Kalender 2026-06

Vom Fleischtopf zum Manna
Die Wolke als Banner

Vom Standbild zum Feuer
Kein Gold-Ungeheuer

Nicht »du sollst« – »du wirst«
Denn Gott ist dein Fürst

Zehn Regeln, kein »Oder«
Zehn Regeln, kein »Und«
Nur diese zehn Regeln:
Dein göttlicher Bund

Moses (13. Jh. v. Chr.): Führer des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens; Empfänger der Zehn Gebote und Mittler des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Bildvorlage: Moses schreibt die Gebote auf, aus »Der Auszug aus Ägypten«, aus der Reihe »Was und die Bibel erzählt«, Kees de Kort, 1985, Stuttgart.

Mein Kalender für 2026 stellt unter dem Titel “Heilige” wichtige Menschen des Glaubens vor – aus allen drei Religionen der Abrahamitischen Ökumene. Die Collagen bestehen vollständig aus Artikeln und Anzeigen der Wochenzeitung »Die Zeit« und des Zeit-Magazins. Natürlich wurden die Artikel vorher gelesen.

Trinitatis

Trinitatis, zu Deutsch Dreifaltigkeit. Das ist das besondere Mysterium des Christentums. Im Trialog der abrahamitischen Ökumene ist das oft der Vorwurf, das Christentum sei im Kern keine monotheistische Religion, weil es die Dreifaltigkeit gibt. Doch diese Drei sind Ausprägungen des einen Gottes.

Die Serafim, eine Klasse der Engel, singen vor dem Thron Gottes, der hier von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) als Gnadenstuhl mit Gottvater, gekreuzigtem Christus und dem Heiligen Geist als Taube dargestellt ist: “Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth!” — Wäre ich ein ernstzunehmender Komponist, würde ich mich hier liebend gern einreihen.

Links
https://www.kunsthalle-bremen.de/

Pfingstmontag

Der Heilige Geist wird oft entweder als Taube oder als Flamme dargestellt. Wenn wir in einer Kirche für einen lieben Menschen in Not beten, entzünden wir eine Devotionalienkerze gegen eine kleine Spende wie hier im Bremer Dom St. Petri.

Beten funktioniert nicht wie eine Amazon-Bestellung. Und in manchen Situationen sollten wir lieber direkt helfen, als für eine göttliche Intervention zu bitten. Aber das Kerzenmeer auf diesem Foto tut mir gut: Diese vielen Menschen, denen das Wohlergehen anderer Menschen so viel bedeutet, dass sie hier eingekehrt sind, um ein Gebet zu sprechen. So Gott will, werden sie in Erfüllung gehen.

Link
https://dommuseum-bremen.de/
https://stpetridom.de/

Pfingstsonntag

Der Satz ist so einfach, da muss ich wohl nicht viel dazuschreiben.

Als ich die Kunsthalle Bremen besucht hatte, war das abgebildete Werk ganz frisch. Seit dem 6. Februar 2025 kann man durch den Pixel Forest Wisera der schweizer Künstlerin Pipilotti Rist (*1962) wandeln. In einem Foto ist er nicht erschöpfend darstellbar. Aber Wahrheit und Licht findet man darin…

Links
https://www.kunsthalle-bremen.de/
https://pipilottirist.net/

Uncivilized – Miniserie

In der ZDF-Mediathek habe ich eine kleine Entdeckung gemacht, die mit dem geneigten Leser meines Blogs gerne teilen möchte. Die Miniserie Uncivilized (2024) über den Alltag postmigrantischer Menschen in Deutschland im Schatten historischer Ereignisse wie 9/11, dem Ukraine-Krieg oder dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo. In fünf Folgen und einer kurzen Dokumentation wird dieses wichtige Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.

Die Idee stammt von Bilal Bahadır (*1983) und Çağdaş Eren Yüksel (*1994). Beide sind in Deutschland geboren, aufgewachsen und ausgebildet. Bahadır hat auch Regie geführt und hauptverantwortlich am Drehbuch mitgeschrieben, während Yüksel die Serie im Rahmen des ZDF – Das kleine Fernsehspiel und des Kollektiv Zwo sowie Cocktailfilms produziert hat.

