Söhne – Kalender 2019

Während noch der Dezember meines Kalenders 2018 im Zimmer hängt, verschenke ich in Familie und Freundeskreis den Kalender 2019. Er steht unter dem Motto: Söhne aus Rumpf- und Patchwork-Familien.

Die Porträts sind collagierte Weiterbearbeitungen der Bilder aus 144 Strichen, die teils bereits in meinem Buch Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien zu sehen sind und teils im zweiten Band der Vaterbilder zu sehen sein werden. Auf den Monatsblättern ist jeweils ein Zitat aus dem Interview des Porträtierten abgedruckt.

Kalender 2019-00 Titel

Ich wünsche uns allen, meiner Familie, meinen Freunden, Arbeitskollegen, flüchtigen Bekannten und jedem Menschen auf der Welt ein gesegnetes Jahr 2019.

Todestag von Amadeu Antonio Kiowa

Heute vor 28 Jahren starb Amadeu Antonio Kiowa mit 28 Jahren. Das heißt er ist nun schon so lange tot, wie er überhaupt leben durfte. Und am 9. Januar wird sein Sohn, der seinen Vater nie hat sehen können, so alt wie sein Vater war, als er von Rechten in Eberswalde erschlagen wurde.

Konstantin Wecker hat sein Lied Willy, das er 1977 für einen ebenfalls von rechten Schlägern getöteten Freund geschrieben hatte, an den neuen tragischen Vorfall angepasst.

Selbstverständlich ist jeder Mord schrecklich, tragisch und unerträglich. Dass aber Unschuldige nur aufgrund ihres Aussehens, ihrer offensichtlich anderen Herkunft getötet werden, erfüllt mich als Deutscher, der sich der deutschen Geschichte bewusst ist, mit besonderer Scham.

1998 wurde die Amadeu Antonio Stiftung gegründet. Ihr erklärtes Ziel ist die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Und diese Stiftung ist aktiv! Gerade jetzt wird eine Publikation zu Kindern Rechtsextremer in Kindergärten diskutiert.

Link
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/

Geburtstage der Wanderer zwischen den Welten

Es gibt diese berühmten Persönlichkeiten, bei deren Zuordnung man Probleme hat. Nenn man beispielsweise im Deutschen Reich geborene Menschen jüdischer Abstammung, die in die USA flohen und dort zu Ruhm und Ehren kamen, Deutsche, Juden oder Amerikaner? Es kommt wohl ganz auf den Einzelfall an. Schriftsteller im Exil blieben meist Deutsche, unabhängig der Staatsbürgerschaft. Naturwissenschaftler verbinden wir dann wohl eher mit ihrer konkreten Wirkungsstätte.

Auch in anderen Fällen kann die individuelle Biographie von historischen Umwälzungen gekreuzt werden. Dann finden wir die Persönlichkeit plötzlich auf zwei Seiten wieder. Heute gibt es eine Top-Five-Liste von Geburtstagskindern, die sich auf unterschiedlichen Feldern aber immer auch zwischen den Welten bewegten.

  • Bāyezīd II. (1447–1512) – Als Sultan des Osmanisches Reiches nahm er die aus Spanien vertriebenen Juden auf. Er soll dazu gesagt haben: Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.
  • Nikolaus von Amsdorf (1483–1565) – Er war 1542 in Naumburg der erst lutherische Bischof, der in Deutschland eingesetzt wurde. Sein katholischer Konkurrent und Nachfolger Julius von Pflug war dann bereits der letzte Bischof in Naumburg überhaupt. In der Rechtfertigungslehre vertrat er pointiert die extreme Position: gute Werke sind schädlich zur Seligkeit.
  • Joseph Conrad (1857–1924) – Als Sohn polnischer Adeliger im russischen Reich in Berdytschiw geboren, das heute in der Ukraine liegt. Erst in seinen Zwanzigern lernte er Englisch. Heute gilt er als einer der wichtigsten englischsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Zum Thema Sprache wusste er auch: Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übriggeblieben ist.
  • Anna Freud (1895–1982) – Sie ist mit dem berühmten Namen zuallererst als Sigmund Freuds bekannt. Doch ihre eigenen Beiträge gerade zur Kinderpsychoanalyse sind bemerkenswert. Ein schöner Spruch von ihr für jedes Poesie-Album lautet: Wie wunderbar ist es, dass niemand auch nur einen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern.
  • Katarina Witt (*1965) – In den 80er Jahren war sie die Eiskunstläuferin der DDR schlechthin. Olympia- und Weltmeistertitel häuften sich bis 1988. 1994 trat sie erneut an, diesmal für das wiedervereinigte Deutschland. Sie belegte einen respektablen 7. Platz bei Olympia und wurde deutscher Vizemeister. Hier kommt kein Zitat aber ein bemerkenswerter Fun Fact: Der Playboy von 1998 mit Aktbildern von Katarina Witt ist nach dem mit Marilyn Monroe erst die zweite Ausgabe, die weltweit ausverkauft war.

