Schlagwort-Archiv: Bremen

Trinitatis

Trinitatis, zu Deutsch Dreifaltigkeit. Das ist das besondere Mysterium des Christentums. Im Trialog der abrahamitischen Ökumene ist das oft der Vorwurf, das Christentum sei im Kern keine monotheistische Religion, weil es die Dreifaltigkeit gibt. Doch diese Drei sind Ausprägungen des einen Gottes.

Die Serafim, eine Klasse der Engel, singen vor dem Thron Gottes, der hier von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) als Gnadenstuhl mit Gottvater, gekreuzigtem Christus und dem Heiligen Geist als Taube dargestellt ist: “Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!” — Wäre ich ein ernstzunehmender Komponist, würde ich mich hier liebend gern einreihen.

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Pfingstmontag

Der Heilige Geist wird oft entweder als Taube oder als Flamme dargestellt. Wenn wir in einer Kirche für einen lieben Menschen in Not beten, entzünden wir eine Devotionalienkerze gegen eine kleine Spende wie hier im Bremer Dom St. Petri.

Beten funktioniert nicht wie eine Amazon-Bestellung. Und in manchen Situationen sollten wir lieber direkt helfen, als für eine göttliche Intervention zu bitten. Aber das Kerzenmeer auf diesem Foto tut mir gut: Diese vielen Menschen, denen das Wohlergehen anderer Menschen so viel bedeutet, dass sie hier eingekehrt sind, um ein Gebet zu sprechen. So Gott will, werden sie in Erfüllung gehen.

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Pfingstsonntag

Der Satz ist so einfach, da muss ich wohl nicht viel dazuschreiben.

Als ich die Kunsthalle Bremen besucht hatte, war das abgebildete Werk ganz frisch. Seit dem 6. Februar 2025 kann man durch den Pixel Forest Wisera der schweizer Künstlerin Pipilotti Rist (*1962) wandeln. In einem Foto ist er nicht erschöpfend darstellbar. Aber Wahrheit und Licht findet man darin…

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Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt Christi ist in der Bildenden Kunst schon oft recht unbeholfen dargestellt worden. Und spätestens seitdem es Fahrstühle, Skilifte und Flugzeuge gibt, ist unsere Vorstellung von der Himmelfahrt stark auf das Körperliche beschränkt und so dem vernünftigen modernen Menschen kaum vermittelbar.

Jesus lebt nicht mehr unter uns, sondern ist im Himmel beim Vater. Das lässt uns erstmal etwas unsicher zurück. Aber löst uns auch von der Ortsbindung. Wir müssen nicht sein, wo Jesus ist. Wir können in der ganzen Welt leben und wirken, wie Christus uns aufforderte zu tun. Diese neue Freiheit ist genauso eine neue Verpflichtung. Dafür kommt uns in zehn Tagen der Heilige Geist zu Hilfe.

Mein Foto zeigt eine transzendente Lesart, die dann auch schon in Richtung Pfingsten weist. Wir sehen die alten Gemäuer des St. Petri Doms zu Bremen, eine Plexiglasscheibe mit einer zweisprachigen Aufforderung zu verweilen und einen modernen Menschen, der mit einem Smartphone ein Foto schießt. Ob dieses Foto von Anfang an ein Selfie werden sollte oder den Text der Plexiglasscheibe festhalten, um die Informationen weiterzusenden, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen.

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Quasimodogeniti

In der Nachfolge Christi sind wir alle Kinder Gottes und somit auch Erben des Reiches. Gott schenkt uns diesen Neubeginn. Wir dürfen auf ihn vertrauen wie die neugeborenen Kinder (quasi modo geniti infantes).

In der Bremer Kunsthalle habe ich ein lichtdurchflutetes Idyll gesehen, was ich für diesen Tag ausgewählt habe: Auf dem Ausschnitt von Im Waisenhaus (1886) von Gotthard Kuehl (1850–1915) sind zwei Waisenjungen mit einem Brief zu sehen. Meldet sich dort ein Wohltäter, ein entfernter Verwandter? Es scheint keine schlechte Nachricht zu sein, aber vielleicht eine, die der Ältere noch nicht recht glauben mag.

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Ostermontag

Die Geschichte von Jesus ist voll von feministischen Ansätzen, bevor die katholische Kirche zu einem Klub von alten Männern gerann und diese über Jahrhunderte unterdrückte. Ein besonderes Beispiel ist Maria Magdalena, die als Erste den Auferstandenen am Ostermorgen sah. Ihre Frömmigkeit kann uns ein Beispiel sein.

1626 haben Peter Paul Rubens (1577–1640) und Jan Breughel der Jüngere (1601–1678) diesen Augenblick eingefangen. Rubens malte die Personen, Breughel die Pflanzenwelt.

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Ostersonntag

Jesus ist nicht tot. Jesus lebt. Und wenn wir ihn bei den Toten suchen, werden wir ihn nicht nur nicht finden können, sondern auch unser eigenes Leben vertun. In der Nachfolge des Auferstandenen aber liegt die Hoffnung auf ein sinnerfülltes Leben.

Dieser Ausschnitt aus einem unbetitelten Werk, welches 2022 von der Ulmer Künstlerin Elif Celik (*1997) geschaffen wurde, drückt für mich dieses österliche Wunder aus, den Wandel vom Toten zum Lebendigen. Mehr schreibe ich heute nicht.

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Karsamstag

Der Karsamstag heute ist so ein schmuckloser Tag dazwischen – noch nicht Ostern, aber auch nicht mehr der Karfreitag als Todestag. Es ist ein stiller Tag, an dem wir eingeladen sind, die Trauer und Leere Jesu Jünger nachzuspüren.

Es gibt seltene Darstellungen Jesu im Grab, die zu diesem Tag passend sind, und Darstellungen Jesu als Schmerzensmann wie diese von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553). Es ist weniger konkret in die Erzählung eingebettet als der Ecce homo, dem der titelstiftende Pilatus zur Seite gestellt sein kann, sondern eher eine entrückte Meditationshilfe mit allen Marterwerkzeugen und den Wunden der Kreuzigung.

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Karfreitag

Karfreitag, der traurige Höhepunkt der Karwoche: Kreuzigung und Tod Jesu Christi. Der Triumphzug zum Palmsonntag verkehrt zum Leidensweg, der Via Dolorosa.

In einem Saal der Kunsthalle Bremen sah ich viele verschiedene Plastiken in einem merkwürdigen Zug aufgereiht. Ich kann nicht sagen, was die Kuratoren der Kunsthalle mit diesem Zug aussagen wollten. Von hinten fotografiert, erinnert es mich an den Leidensweg Jesu durch die Straßen von Jerusalem – gegeißelt, verspottet, gekrönt mit einer Dornenkrone. Und die Schaulustigen erfreuen sich an fremdem Leid, ohne zu ahnen, was hier gerade Weltbewegendes geschieht.

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Gründonnerstag

Am Gründonnerstag nimmt die Geschichte um die Passion Jesu richtig Fahrt auf. Erst feiert er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl, welches seitdem für Christen in der Welt eine wichtige heilige Handlung darstellt, dann betet er im Garten von Gethsemane und wird von Judas verraten, bevor er schließlich die ganze Nacht vom Hohen Rat, von Herodes und von Pilatus verhört wird.

Diese Darstellung des letzten Abendmahls habe ich im Bremer Dommuseum gesehen. Es war der Giebelschmuck einer Sakramentsnische (Anfang des 15. Jahrhunderts). In der Schale vor Jesus hat sich das Brot nach seinen berühmten Einsetzungsworten in ein Lamm verwandelt. Jesus selbst ist das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

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