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Jahresrückblick 2022

Silvester ist die richtige Zeit zum Innehalten und Zurückschauen – nicht zu lange! Man will ja nicht wehmütig werden. Aber man kann ja mal kurz die Koffer abstellen und durchatmen, bevor man sie wieder ergreift und weiterzieht in ein neues Jahr.

Wie zu den Weihnachtsfeiertagen habe ich hier nur Bilder ausgewählt, die ich in diesem Jahr im September bei meinem Urlaub in London geschossen habe. Dort lebt meine Tante, die ich sehr mag und mit der ich einmal im Jahr eine Uralubsreise unternehme. Eigentlich! Denn nach meinem letzten Besuch im September 2019 kam erstmal Corona mit den unterschiedlichsten Reiseregelungen und schon hatten wir uns drei Jahre lang nicht gesehen.

Jedes Bild zeigt Maria und Jesus, aber die Aussage ist jeweils eine ganz andere. Die möchte ich symbolhaft für die vier Quartale 2022 nehmen. Das passt vielleicht nicht immer ganz genau; aber als ein erste Anhaltspunkt soll es mir genügen.

Jungfrau mit Kind, Engeln und Johannes dem Täufer, Goa (17. Jh.)

Diese Madonna stammt aus Goa, Indien. Dort gab es bereits vor dem Eintreffen der Europäer (im konkreten Fall Portugiesen) eine christliche Gemeinde, die sogeannten Thomaschristen, die sich auf den Apostel Thomas berufen. Sie stehen der orthodoxen Kirche in vielem näher als der katholischen oder gar protestantischen Kirche. Bemerkenswert finde ich, wie Maria von Engeln getragen wird und wie Johannes der Täufer so klein und hilflos als Randfigur vergeblich um die Aufmerksamkeit Mariens buhlt.

Der Jahresanfang war für mich ein ganz freudiger, gespannter. Unser Bistro BolBolani wurde am 30. Januar ein Jahr alt. Und einen knappen Monat später hatte ich selbst Geburtstag. Doch dieser Freudentag wurde überschattet vom Einfall Putins in die Ukraine. Seitdem ist ein Schatten auf diesem Jahr. Und uns geht es bei allen Problemen um Gas, Speiseöl, Inflation und Klimawandel noch verhältnismäßig gut.

Maria und Kind, Türkei (um 1650)

Der Teller zeigt Maria und Jesus in einem Blumenmeer. Ich entdeckte die Keramik in der muslimischen Abteilung des British Museums. Jesus ist ein wichtiger Prophet im Koran und nach Maria ist sogar eine Sure benannt. Nur als Sohn Gottes wird Jesus eben nicht gesehen.

Im zweiten Quartal entwickelte ich die Idee für den Kalender 2023 Orientalische Märchen Gestalten. Diese Idee stand natürlich plötzlich monolithisch im Raum. Sie ist gereift, bis sie schließlich zum Jahresende verwirklicht vor mir lag in Form von einem Kalender mit zwölf Porträts von Spielern des FC Moahjer Leipzig e.V., einem Plakat mit allen 30 Mitgliedern des Vereins zum Saisonstart und einem Buch mit den orientalischen Märchen, auf die ich mich im Kalender beziehe.

Außerdem habe ich mich in dieser Zeit mit der guten Freundin Anna Baldauf beim Korrekturlesen ihrer Staatsexamensarbeit mit Ruth beschäftigen dürfen, einer Vorfahrin König Davids und somit auch Jesu Christi. Die Arbeit war meiner nach hervorragend. Die Prüfer haben es auch so gesehen. Herzlichen Glückwunsch!

Parmigianino (1503–1540), Jungfrau und Kind (1528)

Wenn auch dieses Bild, das unten rechts deutlich Fragment geblieben ist, vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammt, ist es für mich das modernste. Vielleicht liegt es gerade auch am Fragmentarischen.

