Wanda – Musik aus Wien und Amore in Bologna

Ich bin, was aktuelle musikalische Strömungen und Erscheinungen angeht, nicht der Schnellste. Wanda waren bereits im Februar letzten Jahres im Werk II in Leipzig zu sehen. Aber damals kannte ich sie ja noch nicht. Vor knapp zwei Wochen habe ich beim Aufräumen den Deutschlandfunk gehört und da gab es einen Beitrag zu der 2012 in Wien gegründeten Band.

Die Lieder haben mich sofort in ihren Bann gezogen: Auseinandergehen ist schwer, Stehengelassene Weinflaschen, Meine beiden Schwestern – direkt nach der Sendung bin ich online gegangen und habe die zwei CDs Amore (2014) und Bussi (2015) bestellt. Jetzt gehen mir ihre Lieder als Ohrwürmer durch den Gehörgang. Die Texte changieren auf eine Art zwischen Belanglosigkeit und Philosophie, wie ich sie auch selbst gern praktiziere.

Genauso wie die Flaschen von Gestern,
meine beiden Schwestern,
ich schau dich gern von rechts an.
Hin und wieder stehen wir uns nah.

Aber das darf man nicht nur lesen; das muss man hören:

Ein anderes Zitat, diesmal vom ersten Album, ist aus dem Song Bologna:

Wenn jemand fragt wohin du gehst, sag nach Bologna!
Wenn jemand fragt wofür du stehst, sag für Amore, Amore!

Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht! Amore, meine Stadt
Tante Ceccarelli einmal in Bologna Amore gehabt! Bologna, meine Stadt

Auch hier möchte ich das Video gleich nachreichen:

Für alles weitere bleiben noch die Links:
http://wandamusik.com/
https://problembaer.bandcamp.com/album/wanda-amore

Valentinstag

Heute muss ich noch stärker aufpassen als bei meinem letzten Thema. Denn wenn sich ein Junggeselle über den Valentinstag äußert, wird ihm schnell Frustration vorgeworfen. Beißender Zynismus trifft dann nur den eigenen Schwanz. Und ich schwöre, dass ich gerade nur an die Redewendung mit der Katze denke.

Mit dem 14. Februar ist das Gedenken an zwei Märtyrer aus der Mitte des dritten Jahrhunderts verbunden: der Priester Valentin von Rom († 269) und der Bischof Valentin zu Terni in Umbrien († 273). Was über das Leben der beiden Heilige überliefert ist, gehört ins Reich der Legenden. Ihre Existenz gilt jedoch als gesichert. Nichts prädestiniert sie allerdings dazu, Schutzheilige der Verliebten zu sein.

Wichtiger für unseren Feiertag ist der heute kaum bekannte Papst Gelasius I., welcher übrigens aus Nordafrika stammte und ein Berber war. Er verbot die bis in seine Amtszeit hinein gefeierten Lupercalien am 15. Februar, ein römisches Fruchtbarkeitsfest, das in Teilen mit unserem Karneval zu vergleichen ist, der ja in den meisten Jahren über die Februarmitte hinausragt. Gleichzeitig erhob er den 14. Februar zum Gedenktag für oben genannte Märtyrer. So verbanden sich Fruchtbarkeit und Valentin miteinander. Gelasius prägte übrigens das Wort modern. Er meint damit zeitgenössisch, im Gegensatz zu althergebracht.

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Viele Jahrhunderte später aber noch lange nicht modern im zeitgenössischen Wortsinne schrieb Geoffrey Chaucer (1342–1400) von einem Parliament of Fowls (Parlament der Vögel). Hier betrachtet der Dichter, nachdem er in alten Büchern nicht ausreichend über die Natur der Liebe belehrt wurde, das Balzverhalten des Geflügels. Die Tauben sind sich ewig treu, der Kuckuck lebt promiskuitiv. Zugeteilt werden die Männchen und Weibchen einander durch die Göttin Natura. Schließlich singen die Vögel:

Saynt Valentyn, that art ful hy on-lofte; –
Thus singen smale foules for thy sake –
Now welcom somer, with thy sonne sonne,
That hast this wintres weders over-shake

Saint Valentine, who art full high aloft –
Thus sing the small fowls for your sake –
Now welcome summer, with your sun soft,
That this winter’s weather does off-shake.

