Top-Five-Liste von Musiker-Geburtstagen

Ach, wenn man einmal wieder mit Top-Five-Listen anfängt, ist es schwer wieder damit aufzuhören. Ob mir wohl fünf gute Gründe einfallen würden, warum ich Top-Five-Listen so gern mag?

Fünf Musiker feiern heute Geburtstag, die man ruhig kennen kann:

  • Robert Long (1943–2006) – Niederländischer Liedermacher, der auch auf Deutsch gesungen hat. Er lebte offen schwul und sang darüber; zu einer Zeit, da es noch nicht hipp war. Hörtipp: Homo Sapiens
  • Hans Hartz (1943–2002) – Wer kennt es nicht, das Sail Away! aus der Becks-Werbung? Achtung! Nicht zu verwechseln mit dem Remake, bei dem Joe Cocker versucht, in die Fußstapfen des Deutschen zu steigen.
  • Leslie West (*1945) – Der Name wird einigen nichts sagen. Aber mit seiner Band Mountain spielte 1969 in Woodstock. Eddie van Halen nennt den Gitarristen sein Vorbild. Ihr größter Hit: Mississippi Queen
  • Shaggy (*1968) – Wer wurde heute vor runden 50 Jahren geboren? It wasn’t me
  • Helmut Lotti (*1969) – Der Beginn seiner Karriere liegt in Belgien. Mit Helmut Lotti Goes Classic wurde er europaweit bekannt. Als Botschafter des Kinderhilfswerks UNICEF tut er bis heute Gutes. Im Herbst und später zur Advents- und Weihnachtszeit darf man auch seine Lieder wieder hören.

Der noble Frieden und Matthew Shepard

Gestern bekam die Initiative ICAN – International Campaign to Abolish Nuclear Weapons den Friedensnobelpreis für 2017 zuerkannt, für „ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken“. Vor zehn Jahren wurde sie in Wien gegründet, bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags. Noch zwei Jahre früher aber dafür genau am heutigen Tag, also am 7. Oktober 2005, erhielt die 1957 gegründete IAEOInternationale Atomenergie-Organisation in Wien gemeinsam mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei den Friedensnobelpreis „für ihren Einsatz gegen den militärischen Missbrauch von Atomenergie sowie für die sichere Nutzung der Atomenergie für zivile Zwecke“. Die USA und Nordkorea zeigen uns in den letzten Wochen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, dass nach der ersten in einem Konflikt abgeworfenen Atombombe über Hiroshima, die über Nagasaki nicht die letzte ihrer Art sein könnte.

Morgen ist der 25. Todestag von Willy Brandt. Auch er ist Träger des Friedensnobelpreises. Sein Verdienst ist die Versöhnung nach den Naziverbrechen und die langsame Wiederannäherung zwischen Ost und West. Dazu nutzte er die Politik der kleinen Schritte – und die große Geste des Warschauer Kniefalls.

Das ist wohl Grund genug für eine Top-Five-Liste von Nobelpreisträgern, die am 7. Oktober geboren oder gestorben sind. So allgemein muss ich es formulieren, um auf fünf Personen zu kommen.

  1. Niels Henrik David Bohr (07.10.1885–18.11.1962) erhielt 1922 den Nobelpreis für Physik für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung.
  2. George Emil Palade (19.11.1912–07.10.2008) bekam 1974 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zuerkannt für die Entdeckungen zur strukturellen und funktionellen Organisation der Zelle.
  3. Niels Kaj Jerne (23.12.1911–07.10.1994) wurde 1984 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen; für Theorien über den spezifischen Aufbau und die Steuerung des Immunsystems.
  4. Desmond Mpilo Tutu (07.10.1931) bekam 1984 den Friedensnobelpreis zuerkannt für sein Engagement im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.
  5. Harold Walter Kroto (07.10.1939–30.04.2016) erhielt 1996 als einer von dreien den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Fullerene, auch Buckyballs genannt, einer neuen Form des Kohlenstoffs mit kugelförmigen Molekülen.

Der 7. Oktober ist aber nicht nur ein guter, ein nobler, ein friedlicher Tag. Der 7. Oktober ist auch in die Geschichte der LGBT-Bewegung eingebrannt. Am frühen Morgen des 7. Oktober 1998 wurde der damals 21-jährige Matthew Wayne Shepard von zwei Männern in der kleinen Universitätsstadt Laramie im Bundesstaat Wyoming ausgeraubt, geschlagen, misshandelt und an einen Zaun gefesselt. Der Radfahrer, der ihn entdeckte, hielt Shepard zuerst für eine Vogelscheuche. Am 12. Oktober 1998 verstarb Shepard im Krankenhaus. Er war nicht mehr aus dem Koma erwacht.

