Archiv der Kategorie: Selbstbezogen

Der Blick einer Frau

Es gibt das Pareidolie genannte Phänomen, in unbelebten Dingen das Gesicht eines Menschen zu sehen. So kann ein Briefkasten schnell wie ein Gesciht mit einem breit gezogenen Mund aussehen. Gestern musste ich bei den Tagesthemen plötzlich an Liza Minelli und Josephine Baker denken, als ich auf der stark vereinfachten Weltkarte im Hintergrund auf die Ostküste Nordamerikas schaute. Dass mir das noch nie vorher aufgefallen war!

Die großen Seen sind das eine Auge, der Sankt-Lorenz-Golf das andere. Die Hudsonbai führt eine interessante Haarsträhne spitz in die Stirn. Der Atlantik ist ein Tuch, ein Schleier, ein Schal, der den Mund dieser Schönheit verdeckt. Seht selbst:

Kalender 2023.01 – OMG

Abadir ist gewitzt und verwegen wie Sindbad.

Im Kalender 2023 werden die Spieler des FC Mohajer Leipzig e.V. porträtiert. Dazu bediene ich mich orientalischer Märchengestalten – manche weltberühmt, andere kaumbekannt. Die Märchen habe ich im Buch Orientalische Märchen Gestalten – Gruppiert von Fabian W. Williges versammelt und herausgegeben (ISBN 978-3-7565-5743-1).

Jahresrückblick 2022

Silvester ist die richtige Zeit zum Innehalten und Zurückschauen – nicht zu lange! Man will ja nicht wehmütig werden. Aber man kann ja mal kurz die Koffer abstellen und durchatmen, bevor man sie wieder ergreift und weiterzieht in ein neues Jahr.

Wie zu den Weihnachtsfeiertagen habe ich hier nur Bilder ausgewählt, die ich in diesem Jahr im September bei meinem Urlaub in London geschossen habe. Dort lebt meine Tante, die ich sehr mag und mit der ich einmal im Jahr eine Uralubsreise unternehme. Eigentlich! Denn nach meinem letzten Besuch im September 2019 kam erstmal Corona mit den unterschiedlichsten Reiseregelungen und schon hatten wir uns drei Jahre lang nicht gesehen.

Jedes Bild zeigt Maria und Jesus, aber die Aussage ist jeweils eine ganz andere. Die möchte ich symbolhaft für die vier Quartale 2022 nehmen. Das passt vielleicht nicht immer ganz genau; aber als ein erste Anhaltspunkt soll es mir genügen.

Jungfrau mit Kind, Engeln und Johannes dem Täufer, Goa (17. Jh.)

Diese Madonna stammt aus Goa, Indien. Dort gab es bereits vor dem Eintreffen der Europäer (im konkreten Fall Portugiesen) eine christliche Gemeinde, die sogeannten Thomaschristen, die sich auf den Apostel Thomas berufen. Sie stehen der orthodoxen Kirche in vielem näher als der katholischen oder gar protestantischen Kirche. Bemerkenswert finde ich, wie Maria von Engeln getragen wird und wie Johannes der Täufer so klein und hilflos als Randfigur vergeblich um die Aufmerksamkeit Mariens buhlt.

Der Jahresanfang war für mich ein ganz freudiger, gespannter. Unser Bistro BolBolani wurde am 30. Januar ein Jahr alt. Und einen knappen Monat später hatte ich selbst Geburtstag. Doch dieser Freudentag wurde überschattet vom Einfall Putins in die Ukraine. Seitdem ist ein Schatten auf diesem Jahr. Und uns geht es bei allen Problemen um Gas, Speiseöl, Inflation und Klimawandel noch verhältnismäßig gut.

Maria und Kind, Türkei (um 1650)

Der Teller zeigt Maria und Jesus in einem Blumenmeer. Ich entdeckte die Keramik in der muslimischen Abteilung des British Museums. Jesus ist ein wichtiger Prophet im Koran und nach Maria ist sogar eine Sure benannt. Nur als Sohn Gottes wird Jesus eben nicht gesehen.

