ich wünsche all meinen muslimischen Freunden ein frohes und gesegnetes Zuckerfest.

Eid Mubarak!

Die 4. VILLA-Spendenrallye

Die VILLA in Leipzig ist als Soziokulturelles Zentrum das Dach, unter dem viele verschiedene Projekte laufen. Seit vier Jahren präsentiert die Spendenrallye eine bunte Auswahl dieser Projekte, welche gerade die Unterstützung durch Spenden besonders nötig haben. Gedacht ist das als ein spielerisch-sportlicher Wettbewerb, bei dem am Ende alle geförderten Projekte gewinnen – und damit eben auch alle Menschen, die in den Projekten mitarbeiten.

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In der VILLA liegt ein Flyer aus, der die neun Projekte der 4. VILLA-Spendenrallye vorstellt. Vom 22.05. bis zum 26.06. kann gespendet werden auf der Website der VILLA.

Werbung im Ramadan

Am kommenden Montag ist der Ramadan zur Hälfte rum. Mit vielen muslimischen Freunden spüre auch ich als Christ, dass dies eine besondere Zeit ist. Häufig überdeckt allerdings das europäischen Staunen über die sportliche Leistung des totalen Verzichts den Blick auf die theologische und zwischenmenschliche Bedeutung des Fastenmonats.

Ich fülle dieses Defizit mit einer ansatzweise kulturwissenschaftlichen aber dann doch nicht systematischen Betrachtung der kommerziellen Welt: Werbung im Ramadan.

Es ist wohl zu vergleichen mit der Werbung in der Advents- und Weihnachtszeit. Für die festliche Zeit der westlichen Welt produzieren Unternehmen spezielle Werbespots, die vereinzelt das christliche Geschehen, vor allem aber Gemütlichkeit und die Figur des Weihnachtsmanns zum Thema haben. Am Ende eines solchen Spots wünscht das Unternehmen seinen Kunden – oder auch dezidiert allen Menschen – eine frohe, besinnliche, friedliche Weihnachtszeit.

Hier möchte ich ein paar Videos des Ramadan 2019 vorstellen. Ich kommentiere sie nicht großartig; nenne nur kurz Marke bzw. Produkt bzw. was mir am Spot auffällt.

Zain, das Telekommunikationsunternehmen aus Kuwait hat bereits eine lange Tradition von Ramadan-Werbespots epischen Ausmaßes. Vor zwei Jahren habe ich bereits darüber geschrieben. In diesem Jahr geht es um die Gemeinsamkeiten von Christen und Muslims. Um ehrlich zu sein: dieser Spot ist auch der Grund für meinen heutigen Blog-Eintrag.
Weitere Videos von Zain: https://www.zain.com/en/media-center/video-gallery/

BMW muss ich wohl nicht vorstellen. BMW Middle East stellt uns die Geschichte von zwei Brüdern vor. Und gibt dem Zuschauer mit auf den Weg: Vergebung erhellt den Weg, der vor uns liegt.

Coca-Cola hat in diesem Jahr einen kürzeren Ramadan-Spot produziert. Aber schön ist er trotzdem.

Hyundai hat gleich für jede Woche des Ramadan einen anderen Film produziert – unter dem Motto: together on the path of blessings with hyundai. Wir sehen, Kinder dürfen selbstverständlich auch im Ramadan tagsüber essen.

Das Interessante bei der Tunisie Telecom ist wohl, dass beim Fastenbrechen alle Gäste ihr Handy in einem Korb ablegen, bis sie merken, dass man darauf auch Gesellschaftsspiele kann.

Bei Big Bazaar, einer Einzelhandelskette aus Indien, sehen wir eine muslimische Ärztin, die ihr Iftar-Mahl verschiebt, um das Kind einer hinduistischen Mutter zu entbinden.

Beim indischen Automobilhersteller Tata Motors bedanken sich die Kinder der Grundschule bei ihrem Busfahrer.

Zum Abschluss noch etwas Leichtes vom pakistanischen Speiseöl Mezan.