Die beiden Täter wurden nach Intervention von Shepards Eltern nicht zum Tode verurteilt. Sie sitzen je zweimal lebenslänglich ab. Nach diesem Mord wurden die Gesetze in den USA für hate crimes (Hassverbrechen) verschärft. Matthew Shepard wurde postum zu einer Galionsfigur der LGBT-Bewegung. Shepards Eltern gründeten die Matthew Shepard Foundation.

Die Westboro Baptist Church nahm die Gerichtsverhandlung und die Beerdigung zum Anlass, gegen die Rechte Homosexueller zu demonstrieren. Auf ihren Schildern standen Sätze wie „God hates Fags“ und „Matt in Hell“. Sie Beziehen sich auf ein krudes Verständnis alt-testamentarischer Textstellen.

Bereits im November 1998 ging das New York City Tectonic Theater Project nach Laramie. Aus den Ortsbesichtigungen und Interviews ging das Laramie Project hervor. 2001 wurde es verfilmt mit Schauspieler wie  Peter Fonda, Joshua Jackson, Christina Ricci, Laura Linney, Clea DuVall, Ben Foster und Steve Buscemi.

Auch im Bereich der Rock- und Pop-Musik fand der Mord an Matthew Shepard seinen Niederschlag. Hier muss ich die Regel der Top-Five-Liste gleich erweitern zu einer Top-Twelve-Liste der Songs, die von Matthew Shepard handeln oder ihm gewidmet sind. Auch diese Liste bleibt immer noch sehr unvollständig.

    • Scarecrow – von Melissa Etheridge auf Breakdown (1999)
    • Trouble the Waters – von Big Country auf Driving to Damascus (1999)
    • American Triangle – von Elton John und Bernie Taupin auf Songs from the West Coast (2001)
    • Laramie – von Amy Ray auf Stag (2001)
    • Scarecrow – Kristian Hoffman mit Rufus Wainwright auf & (2002)
    • Fear and Loathing in Laramie – von Protest the Hero auf A Calculated Use of Sound (2003)
    • Jesus Is On The Wire – von Peter, Paul and Mary (Original von Thea Hopkins) auf In These Times (2004)
    • Matthew – von Janis Ian auf Billie’s Bones (2004)
    • Above the Clouds – von Cyndi Lauper und Jeff Beck auf The Body Acoustic (2005)
    • Did You Just Say ‚Faggot‘? – von den Dangers auf Dangers (2005)
    • Poster Child – von A Balladeer auf Where Are You, Bambi Woods? (2008)
    • The Fence (Matthew Shepard’s Song) – von Peter Katz auf First of the Last to Know (2010)

Aber das schönste Lied (und deshalb außerhalb der Top-Twelve-Liste) stammt vom kanadischen Singer-Songwriter Ron Sexsmith. Es heißt God Loves Everyone und findet sich auf seinem Album Cobblestone Runway aus dem Jahr 2002. Hier ein Video von YouTube:

Und noch eine Version:

Links
http://www.tectonictheaterproject.org/
http://www.matthewshepard.org/

Todestag von sieben Schriftstellern

Der 5. April ist manchem pop-kulturell Gebildeten bekannt als der Todestag von Kurt Cobain. 50 Jahre wäre er am 20. Februar 2017 geworden, hätte er sich 1994 nicht das Leben genommen. Manche seiner Texte haben bis heute überdauert. Zur Open Stage in der Villa höre ich immer wieder auch Lieder aus seiner Feder bzw. Songs, die auch er interpretiert hat.

Ich möchte mich aber heute den Schriftstellern und Dichtern widmen, da ich mit diesem Blog-Eintrag die wichtige Arbeit an meinem nächsten Buch herauszögere. Und da ich mich gerade nicht entscheiden kann, wird meine traditionelle Top-Five-Liste der an einem 5. April verstorbenen Autoren um zwei weitere Namen ergänzt:

  • Asukai Masatsune (1170–1221) – Höfling des japanischen Tenno Go-Toba, der selbst auch dichtete. Er arbeitete mit an der Shin Kokinshū, einer Anthologie von Waka-Gedichten. Eine Unterart der Waka sind die bis heute beliebten Haiku.
  • Edward Young (1683–1765) – Auch Young stand in der Gunst seines Herrschers. Er war Hofkaplan am britischen Hofe King Georges II. Doch das schien ihm wohl zu anstrengend zu sein. Denn bereits zwei Jahre später entschied er sich für eine kleine Pfarrei in Hertfordshire. Seine Energie steckte er in die Dichtkunst. Den Tod seiner Frau verarbeitete bis 1745 er in seinen The Complaint or Night-Thoughts, die Novalis als Vorlage für seine Hymnen an die Nacht dienten.
  • Fabre d’Églantine (1750–1794) – Er ist einer der Väter des französischen Revolutionskalenders. Standesgemäß verlor er auf der Guillotine Kopf und somit auch Leben gemeinsam mit seinem Weggefährten George Danton. Französische Kinder singen auch heute noch sein Lied: Il pleut, il pleut Bergère.
  • Friedrich Wilhelm Weber (1813–1894) – Seine Initialen machen mir persönlich Weber sofort sympathisch. Außerdem wurde er Weihnachten geboren. Vom Berufsstand Arzt, engagierte er sich in der Politik, war für die Zentrumspartei im preußischen Landtag. Seinem dichterischen Bemühen seit der Schulzeit maß er selbst wenig Bedeutung bei. Mit 65 Jahren veröffentlichte er das Versepos Dreizehnlinden, welches seinerzeit eine immense Verbreitung erfuhr: 2 Millionen verkaufte Exemplare! Weiter unten gebe ich zwei kurze Gedichte wieder, die zeigen, dass auch in katholischem Umfeld eine protestantische Arbeitsethik gedeihen kann.
  • Elsa Asenijeff (1867–1941) – Ich muss gestehen, ich kenne diese Dame überhaupt nicht, bzw. ich habe nichts von ihr gelesen. Denn ihr Gesicht ist jedem bekannt, der mit dem Schaffen Max Klingers vertraut ist. Als seine Muse und Geliebte stand sie auch häufig für ihn Modell. Mit ihren Schriften sollte man sich wohl einmal beschäftigen. Die Titel klingen vielversprechend: Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht, Unschuld – Ein modernes Märchenbuch, Tagebuchblätter einer Emancipierten, Die neue Scheherazade – Ein Roman in Gefühlen, Aufschrei – Freie Rhythmen, Bilanz der Moderne – Gedichte aus der Anstalt.
  • Saul Bellow (1915–2005) – Auch hier betrete ich – Schande über mein Haupt! – mir unbekanntes Terrain. Ich weiß lediglich, dass Bellow ein Nobelpreisträger für Literatur ist. Philip Roth nannte ihn das Rückgrat der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und ich habe nichts von ihm gelesen.
  • Allen Ginsberg (1926–1997) – Ginsberg ist mir wieder vertrauter. Howl schrieb 1956 Beat-Literatur- und zugleich amerikanische Rechtsgeschichte. Dazu gibt es seit 2010 übrigens einen schönen Kinofilm. Ginsberg ging mit Bob Dylan auf Tour und lebte 43 Jahre in einer schwulen Beziehung.

Mit diesem Schluss müsste ich jetzt eigentlich Allen Ginsberg zitieren. Aber ich habe mich für F.W.W. entschieden:

Der beste Orden

Gar manches Knopfloch ist geschmückt,
weil machem Dies und Das geglückt
mit Klingen und mit Kielen.
Jedweder Leistung Ehr und Preis:
DER BESTE ORDEN, den ich weiß,
ist eine HAND voll SCHWIELEN.

Im Kreuz ist Heil

Was gift’ge Zungen dir auch zischelnd künden,
was eitle Blätter dir auch rauschen mögen,
eins mußt du treu und tief im Herzen hegen,
dass nirgend Heil als nur im Kreuz zu finden.
Trau du den Weisen nicht, die Torheit lehren,
nicht falschen Worten, die das Wort verkehren.
Und schlaf ich längst schon unter Friedhofslinden,
das sollst du stets bewahren im Gedächtnis
als meiner Liebe treuestes Vermächtnis:
„Es ist kein Heil als nur im Kreuz zu finden.“

Das Geburtstagsparadoxon

Heute haben vier Menschen aus meinem Freundeskreis Geburtstag. Das ist eine ganze Menge. Zwei davon waren sogar einige Zeit miteinander verheiratet. Tatsächlich findet man in Gruppen über 23 Personen mit einer Chance von über 50 % zwei, die am gleichen Tag Geburtstag haben. Das lässt sich mathematisch herleiten, ist aber doch so überraschend, dass man diesen Umstand Geburtstagsparadoxon getauft hat.

