Wenn du nicht da bist … – Nachlese zur Veranstaltung

Gestern Abend fand sie nun endlich statt, die multilinguale Lesung mit Konzert unter dem Motto Wenn du nicht da bist … Rund 50 Personen genossen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Sprachen und beschäftigten sich mit Fragen der Übersetzung und der Liebe.

Zwei Mal lasen die Übersetzer*innen – und zwei freundliche Vertretungen – das Buch komplett vor: Ungarisch, Tschechisch und Niederländisch und danach Lettisch, Arabisch und Türkisch. So lang ist das Buch ja nun auch nicht. Damit aber der Zuhörer, der nicht zufällig diese sechs Sprachen beherrscht, der Lesung auch folgen kann, waren die Zeichnungen des Buches und der deutsche Ausgangstext in einer Präsentation an die Wand geworfen.

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Zwischen den beiden Leserunden moderierte Anna Baldauf ein Podiumsgespräch mit den Übersetzer*innen über die spezifischen Herausforderungen ihrer Übersetzung. Neben einigen Fachsimpeleien zu den typisch deutschen Determinativkomposita wurde aber vor allem klar, wie international die VILLA als soziokulturelles Zentrum aufgestellt ist. Hier sind Begegnung und Austausch in einem geschützten Rahmen möglich.

Neben dem gesprochenen Wort sollte auch dem gesungenen genügend Raum gegeben werden. Zwischen den einzelnen Beiträgen durfte einmal ich einige Liebeslieder singen, dann folgte Kristýna Straková. Schließlich trat der in Leipzigs Innenstadt weit bekannte Straßenmusiker Falko Linß auf, um der von mir schon häufiger in diesem Blog erwähnten Band Emerge die Bühne zu überlassen.

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Der Eintritt zu dieser Veranstaltung war frei. Allerdings bat ich um eine Zuwendung zugunsten des VILLA e.V. Damit das Spenden etwas mehr Spaß macht, war es mit einer Umfrage zur Sprachkompetenz unseres Publikums gekoppelt. Neun Sprachen standen in den Spendensäulen (noch einmal Dank an den Makerspace für diese Arbeit!) zur Auswahl. Der Betrag sollte das Sprachniveau anzeigen:

Sprachniveau

Und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen:

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Ich habe die Spendenbeträge mal passend zum Buch in einem Apfeldiagramm aufbereitet:

Spendendiagramm

In Summe ergibt das einen Spendenbetrag von 132,47 EUR.
Vielen Dank an alle Besucher und Mitmacher!

Der Flyer zur Lesung

Der 27. Oktober 2018 rückt langsam immer näher. Um 20:00 Uhr beginnt dann im Soziokulturellen Zentrum die VILLA die mutilinguale Lesung aus meinem Buch Wenn du nicht da bist …, das bis dahin in 16 Sprachen erhältlich sein wird. Ich freue mich drauf und bin gespannt, wie die Sprachenvielfalt beim Publikum ankommen wird.

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Das Buchcover mit der fehlenden Figur vor dem Liebenden gibt es jetzt auch als Flyer im Postkartenformat. Man kann diese Postkarte gut als Einladung an eine geliebte Person verschicken. Im VILLA-Café und im VILLA-Keller liegt der Flyer aus. Verbreitet Liebe!

Folie2_checked_querIch habe den Text romantisch gehalten. Aber an dieser Stelle möchte ich auch verraten, mit welchen Personen ihr auf der Bühne werdet rechnen können:

  • Arabisch – Aboulhakim Halila
  • Deutsch/Englisch – Fabian W. Williges
  • Georgisch – Nino Chokhonelidze
  • Lettisch – Antra Kroll
  • Tschechisch – Kristýna Straková
  • Ungarisch – Ildikó Bába

Damit der Abend nicht zu trocken wird, werden wir musikalisch in Liebesstimmung versetzt durch:

  • Falko Linß
  • Emerge
  • Kristýna Straková
  • Fabian W. WIlliges

Ich denke, das wird eine schöner Abend!