Im zweiten Quartal entwickelte ich die Idee für den Kalender 2023 Orientalische Märchen Gestalten. Diese Idee stand natürlich plötzlich monolithisch im Raum. Sie ist gereift, bis sie schließlich zum Jahresende verwirklicht vor mir lag in Form von einem Kalender mit zwölf Porträts von Spielern des FC Moahjer Leipzig e.V., einem Plakat mit allen 30 Mitgliedern des Vereins zum Saisonstart und einem Buch mit den orientalischen Märchen, auf die ich mich im Kalender beziehe.

Außerdem habe ich mich in dieser Zeit mit der guten Freundin Anna Baldauf beim Korrekturlesen ihrer Staatsexamensarbeit mit Ruth beschäftigen dürfen, einer Vorfahrin König Davids und somit auch Jesu Christi. Die Arbeit war meiner nach hervorragend. Die Prüfer haben es auch so gesehen. Herzlichen Glückwunsch!

Parmigianino (1503–1540), Jungfrau und Kind (1528)

Wenn auch dieses Bild, das unten rechts deutlich Fragment geblieben ist, vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammt, ist es für mich das modernste. Vielleicht liegt es gerade auch am Fragmentarischen.

Mein drittes Quartal 2022 war geprägt von den Geburtstagen zweier älterer Damen. Im Juli feierte meine Familie in meienr Geburtsstadt Hildesheim den 80-jährigen Geburtstag meiner Mutter und im September feierten meine Tante und ich in London ihren 82-jährigen.

Das Bistro habe ich an meinen Geschäftspartner Mohammad Mirzaiy verkauft. Ich bin doch wohl eher Künstler und Dozent. Auch wenn mir im Unterricht das Kaufmännische alles andere als fremd ist, war das tägliche Mühen im Bistro zusätzlich doch wohl zuviel für mich.

Gentile da Fabriano (1385–1427), Madonna mit Kind und Engeln (1425)

Das Jesuskind schaut in diesem prachtvollen Altarbild nicht zum Betrachter bzw. Betenden. Es wendet sich dem vordersten Engel zu und überreicht diesem ein Gänseblümchen. Gibt es eine unscheinbarere, alltäglichere und doch unschuldigere Blume als das Gänseblümchen?

Das vierte Quartal begann mit dem 80-jährigen Geburtstag meines Vaters, den wir als Familie in Hannover, einer der Wirkungsstätten meines Vaters, feierlich begangen haben. Den Rest des Jahres habe ich wie im Fieber am Kalender-Projekt und auch ganz konkret am Vorankommen des FC Mohajer Leipzig e.V. gearbeitet. Mit sehr viel Freude und letztendlich auch mit Erfolg, würde ich sagen. Die Weihnachtsfeiertage im täglich wechselnden Kreise meiner Familie und Patenkindfamilien waren ein wundervoller Abschluss dieses Jahres.

Ich wünsche uns allen, meiner Familie, meinen Freunden und Wegbegleitern und allen Lesern dieser Zeilen ein gesundes und frohes neues Jahr 2023 unter Gottes segnender Hand!

Links
https://courtauld.ac.uk/
https://www.nationalgallery.org.uk/

https://www.britishmuseum.org/

Mein neues Buch: OMG

Das letzte halbe Jahr war arbeitsintensiv – und äußerst produktiv. Mit meinem neuen Kalender für 2023 stelle ich die Spieler des FC Mohajer Leipzig e.V. vor und ihnen orientalische Märchengestalten zur Seite. Manche davon sind weitläufig bekannt. Von anderen haben wir hier in Europa noch kaum etwas gehört.

Nach dem Kalender kam mir der Gedanke, ich sollte die Märchen, auf die ich mich im Kalender und erweitert in der Ausstellung (zu sehen im Dezember/Januar im Café des Soziokulturellen Zentrums „Die VILLA“) beziehe, in einem kleinen Büchlein herausgeben. Wie so oft, hat sich das Projekt ausgewachsen. Letzten Freitag habe ich also ein 372 Seiten starkes Buch veröffentlicht, mit dem Titel „Orientalische Märchen Gestalten“ kurz OMG.