Da nun aber – bei aller Häufung – vier Personen nicht für eine Top-Five-Liste reichen, und ich schon allein zur Wahrung der Privatsphäre der Vier nicht ins Detail gehen würde, weiche ich auf berühmte Personen aus, die am 17. März geboren wurden (in zeitlicher Reihenfolge):

  • John B. Sebastian (*1944) – Singer/Songwriter und Woodstockveteran; mit seiner Band Lovin‘ Spoonfull nahm er Welthits wie Summer in the City und Daydream auf.
  • John Wayne Gacy (1942–1994) – US-amerikanischer Serienmörder, der 33 junge Männer vergewaltigte und ermordete. Für seine Strafe (21-mal lebenslänglich und 12-mal Tod) erhielt er sogar einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Er war als Pogo der Clown bekannt und ist wohl an der heutigen Angst vor Horrorclowns nicht ganz unschuldig.
  • Rudolf Chametowitsch Nurejew (1938–1993) – Ballett-Legende und frühes AIDS-Opfer. Seit Nurejew sind männliche Tänzer nicht nur dazu da, die Ballerina aufzufangen. Ballett wurde durch ihn Popkultur.
  • James Benson Irwin (1930–1991) – Astronaut der Apollo-15-Mission war der achte Mann auf dem Mond. Um ihm einen ersten Platz einzuräumen: er war der erste, der von einem Kollegen mit einem Mondfahrzeug herumgefahren wurde. Später wurde Irwin ein Prediger und forschte nach Überresten der Arche in der Nähe des türkischen BErges Ararat.
  • Siegfried Lenz (1926–2014) – Wichtiger Erzähler der Nachkriegszeit; Deutschstunde und die Sammlung von Erzählungen So zärtlich war Suleyken kommen mir in den Sinn. Später wurden seine Texte seichter.

Apollo_15_Lunar_Rover_and_Irwin

Link
http://www.im-chaos-daheim.de/geburtstag.php – Zum Berechnen der Wahrscheinlichkeit von gemeinsamen Geburtstagen in einer Gruppe

Geburtstag von W. H. Auden

Am 21. Februar 1907, heute vor 110 Jahren, wurde Wystan Hugh Auden im englischen York geboren. Auch wenn Auden heute dem durchschnittlich gymnasial Gebildeten kaum bis gar nichts sagt, sind sein Leben und Schaffen auch mit Deutschland verbunden. 1929 lebte er mit seinem Partner Christopher Isherwood in Berlin. Isherwood schrieb mit Goodbye to Berlin die Vorlage für Cabaret und später das traurige Alterswerk A Single Man, 2009 von Tom Ford mit Colin Firth in der Hauptrolle kongenial umgesetzt. W. H. Auden schrieb viele Libretti, u.a. für Benjamin Britten. Auch Leonard Bernstein ließ sich von Texten Audens inspirieren. 1948 erhielt er den Pulitzer-Preis für seinen Dialog in Versen: The Age of Anxiety.

1935 heiratete er Erika Mann, die älteste Tochter Thomas Manns, um ihr zur britischen Staatsbürgerschaft zu verhelfen. Die Mann-Familie war von den Nazis ausgebürgert worden. 1939 zog er nach New York; sieben Jahre später wurde er amerikanischer Staatsbürger. Seinen Lebensabend verbrachte Auden in Österreich. Er starb in Wien in meinem Geburtsjahr 1973.

Aus dem Jahre 1939 stammt der Refugee Blues, der noch vor Kriegsbeginn die Situation der aus Deutschland Geflüchteten beschreibt. Ob mit der Stadt der zehn Millionen Seelen noch London oder bereits New York gemeint ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Greater London hatte in den 30er Jahren bereits 8 Millionen Einwohner, New York City erst 7 Millionen. Einige Stellen beziehen sich sehr konkret auf die Situation Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Erschreckend für mich ist jedoch, dass dieser Refugee Blues auch heute wieder gesungen werden kann. If we let them in, they will steal our daily bread … Lasst uns doch endlich menschlicher miteinander umgehen!

Refugee Blues

Say this city has ten million souls,
Some are living in mansions, some are living in holes:
Yet there’s no place for us, my dear, yet there’s no place for us.

Once we had a country and we thought it fair,
Look in the atlas and you’ll find it there:
We cannot go there now, my dear, we cannot go there now.

In the village churchyard there grows an old yew,
Every spring it blossoms anew;
Old passports can’t do that, my dear, old passports can’t do that.