Wenn du nicht da bist … – Multilinguale Lesung & Konzert

Diesen Monat ist es zwei Jahre her, dass ich aus einer verliebten Hochstimmung heraus ein kleines Büchlein geschrieben und gezeichnet habe: Wenn du nicht da bist …

Ich gestehe, kein Picasso zu sein – und vielleicht auch kein Goethe; aber viele meiner Freunde sagen mir, dass ihnen dieses Büchlein besonders gut gefallen habe. Es ist wohl was dran an dieser Formulierung etwas mit Liebe machen: Die eigene Mutter kocht mit Liebe und man wird später nie wieder so gute Gerichte finden wie die vom heimischen Herd. Im Hobbykeller arbeitet mancher abends härter als tagsüber in der professionellen Werkstatt. Und die eingängigsten Melodien sind die der Liebeslieder.

Bild14 Torte1Im Austausch mit meinen Freunden entstand die Idee, das Büchlein in alle Sprachen zu übersetzen, die mein Freundes- und Bekanntenkreis als Muttersprachen hergibt. Seitdem wächst dieses work in progress und hat zur Zeit den Umfang der magischen 13 erreicht. Weitere Versionen sind bereits in Arbeit. Bild15 Torte2Ich selbst bin kein großes Fremdsprachen-Genie. Aber Deutsch und Englisch beherrsche ich wohl recht ordentlich. Und ich bin begeistert von der gemeinsamen Arbeit an einem Text, der von einer in eine andere Sprache gebracht werden soll. Da gibt es natürlich auch eine Wissenschaft dazu, die wir hier nicht bemühen wollen. Aber schon die landläufig bekannten Begriffe Übersetzung, Übertragung und Nachdichtung lassen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen erahnen. Auf jeden Fall sind bisher 13 Bücher entstanden, die für den jeweiligen Muttersprachler – und somit auch für den interessierten Sprachlernenden – eine rührende Geschichte vom Lieben und Vermissen bereithält. Bild16 Torte3Die Titel sind in den verschiedenen Sprachen so griffig, dass sie auch schon als Titel für Liebeslieder herhalten mussten. Einige von ihnen habe ich einer YouTube-Playlist versammelt. Nicht jedes Lied hat wohl das Zeug zum echten Klassiker. Aber ein paar Entdeckungen habe ich bei dieser Sammlung schon gemacht. Bild17 Torte4Diese Kombination aus Sprache, Strichzeichnungen und Musik soll es auch am 27.10.2018 in der VILLA in Leipzig geben. Ab 20:00 Uhr lesen die Übersetzer aus ihren Versionen, während an der Wand die Zeichnungen aus dem Buch mit dem deutschen Text gezeigt werden. Um den Abend abzurunden, werden die Musiker aus dem Kreis der Übersetzer noch einige Lieder vom Lieben und Vermissen zum Besten geben. Es verspricht, ein romantischer Herbstabend zu werden. Und da Liebe unbezahlbar ist, erheben wir auch kein festes Eintrittsgeld. Eine Spende für den VILLA e.V. ist jedoch erwünscht.

Wenn du nicht da bist …
When you’re not around …
Wanneer je er niet bent …
Když tu nejsi …
… في غيابك
Cuando no estás cerca …
Quand tu n’es pas là …
Quando non ci sei …
Kada nisi tu …
քու բացակայ եղած ժամանակ …
Sən yanımda olmayanda …
Khi em không có ở đây …
… כשאתה לא בסביבה

Alle 13 Titel sind für jeweils 7,95 EUR über den Buchhandel zu beziehen
oder natürlich direkt bei der Lesung am 27.10. in der VILLA.
Weitere Übersetzungen werden folgen.

Der Termin kurz gefasst
Am Sonnabend, den 27.10.2018 um 20:00 Uhr
Im Soziokulturellen Zentrum „Die VILLA“ (Lessingstr. 7, Leipzig)
Multilinguale Lesung & Konzert mit Fabian W. Williges und Übersetzern
Einlass gegen Spende an den VILLA e.V.