In der ersten Folge “Hanau” spielt in einem insgesamt hervorragenden Cast auch Mert Dincer (*2003) mit, den ich als Kinderstar aus Willkommen bei den Hartmanns (2016) und vor allem in der Titelrolle in Zoros Solo (2019) kenne. Schon dort war er bemerkenswert. Mittlerweile ist er erwachsen geworden und ich möchte ihn gern in vielen weiteren Filmen sehen.

Bis dahin empfehle ich Uncivilized!

Link
https://www.zdf.de/serien/uncivilized-102

Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt Christi ist in der Bildenden Kunst schon oft recht unbeholfen dargestellt worden. Und spätestens seitdem es Fahrstühle, Skilifte und Flugzeuge gibt, ist unsere Vorstellung von der Himmelfahrt stark auf das Körperliche beschränkt und so dem vernünftigen modernen Menschen kaum vermittelbar.

Jesus lebt nicht mehr unter uns, sondern ist im Himmel beim Vater. Das lässt uns erstmal etwas unsicher zurück. Aber löst uns auch von der Ortsbindung. Wir müssen nicht sein, wo Jesus ist. Wir können in der ganzen Welt leben und wirken, wie Christus uns aufforderte zu tun. Diese neue Freiheit ist genauso eine neue Verpflichtung. Dafür kommt uns in zehn Tagen der Heilige Geist zu Hilfe.

Mein Foto zeigt eine transzendente Lesart, die dann auch schon in Richtung Pfingsten weist. Wir sehen die alten Gemäuer des St. Petri Doms zu Bremen, eine Plexiglasscheibe mit einer zweisprachigen Aufforderung zu verweilen und einen modernen Menschen, der mit einem Smartphone ein Foto schießt. Ob dieses Foto von Anfang an ein Selfie werden sollte oder den Text der Plexiglasscheibe festhalten, um die Informationen weiterzusenden, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen.

Link
https://dommuseum-bremen.de/
https://stpetridom.de/

Kalender 2026-05

Gott stellt Abraham
Auf eine schwere Probe:
»Opf’re deinen Sohn!«

Doch hat der Erzvater nun
Bestanden oder gefehlt?

Abraham (2. Jt. v. Chr.); Stammvater Israels, Symbol des Glaubens und des Gehorsams gegenüber Gott; seine Opferprüfung prägt das Bild des „Glaubensvaters“ bis heute.
Bildvorlage: »Die Opferung Isaaks«, Michelangelo Merisi da Caravaggio, ca. 1603, Uffizien, Florenz.

Mein Kalender für 2026 stellt unter dem Titel “Heilige” wichtige Menschen des Glaubens vor – aus allen drei Religionen der Abrahamitischen Ökumene. Die Collagen bestehen vollständig aus Artikeln und Anzeigen der Wochenzeitung »Die Zeit« und des Zeit-Magazins. Natürlich wurden die Artikel vorher gelesen.

Pride am 20. April

Heute im Büro habe ich mit meiner Kollegin über das Datum gesprochen. Wir wussten beide, dass es der Geburtstag Adolf Hitlers ist. Und abgesehen davon, dass man historische Daten kennen darf und sollte, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass wir diesen Tag dem verbrecherischen Monster entreißen müssen. Es gibt so viele andere Menschen, die am 20. April geboren wurden, und derer man gedenken könnte.

Joan Miró (1893–1983) fällt mir da sofort ein, der große spanisch-katalanische Künstler, dessen Werke wichtige Impulse für die abstrakte Kunst setzten und setzen. Allein für ihn könnte ich einen ganzen Blog-Eintrag schreiben. Doch das ist heute nicht mein Ziel

Oder die Sängerin und Schauspielerin Brigitte Mira (1910–2005), die als “Halbjüdin” mit gefälschten Papieren von den Nazis in die “Gottbegnadeten-Liste” aufgenommen wurde, nachdem Krieg häufig ins heitere Fach wechselte, dann aber von Rainer Werner Fassbinder entdeckt wurde für das geniale Werk Angst essen Seele auf aus meinem Geburtsjahr, in dem sie sich als verwitwete Putzfrau einen deutlich jüngeren Nordafrikaner verliebt.