The consul banged the table and said:
‚If you’ve got no passport, you’re officially dead‘;
But we are still alive, my dear, but we are still alive.

Went to a committee; they offered me a chair;
Asked me politely to return next year:
But where shall we go today, my dear, but where shall we go today?

Came to a public meeting; the speaker got up and said:
‚If we let them in, they will steal our daily bread‘;
He was talking of you and me, my dear, he was talking of you and me.

Thought I heard the thunder rumbling in the sky;
It was Hitler over Europe, saying: ‚They must die‘;
We were in his mind, my dear, we were in his mind.

Saw a poodle in a jacket fastened with a pin,
Saw a door opened and a cat let in:
But they weren’t German Jews, my dear, but they weren’t German Jews.

Went down the harbour and stood upon the quay,
Saw the fish swimming as if they were free:
Only ten feet away, my dear, only ten feet away.

Walked through a wood, saw the birds in the trees;
They had no politicians and sang at their ease:
They weren’t the human race, my dear, they weren’t the human race.

Dreamed I saw a building with a thousand floors,
A thousand windows and a thousand doors;
Not one of them was ours, my dear, not one of them was ours.

Stood on a great plain in the falling snow;
Ten thousand soldiers marched to and fro:
Looking for you and me, my dear, looking for you and me.

Der Text ist im Stil eines klassischen Blues geschrieben. Da liegt es natürlich nahe, den Text auch zur Gitarre zu singen. Ich habe es selbst gerade probiert, erspare euch aber eine Aufnahme davon. Auf YouTube findet man einige Versionen. Teilen möchte ich eine Dub-Version, die sich direkt auf die heutige Situation von Geflüchteten bezieht.

Aus aktuellem Anlass noch einmal der Link zu einem anderen Blog-Eintrag mit der Bitte um Beteiligung:
http://zweitgeborener.de/2016/12/keine-abschiebungen-nach-afghanistan/

GOD and the Gay Christian

Bis heute ist das Verhältnis von Sexualität und Religion ein sehr angespanntes. Homosexualität und Christentum scheinen oft unvereinbar zu sein. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sagte eine Woche vor seiner Amtseinführung im Sommer 2015, Homosexualität sei nicht der Wille Gottes. In Deutschland lässt man so einen Menschen reden; man muss ja nicht zuhören. In den USA werden solche Diskussionen – wie auch Wahlkämpfe – gemeinhin schriller geführt.

Wenn man sich im Jugendalter seiner sexuellen Orientierung bewusst wird, stehen viele vor der Entscheidung Kirche oder Sex. Die einen ziehen nach San Francisco, die anderen gehen in ein Umerziehungslager. Eine dritte Gruppe führt ein stilles Doppelleben. Daraus entstehende Probleme besprechen sie mit ihrem Psychiater.

Dem Harvard-Studenten Matthew Vines gefielen diese Optionen nicht. Er machte sich als Sohn in einer evangelikalen Familie daran, die entsprechenden Bibelstellen nach ihrem eigentlichen Gehalt abzuklopfen. Ein Text in einer antiken Sprache verfasst, der vor 3000 Jahren seinen Ursprung hat, meint vielleicht etwas anderes, als wir heute beim Lesen einer bereits interpretierenden Übersetzung ins Deutsche oder Englische verstehen mögen.

Auch das ist nicht neu. Wir nennen dies die historisch-kritische Auslegung der Bibel. Theologen an deutschen Universitäten machen das jeden Tag. Matthew Vines aber ging mit 21 Jahren über YouTube an die Öffentlichkeit. Mit 24 Jahren veröffentlichte er sein Buch GOD and the Gay Christian (ISBN 978-1-60142-516-4). Heute ist er 26 Jahre alt und ein wichtiger LGBT-Aktivist innerhalb der christlichen Rechten in den USA.

Ich bin sehr beeindruckt von seiner Arbeit. Einige Argumente sind mir lange bekannt. Schließlich beschäftige ich mich auch schon einige Zeit mit diesem Thema. Anderes habe ich durch sein Buch neu sehen gelernt. Vor allem aber ist seine Ernsthaftigkeit und sein Eifer inspirierend.