Links
https://www.epubli.de/shop/ – Hier gibt es alle Versionen zu kaufen
https://www.youtube.com/playlist – YouTube-Playlist zum Titel in diversen Sprachen

Wenn du nicht da bist … zum 10. Mal

Mein kleines Bilderbuch Wenn du nicht da bist … ist gestern in der zehnten Sprache erschienen. Dank Ehtiram Müzəffərli, den ich im Soziokulturellen Zentrum „Die VILLA“ kennengelernt habe, ist die Jubiläumsausgabe mit der ISBN 978-3746-71663-3 auf Aserbaidschanisch erschienen und heißt nun: Sən yanımda olmayanda …

Aserbaidschanisch

Außerdem hat er mir von einem Märchen erzählt, das in Aserbaidschan jedes Kind kennt, hier aber gänzlich unbekannt ist. Das schreit ja förmlich nach einem weiteren Buchprojekt …

Link
https://www.epubli.de/shop/

Der noble Frieden und Matthew Shepard

Gestern bekam die Initiative ICAN – International Campaign to Abolish Nuclear Weapons den Friedensnobelpreis für 2017 zuerkannt, für „ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken“. Vor zehn Jahren wurde sie in Wien gegründet, bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags. Noch zwei Jahre früher aber dafür genau am heutigen Tag, also am 7. Oktober 2005, erhielt die 1957 gegründete IAEOInternationale Atomenergie-Organisation in Wien gemeinsam mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei den Friedensnobelpreis „für ihren Einsatz gegen den militärischen Missbrauch von Atomenergie sowie für die sichere Nutzung der Atomenergie für zivile Zwecke“. Die USA und Nordkorea zeigen uns in den letzten Wochen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, dass nach der ersten in einem Konflikt abgeworfenen Atombombe über Hiroshima, die über Nagasaki nicht die letzte ihrer Art sein könnte.

Morgen ist der 25. Todestag von Willy Brandt. Auch er ist Träger des Friedensnobelpreises. Sein Verdienst ist die Versöhnung nach den Naziverbrechen und die langsame Wiederannäherung zwischen Ost und West. Dazu nutzte er die Politik der kleinen Schritte – und die große Geste des Warschauer Kniefalls.

Das ist wohl Grund genug für eine Top-Five-Liste von Nobelpreisträgern, die am 7. Oktober geboren oder gestorben sind. So allgemein muss ich es formulieren, um auf fünf Personen zu kommen.

  1. Niels Henrik David Bohr (07.10.1885–18.11.1962) erhielt 1922 den Nobelpreis für Physik für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung.
  2. George Emil Palade (19.11.1912–07.10.2008) bekam 1974 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zuerkannt für die Entdeckungen zur strukturellen und funktionellen Organisation der Zelle.
  3. Niels Kaj Jerne (23.12.1911–07.10.1994) wurde 1984 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen; für Theorien über den spezifischen Aufbau und die Steuerung des Immunsystems.
  4. Desmond Mpilo Tutu (07.10.1931) bekam 1984 den Friedensnobelpreis zuerkannt für sein Engagement im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.
  5. Harold Walter Kroto (07.10.1939–30.04.2016) erhielt 1996 als einer von dreien den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Fullerene, auch Buckyballs genannt, einer neuen Form des Kohlenstoffs mit kugelförmigen Molekülen.

Der 7. Oktober ist aber nicht nur ein guter, ein nobler, ein friedlicher Tag. Der 7. Oktober ist auch in die Geschichte der LGBT-Bewegung eingebrannt. Am frühen Morgen des 7. Oktober 1998 wurde der damals 21-jährige Matthew Wayne Shepard von zwei Männern in der kleinen Universitätsstadt Laramie im Bundesstaat Wyoming ausgeraubt, geschlagen, misshandelt und an einen Zaun gefesselt. Der Radfahrer, der ihn entdeckte, hielt Shepard zuerst für eine Vogelscheuche. Am 12. Oktober 1998 verstarb Shepard im Krankenhaus. Er war nicht mehr aus dem Koma erwacht.

