Schlagwort-Archiv: Bremen

Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt Christi ist in der Bildenden Kunst schon oft recht unbeholfen dargestellt worden. Und spätestens seitdem es Fahrstühle, Skilifte und Flugzeuge gibt, ist unsere Vorstellung von der Himmelfahrt stark auf das Körperliche beschränkt und so dem vernünftigen modernen Menschen kaum vermittelbar.

Jesus lebt nicht mehr unter uns, sondern ist im Himmel beim Vater. Das lässt uns erstmal etwas unsicher zurück. Aber löst uns auch von der Ortsbindung. Wir müssen nicht sein, wo Jesus ist. Wir können in der ganzen Welt leben und wirken, wie Christus uns aufforderte zu tun. Diese neue Freiheit ist genauso eine neue Verpflichtung. Dafür kommt uns in zehn Tagen der Heilige Geist zu Hilfe.

Mein Foto zeigt eine transzendente Lesart, die dann auch schon in Richtung Pfingsten weist. Wir sehen die alten Gemäuer des St. Petri Doms zu Bremen, eine Plexiglasscheibe mit einer zweisprachigen Aufforderung zu verweilen und einen modernen Menschen, der mit einem Smartphone ein Foto schießt. Ob dieses Foto von Anfang an ein Selfie werden sollte oder den Text der Plexiglasscheibe festhalten, um die Informationen weiterzusenden, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen.

Link
https://dommuseum-bremen.de/
https://stpetridom.de/

Quasimodogeniti

In der Nachfolge Christi sind wir alle Kinder Gottes und somit auch Erben des Reiches. Gott schenkt uns diesen Neubeginn. Wir dürfen auf ihn vertrauen wie die neugeborenen Kinder (quasi modo geniti infantes).

In der Bremer Kunsthalle habe ich ein lichtdurchflutetes Idyll gesehen, was ich für diesen Tag ausgewählt habe: Auf dem Ausschnitt von Im Waisenhaus (1886) von Gotthard Kuehl (1850–1915) sind zwei Waisenjungen mit einem Brief zu sehen. Meldet sich dort ein Wohltäter, ein entfernter Verwandter? Es scheint keine schlechte Nachricht zu sein, aber vielleicht eine, die der Ältere noch nicht recht glauben mag.

Link
https://www.kunsthalle-bremen.de/

Ostermontag

Die Geschichte von Jesus ist voll von feministischen Ansätzen, bevor die katholische Kirche zu einem Klub von alten Männern gerann und diese über Jahrhunderte unterdrückte. Ein besonderes Beispiel ist Maria Magdalena, die als Erste den Auferstandenen am Ostermorgen sah. Ihre Frömmigkeit kann uns ein Beispiel sein.

1626 haben Peter Paul Rubens (1577–1640) und Jan Breughel der Jüngere (1601–1678) diesen Augenblick eingefangen. Rubens malte die Personen, Breughel die Pflanzenwelt.

Link
https://www.kunsthalle-bremen.de/

Ostersonntag

Jesus ist nicht tot. Jesus lebt. Und wenn wir ihn bei den Toten suchen, werden wir ihn nicht nur nicht finden können, sondern auch unser eigenes Leben vertun. In der Nachfolge des Auferstandenen aber liegt die Hoffnung auf ein sinnerfülltes Leben.

Dieser Ausschnitt aus einem unbetitelten Werk, welches 2022 von der Ulmer Künstlerin Elif Celik (*1997) geschaffen wurde, drückt für mich dieses österliche Wunder aus, den Wandel vom Toten zum Lebendigen. Mehr schreibe ich heute nicht.

Links
https://www.kunsthalle-bremen.de/
https://www.elifcelik.de/

Karsamstag

Der Karsamstag heute ist so ein schmuckloser Tag dazwischen – noch nicht Ostern, aber auch nicht mehr der Karfreitag als Todestag. Es ist ein stiller Tag, an dem wir eingeladen sind, die Trauer und Leere Jesu Jünger nachzuspüren.

Es gibt seltene Darstellungen Jesu im Grab, die zu diesem Tag passend sind, und Darstellungen Jesu als Schmerzensmann wie diese von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553). Es ist weniger konkret in die Erzählung eingebettet als der Ecce homo, dem der titelstiftende Pilatus zur Seite gestellt sein kann, sondern eher eine entrückte Meditationshilfe mit allen Marterwerkzeugen und den Wunden der Kreuzigung.

Link
https://dommuseum-bremen.de/
https://stpetridom.de/

Karfreitag

Karfreitag, der traurige Höhepunkt der Karwoche: Kreuzigung und Tod Jesu Christi. Der Triumphzug zum Palmsonntag verkehrt zum Leidensweg, der Via Dolorosa.