Links
http://www.matthewvines.com/ – Der Autor Matthew Vines
http://www.reformationproject.org/ – A Bible-Based, Gospel-Centered Approach to LGBT Inclusion
http://www.ekd.de/familie/44736.html – Stellungnahme zur Homosexualität von der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahre 1996

Gemeinsam in eine friedliche Zukunft

Letztes Jahr am 1. August habe ich mit einem Blog-Eintrag auf den 44. Jahrestag des ersten Benefizkonzerts der Rockgeschichte hingewiesen. Mit der 45 könnte ich das wieder machen. Heute wird der Sender MTV 35 Jahre alt. Auch darüber könnte man philosophieren. Mir steht der Sinn aber nach etwas anderem. Der 1. August ist nämlich auch ein Tag für friedliche und überaus dauerhafte Bündnisse, die ich hier mit einer Top-Five-Liste ehren und den EU-Mitgliedstaaten ins Stammbuch schreiben möchte.

  1. Der Schweizer Gründungslegende nach trafen sich am 1. August 1291 Vertreter der drei Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli am Vierwaldstättersee, um einen heiligen Eid zu schwören. Der lateinische Bundesbrief beginnt mit den Worten: In Gottes Namen. Amen. Das öffentliche Ansehen und Wohl erfordert, dass Friedensordnungen dauernde Geltung gegeben werde. Ein Austrittsszenario wird nicht gestaltet. Es heißt vielmehr: „Entsteht Krieg oder Zwietracht zwischen Eidgenossen und will ein Teil sich dem Rechtsspruch oder der Gutmachung entziehen, so sind die Eidgenossen gehalten, den andern zu schützen. – Diese Ordnungen sollen, so Gott will, dauernden Bestand haben.“ Seit 1891 – zur 600-Jahr-Feier dieses Bundes – wurde der Schweizer Nationalfeiertag auf den 1. August gelegt.
    Vorher galt ein anderer Schwur als Gründungsdatum der Schweiz, der Bundesbrief von Brunnen vom 9. Dezember 1315, der im Gegensatz zum Bundesbrief von 1291 sehr wahrscheinlich historisch ist. Er ist auf deutsch verfasst und beginnt sehr kenntnisreich: In gottes namen Amen. Wande menschlicher sin blöde und zerganglich, daz man der sachen und der dinge diu langwirig und stete solden beliben, so lichte und so balde vergizzet, dur daz so ist ez nutze und notdurftig, daz man die sachen, die dien lüten ze fride und ze gemache (und) ze nutze und zu eren uf gesetzet werdent, mit schrift und mit briefen wizzentlich und kuntlich gemachet werden.
  2. Am 1. August 1523 bildeten die Landstände Mecklenburgs eine Union, um der Teilung des Landes nach Erbstreitigkeiten zu entgehen – mit Erfolg und über den 30-jährigen Krieg hinaus. Die Landständische Union wurde erst im Zuge der Novemberrevolution am 3. Dezember 1918 aufgelöst.
  3. Am Vorabend des 1. August 1907 begann das erste Pfadfinderlager auf Brownsea Island mit einem Lagefeuer, um das General Robert Baden-Powell 22 Jungen aus unterschiedlichen sozialen Milieus versammelte. Am Morgen wurde die Pfadfinderbewegung offiziell gegründet. Ein Jahr später brachte Baden-Powell das Buch Scouting for Boys heraus. Aus diesem Buch stammt der seitdem oft kopierte pädagogische Grundsatz des Learning by Doing. Er schuf damit ein ideales Angebot für Kinder und Jugendliche, das auch heute noch die 1980 vom Pädagogen Peter Friedrich beschriebenen Lückekinder auffangen kann. Lückekinder sind zwischen 9 und 14 Jahren, für den Schulhort zu alt und für den Jugendklub zu jung.
  4. Zu Beginn habe ich von friedlichen Bündnissen gesprochen. Doch an dieser Stelle nehme ich den Beginn des Warschauer Aufstandes durch die Polnische Heimatarmee am 1. August 1944 mit in die Reihe. Es kommt doch darauf, gegen wen man Kämpft. Und ein Aufstand gegen das unmenschliche Naziregime gilt mir als ein Akt des Friedens. Die Rote Armee war bereits am rechten Weichselufer, als die Polnische Heimatarmee den Aufstand begann. Leider unterstützte die Rote Armee nicht die Aufständischen. Der Aufstand wurde letztendlich von den Nazis niedergeschlagen, die Heimatarmee aufgerieben und Warschau fast vollständig zerstört. Polnische Pfadfinder beteiligten sich als Boten und Sanitäter am Aufstand. Ihnen ist in Warschau das Denkmal des Kleines Aufständischen des Bildhauers Jerzy Jarnuszkiewicz gewidmet.
  5. Seit dem 1. August 2001 dürfen Schwule und Lesben mit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft auch einen Bund fürs Leben schließen, der in vielen Punkten der Ehe gleichgestellt ist. Doch ist es keine Ehe für alle, wie sie mittlerweile in anderen, fortschrittlicheren Ländern geschaffen wurde.

