Literarische Geburtstage

Heute ist ein wahrlich besonderer Tag. Gleich zwei meiner absoluten Top-Favoriten aus dem Kreise der Autoren haben heute Geburtstag. Grund genug für eine schnelle Top-Five-Liste; denn die beiden stehen mit ihrem Geburtstag am 18.11. nicht alleine da:

  • Margaret Eleanor Atwood (* 1939) – Ihr dystopischer Roman A Handmaid’s Tale kam nach Trumps Wahl wieder in die Bestsellerlisten. Aber sie hat natürlich mehr geschrieben – und meiner Meinung nach auch besseres: The Robber Bride oder die Sammlung kurzer Erzählungen Wilderness Tips.
  • Klaus Heinrich Thomas Mann (1906–1946) – Seine zwei weiteren Vornamen sind auch schon die größte Hypothek, die Klaus Mann mit sich herumschleppte. Mephisto und Der Fromme Tanz sind Bücher, die ich neben seinen Essays über den aufkommenden und raumgreifenden Nationalsozialismus empfehlen kann.
  • Hans Reimann (1889–1969) – Er schrieb einen alternativen Reiseführer über Leipzig in der Reihe Was nicht im „Baedeker“ steht des Piper-Verlags. In der gleichen Reihe veröffentlichten Klaus und Erika Mann übrigens ihr Buch von der Riviera. Er arbeitete zusammen mit Heinrich Spoerl. Man sagt, Reimann sei der Co-Autor von Spoerls Feuerzangenbowle. Zumindest teilten sie sich die Tantiemen.
  • Richard Fedor Leopold Dehmel (1863–1920) – Ich mag vor allem Zwei Menschen. Roman in Romanzen und einige seiner Gedichte. Aber der ganze Mensch Dehmel ist sehr interessant und schillernd. Die deutschen Expressionisten verehrten ihn. Er übte sich in der Freien Liebe. Und in einem verschriftlichten Gespräch mit Max Liebermann sagt er, nur in „Mischvölkern“ gedeihe genialische Kreativität, befinde sich das geistig-kulturelle Niveau auf seinem Höhepunkt. Von auswärtigen Einflüssen abgeschlossene Ethnien seien langfristig dem allmählichen zivilisatorischen Niedergang geweiht. (Richard Dehmel, Kultur und Rasse. Ein Gespräch zwischen Künstlern, 1913)
  • Friedrich Ludwig Zacharias Werner (1768–1823) – Hier muss ich gestehen, Werner ist vor allem dabei, um auf die Fünf zu kommen. Aber er scheint in Mensch zu sein, mit dem man sich einmal beschäftigen sollte. Bei Kant hat er studiert und in Weimar wurden seine Stücke vor Goethe aufgeführt. Nach drei gescheiterten Ehen konvertierte der romantische Dichter zum Katholizismus und wurde noch Priester. Sein bekanntestes Stück ist das Schicksalsdrama Der vierundzwanzigste Februar. Und das ist mein Geburtstag.

Link
http://gutenberg.spiegel.de/buch/zwei-menschen-1728/1Zwei Menschen. Roman in Romanzen von Richard Dehmel beim Projekt Gutenberg

Bundesweiter Vorlesetag 2017

Heute ist der Bundesweite Vorlesetag 2017. Am dritten Freitag im November gehen ehrenamtliche Vorleser in Grundschulen und Kindergärten und lesen aus selbst gewählten Büchern vor. Organisatorisch begleitet wird dieser Tag von der Stiftung Lesen, der Deutsche Bahn Stiftung und der Wochenzeitung Die Zeit.

Zum ersten Mal war ich auch mit dabei. Ich las an der 74. Grundschule im Osten Leipzigs in einer DaZ-Klasse aus meinem Buch Jonas. DaZ bedeutet Deutsch als Zweitsprache. In einer DaZ-Klasse sind vornehmlich Kinder aus geflüchteten Familien, die erst einmal Deutsch lernen müssen, bevor sie in den regulären Schulbetrieb integriert werden können.

Ich habe mein eigenes Buch nicht allein aus Eitelkeit gewählt. Der Prophet Jonas ist sowohl im Christentum als auch im Islam bekannt. Seine Geschichte von Seenot und Errettung, von Geborgenheit im Bauch des Fisches kam bei den Kindern gut an. Sie ergänzten immer wieder eigene Fluchterfahrungen. Nach dem Lesen erstellten wir als Collagen jeweils einen Fisch, in dem wir selbst in Sicherheit wären.