Mein drittes Quartal 2022 war geprägt von den Geburtstagen zweier älterer Damen. Im Juli feierte meine Familie in meienr Geburtsstadt Hildesheim den 80-jährigen Geburtstag meiner Mutter und im September feierten meine Tante und ich in London ihren 82-jährigen.

Das Bistro habe ich an meinen Geschäftspartner Mohammad Mirzaiy verkauft. Ich bin doch wohl eher Künstler und Dozent. Auch wenn mir im Unterricht das Kaufmännische alles andere als fremd ist, war das tägliche Mühen im Bistro zusätzlich doch wohl zuviel für mich.

Gentile da Fabriano (1385–1427), Madonna mit Kind und Engeln (1425)

Das Jesuskind schaut in diesem prachtvollen Altarbild nicht zum Betrachter bzw. Betenden. Es wendet sich dem vordersten Engel zu und überreicht diesem ein Gänseblümchen. Gibt es eine unscheinbarere, alltäglichere und doch unschuldigere Blume als das Gänseblümchen?

Das vierte Quartal begann mit dem 80-jährigen Geburtstag meines Vaters, den wir als Familie in Hannover, einer der Wirkungsstätten meines Vaters, feierlich begangen haben. Den Rest des Jahres habe ich wie im Fieber am Kalender-Projekt und auch ganz konkret am Vorankommen des FC Mohajer Leipzig e.V. gearbeitet. Mit sehr viel Freude und letztendlich auch mit Erfolg, würde ich sagen. Die Weihnachtsfeiertage im täglich wechselnden Kreise meiner Familie und Patenkindfamilien waren ein wundervoller Abschluss dieses Jahres.

Ich wünsche uns allen, meiner Familie, meinen Freunden und Wegbegleitern und allen Lesern dieser Zeilen ein gesundes und frohes neues Jahr 2023 unter Gottes segnender Hand!

Links
https://courtauld.ac.uk/
https://www.nationalgallery.org.uk/

https://www.britishmuseum.org/

Tag des Königs David

Heute ist der Namestag des Königs David. Es ist kein historischer Tag wie Geburtsdatum, Datum der Thronbesteigung oder Sterbedatum. Der Gedenktag ist bewusst gesetzt. David gehört damit zu den Krippenheiligen. Das sind Heilige, deren Gedenktage in die Nähe des Weihnachtsfestes gelefgt wurden, um ihre Bedeutung zu betonen. Der Thomastag am 21. Dezember gehört ebnso dazu wie der Stephanstag am 26. Dezember.

Es soll aber in meiner Folge von weihnachtlichen Posts nicht um das Leben König Davids gehen. Er ist von Bedeutung als Vorfahr Jesu; denn er wird gern als Sohn Davids bezeichnet. Sowohl im Evangelium nach Lukas als auch nach Matthäus wird eine Genealogie Jesu nachgezeichnet, die bezeichnender Weise die Abstammung über Joseph nennt.

In der katholischen Kirche wurde es dann wichtig, eine Verwandtschaft mit König David über Maria zu betonen. In diesem Zusammenhang wurde die Darstellungen der Anna selbdritt populär. Anna ist die Mutter Mariens. Die hier wiedergegebene Anna selbdritt haben ich in der National Gallery in London gefunden.

Anna selbdritt, Gerolamo dai Libri, Verona, 1510–18

Ursprünglich war das Bild das Hauptstück eines Triptychons in der Kirche Santa Maria sella Scala in Verona. Geschaffen hat es Gerolamo dai Libri (1474–1555), den man der Frührenaissance zurechnet. Seinen merkwürdigen Beinamen hat er seinem Vater zu verdanken, der bereits als Buchillustrator gearbeitet hatte. Gerolamo folgte ihm in diesem Beruf nach, scheute aber auch die größeren Formate nicht.

Mir gefallen besonders die musikalischen Engel zu Füßen der Mütter mit dem Jesuskind. Man beachte auch denbezwungenen Drachen im Hintergrund.