Die Welt ist so beängstigend und feindlich. Und der 20. April steht als Geburtstag Adolf Hitlers symbolisch für diese Lebensfeindlichkeit. Dem möchte ich gern mit einer Art Antidot begegnen: mit Regenbogenfarben gegen die braune Ideologie. Das mache ich mit einer Top-Five-Liste von Menschen, die heute ihren Geburtstag feiern und homosexuell sind oder sich für die Rechte von LGBTIQ-Menschen stark machen:

  • Henry de Montherlant (1895–1972) – Er konnte sich nicht offen zu seiner Homosexualität bekennen. Doch seine Romane gehören zu den Klassikern der Internatsliteratur. Doch in ihm schwelten auch unschöne Seiten: Nationalismus, Misogyne, Männlichkeitswahn. Doch diesen Kampf ums Dasein, den er als Veteran des Ersten Weltkriegs heroisierte, führte er im Stillen auch auf andere Art.
  • George Takei (*1937) – Er ist den meisten wohl als Hikaru Sulu in Star Trek/Raumschiff Enterprise bekannt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde seine Familie in den USA in ein Internierungslager gesperrt. Schon als Teil der multinationalen Star-Trek-Crew wirkte er gegen Rassismus. Mit seinem Coming-out 2005 wurde er zusätzlich ein wichtiger Akteur der LGBTIQ-Bewegung.
  • Luther Vandross (1951–2005) – Er war Backgroundsänger für die großen Stars der 70er, bevor er ihnen auch die Songs schrieb, sie produzierte und schließlich auch im Duett mit ihnen sang. Seine Vertraute Patti LaBelle bestätigte 2017, dass er homosexuell gewesen sei, aber seiner Familie und der weiblichen Fans wegen für sich ein Outing ausschloss.
  • Seyran Ateş (*1963) – Als Anwältin kämpft sie gegen Zwangsheirat, Ehrenmorde und Genitalverstümmelung. Als Imamin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee setzt sie sich ein für einen geschlechtergerechten und liberalen Islam.
  • Tan France (*1983) – Der Modeschöpfer errang durch die Netflix-Show Queer Eye allgemeine Bekanntheit. Der Sohn pakistanischer Einwanderer ist einer der ersten offen schwul lebenden Muslime im europäischen Fernsehen. Damit hat er die Chance, ein positives Rollenbild zu prägen.

Und nächstes Jahr am 20. April denken wir einfach sofort an diese Menschen!

Quasimodogeniti

In der Nachfolge Christi sind wir alle Kinder Gottes und somit auch Erben des Reiches. Gott schenkt uns diesen Neubeginn. Wir dürfen auf ihn vertrauen wie die neugeborenen Kinder (quasi modo geniti infantes).

In der Bremer Kunsthalle habe ich ein lichtdurchflutetes Idyll gesehen, was ich für diesen Tag ausgewählt habe: Auf dem Ausschnitt von Im Waisenhaus (1886) von Gotthard Kuehl (1850–1915) sind zwei Waisenjungen mit einem Brief zu sehen. Meldet sich dort ein Wohltäter, ein entfernter Verwandter? Es scheint keine schlechte Nachricht zu sein, aber vielleicht eine, die der Ältere noch nicht recht glauben mag.

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https://www.kunsthalle-bremen.de/

Ostermontag

Die Geschichte von Jesus ist voll von feministischen Ansätzen, bevor die katholische Kirche zu einem Klub von alten Männern gerann und diese über Jahrhunderte unterdrückte. Ein besonderes Beispiel ist Maria Magdalena, die als Erste den Auferstandenen am Ostermorgen sah. Ihre Frömmigkeit kann uns ein Beispiel sein.

1626 haben Peter Paul Rubens (1577–1640) und Jan Breughel der Jüngere (1601–1678) diesen Augenblick eingefangen. Rubens malte die Personen, Breughel die Pflanzenwelt.

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https://www.kunsthalle-bremen.de/