Vom Personen- zum Markennamen

Heute ist der Geburts- bzw. Todestag von Menschen, die ihren Namen im herkömmlichen Sinne unsterblich gemacht haben. Das schreit nach einer Top-Five-Liste (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Carl Joseph Meyer (09.05.1796–27.06.1856) – Er gründete das Bibliographische Institut, zu dem heute auch der Duden-Verlag gehört. Meyers Konversations-Lexikon war jahrzehntelang die größte Konkurrenz zur Brockhaus Enzyklopädie.
  • August Friedrich Pauly (09.05.1796–02.05.1845) – Für Altphilologen und Historiker ist Der Kleine Pauly, die Kurzfassung der Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, immer noch ein Standardwerk.
  • Adam Opel (09.05.1837–08.09.1895) – Das heute etwas glücklose Auto trägt den Namen des Rüsselsheimers, der sich so schöne auf Popel reimt.
  • Apollonia Margarete Steiff (24.07.1847–09.05.1909) – Durch Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt, beschäftigte sie sich mit der Nähmaschine und gründete schließlich das Unternehmen, dem die Erfindung des Teddybären zugesprochen wird.
  • Vidal Sassoon (17.01.1928–09.05.2012) – Ich wusste bis dato nicht, dass dies der Name eines Menschen ist. Aber mit Friseuren und Haarpflegeprodukten kenne ich mich eben auch nicht so aus. Sein Leben lässt sich als Traum vom armen Haarwäscher zum Millionär beschreiben.

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Zehn musikalische Geburtstage

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen Musik in der Luft liegt. Nicht des aktuellen Wetters wegen. Das ist ja eher untypisch für einen Mai des 21. Jahrhunderts. Aber ich habe seit langer Zeit wieder mal ein Lied geschrieben, bzw. ein bestehendes Lied in die deutsche Spreche herüber gerettet. Ich denke, am nächsten Montag werde ich es in der VILLA zuur OpenStage spielen.

Heute ist außerdem einer dieser Tage, der unserer Welt bedeutende Musiker geschenkt hat. Deshalb eine meiner geliebten Top-Five-Listen von Musikern, die heute Geburtstag feiern (in zeitlicher Reihenfolge), die ich auf Grund der besonderen Häufung auf eine Top-Ten-Liste erweitere:

  • Bing Crosby (1903–1977) – Er lieh White Christmas von Irving Berlin seine Stimme. Gemeinsam sind sie unsterblich und zur Zeit auf Platz zwei der größten Verkaufserfolge aller Zeiten (nach Candle in the Wind).
  • Colorado Pete (1909–1969) – Er war einer der Singin‘ Cowboys der 30er und 40er Jahre. Er war vor allem ein Radio-Phänomen. KMBC 980 Kansas City – Brush Creek Follies ist teilweise bei YouTube zu finden und tatsächlich höhrenswert.
  • Pete Seeger (1919–2014) – Der linke Umweltaktivist war über Jahrzehnte das Epizentrum der US-amerikanischen Folk-Szene. Sein Erbe sind unvergessliche Songs wie: Where Have All the Flowers Gone, We Shall Overcome und If I Had a Hammer.
  • Dave Dudley (1928–2003) – Er machte den Cowboy der Country-Musik zum Fernfahrer. Ich liebe sein Lied Six Days on the Road. In Deutschland haben Truck Stop ihm einen Song verehrt: Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hörn.
  • James Brown (1933–2006) – Beim Godfather of Soul fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Daher nur ein paar Songtitel, die für sich sprechen: I Got You (I Feel Good), It’s a Man’s Man’s Man’s World, Sexmachine, Living in America.
  • Georges Moustaki (1934–2013) – Édith Piaf, Dalida und Yves Montand sangen seine Lieder. Er komponierte und textete. Von ihm stammt beispielsweise der Text des großartigen Milord.
  • John Primer (*1946) – Er hat in den Bands von Willie Dixon und Muddy Waters gespielt. Aber auch als Frontmann macht er eine gute Figur. Ach, es gibt so viele Musiker, die man einfach nicht genug würdigt. Und die Zeit ist so begrenzt.
  • Mary Hopkin (*1950) – Mit 18 Jahren sang sie ihren Hit Those Were the Days, den man bis heute kennt. Zwei Jahre später brachte sie mit Knock Knock Who’s There dem Vereinten Königreich beim Grand Prix (jetzt ESC) einen respektablen zweiten Platz.
  • Rea Garvey (*1973) – Man kennt den gebürtigen Iren wohl vor allem als Frontmann der Band Reamonn und als Coach bei The Voice of Germany.
  • Sidney Royel Selby III (*1997) – Unter dem Namen Desiigner brachte er den Rap-Song Panda heraus, der von Billboard auf Platz 24 der 100 wichtigsten Songs 2016 gelistet wird. Mich verstört das Video ein wenig. Aber Kanye West hat den Song bereits versampelt.