Zum Abschluss erhielt ich eine Urkunde, die meine Teilnahme am Vorlesetag bestätigt. Es wird wohl nicht die letzte ihrer Art bleiben.

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Links
http://www.vorlesetag.de/
http://www.stiftunglesen.de/
http://74-grundschule-leipzig.de/
https://www.epubli.de/shop/buch/Jonas

Was lange währt, wird gut

Im Dezember 2002 begann ich mit einer Ausstellung die Arbeit am Phänomen der Vaterlosigkeit von Söhnen. Vatermörder nannte ich das Projekt. Das sollte auch ein wenig knallen. Dann schoben sich viele andere Dinge, Projekte, Ideen dazwischen. Nun endlich kann ich den abschließenden Band von Interviews vorstellen. Mit der Zeit ist das Projekt etwas milder geworden. Jetzt heißt es Vaterbilder.

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Das Buch Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien ist für 14,95 EUR unter der ISBN 978-3-7450-1597-3 im Buchhandel erhältlich. Es kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/vaterbilder-fabian-williges-9783745015973/66957
http://vatermoerder.de/
http://www.vaterbilder.de/

Spanisch ist die Sprache der Liebe

Bob Dylan, Literaturnobelpreisträger, veröffentlichte in meinem Geburtsjahr eine Aufnahme unter dem Titel Spanish is the Loving Tongue, die in ihrer Stilistik eine Ausnahme in seinem Schaffen darstellt, für mich allerdings prägend war, weil sie sich auf meiner zweiten eigenen Bob-Dylan-Platte befand.

Die Grundlage für dieses Lied bildet das Gedicht A Border Affair des amerikanischen Dichters Clark Badger (1883–1957), das 1919 in der Sammlung Sun and Saddle Leather veröffentlicht wurde. Badger ist einer der großen Cowboy-Dichter Amerikas. Er lebte sogar einige Zeit im berühmt-berüchtigten Tombstone in Arizona, nahe der mexikanischen Grenze, bis er schließlich zum offiziellen Staatsdichter von South Dakota ernannt wurde. In dem Buch Sun and Saddle Leather findet sich auch ein anderes, heute weit verbreitetes Gedicht: A Cowboy’s Prayer. Ein Gebet, das Gott nicht in amtskirchlichen Organisationseinheiten sondern vielmehr in der Natur sucht.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: A Border Affair erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus den USA stammend einer Frau in Mexiko begegnet. Von ihr lernt er die Sprache der Liebe, zu der zumindest die zwei spanischen Ausdrücke mi amor (meine Liebe) und mi corazon (mein Herz) gehören. Wegen eines Kampfes nach verlorenem Pokerspiel muss der liebende Mann über die Grenze fliehen. Da er nicht mehr zurück nach Mexiko kann, wird er seine Geliebte nie wieder sehen. Aber Spanisch ist ihm zur Sprache der Liebe geworden.

Spanish is the lovin‘ tongue,
Soft as music, light as spray.
Twas a girl I learnt it from,
Livin‘ down Sonora way.
I don’t look much like a lover,
Yet I say her love words over
Often when I’m all alone—
„Mi amor, mi corazon.“

Nights when she knew where I’d ride
She would listen for my spurs,
Fling the big door open wide,
Raise them laughin‘ eyes of hers
And my heart would nigh stop beatin‘
When I heard her tender greetin‘,
Whispered soft for me alone—
„Mi amor! mi corazon!“

Moonlight in the patio,
Old Señora noddin‘ near,
Me and Juana talkin‘ low
So the Madre couldn’t hear—
How those hours would go a-flyin‘!
And too soon I’d hear her sighin‘
In her little sorry tone—
„Adios, mi corazon!“

But one time I had to fly
For a foolish gamblin‘ fight,
And we said a swift goodbye
In that black, unlucky night.
When I’d loosed her arms from clingin‘
With her words the hoofs kep‘ ringin‘
As I galloped north alone—
„Adios, mi corazon!“

Never seen her since that night.
I kaint cross the Line, you know.
She was Mex and I was white;
Like as not it’s better so.
Yet I’ve always sort of missed her
Since that last wild night I kissed her,
Left her heart and lost my own—
„Adios, mi corazon!“

Viele Folk- und Countrysänger haben diese Strophen mal mehr mal minder originalgetreu gesungen: Judy Collins, Bob Dylan, Marianne Faithfull, um nur einige zu nennen. Für einen YouTube-Link habe ich eine Version von Emmylou Harris ausgewählt. Ich hoffe, sie gefällt.