Sankt Valentin, du bist der Hochgestellte,
Für Dich die Vögel dieses Lied beginnen:
Willkommen, Sommer, der des Winters Kälte
Durch seine warme Sonne ließ zerrinnen.

In Erinnerung an diese göttliche Zuteilung der Vogelpärchen, losten im Mittelalter Gruppen junger Männer und Frauen sich zu Valentinspärchen zusammen, um es hernach den Vögel gleichzutun – im Adel gesittet als Freunde für ein Jahr, später im Volke etwas derber. Der Karneval steckt wohl auch in diesem Brauch.

Wer es nicht ganz so verliebt mag, kann mit dem 14. Februar ein festes Datum des Vorfrühlings sehen. Es wird schon deutlich früher hell, und in manchen Jahren spürt man die ersten laueren Lüfte.

Links
librarius.com – Parliament of Fowls
zeit.de – Zum Valentinstag

Slow West – die Moritat von Jay Cavendish

Welch ein Glück, dass die Welt rund ist! Diese Tatsache hat Kolumbus nicht nur Amerika entdecken lassen,sie gibt auch der Sehnsucht nach dem Westen immer mal wieder neuen Schwung. Denn im Gegensatz zu den Himmelsrichtungen Norden und Süden, gibt es für Ost und West keine definierten Extreme. Immer kommen unzivilisierte Horden aus dem Osten, immer fliehen die Träumer, die Visionäre, die Edelmütigen in den Westen. Das wusste auch schon der klassische Philologe J. R. R. Tolkien und ließ seine Elben sich nach dem Westen sehnen.

Aus dem ganz weiten Westen kam im vergangenen Jahr ein Film, der dem Genre des Western ein ganz neues Leben einhaucht: Slow West, Langfilmdebüt des Schotten John Maclean, der auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde der Film in Neuseeland mit einer Reihe von neuseeländischen Schauspielern in den Nebenrollen und Michael Fassbender sowie Kodi Smit-McPhee in den beiden Hauptrollen.

Schon 2007 wurde zur Veröffentlichung von No Country for Old Men von Coen-Brüdern über die Wiedergeburt des Western geschrieben. Für mich befinden sie sich allerdings in einer Phase des späten Post-Spät-Western, wenn man es so beschreiben mag. Slow West nun ist ein echter Neo-Western.

Er hat alle Bestandteile eines klassischen Western: Pferde; Revolver; Indianer, die von Weißen gemordet werden; ein Greenhorn; Kopfgeldjäger, die nach steckbrieflich Gesuchten fahnden; harter Alkohol; Lagerfeuer und Sternenhimmel; die Bewegung Richtung Westen und schließlich der Showdown, der in diesem Fall nicht versöhnlich, sondern ganz der Tradition der Spät-Western folgend tragisch endet. Und doch erinnert der Film mehr an die Geschichte, die uns ein Bänkelsänger auf einem europäischen Markt vorsingt. Später wird das Hausmädchen diese Moritat nun als Küchenlied an das restliche Personal weitergeben. Doch was ist denn nun passiert?