Die beiden Täter wurden nach Intervention von Shepards Eltern nicht zum Tode verurteilt. Sie sitzen je zweimal lebenslänglich ab. Nach diesem Mord wurden die Gesetze in den USA für hate crimes (Hassverbrechen) verschärft. Matthew Shepard wurde postum zu einer Galionsfigur der LGBT-Bewegung. Shepards Eltern gründeten die Matthew Shepard Foundation.

Die Westboro Baptist Church nahm die Gerichtsverhandlung und die Beerdigung zum Anlass, gegen die Rechte Homosexueller zu demonstrieren. Auf ihren Schildern standen Sätze wie „God hates Fags“ und „Matt in Hell“. Sie Beziehen sich auf ein krudes Verständnis alt-testamentarischer Textstellen.

Bereits im November 1998 ging das New York City Tectonic Theater Project nach Laramie. Aus den Ortsbesichtigungen und Interviews ging das Laramie Project hervor. 2001 wurde es verfilmt mit Schauspieler wie  Peter Fonda, Joshua Jackson, Christina Ricci, Laura Linney, Clea DuVall, Ben Foster und Steve Buscemi.

Auch im Bereich der Rock- und Pop-Musik fand der Mord an Matthew Shepard seinen Niederschlag. Hier muss ich die Regel der Top-Five-Liste gleich erweitern zu einer Top-Twelve-Liste der Songs, die von Matthew Shepard handeln oder ihm gewidmet sind. Auch diese Liste bleibt immer noch sehr unvollständig.

    • Scarecrow – von Melissa Etheridge auf Breakdown (1999)
    • Trouble the Waters – von Big Country auf Driving to Damascus (1999)
    • American Triangle – von Elton John und Bernie Taupin auf Songs from the West Coast (2001)
    • Laramie – von Amy Ray auf Stag (2001)
    • Scarecrow – Kristian Hoffman mit Rufus Wainwright auf & (2002)
    • Fear and Loathing in Laramie – von Protest the Hero auf A Calculated Use of Sound (2003)
    • Jesus Is On The Wire – von Peter, Paul and Mary (Original von Thea Hopkins) auf In These Times (2004)
    • Matthew – von Janis Ian auf Billie’s Bones (2004)
    • Above the Clouds – von Cyndi Lauper und Jeff Beck auf The Body Acoustic (2005)
    • Did You Just Say ‚Faggot‘? – von den Dangers auf Dangers (2005)
    • Poster Child – von A Balladeer auf Where Are You, Bambi Woods? (2008)
    • The Fence (Matthew Shepard’s Song) – von Peter Katz auf First of the Last to Know (2010)

Aber das schönste Lied (und deshalb außerhalb der Top-Twelve-Liste) stammt vom kanadischen Singer-Songwriter Ron Sexsmith. Es heißt God Loves Everyone und findet sich auf seinem Album Cobblestone Runway aus dem Jahr 2002. Hier ein Video von YouTube:

Und noch eine Version:

Links
http://www.tectonictheaterproject.org/
http://www.matthewshepard.org/

Spanisch ist die Sprache der Liebe

Bob Dylan, Literaturnobelpreisträger, veröffentlichte in meinem Geburtsjahr eine Aufnahme unter dem Titel Spanish is the Loving Tongue, die in ihrer Stilistik eine Ausnahme in seinem Schaffen darstellt, für mich allerdings prägend war, weil sie sich auf meiner zweiten eigenen Bob-Dylan-Platte befand.