Aber warum schreibe ich das heute? Es ist weder Bob Dylans, Clark Badgers noch Emmylou Harris‘ Geburts- oder Todestag. Heute ist mein Lieblingsliebesbuch auf Spanisch erschienen. Wenn du nicht da bist … heißt ab heute auch Cuando no estás cerca … Vielen Dank an Fabian Esteban Osorio für die Übersetzung!

Folie1Ich möchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass dieses in mittlerweile sechs Sprachen erhältliche Buch als eine eindeutige Liebeserklärung verschenkt werden kann. Seine Originalität erkennt man daran, dass kein einziges Mal der Satz „Ich liebe dich.“ darin vorkommt.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/cuando-no-est-s-cerca-fabian-williges-9783745069532/64663
http://www.gutenberg.org/ebooks/36770Sun and Saddle Leather als freies Ebook
https://archive.org/details/sun_saddle_leather_eh_1411_librivox/Sun and Saddle Leather als freies Hörbuch

Wenn du nicht da bist … – mittlerweile in 5 Sprachen

Wiedermal war ich lange nicht aktive auf dieser Website. Das heißt aber nicht, dass ich insgesamt untätig gewesen wäre. Mein Bilderbuch „Wenn du nicht da bist …“ ist mittlerweile in fünf Sprachen erhältlich. Weitere Sprachen sollen noch folgen. Aber da möchte ich nicht vorgreifen.

DSC_9385_ediert

DSC_9383_ediertDas Buch ist im klassischen Buchhandel erhältlich wie auch über Amazon oder direkt beim Verlag epubli.de, wo ich die Bände herausgebracht habe.

Todestag von sieben Schriftstellern

Der 5. April ist manchem pop-kulturell Gebildeten bekannt als der Todestag von Kurt Cobain. 50 Jahre wäre er am 20. Februar 2017 geworden, hätte er sich 1994 nicht das Leben genommen. Manche seiner Texte haben bis heute überdauert. Zur Open Stage in der Villa höre ich immer wieder auch Lieder aus seiner Feder bzw. Songs, die auch er interpretiert hat.

Ich möchte mich aber heute den Schriftstellern und Dichtern widmen, da ich mit diesem Blog-Eintrag die wichtige Arbeit an meinem nächsten Buch herauszögere. Und da ich mich gerade nicht entscheiden kann, wird meine traditionelle Top-Five-Liste der an einem 5. April verstorbenen Autoren um zwei weitere Namen ergänzt:

  • Asukai Masatsune (1170–1221) – Höfling des japanischen Tenno Go-Toba, der selbst auch dichtete. Er arbeitete mit an der Shin Kokinshū, einer Anthologie von Waka-Gedichten. Eine Unterart der Waka sind die bis heute beliebten Haiku.
  • Edward Young (1683–1765) – Auch Young stand in der Gunst seines Herrschers. Er war Hofkaplan am britischen Hofe King Georges II. Doch das schien ihm wohl zu anstrengend zu sein. Denn bereits zwei Jahre später entschied er sich für eine kleine Pfarrei in Hertfordshire. Seine Energie steckte er in die Dichtkunst. Den Tod seiner Frau verarbeitete bis 1745 er in seinen The Complaint or Night-Thoughts, die Novalis als Vorlage für seine Hymnen an die Nacht dienten.
  • Fabre d’Églantine (1750–1794) – Er ist einer der Väter des französischen Revolutionskalenders. Standesgemäß verlor er auf der Guillotine Kopf und somit auch Leben gemeinsam mit seinem Weggefährten George Danton. Französische Kinder singen auch heute noch sein Lied: Il pleut, il pleut Bergère.
  • Friedrich Wilhelm Weber (1813–1894) – Seine Initialen machen mir persönlich Weber sofort sympathisch. Außerdem wurde er Weihnachten geboren. Vom Berufsstand Arzt, engagierte er sich in der Politik, war für die Zentrumspartei im preußischen Landtag. Seinem dichterischen Bemühen seit der Schulzeit maß er selbst wenig Bedeutung bei. Mit 65 Jahren veröffentlichte er das Versepos Dreizehnlinden, welches seinerzeit eine immense Verbreitung erfuhr: 2 Millionen verkaufte Exemplare! Weiter unten gebe ich zwei kurze Gedichte wieder, die zeigen, dass auch in katholischem Umfeld eine protestantische Arbeitsethik gedeihen kann.
  • Elsa Asenijeff (1867–1941) – Ich muss gestehen, ich kenne diese Dame überhaupt nicht, bzw. ich habe nichts von ihr gelesen. Denn ihr Gesicht ist jedem bekannt, der mit dem Schaffen Max Klingers vertraut ist. Als seine Muse und Geliebte stand sie auch häufig für ihn Modell. Mit ihren Schriften sollte man sich wohl einmal beschäftigen. Die Titel klingen vielversprechend: Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht, Unschuld – Ein modernes Märchenbuch, Tagebuchblätter einer Emancipierten, Die neue Scheherazade – Ein Roman in Gefühlen, Aufschrei – Freie Rhythmen, Bilanz der Moderne – Gedichte aus der Anstalt.
  • Saul Bellow (1915–2005) – Auch hier betrete ich – Schande über mein Haupt! – mir unbekanntes Terrain. Ich weiß lediglich, dass Bellow ein Nobelpreisträger für Literatur ist. Philip Roth nannte ihn das Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und ich habe nichts von ihm gelesen.
  • Allen Ginsberg (1926–1997) – Ginsberg ist mir wieder vertrauter. Howl schrieb 1956 Beat-Literatur- und zugleich amerikanische Rechtsgeschichte. Dazu gibt es seit 2010 übrigens einen schönen Kinofilm. Ginsberg ging mit Bob Dylan auf Tour und lebte 43 Jahre in einer schwulen Beziehung.