Orientalische Märchen Gestalten – Gruppiert von Fabian W. Williges
Herausgegeben im Dezember 2022; ISBN 978-3-7565-5743-1
für 19,95 EUR bestellen über epubli.de oder im statonären Buchhandel

Buchcover „Orientalische Märchen Gestalten“, Berlin 2022

Als kleinen Appetizer gebe ich hier den Klappentext wieder:

Wo liegt der Orient?

Eigentlich ist alles ganz einfach: Der Orient ist ein aus dem Lateinischen kommender Ausdruck für den Osten. Wörtlich bedeutet es [Sonnen-]Aufgang. Dem entspricht die lutherische Wortschöpfung Morgenland. Die passenden Antonyme lauten: Westen, Okzident und Abendland.

Aber wie so oft, wenn etwas ganz einfach ist, liegt der Teufel im Detail. Das geht schon damit los, dass die Erde rund ist und sich nur um eine Achse dreht. Es gibt je einen Nord- und Südpol. Osten und Westen bleiben aber relative Ortsangaben so wie links und rechts.

Ich habe den Begriff für meinen Buchtitel bewusst gewählt. So ungenau er an den Rändern ist, beschreibt er für mich sehr klar eine Sehnsucht zu eben diesem Ungenauen, die uns alle immer wieder anstachelt und veranlasst, ins Ungewisse aufzubrechen, vielleicht gar einen westlichen Seeweg zum Orient zu suchen.

Wir suchen Abenteuer in unseren altbekannten Bahnen. Wir forschen im Fremden nach dem Vertrauten. Das kann uns in den hier versammelten Märchen gut gelingen. Sie halten uns einen Spiegel vor, in den wir ganz tief blicken, in dem wir beides finden können.

Ich glaube, der Orient ist in uns. Ein Sehnsuchtsort, ein Ort imaginierter Herkunft, zu dem es uns stets drängt, während der Zug der Siedler beständig nach Westen weiterzieht. Wenn es Gott gefällt, werden wir eines Tages ankommen. Vielleicht hat er ja genau dafür die Erde rund erschaffen.

Fabian W. Williges

Bewegte Zukunft im DOSB

Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
Die gastlich hier zusammenkamen?

Freitag und Samstag waren Edris Bahrami und ich für den Vorstand des FC Mohajer Leipzig e.V. zu Gast beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt am Main. Da waren wir nicht allein. Versammelt waren die Akteure aus dem Projekt Bewegte Zukunft aus den Ländern Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Es wurden uns die ersten Projektergebnisse vorgestellt und wir konnten uns über Ländergrenzen hinweg kennenlernen und vernetzen.

Und Edris und ich konnten unseren Kalender 2023 vorstellen und den DOSB-Mitarbeiter*innen und Projektteilnehmer*innen als vorweihnachtliche Gabe überreichen. Stimmungen von Arbeitstreffen lassen sich so schwer fotografisch einfangen. Manchmal war ich im Gespräch und habe genau dann eben kein Foto geschossen. Aber ich glaube, man ahnt doch, dass es ein produktiven und einfach schönes Treffen war.

Und noch ein Gruppenfoto von uns – gemacht von Onur Balik aus Frankfurt.

Adventsmarkt

Heute findet der Adventsmarkt in der Friedenskirche in Leipzig Gohlis statt. In den letzten zwei Jahren ist er coronabedingt ausgefallen. Es sind nur vier Stunden an einem Sonnabend; aber mir hat der Adventsmarkt gefehlt. Ich freue mich auf die nächsten Stunden.

Neben meinen Büchern werde ich auch den Kalender 2023 unter dem Titel ORIENTALISCHE MÄRCHEN GESTALTEN anbieten. Den gibt es aber nciht zu kaufen, sondern gegen eine Spende an den FC Mohajer Leipzig e.V. – empfohlen werden 10 EUR.