Die Grundlage für dieses Lied bildet das Gedicht A Border Affair des amerikanischen Dichters Clark Badger (1883–1957), das 1919 in der Sammlung Sun and Saddle Leather veröffentlicht wurde. Badger ist einer der großen Cowboy-Dichter Amerikas. Er lebte sogar einige Zeit im berühmt-berüchtigten Tombstone in Arizona, nahe der mexikanischen Grenze, bis er schließlich zum offiziellen Staatsdichter von South Dakota ernannt wurde. In dem Buch Sun and Saddle Leather findet sich auch ein anderes, heute weit verbreitetes Gedicht: A Cowboy’s Prayer. Ein Gebet, das Gott nicht in amtskirchlichen Organisationseinheiten sondern vielmehr in der Natur sucht.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: A Border Affair erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus den USA stammend einer Frau in Mexiko begegnet. Von ihr lernt er die Sprache der Liebe, zu der zumindest die zwei spanischen Ausdrücke mi amor (meine Liebe) und mi corazon (mein Herz) gehören. Wegen eines Kampfes nach verlorenem Pokerspiel muss der liebende Mann über die Grenze fliehen. Da er nicht mehr zurück nach Mexiko kann, wird er seine Geliebte nie wieder sehen. Aber Spanisch ist ihm zur Sprache der Liebe geworden.

Spanish is the lovin‘ tongue,
Soft as music, light as spray.
Twas a girl I learnt it from,
Livin‘ down Sonora way.
I don’t look much like a lover,
Yet I say her love words over
Often when I’m all alone—
„Mi amor, mi corazon.“

Nights when she knew where I’d ride
She would listen for my spurs,
Fling the big door open wide,
Raise them laughin‘ eyes of hers
And my heart would nigh stop beatin‘
When I heard her tender greetin‘,
Whispered soft for me alone—
„Mi amor! mi corazon!“

Moonlight in the patio,
Old Señora noddin‘ near,
Me and Juana talkin‘ low
So the Madre couldn’t hear—
How those hours would go a-flyin‘!
And too soon I’d hear her sighin‘
In her little sorry tone—
„Adios, mi corazon!“

But one time I had to fly
For a foolish gamblin‘ fight,
And we said a swift goodbye
In that black, unlucky night.
When I’d loosed her arms from clingin‘
With her words the hoofs kep‘ ringin‘
As I galloped north alone—
„Adios, mi corazon!“

Never seen her since that night.
I kaint cross the Line, you know.
She was Mex and I was white;
Like as not it’s better so.
Yet I’ve always sort of missed her
Since that last wild night I kissed her,
Left her heart and lost my own—
„Adios, mi corazon!“

Viele Folk- und Countrysänger haben diese Strophen mal mehr mal minder originalgetreu gesungen: Judy Collins, Bob Dylan, Marianne Faithfull, um nur einige zu nennen. Für einen YouTube-Link habe ich eine Version von Emmylou Harris ausgewählt. Ich hoffe, sie gefällt.

Aber warum schreibe ich das heute? Es ist weder Bob Dylans, Clark Badgers noch Emmylou Harris‘ Geburts- oder Todestag. Heute ist mein Lieblingsliebesbuch auf Spanisch erschienen. Wenn du nicht da bist … heißt ab heute auch Cuando no estás cerca … Vielen Dank an Fabian Esteban Osorio für die Übersetzung!

Folie1Ich möchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass dieses in mittlerweile sechs Sprachen erhältliche Buch als eine eindeutige Liebeserklärung verschenkt werden kann. Seine Originalität erkennt man daran, dass kein einziges Mal der Satz „Ich liebe dich.“ darin vorkommt.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/cuando-no-est-s-cerca-fabian-williges-9783745069532/64663
http://www.gutenberg.org/ebooks/36770Sun and Saddle Leather als freies Ebook
https://archive.org/details/sun_saddle_leather_eh_1411_librivox/Sun and Saddle Leather als freies Hörbuch

Die Bomben, die Liebe und der Kommerz

Seit einer Woche ist Ramadan, der islamische Fastenmonat, der uns christlichen oder auch atheistischen Europäern abwechselnd Kopfschütteln und eine sportliche Anerkennung abnötigt. Aber das soll jetzt hier nicht behandelt werden. Jeden Abend nach Sonnenuntergang ist Iftar, das Fastenbrechen, das je nach Neigung ein festähnliches Essen mit der gesamten Nachbarschaft, ein Festmahl mit der versammelten Großfamilie oder – moderner – ein Fernsehabend mit bereitgestellten Snacks sein kann. Für die letztgenannte Möglichkeit produzieren große Unternehmen eigens einen Ramadan-Werbespot. Wir kennen das auch, von der Advents- und Weihnachtszeit sowie vor dem Osterfest.