Wir begegnen dem jungen und verliebten Jay Cavendish. Durch Rückblenden erfahren wir, dass er, Neffe des schottischen Lord Cavendish, sich in ein einfaches Bauernmädchen verliebt hat. In einem Streit zwischen dem Vater des Bauernmädchens und dem Lord kommt es zu einem tragischen Unfall. Der Lord stirbt. Vater und Tochter fliehen aus Schottland nach Amerika. Nun hat sich der 16-Jährige nach Amerika aufgemacht, um sie zu suchen. Ein Kopfgeldjäger nimmt ihn unter seine Fittiche, erst für einen kleinen Zuverdienst, dann um durch ihn das Mädchen, auf dessen Kopf bereits 2.000 Dollar (im 19. Jahrhundert viel Geld) ausgesetzt sind, schnell zu finden, schließlich aber, um mit ihm zusammen, dem Mädchen zu helfen. Das Mädchen wird den großen Showdown überleben. Aber das streut dem Jungverliebten nur noch mehr Salz in die Wunde. Wer den Film gesehen hat, möge mir diesen Scherz verzeihen. Wie die kleine Holzhütte zusammengeschossen wird, ist eines der vielen Zitate aus klassischen und späten Western. Ich denke da an das Ende von The Wild Bunch (1969) oder auch eine frühe Szene aus Pat Garret & Billy the Kid (1973), beide von Sam Peckinpah. Slow West ist ein Film, den ich nicht verpasst haben möchte!

Über die Leistungen von Michael Fassbender muss ich wohl nichts schreiben: Allein im letzten Jahr haben wir ihn neben seiner Rolle als Kopfgeldjäger Silas noch als Lord Macbeth und Steve Jobs gesehen. Er hat mit Regisseuren wie Ridley Scott, Steve McQueen und Steven Soderbergh gearbeitet. Und seit 2011 gibt er in den X-Men-Filmen den Magneto.

Kodi Smit-McPhee ist ein australischer Jungschauspieler, der in diesem Jahr 20 werden wird. Mir ist er zum ersten Mal aufgefallen in Let me in (2010), dem US-amerikanischen Remake des schwedischen Horrorfilms Let the Right One In (2008), für den ich an dieser Stelle auch gleich eine Empfehlung aussprechen möchte. 2013 habe ich ihn in A Birder’s Guide to Everything gesehen. Auch ein wunderbarer Film. In diesem Jahr werden sich Smit-McPhee und Fassbender auf der Leinwand in X-Men: Apocalypse wieder begegnen. Ich glaube, wir werden noch einige Filme mit diesem Schauspieler zu sehen bekommen. Ich bin gespannt.

Link
slowwestmovie.com

Hello, Adele! Hello, Xavier! Hello, Chase!

Es ja nun schon einige Zeit bekannt, dass sich Adele nicht für den Rest ihres Lebens ind Private zurückziehen wird. Seit letzten Freitag können wir hören, wie gut das ist. Die ersten Single-Auskopplung des bald erscheinenden Albums „25“ heißt „Hello“ und ist mal wieder ein Garant für aufgestellte Nackenhaare. Die Regie für das Musikvideo führte das kanadische Wunderkind Xavier Dolan. Bevor ich viel zu viel rede bzw. schreibe, hier nun das Video:

Eigentlich sollte ich es so stehen lassen. Reicht ja auch für einen Tag. Aber ich möchte auf eine Cover-Version hinweisen. Chase Holfelder, den ich für seine Reihe „Major to Minor“ und dort vor allem für seine Version von Cindy Laupers „Girls just wanna have fun“ sehr verehre, hat sich innerhlab kürzester Zeit nach Erscheinen der Single mit seiner Version vor Adele verneigt. Wir neigen einfach mal mit:

Meine Musik auf Soundcloud

Ein guter Freund hat mich jetzt lang genug bearbeitet, ich solle doch meine Lieder, die ich über die Jahre auf selbstgebrannten CDs veröffentlicht hatte, endlich online stellen, damit man sie auch heute noch – wenigstens ab und zu – hören könne. Ja, die CD, einst Zeichen der Digitalisierung, ist mit ihrer materiellen Gebundenheit bereits wieder veraltet.