Künstliche Intelligenz und der Sonntag

Es ist Sonntag. Ich habe keine weiteren Verpflichtungen. Sogar die Weihnachtsgeschenke sind noch vor Beginn der Adventszeit gebastelt. Jetzt könnte ich mich um mein nächstes Buchprojekt kümmern. Das werde ich natürlich auch noch machen. Vorher erlaube ich mir allerdings noch ein wenig Müßiggang. Das steht dem Prinzen zu.

Vor einigen Wochen lag der Wochenzeitung Die Zeit ein Werbemagazin von Google bei: AUFBRUCH Künstliche Intelligenz – Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert. Ich bin natürlich weit davon entfernt, Werbung für einen der größten Datenkraken unserer Zeit zu machen. Aber beim Durchblättern dachte ich so bei mir, dass wir vielleicht wirklich ein wenig unfair bei der Beurteilung sind. Künstliche Intelligenz, neuronale Netzwerke, selbstlernende Maschinen sind eine große Chance für die Menschheit. Statt Google vorzuwerfen, dass es dort investiert, sollten wir andere fragen, warum sie es nicht tun.

Ich hatte bei einem Glas Wein im Freundeskreis schon einmal die Idee ausgesponnen, Facebook müsse enteignet werden und der UNO überschrieben werden. Dann sollte ganz ohne Werbung und weitere versteckte Agenda jedem Erdenbürger bei Geburt ein Konto zugeteilt werden. Daran verknüpft sich selbstverständlichen die Forderung zur Ausstattung der Dritten Welt mit Computern und dem Ausbau des schnellen Internets in schwierigen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern. Aber das ist wirklich eher etwas für Wein-Abende.

So, oder so, wir müssen uns mit den Digitalen Fragen beschäftigen. Wie versetzen wir die heutigen Schüler in die Lage, ein unabhängiges Urteil zu fällen? Oft kommen die Vorschläge Richtung digitalisierter Unterricht. Doch ich denke schon lange, dass ein Smart-Board im Klassenzimmer nicht gleich die Fähigkeit stärkt, über Big-Data, Chancen und Risiken von Netzwerken, Internet der Maschinen usw. nachzudenken. Peter Dabrock, Professor für Systematische Theologie und Vorsitzender des Deutschen Ethikrats kommt in besagter Google-Publikation mit einem kurzen Interview zu Wort. Dort sagt er zum Abschluss, dass er die Klassische Bildung für geeignet hält:

Sie vermittel[t], was ich Differenzkompetenz und Ambiguitätssensibilität nenne – dass man achtsam wird oder bleibt für die feinen Unterschiede, für nicht eindeutige Sachverhalte und individuelle Besonderheiten. Die Bibel, Goethes Faust, Mathematik, zwei Fremdsprachen, Musik und Sport – das scheint mir ein gutes Paket zu sein, um mit den Herausforderungen zurechtzukommen, die durch künstliche Intelligenz entstehen.

Man darf wohl nicht überbewerten, dass Herr Professor Dabrock in seinem Bildungskanon die Naturwissenschaften und den Geschichtsunterricht unterschlägt, sowie Kunst, Hauswirtschaftskunde und ausgerechnet Ethik bzw. Religion. Auch hat er sich mit diesem Satz sicher nicht gegen Informatik-Unterricht ausgesprochen. Ich kann ihm nur zustimmen!

Eigentlich wollte ich aber nur sonntäglich-leicht über eine Website von Google erzählen. Quick, Draw! ist ein Online-Spiel von Google, hinter dem ein neuronales Netzwerk steckt, das lernt, menschliche Krakelzeichnungen schnell zu entziffern. Für jede Zeichnung hat man 19 Sekunden Zeit. Nicht alle meine Versuche hat das Netzwerk erkannt – manchmal verständlicherweise, manchmal nicht.

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Link
https://quickdraw.withgoogle.com/

Welt*Weih*Nacht in der VILLA

Wie sich das Jahr dem Ende entgegenneigt, steigt die Anzahl von Einladungen zu Weihnachtsfeiern. Auch die VILLA ist dieser Tradition verbunden. Seit einigen Jahren feiern wir unter dem gleichbleibenden Motto Welt*Weih*Nacht. Es erinnert uns daran, dass, wenn auch das Weihnachtsfest ein christliches Fest ist, wir alle miteinander feiern wollen, in unserer Buntheit, Andersartigkeit. Das funktioniert sehr gut – in unserer VILLA.

In der Welt haben wir Menschen leider nicht so viel Glück, Geschick oder guten Willen. Deshalb ist unsere Einladungskarte in diesem Jahr auch ein wenig düsterer ausgefallen:

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Gefeiert werden darf aber trotzdem. Wir müssen doch im friedlichen Miteinander mit gutem Beispiel vorangehen. Und durch eine Tombola und eine Umfrage sammeln wir Spenden für den Förderverein VILLA e.V.