Fest der Unschuldigen Kinder

Dieser Tag ist die dunkle Seite des Weihnachtsfestes. König Herodes lässt in Bethlehem alle Jungen unter zwei Jahren ermorden, um auch Jesus zu treffen. Jesus ist aber bereits auf dem Weg nach Ägypten, weil Joseph durch ein Traumgesicht gewarnt wurde.

Parmigianino, Rast auf der Flucht nach Ägypten, 1523/24 (Ausschnitt)

Gerade einmal 20 Jahre war Girolamo Francesco Maria Mazzola (1503–1540) alt, als er das Bild der heiligen Familie auf der Flucht malte. Man nannte ihn den Kleinen aus Parma. So ging er auch in die Kunstgeschichte ein. Nicht nur ein Schutzengel ist mitgekommen; auch Ochs und Esel sind mit dabei.

Link
https://courtauld.ac.uk/gallery/

Zweiter Weihnachtstag

Die Anbetung der Weisen oder Könige ist das zweite große Thema der Weihnachtsbilder. Der italienische Künstler Giovanni Baronzio hat dieses Bild irgendwann zwischen 1326 und 1340 gemalt. Sein Geburtsdatum ist unbekannt, gestorben ist er 1362. Er ghört zur zweiten Generation der Schule von Rimini. Im Hintergrund des Bildes sieht man auch die Verkündigung der Engel gegenüber den Hirten.

Giovanni Baronzio, Die Anbetung der Weisen, 1326–1350 (Ausschnitt)

Link
https://courtauld.ac.uk/gallery/

Heiliger Abend

Heute ist Heiliger Abend. Heute Abend beginnt die Weihnachtszeit. Heute Abend werden in vielen Familien die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum im Mittelpunkt stehen. Das soll auch so sein. Doch das erste Geschenk der Weihnacht ist die Menschwerdung Gottes. Den Hirten wurde es auf den Weiden Bethlehems als erstes bekannt gegeben durch den Verkündigungsengel. Danach sangen die Himmlischen Heerscharen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Lukas 2, 14
Guido Renzi, Die Anbetung der Hirten (Ausschnitt), 1640

Guido Reni (1575–1642), den man auch den göttlichen Guido nannte, hat diese Szene im Stil der Bologneser Schule abgebildet. Im oberen Ausschnitt sieht man die Himmlischen Heerscharen, im unteren die Krippe und die tatsächliche Anbetung der Hirten.

Guido Renzi, Die Anbetung der Hirten (Ausschnitt), 1640

In diesem Jahr zeige ich Bilder, die ich bei meinem Englandaufenthalt im September 2022 gesehen habe. Es werden also englische Weihnachten in diesem Jahr. Ich wünsche all meinen Freunden und Verwandten und auch den gelegentlichen Blog-Besuchern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ihre ganz persönlichen Engelsbegegnungen.

Link
https://www.nationalgallery.org.uk/

Gründonnerstag

Die Corona-Pandemie verschwindet aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Für Geimpfte mag sie auch tatsächlich an Schrecken verloren haben. Das Leiden der Menschen in der Ukraine tritt in den Fordergrund. So oder so bin ich überzeugt, dass Jesus mit den Menschen leidet. Darum geht es besonders in der Passionszeit, die mit dem heutigen Tag und den folgenden zwei Tagen ihren Schluss- und Höhepunkt erlebt.

Der Name Gründonnerstag weist auch in diese Richtung. Er ist nicht nach der Farbe der Hoffnung benannt, sondern nach dem Verb greinen, was ein anderes Wort für weinen ist. Es ist der Tag des letzten Abendmahls und der Gefangennahme Jesu.