In einem Saal der Kunsthalle Bremen sah ich viele verschiedene Plastiken in einem merkwürdigen Zug aufgereiht. Ich kann nicht sagen, was die Kuratoren der Kunsthalle mit diesem Zug aussagen wollten. Von hinten fotografiert, erinnert es mich an den Leidensweg Jesu durch die Straßen von Jerusalem – gegeißelt, verspottet, gekrönt mit einer Dornenkrone. Und die Schaulustigen erfreuen sich an fremdem Leid, ohne zu ahnen, was hier gerade Weltbewegendes geschieht.

Links
https://www.kunsthalle-bremen.de/

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag nimmt die Geschichte um die Passion Jesu richtig Fahrt auf. Erst feiert er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl, welches seitdem für Christen in der Welt eine wichtige heilige Handlung darstellt, dann betet er im Garten von Gethsemane und wird von Judas verraten, bevor er schließlich die ganze Nacht vom Hohen Rat, von Herodes und von Pilatus verhört wird.

Diese Darstellung des letzten Abendmahls habe ich im Bremer Dommuseum gesehen. Es war der Giebelschmuck einer Sakramentsnische (Anfang des 15. Jahrhunderts). In der Schale vor Jesus hat sich das Brot nach seinen berühmten Einsetzungsworten in ein Lamm verwandelt. Jesus selbst ist das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

Link
https://dommuseum-bremen.de/
https://stpetridom.de/

Palmsonntag

Mit Palmsonntag beginnt die letzte und zentrale Woche der Fastenzeit, welche auch die Karwoche genannt wird. Kar kommt vom althochdeutschen chara und bedeutet Wehklage oder Trauer. Das englische Verb care ist damit verwandt und das deutsche Adjektiv karg.

Heute beginnt es also, das Leiden Jesu Christi, mit dem Einzug in Jerusalem. Doch der Anfang ist triumphal! Wie ein König wird Jesus begrüßt, Palmenzweige und Tücher werden vor ihm auf dem Boden ausgebreitet. Freude und Erwartung, wie wir sie aus dem Frühling immer wieder kennen.

Mein Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Gemälde Blaugrüner Klang, das 1917 von Johannes Itten (1888–1967) in Wien gemalt wurde. Das Bild ist ein Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Zwölfton-Komponisten Josef Matthias Hauer. Sie fragten sich, ob man Klänge und Farben auf ähnliche, gar gemeinsame Grundprinzipien zurückführen könne. Zwei Jahre nach der Entstehung dieses Gemäldes wurde Itten ein wichtiger Mitstreiter und Gestalter des Bauhauses in Weimar. Bis heute wird sein Farbkreis in der Kunstpädagogik verwendet.

Das vollständige Bild ist heute in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Links
https://www.kunsthalle-bremen.de/
https://www.klassik-stiftung.de/bauhaus-museum-weimar/
https://bauhaus-dessau.de/

Mensa JT in Bremen

Am letzten Wochenende fand das Jahrestreffen von Mensa in Deutschland e.V. in Bremen statt. Ich war wieder mit dabei, habe Freunde wieder getroffen und neue Leute kennengelernt. Und ich habe die Museen der Stadt unsicher gemacht, vor allem die Kunst Halle Bremen.

Besonders beeindruckt hatte mich das Doppelstandbild der Bremer Stadtmusikanten von Maurizio Cattelan. Einmal sieht man ausgestopfte Tiere (Love Saves Life, 1995) und gegenüber die entsprechenden Tierskelette (Love Lasts Forever, 1997).

Fabian Williges tief bewegt vor den Werken Maurizio Cattelans

Das Bild habe ich ChatGPT gemeinsam mit ein paar Zusatzinformationen zu den Bremer Stadtmusikanten und ihrem Wahlspruch “Etwas Besseres als den Tod finden wir überall” zur Verfügung gestellt und harter Kleinstarbeit von Prompt-Modelling eine kleine Bildergeschichte erstellt, die ich hier gerne veröffentlichen möchte:

Schließlich habe ich noch meine gesamte kreative Kraft zusammengekehrt für ein Poster zu dieser Geschichte. Da muss man schon etwas überlegen…

Der Esel hat es offensichtlich schon hinter sich, während der Hahn erst noch schlüpfen muss. Ich habe mir erlaubt, den Hund zu ersetzen, frei nach Erich Fried:

Ein Hund
der stirbt
und der weiß
daß er stirbt
wie ein Hund

und der sagen kann
daß er weiß
daß er stirbt
wie ein Hund

ist ein Mensch.

Definition, Erich Fried

Link:
https://www.kunsthalle-bremen.de/