Also: Montag, der 10. Dezember ab 19:00 Uhr – Welt*Weih*Nacht mit Mitbringbüffet, Tombola, Spendenumfrage und natürlich OpenStage

Das neue offizielle Porträt

Elisabeth II., die Königin von England, soll bisher 129 Mal für ein offizielles Porträt Modell gesessen haben. Auf Münzen des Vereinigten Königreichs gibt es sie allerdings nur in fünf Versionen. Das schreit ja förmlich nach einer meiner geliebten Top-Five-Listen der Porträt-Urheber (nach Erscheinungsdatum des Porträts):

  • Mary Gillick (1953)
  • Arnold Machin (1968)
  • Raphael Maklouf (1985)
  • Ian Rank Broadley (1998)
  • Jody Clark (2015)

So viele Künstler gibt es noch nicht, die gerne ein Porträt von mir erstellen wollen; Dean Nixon, der Fotograf aus Neuseeland, ist unter den Wenigen und Tom Schulze, der die Vorlage für das heute vorgestellte Bild lieferte. Das eigentliche Bild ist ein „Abfallprodukt“ meines Kalenders Söhne aus Rumpf- und Patchwork-Familien 2019. Das möchte ich gerne hier noch einmal präsentieren:

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75 Jahre Joni Mitchell

Heute ist Joni Mitchell 75 Jahre alt. Sie ist für mich eine Wichtige Kraftquelle und Inspiration. Ihre Musik und ihre Texte bedeuten mir seit Jahrzehnten unglaublich viel. Und die Tatsache, dass sie viele ihrer Plattencover selbst gestaltet hat, dient mir auch innerlich als Rechtfertigung für das eigene Komplettpaket.

Eigentlich sollte ich einen langen Aufsatz schreiben über bestimmte Alben und die Songs darauf, die verwendeten Instrumente, die Liebschaften, die Künstler, die von Joni Mitchell beeinflusst wurden usw. usf. Aber ich beschränke mich auf eine Top-Five-Liste – nicht meiner Lieblingssongs von ihr, sondern – von Cover-Versionen anderer Künstler:

  • Carey – mit halbem Tempo live von Cindy Lauper; sehr hypnotisch!
  • Big Yellow Taxi – von Bob Dylan in einer seiner schlimmeren Phasen, aber so habe ich das Lied eben kennengelernt.
  • Got ′til it′s gone – eigentlich ein eigenständiges Lied von Janet Jackson; aber mit wichtigem Hook-Line-Sample aus Big Yello Taxi; auch im Video kann man Joni Mitchell entdecken.
  • A Case of You – von Prince am Klavier gerade erst postum veröffentlicht.
  • Both Sides NowCleo Laine machte aus dem Folksong eine klassische Nummer; Joni Mitchell selbst kopierte später diesen Stil.

Und zum Abschluss ein mittlerweile 5 Jahre altes Interview mit ihr:

Geburtstag bedeutender Frauen

Wenn ich meine Top-Five-Listen zu einem Tag erstelle, suche ich normalerweise Berufe aus: Maler, Schriftsteller, Musiker. Meist sind es Männer, nicht weil ich ihnen den Vorzug gäbe, sondern weil sich die Geschichtsschreibung bisher auf Männer konzentrierte. Es ist ja im Wandel. Und in allen drei vorgenannten Disziplinen weiß ich zumindest einige Frauen in meinen persönlichen Favoritenlisten.

Heute möchte ich eine Top-Five-Liste von weiblichen Geburtstagskindern schreiben:

  • Anna Maria von Schürmann (1607–1678) – Eine niederländische Universalgelehrte, die zehn Sprachen beherrschte. Für den Besuch der Universität wurde ihr ein Holzverschlag gebaut. So störte sie nicht die Männerwelt.
  • Catherine „Kitty Clive“ Raftor (1711–1785) – Schauspielerin und Sängerin in London. Sie sang beispielsweise die Delilah in der Uraufführung von Händels Oratorium Samson.
  • Vivien Leigh (1913–1967) – Es bleibt vor allem der Oscar für ihre Rolle der Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht. Doch das ist wohl das Einzige, was sie mit den Südstaaten verbindet. Eigentlich war sie eine britische Theatergröße.
  • Gisela Andersch, geb. Dichgans (1913–1987) – Den Nachnamen bekam sie von ihrem zweiten Ehemann Alfred Andersch. Bis heute ist der Malerin und Grafikerin hauptsächlich für Buchgestaltungen bekannt.
  • Elke Sommer (*1940) – Die Pastorentochter ist vor allem als Schauspielerin bekannt. Sie gehört zu den wenigen Deutschen, die auch in Hollywood Karriere gemacht haben. Und sie teilt das Schicksal aller hübschen Frauen, in einer Männerwelt immer wieder auf das Aussehen reduziert zu werden.