Mit diesem Schluss müsste ich jetzt eigentlich Allen Ginsberg zitieren. Aber ich habe mich für F.W.W. entschieden:

Der beste Orden

Gar manches Knopfloch ist geschmückt,
weil machem Dies und Das geglückt
mit Klingen und mit Kielen.
Jedweder Leistung Ehr und Preis:
DER BESTE ORDEN, den ich weiß,
ist eine HAND voll SCHWIELEN.

Im Kreuz ist Heil

Was gift’ge Zungen dir auch zischelnd künden,
was eitle Blätter dir auch rauschen mögen,
eins mußt du treu und tief im Herzen hegen,
dass nirgend Heil als nur im Kreuz zu finden.
Trau du den Weisen nicht, die Torheit lehren,
nicht falschen Worten, die das Wort verkehren.
Und schlaf ich längst schon unter Friedhofslinden,
das sollst du stets bewahren im Gedächtnis
als meiner Liebe treuestes Vermächtnis:
„Es ist kein Heil als nur im Kreuz zu finden.“

Dark Creature und die Buchmesse

Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen der Leipziger Buchmesse. Ich bin die letzten zwei Tage über das Messegelände getigert. Heute tun mir die Füße weh, so dass ich einen Schreibtischtag einlege, bevor ich abends der Lesung einer guten Freundin beiwohnen werde.

Zu dieser Messe ist beim Verlag Romantruhe in der Anthologie Dark Creature (ISBN 978-3-86473-277-5) der Horror-Website Geisterspiegel.de meine Ballade Der Knappe von Schloss Champtocé erschienen. Die Sammlung enthält Horror-Erzählungen, die nicht ausschließlich fantastisch sind, sondern vielmehr eine historische Grundlage besitzen.

Buchcover Dark-Creature

In meiner Ballade geht es um den hundertfachen Kindermörder Gilles de Rais, der im 15. Jahrhundert erst ein Volksheld des Hundertjährigen Krieges gewesen war. Ich habe mich bemüht, die Ballade ganz im Sinne der klassischen Regeln und Formen zu verfassen. Zum Anfüttern hier zwei der 37 Strophen:

„Ein Fürst ist einem Bauern gleich,
Der baut am Feldrand Schanzen,
Damit sein Volk gedeiht im Reich.
Sein Volk, das sind die Pflanzen.
Hier pflügt er kreuz und quer das Land
Und bildet rohe Häufel.
Das ist kein Mensch mehr mit Verstand
Den lenkt nicht Gottes milde Hand;
Den lenkt ein finstrer Teufel!

Wenn nun der Fürst des Teufels ist
Und tötet statt zu schützen,
Dann darf man, wie man’s wohl ermisst,
Nicht seine Herrschaft stützen.“
Sein Fatum brachte Pierre zum Ort;
Er kann sich nicht verkriechen.
Nun gilt nur eins, ein einzig Wort:
Verübe den Tyrannenmord!
– Wie dereinst bei den Griechen.