Der arabische Telekommunikationsanbieter Zain hat in diesem Jahr etwas Besonderes gewagt. Er zeigt einen Selbstmordattentäter in Vorbereitung, der allerdings von der friedliebenden Bevölkerung gestellt, mit der Unvereinbarkeit seines Handels mit der islamischen Friedensbotschaft konfrontiert und schließlich wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wird. Der Sänger des den gesamten Spot untermalenden Liedes ist der preisgekrönte Hussain Al Jassmi. Im Werbespot treten auch Menschen auf, die von Attentaten der jüngsten Vergangenheit betroffen waren. Ihre Namen sind eingeblendet.

Selbstverständlich kann man nun unterschiedlicher Meinung sein, wie sich das Leid von Anschlagsopfern und Hinterbliebenen mit dem Kommerz eines Telekommunikationsanbieters verträgt. Aber ich möchte heute das Augenmerk auf einen anderen Punkt lenken. In Europa wünschen wir uns immer wieder Zeichen der Ablehnung gegenüber islamistischen Terror – auch und gerade von Akteuren innerhalb der muslimischen Welt.

Diese Werbung zum Ramadan ist eine deutliche Botschaft für den Frieden und die Liebe. Sie verdeutlicht, dass Attentate nicht im Sinne Gottes sind. Sie schürt keinen Hass und will jedem Menschen, auch moralisch Verwirrten und Fehlgeleiteten, einen Platz in der Gesellschaft geben. Mich berührt diese Werbung. Das möchte ich zum heutigen Freitagabend so stehen lassen.

Und meinen muslimischen Freunden wünsche ich weiterhin: Ramadan Mubarak! – !رمضان المبارك

Wenn du nicht da bist … – mittlerweile in 5 Sprachen

Wiedermal war ich lange nicht aktive auf dieser Website. Das heißt aber nicht, dass ich insgesamt untätig gewesen wäre. Mein Bilderbuch „Wenn du nicht da bist …“ ist mittlerweile in fünf Sprachen erhältlich. Weitere Sprachen sollen noch folgen. Aber da möchte ich nicht vorgreifen.

DSC_9385_ediert

DSC_9383_ediertDas Buch ist im klassischen Buchhandel erhältlich wie auch über Amazon oder direkt beim Verlag epubli.de, wo ich die Bände herausgebracht habe.

Karfreitag – die Chance zur Besinnung … und eine Zucchini im Wind

Mir bedeutet der Karfreitag viel. Der Tod Jesu und seine religiösen Implikationen soll aber nicht der Inhalt dieses Blogeintrags sein. Wer mit dem christlichen Gedankengut nicht so viel anfangen kann, muss auch nicht gleich zu privaten Anti-Tanzverbots-Veranstaltungen pilgern. Ein Stiller Tag lädt jeden ein, sich zu besinnen.

Und unsere Welt hat Besinnung so dringend nötig. Gestern wirft das blonde Kind aus dem Weißen Haus die größte „konventionelle“ Bombe auf die ostafghanische Provinz Nangarhar, um Russen, Syrern, Chinesen und Nordkoreanern zu zeigen, dass es zu allem bereit ist. Und Russland blockiert zum wiederholten Male eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, die den Einsatz von chemischen Waffen in Syrien verhindern bzw. erstmal untersuchen soll. Ich werde die Konflikt- und Krisenherde nicht weiter aufzählen. Wir wissen auch so, dass unsere Welt von Sinnen ist.