Der FC Mohajer im Fernsehen

Im Sommer war ein Fernsehteam bei unserem Fußballverein, dem FC Mohajer Leipzig e.V.

Es ging um migrantische Geschichten, also wie Menschen, die zu verschiedenen Zeiten nach Deutschland gekommen sind, heute hier leben, wie sie auf ihr bisheriges Leben zurückschauen und was sie von Deutschland erhoffen und erwarten.

Screenshot aus der ARD Mediathek

Als ein Beispiel wurde Edris Bahrami, Spieler und Vorstand des FC Mohajer, vorgestellt und interviewt. Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen. In der Mediathek der ARD ist diese Serie unter dem Titel #unterAlmans – migrantische Geschichte(n) zu finden. In Folge 1 – Hoffnung und kurz in Folge 5 – Deutschsein ist Edris Bahrami mit Frau und Kind und dem FC Mohajer zu sehen.

https://www.ardmediathek.de/sendung/unteralmans-migrantische-geschichte-n/staffel-1

OMG – Orientalische Märchen Gestalten

Mein neuer Kalender ist fertig. Er zeigt die Spieler des FC Mohajer Leipzig e.V. Jeden Spieler ist eine Figur, ein Tier, ein Element aus einem orientalischen Märchen zugesellt. Die Bilder sind im Soziokulturellen Zentrum Die VILLA (Lessingstraße 7) den ganzen Dezember ausgestellt.

Den Kalender 2023 und ein Poster mit allen 30 Spielern zum Saisonstart kann man dort oder bei mir gegen Spende an den FC Mohajer erhalten. Empfohlen werden 10 EUR für den KAlender und 2 EUR für das Poster.

Joni Mitchells Geburtstag

Heute wird Joni Mitchell 79 Jahre alt. Sie ist – bei weitem – die bedeutendste Singer/Songwriterin für mich. Ihr Lieder begleiten mich seit Jahrzehnten. Ich schreibe jetzt keine lange Würdigung. Stattdessen möchte ich hier eine Übersetzung veröffentlichen, die ich bereits vor 13 Jahren niedergeschrieben habe. Es ist eines meiner Lieblingslieder von Joni: You turn me on (I’m a radio)

Fährst du gerade in die Stadt über dir ne Regenwolke?
Wähl die Nummer von dem Typen, der dich immer lieben wollte
Baby, du machst mich an! Ich bin ein Radio
Ich bin ein Sender vom Land, manche Sprüche sind hohl
Ich bin ein Weizenfeld – siehst du mich winken?
Ich bin ein Funkturm – siehst du mich blinken?

Und ich schicke dir jetzt ein Signal
Ich hoffe es geht laut und deutlich durch den Kanal
Ein Mann für dich darf nicht stark sein das ödet dich an
Doch er darf auch nicht zu schwach sein; denn dann ist er kein Mann
Und eine Hand wäscht die andere, wie du mir so ich dir
Ich kann so sein, wie du mich willst, schenkst du mir Liebe dafür

Doch bist du dir nicht sicher, zweifelst du wieder mal
Ist der Empfang einfach zu schlecht, ändere deine Senderwahl
Denn atmosphärisches Rauschen, wer hört das gern?
Dann sind Kopfschmerz und Sausen im Ohr nicht mehr fern
Von einem Frühstück mit Freunden bis zum Scheidungsantrag
Und was du für ein Gesicht machst an diesem schönen Tag

Fährst du gerade in die Stadt über dir ne Regenwolke?
Wähl die Nummer von dem Typen, der dich immer lieben wollte
Liegst du gerade an ’nem Strand neben dir Lautsprecherboxen
Feg den Sand noch mal beiseite, meine Liebe wird noch Tropfen
Dein Kopf sagt wieder nein, doch dein Herz wär’ gern dabei
Ruf doch beim Sender an: alle Leitungen sind frei

Joni Mitchell (Deutsch von Fabian W. Williges)