2022 DSC_7578b St. Blasii Quedlinburg

Meine Auswahl fiel heute auf das Altarbild der Kulturkirche St. Blasii in Quedlinburg. Ich war dort im September 2016 mit meiner englischen Tante und meinen Eltern. Mir gefiel das Bild, weil es neben Brot und Wein auch ein Lämmchen auf dem Tisch zeigt. So haben die Jünger vielleicht doch die Chance, auch körperlich satt zu werden. Außerdem weist dieses Hauptgericht auf ein anderes wichtiges sprachliches Bild. Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt und zur Schlachtbank geführt wird.

Bei jedem Abendmahl im Gottesdienst erinnern wir an die Einsetzungsworte Jesu, in denen er Brot und Wein als sein Leib und Blut vorstellt. Paulus zitiert für die Gemeinde in Korinth Jesu Worte beim Abendmahl, indem er schreibt (1. Korinther 11, 25):

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

Seitdem wird in Europa in der Nähe einer Kirche oder eines Klosters Wein angebaut, um die Grundlage des Blutes Christi zum Abendmahl zur Verfügung zu haben. In jedem Zechgelade schwingen das erste Wunder Jesu – die Verwandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit zu Kana – und das letzte Abendmahl mit.

Deswegen noch eine Darstellung eines trinkenden Knaben von Adolf von Hildebrand (1847–1921) aus der Gründerzeit. Er ist in der Nationalgalerie in Berlin zu finden, wo ich 2018 das letzte Mal war.

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Link
https://www.quedlinburg-info.de/
https://www.smb.museum/

Epiphanias – Heilige Drei Könige

Dieser letzte Tag der engeren Weihnacht hat viele Bedeutungen. Der Taufe Christi wird an diesem Tag mancher Orts gedacht. Vor allem ist dies aber der Tag, an dem man der Heiligen Drei Könige gedenkt, die sich als Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland aufgemacht haben, um dem Messias zu huldigen.

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Im Matthäus-Evangelium ist nicht von Königen die Rede, sondern von Magi. Und es steht auch nicht da, dass es drei gewesen seien. Aber sie brignen drei Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Von den drei Geschenken schloss man auf drei Weise. Und da Jesus der König der Könige ist, müssen es wohl Könige sein, die sich ihm unterwerfen.

Mit der Dreizahl wurde im Volksglauben und in der Kunst weiter gespielt: sie stehe für die drei Lebensalter – Jüngling, Mann und Greis. Und sie steht für die drei Kontinente der alten Welt – Afrika, Asien und Europa.

Diese drei Halbfiguren sind in Breslau ausgestellt. Die Stadt und ihre Museen liebe ich außerordentlich. Wenn es wieder halbwegs sicher ist, besuche ich die Stadt wieder.

5. Januar (12th Day of Xmas)

Der 5. Januar ist der vorletzte Tag der engeren Weihnachtszeit, die morgen mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland endet. Heute ist auch der Namenstag von Eduard dem Bekenner, der am 5. Januar 1066 in London starb und sowohl in der katholischen als auch in der anglikanischen Kirche als Heiliger verehrt wird.

Warum man von 12 Tagen spricht, obwohl es ja wohl 13 zu sein scheinen, ist recht einfach erklärt. Es geht so eigentlich um die Nächte zwischen den Tagen, die man im Mittelalter auch die Rauhnächste genannt hat. Die Heilige Nacht wird dabei noch nicht mitgezählt.

DSC_0017 Southwark

Das ist Grund genug, eine Darstellung auszuwählen, die ich bei einer meiner Fahrten zu meiner englischen Tante gefunden habe. Diese Minimalkrippe stammt aus der Southwark Cathedral im Süden Londons.

Der Chor der Kathedrale sang übrigens die Musik von Mr. Bean. Vor allem ist die Kathedrale bekannt durch ihre inklusive Politik:

Southwark Cathedral is an inclusive community where LGBTi+ people are welcomed and affirmed. The clergy would be delighted to help you to prepare prayerfully for your Civil Partnership.

Link
https://cathedral.southwark.anglican.org/