Todrick Hall – Straight Outta Oz

Die Zahl von Castingshows in dieser Welt ist Legion. Die Qualität der Beiträge sowie die Nachhaltigkeit der versprochenen Karrieren bleibt dagegen übersichtlich. Der Semifinalist der neunten Season von Amrican Idol stellt für mich – gemeinsamen mit seinem Dunstkreis – eine positive Ausnahme dar: Todrick Hall.

Der 31-jährige Afroamerikaner, der sich selbst als queer bezeichnet, ist heute wohl vor allem als YouTuber bekannt. Das meint in diesem Fall aber voll aus-produzierte Videos, die den Vergleich mit den Großen nicht zu scheuen brauchen. Am 23. Juni 2016 hat Todrick Hall auf YouTube ein visual album veröffentlicht unter dem Titel Straight Outta Oz.

Der Titel spielt auf die zwei Themen seines Lebens an. Straight Outta Compton war der Titel eines 1988 von den Niggaz Wit Attitudes veröffentlichten Albums. Zu dern N.W.A. gehörte so große Namen wie Ice Cube, Eazy-E und Dr. Dre. Sie gehören zu den wichtigsten Vertretern des Gangster Rap, dem einige Gewaltverherrlichung vorwerfen. Andere sehen darin nur eine drastische Darstellung der Situation der Farbigen in den immer noch weiß dominierten USA. 2015 wurde unter dem gleichen Titel die Geschichte der N.W.A. verfilmt. Und die Schüsse von und auf Polizisten im Zusammenhang mit rassistischen Ressentiments der letzten Tage zeigt uns erneut die Aktualität.

Das andere Thema ist der Wizzard of Oz, das Märchenmusical, das in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die amerikanischen Wunden der Great Depression heilen konnte. Internationale Bekanntheits-Rekorde  bricht Judy Garland mit Somewhere over the Rainbow, gleich neben Elvis Presley, Coca Cola und Muhammad Ali. Heute gilt – nicht zuletzt durch Elton Johns Yellow Brick Road – der Wizzard of Oz als eine schwule Utopie. Dass diese noch lange nicht erreicht ist, trotz vieler Erfolge der Ehe für alle, zeigt die jüngste Bluttat in Orlando.

Schwarze Schwule haben es doppelt schwer. James Baldwin hat daraus Romane werden lassen. Todrick Hall glitzert im Stile Hollywoods und doch mit ausreichend Tiefgang. Bevor ich jetzt noch akademisch werde, schaut es euch einfach mal an. Es ist ja kostenlos auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht:

Ebenfalls sehenswert sind die drei Disney-Dudes-Videos von 2014 mit der gecasteten Boyband IM5. Auch da könnte man über die ironische Brechung der Rollenklischees aus den Disney-Filmen sinnieren, wenn die Jungs von IM5 die Prinzen und die Prinzessinnen gleichzeitig spielen. Man kann es aber auch einfach nur lustig finden. So oder so fällt auf, welch breite Bildung Todrick Hall im Bereich Showtunes, Musical und Hollywood-Produktionen hat. Bei Straight Outta Oz musste ich immer mal wieder an den Ideenreichtum von Moulin Rouge! von 2001 denken. Aber damit lobe ich ihn vielleicht doch ein wenig zu hoch.

Katholikentag in Leipzig

Gestern Abend wurde in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag mit einem Gottesdienst auf dem Marktplatz eröffnet. Ich war ab 18:00 Uhr mit dabei. Vom Gottesdienst habe ich nicht so viel mitbekommen, da der Markt übervoll war. Doch im Vergleich zu den unerfreulichen Legida-Demos waren hier so viele freundliche Menschen, dass es eine Freude  war, mit dabei zu sein.

Das Motto des Katholikentages lautet: Seht, da ist der Mensch. Wir kennen den Satz aus der Passion Jesu. Pilatus weist die pöbelnde Menge mit dem ecce homo auf den Schmerzensmann hin. In der Zeit von Flüchtlingskrisen und Demonstrationen gegen schutzsuchende Menschen sowie Anschlägen auf Asylbewerberheime ist das Motto gut gewählt.