Sie passt nicht direkt in diese Liste. Aber ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass heute vor 128 Jahren die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt geboren wurde. Ihre Säk’schen Glassigger zeugen von einer hohen Musikalität der Leipzigerin. Herzlichen Glückwunsch!

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Geburtstag von fünf Autorinnen

Heute ist der Geburtstag des britischen Schriftstellers Nick Hornby. Sein bekanntestes Buch ist wohl About a Boy (1998), das mittlerweile sowohl im Kino (2002) als auch in einer TV-Serie (2014/15) weitere Rezipienten fand. Den Titel entlieh Hornby, so heißt es, dem Nirvana-Lied About a Girl. Da ist es nur gerecht, wenn wir neben Hornby eine Top-Five-Liste weiblicher Autoren erstellen, die heute ebenfalls Geburtstag haben (in zeitlicher Reihenfolge).

  • Eliza Acton (1799–1859) – Acton blieb unverheiratet, lebte mit ihrer Mutter und schrieb romantische Gedichte. In die Geschichte eingegangen ist sie aber mit ihrem Kochbuch Modern Cookery for Private Families von 1845.
  • Ida Boy-Ed (1852–1928) – Mit 17 Jahren verheiratet, verließ sie acht Jahre später ihren Mann und schrieb Romane, Erzählungen sowie journalistische Beiträge. In Lübeck unterhielt sie einen Salon und gehörte zu den frühen Förderern von Thomas Mann und Wilhelm Furtwängler. Sie ist auf dem Beitragsbild zu sehen.
  • Tania Blixen (1885–1962) – Sie stammt aus Dänemark und ist eine weitere selbstbestimmte Frau, die sich durch Scheidung ihres Lebemanns entledigte. Man kennt sie heute vor allem als afrikanische Farmerin. Afrika – dunkel lockende Welt von 1937 gibt Auskunft über diese Zeit. 1985 wurde sie mit Meryl Streep als Blixen preisgekrönt unter dem Titel Jenseits von Afrika verfilmt.
  • Helen Meier (*1929) – Ich kenne ihre Werke nicht. Aber die ausgebildete Grundschullehrerin beschäftigt sich in ihren Büchern mit den drei Themen: Altern, gescheiterte Lebensläufe und unerfüllte Liebe.
  • Joanna Murray-Smith (*1962) – Sie zählt heute zu den bedeutendsten Autorinnen Australiens. Ihre Bühnenstücke werden auch am Broadway gezeigt, u.a. 1998 mit Meryl Streep im Stück Honour, in dem es um Ehebruch geht.

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Tausend Jahre sind ein [Frei-]Tag

Zur Zeit wiederholt der Bayerische Rundfunk die wunderbare Zeichentrickserie Es war einmal … der Mensch. Der französische Autor/Zeichner/Regisseur Albert Barillé erschuf diese Serie 1978. Zwei Jahre erweiterte sie meinen Bildungskanon als Grundschulkind. Die Serie führt breit angelegt durch die Geschichte der Menschheit; beginnt dabei noch etwas vorher bei der Entstehung der Erde und endet mit dem Verlassen des Planeten, weil dieser durch Umweltverschmutzung unbewohnbar geworden ist.