Gehen wir ein paar Schritte zurück. Jeder Mensch wird von seiner Mutter geboren. Jeder Mensch ist zu Beginn seines Lebens klein und unschuldig. Und jeder Mensch sehnt sich nach Liebe Das mag banal klingen. Es schließt allerdings deutlich Präsidenten aller Staaten und jeden einzelnen IS-Kämpfer mit ein. Diese Liebe bekommt ein Mensch im Normalfall zuerst von seinen Eltern, seiner weiteren Familie, einem Freundeskreis, Lebenspartner und in der Form der Wertschätzung von Berufskollegen und der Nachbarschaft. Von dieser Liebe handelt auch der theologische Karfreitag, wenn es im Evangelium nach Johannes (3, 16 & 17) heißt:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Um die menschliche Seite dieser Liebe geht es im französisch-schweizerischen Film Ma vie de Courgette (Mein Leben als Zucchini) aus dem Jahre 2016. Der neunjährige Icare, der lieber Zucchini genannt werden möchte, lebt von seinem Vater verlassen allein bei seiner alkoholkranken Mutter. Nachdem sie bei einem Unfall mit einem Revolver ums Leben kommt, wird Zucchini in ein Kinderheim gebracht. Simon, ein Raufbold mit Herz, stellt ihm die Schicksale der anderen Kinder vor und schließt mit den Worten: Hierher kommen nur die, die von niemandem mehr geliebt werden. Doch der liebevoll produzierte Stop-Motion-Film beweist mit seinen Knetfiguren eine Stunde lang, dass auch hier in diesem Heim der Verlassenen und Verletzten Liebe neu entstehen kann.

Der Film war für die wichtigsten Preise nominiert. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Europäischen Filmpreis 2016, dem César 2017 und dem Schweizer Filmpreis 2017. Die Deutsche Film- und Medienbewertung gab dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. Bei den verliehenen Preisen geht es nicht nur um die Kategorie Animationsfilm, sondern auch immer wieder um die Filmmusik. Für die zeichnet Sophie Hunger verantwortlich.

Ins Filmgeschehen meisterhaft eingeflochten sind die Lieder Eisbär von Grauzone und Le vent nous portera (Der Wind wird uns tragen) von Noir Désir. Und genau dieses Lied hören wir im Abspann noch einmal von Sophie Hunger interpretiert. Das ist nicht das erste Mal, dass dieses Lied den Soundtrack eines Films bildet, aber es ist eines der schönsten.

Der Wind ist ein unberechenbarer Zeitgenosse. Bob Dylan vermutet bei ihm alle Antworten. Unser Protagonist trägt einen unheilvollen Taufnamen (Ikarus) und hantiert den gesamten Film über mit einem Drachen, der seinen verschwundenen Vater symbolisiert. Und auch im bereits zitierten dritten Kapitel des Johannes-Evangeliums heißt es nur wenige Sätze vorher: Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Eine Übersetzung des französischen Liedtextes, die ich auf einem anderen Blog (siehe unten) gefunden habe, geht wie folgt:

Ich hab‘ keine Angst vor dem Weg,
Weil ich ihn sehen will, ihn auskosten will,
Jede Biegung, jede Windung, bis es gut ist,
Weil der Wind uns tragen wird.

So wie all‘ das, was du den Sternen sagen würdest, 
Wie der Lauf der Dinge, 
Wie die Zärtlichkeit und der Schlag, 
Wie anderer Tage Paläste, von gestern, von morgen
Ein flüchtiger Eindruck wie aus Samt,

Und dann kommt der Wind und trägt alles davon.

Unser Erbgut, unsere Gene nimmt er,
Trägt sie in die Luft, in die Atmosphäre,
In die Galaxie, wie ein fliegender Teppich,
Der Duft der Jahre davor und all‘ das, was Einlass verlangt an deiner Tür,
Diese Unendlichkeit von Schicksalen, wovon man eines lebt,
Und was bleibt von all‘ dem zurück?

Eine Flut, die beständig steigt,
Eine Erinnerung, die jeder ab und zu hat,
Im Herzen des Schattens,

Der vor mir bleibt, 
Nehme ich mit mir die Spur, die von dir bleibt
Bis der Wind alles davon trägt.

Links
http://www.zucchini-film.de/ – Offizielle Seite des Films
http://www.noirdez.com/ – Website der Band Noir Désir
http://sophiehunger.com/ – Website von Sophie Hunger
https://anewfriend.wordpress.com/ – Blogeintrag zu Le vent nous portera