Links
http://www.geisterspiegel.de/
http://www.romantruhe.de/
http://www.leipziger-buchmesse.de/

Lucias Aufbrüche und 30 Jahre Konfirmation

In diesem Jahr ist meine Konfirmation 30 Jahre her. Im Peiner Stadtteil Telgte steht die moderne Kirche St. Johannis, die ein wenig an eine Fabrikhalle erinnert. Das Gebäude stand nicht Pate für die Gethsemanekirche, die ich in meiner Erzählung Lucias Aufbrüche beschreibe. Da habe ich eher an St. Jakobi in der Peiner Innenstadt gedacht. Insgesamt ist die Erzählung inklusive Kirche ein fiktives Werk.

Wichtiger ist die Bedeutung der Konfirmation, die ich mit 14 Jahren bewusst gespürt und erfahren habe. Die Erzählung habe ich für mein Patenkind geschrieben. Sie hatte ihre Konfirmation vor zwei Jahren. Zu meinem Jubiläum nun habe ich den Konfirmandinnen und Konfirmanden meiner Konfirmationsgemeinde St. Johannis auf Telgte jeweils ein Exemplar meiner Erzählung geschenkt.

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Mein Vater übernahm freundlicherweise für mich die Übergabe der Bücher beim Gottesdienst zur Vorstellung der Konfirmanden. Ich würde mich freuen, wenn die Beschenkten die Erzählung noch vor der eigenen Konfirmation am 30.04.2017, dem Sonntag Misericordias Domini lesen. Das Buch kann sie sensibilisieren für die eigene  Konfirmation und die seelischen Anregungen, die sie bieten kann.

Im Hintergrund der Bilder ist das Altarbild zu sehen, auf das ich fünf Jahre während der Gottesdienste schaute. Es ist aus den Visionen Johannis, wie sie in der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, beschrieben werden

Nikolaus Kopernikus, all die anderen und ich

Heute vor 544 Jahren, am 19. Februar 1473 wurde Nikolaus Kopernikus geboren. Das ist vielleicht kein besonders rundes Jubiläum, zeigt aber, dass der Mathematiker und Astronom genau 500 Jahre vor mir geboren wurde. Zur Zeit des lutherischen Thesenanschlags in Wittenberg war Kopernikus so alt, wie ich in vier Tagen werde – 44.

Nur im kleinen Kreise kirchlicher Würdenträger war sein bahnbrechendes Werk De hypothesibus motuum coelestium commentariolus aus dem Jahre 1514 bekannt. Die Bahnen der Planeten selbst auch noch kreis- und nicht ellipsenförmig gedacht. Die Lutherische Reformation war noch drei Jahre entfernt. Bekannter wurden die Ideen Kopernikus‘ durch den Druck seines Hauptwerkes De revolutionibus orbium coelestium libri VI in seinem Todesjahr 1543. Verantwortlich dafür zeichnet der Wittenberger Mathematiker Georg Joachim Rheticus, der am 16. Februar 1514 geboren wurde. Ebenfalls an einem 16. Februar, allerdings bereits 1497, wurde Philipp Melanchthon geboren, der nicht nur eine weitere Verbindung zu Wittenberg und Reformation darstellt. Er war auch ein scharfer Kritiker des kopernikanischen Weltbildes. Aus der Bibel zitierte er (Kohelet 1, 4–5):

Eine Generation geht, die andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit.
Die Sonne, die aufging und wieder unterging,
atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.

Und Martin Luther selbst bewies mit seiner Kritik ebenfalls, dass er alles nur kein Mathematiker oder Astronom war. Ein leerer Schwätzer war der am 18. Februar 1546 verstorbene Reformator aber nicht! Da ging Kopernikus mit seinem Vorwurf i Vorwort etwas weit, als er schrieb:

Sollten etwa leere Schwätzer, die allen mathematischen Wissens bar sind, sich dennoch ein Urteil anmaßen und durch absichtliche Verdrehung irgendeiner Stelle der Heiligen Schrift dieses mein Werk zu tadeln oder anzugreifen wagen, so werde ich mich nicht um sie kümmern, sondern ihr Urteil als unbesonnen missachten.

Verboten wurden die Schriften Nikolaus Kopernikus‘ erst 99 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, nämlich 1616 im Zuge des Prozesses um den fest für die Idee der sich bewegenden Erde kämpfenden Galileo Galilei, der wiederum am 15. Februar 1564 in Pisa geboren wurde.