Besonders geliebt habe ich das Titellied von Udo Jürgens (mit dem Text von Siegfried Rabe): Tausend Jahre sind ein Tag. Heute höre ich bei YouTube eine alte Version aus dem Jahre 1980 und die Fassung von Udo Jürgens’ letztem Konzert 2014 in Zürich. Beide sind so schön, dass ich sie hier mit einbinden möchte. Ich muss bei dem Text an Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future denken, bzw. an die Reaktionen, die beide bei den konservativen und liberalen mehrheitlich auslösen.

 

Link
https://www.br.de/mediathek/sendung/es-war-einmal-der-mensch
http://www.hellomaestro.de/der-mensch

Top-Five-Liste am heutigen Tag verstorbener Regisseure

Heute vor 63 Jahren starb Emil Nolde in Seebüll. Ich habe seine expressionistischen Bilder immer geliebt. Ich bin aufgewachsen mit der Vorstellung, dass Nolde als entarteter Künstler selbstverständlich zu Guten gehören musste. Erst viel später lernte ich, dass Nolde nicht nur der NSDAP angehört hatte, sondern dass er sich auch immer wieder deutlich antisemitisch geäußert hatte. Seinen Malstil lehnten die Nazis allerdings trotzdem ab.

Emil Nolde ist also neben Michael Jackson ein weiteres bzw. älteres Beispiel für die Frage, ob man Werk und Autor trennen könne. In gewisser Weise gibt es bei Nolde bereits eine Antwort: Seine Freunde trennten Werk und Autor. Sie hielten Nolde in den Reihen der Partei, ließen ihn aber nicht mehr seine Bilder ausstellen. Können, sollten, dürfen wir entsprechend umgedreht mit ihm verfahren? Oder sind seine Werke ebenso abzulehnen wie das Verhalten der Person?

Das werden wir mit einem kurzen Blogeintrag nicht lösen können. Dazu sind bereits dicke Bücher geschrieben worden und der Feuilleton versucht sich immer wieder dazu. Wir wenden uns daher einem anderen Thema zu, meinem Steckenpferd, den Top-Five-Listen.

Heute präsentiere ich eine Top-Five-Liste von Regisseuren, die an einem 13. April verstarben (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Veit Harlan (1899–1964) – Mit Harlan sind wir noch nicht weit von Nolde weggekommen. Harlan ließ sich von seiner ersten Frau scheiden, weil sie Jüdin war. Sie wurde im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Heute kennt man Harlan vor allem durch den Propaganda-Film Jud Süß, der bis heute nur mit fachlicher Begleitung gezeigt werden darf. Interessant ist aber auch die Geschichte um sein Spätwerk Anders als du und ich (§ 175) / Das dritte Geschlecht. Harlan ist über seine Nichte Christiane verschwägert mit Stanley Kubrick.
  • Lee Man-hee (1931–1975) – Bevor der Südkoreaner mit nicht mal 44 Jahren an Leberzirrhose starb, drehte er 51 Filme ganz unterschiedlicher Genres; darunter Horror, Thriller, Mystery, aber auch Kriegs-/Nachkriegsfilme. Late Autumn von 1966 erlebte in den Jahren 1972, 1975, 1982 und 2010 bereits vier Remakes.
  • Francisc Munteanu (1924–1993) – Der Rumäne kam vom Roman zum Drehbuch und schließlich selbst zum Regiestuhl. Der sonst Regimegetreue soll 1972 in Die Heilige Therese und die Teufel die erste komplette Nacktszene in einem sozialistischen Film gedreht haben.
  • József Gémes (1939–2013) – Hier wechseln wir deutlich das Genre. Er gilt als der bedeutendste Trickfilmzeichner/-regisseure Ungarns. Bekannt ist wohl besonders der Animationsfilm The Princess and the Goblin aus dem Jahre 1991 als internationale Koproduktion.
  • Miloš Forman (1932–2018) – Der gebürtige Tscheche ist uns heute als ein großer Mann aus Hollywood bekannt: Einer flog über das Kuckucksnest (1975), Hair (1979), Amadeus (1984), Mondmann (1999). Die werden bleiben!