Ich habe jetzt zumindest einen Teil meiner Lieder hochgeladen. Zwei Playlists möchte ich hier besonders bewerben:

  • soundcloud.com/fabian-williges/sets/where-i-dont-belong
    Fünf sehr traurige Lieder über das Lieben-aber-nicht-zurück-geliebt-werden. Aufgenommen und produziert von Paul Vogel, den ich vor einigen Jahren in einem meiner Lehrgänge traff. Er hat ein besonderes Gehör und seine ganz eigene Art, an die Lieder heranzugehen. Ich fühle mich von ihm in diesen Liedern besonders gut verstanden.
  • soundcloud.com/fabian-williges/sets/fabian-die-coxx
    Drei Lieder gemeinsam mit der Schülerband „Die Coxx“, die ich über ein Projekt in der VILLA kennengelernt habe. Die Musiker sind heute natürlich keine Schüler mehr, aber zumindest teilweise noch immer Musiker. Ich denke sehr gern an diese Produktion zurück, die wir mit einfachsten Mitteln bewerkstelligt haben.

Phantombilder von Figuren der Weltliteratur

Ich bin heute auf den Blog The Composites gestoßen, den ich sofort mit meinem ausgesuchten Leserkreis teilen möchte. Der kanadische Literaturkritiker und Künstler Brian Joseph Davis fertigt mit einer Software für Kriminologen Phantombilder von bekannten Figuren der Weltliteratur. Häufig sind die großen Werke ja bereits verfilmt, und wenn wir den Namen eines Protagonisten hören, sehen wir lediglich das Gesicht eines Schauspielers vor unserem geistigen Auge. Doch wie hat der Autor seine Hauptperson tatsächlich beschrieben?

Davis sucht die Passagen aus den Erzählungen heraus, die sich mit dem Äußeren der Personen beschäftigen und gibt die Beschreibungen in eine entsprechende Software ein (Der Name des Programms ist mir nicht bekannt.). Nicht alles, was dabei herauskommt, kann man wirklich als schön bezeichnen. Aber auch da hat uns Hollywood eher auf dem Gewissen als die schöne Literatur.

In fünf Tagen wird es 66 Jahre her sein, dass Nineteen Eighty-Four von George Orwell erschien. Die fünf Tage wollte ich mit diesem Eintrag aber nicht mehr warten. Deshalb präsentiere ich jetzt Julia, Winston Smiths Geliebte – zwar nicht bis zum Tode, aber zumindest bis zur Folter –, wie George Orwell sie beschrieben hat:

Julia aus 1984 von George Orwell
Erstellt von Brian Joseph Davis mit einer forensischen Software

Link
thecomposites.tumblr.com

Namenstag des Hl. Valentin

Die Legenden kennen zwei Heilige dieses Namens, einen Priester in Rom und einen Bischof in Umbrien. Beide wurden in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts enthauptet, weshalb manche Forscher auch davon ausgehen, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Beide heilten Kranke und bekehrten römisch-heidnische Beamte.

In manchen Schriften ist zu lesen, dass der Hl. Valentin Verliebte heimlich nach christlichem Ritus traute. Das soll dann als Begründung für die heutige Bedeutung des Valentinstages herhalten. Bei Lichte besehen, trauten damals alle Priester und Bischöfe (hoffentlich) Verliebte heimlich, da Christen in Rom ja noch verfolgt wurden.

Andere sehen darin Überreste der römischen Lupercalien, einem sehr kruden Fest, bei dem sich sonst nackte Priester die Felle der geopferten Böcke umbanden, um den Palatin tanzten und verheiratete Frauen mit Lederriemen schlugen, um ihre Ehe zu segnen. Da sind wohl doch die Pralinen und Blumen von heute vorzuziehen.

Der Hl. Valentin ist aber nicht nur für Verliebte da. Er ist auch der Schutzpatron der Jugend und der Reisenden. Und auf eine kurze Reise werde ich mich nun auch begeben. Ich muss nur noch schnell vorher Blumen kaufen…