Leider sind einige Leipziger nicht sehr gastfreundlich gegenüber den Besuchern des Laientreffens. Ich bin erstaunt und bang erschüttert, dass gerade aus der Gruppe der No-Legida-Fraktion, der ich mich ja allgemein verbunden fühle, einige unpassende und beleidigende Bemerkungen und Postings zu finden sind. Das können wir doch besser, oder? Den Besuchern möchte ich gern entgegen rufen: „Willkommen in Leipzig! Bitte lasst mich mit den Atheisten nicht allein!“

Heute war ich im Zentrum Regenbogen, das in meiner Kirchengemeinde untergebracht ist. 18:30 Uhr besuchte ich meine vertraute Friedenskirche zu einem Abendgebet der Gruppe Homosexuelle und Kirche. Schön!

Links
https://www.katholikentag.de/
http://www.huk.org/
https://www.facebook.com/HuK.eV
http://www.frei-und-fromm.de/der Vollständigkeit halber noch dieser Link zu einer Initiative innerhalb der sächsischen Landeskirche, Carsten Rentzing zum Trotz („Der alt böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint …“)

Todestag von Klaus Mann

Heute ist der Todestag eines meiner absoluten Lieblingsschriftsteller: Klaus Mann. An meinem Schreibtisch sitzend habe ich immer seine Werke im Regal gegenüber im Blick. Ich habe sie demütig unter die Werke seines Vaters und Nobelpreisträgers Thomas und seines Onkels Heinrich gestellt. Das sagt schon viel über seine schwierige Position.

Geboren wurde Klaus Mann am 18. November 1906 in München als zweites Kind von Thomas und Katia Mann. Sein vollständiger Name lautet Klaus Heinrich Thomas Mann. Das ist so platt wie beschreibend. Drei äußerst schwierige Startbedingungen prägen sein Literarisches Schaffen wie sein selbst verkürztes Leben: Der berühmte Vater, die zur vollständigen Auslebung drängende Homosexualität und sein Kampf gegen den Faschismus und für ein geeintes Europa. Am 21. Mai 1949 nahm sich Klaus Mann in Cannes das Leben.

Klaus Mann hätte sicherlich einen ganz langen und ausführlichen Artikel verdient. Aber ich fühle mich heute nicht danach. Aber ein paar Empfehlungen möchte ich aussprechen in Form einer Top-Five-Liste der für mich wichtigsten Bücher von Klaus Mann.

  1. Mephisto (1936) – Viele kennen von ihm nur dieses Werk. Und es ist auf jeden Fall eines seiner besten Bücher. Überdeckt wird es immer wieder von der einfachen Gleichung: Hendrik Höfgen im Roman = Gustaf Gründgens im Leben. Doch Klaus selbst wies immer wieder darauf hin, dass Mephisto nicht als Schlüsselroman zu lesen sei. Wir machen es uns mit dieser Lesart auch wirklich zu einfach; denn solche Typen wie Hendrik Höfgen gibt es viele. Die sind nicht alle mit Gründgens gestorben.
  2. Alexander. Roman einer Utopie (1929) – Die Geschichte Alexander des Großen. Mir kommt es vor, als hätte Klaus sich hier ein wenig am Verständnis eines Stefan Zweig orientiert. Natürlich ist aus dem Autor nicht schnell ein fundierter Historiker geworden. Trotzdem ist dieses Buch für an der griechischen Antike Interessierten wie auch träumenden Weltbürgern immer noch lesenswert.
  3. Symphonie Pathétique (1935) – Es geht um Tschaikowsky, wie er seine 6. Symphonie komponiert und die unglückliche Liebe zu seinem Neffen Wladimir. Klaus setzt diesem großen Komponisten aus dem Reigen homosexueller Künstler eine sehr empfindsames Denkmal.
  4. Der fromme Tanz. Das Abenteuerbuch einer Jugend (1926) – Mit 19 Jahren schrieb Klaus Mann das Buch, was einer (wenn nicht der) der erste Homosexuellen-Romane in deutscher Sprache. Davon ausgenommen sind wilhelminische Schoßbüchlein und andere Schundliteratur. Hier wurde das Thema Homosexualität auf die Agenda des Feuilletons gehoben. Schon dafür gebührt Klaus Ruhm und Ehre.
  5. Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht (1942, 1952) – Bereits 1932 als 26-Jähriger veröffentlichte Klaus Mann eine Autobiografie heraus. Das brachte ihm viel Häme ein, er litte doch wohl entschieden an Selbstüberschätzung. Heute liefern seine drei Autobiografien – The Turning Point erschien 1942 in den USA, Der Wendepunkt, von ihm überarbeitet, postum 1952 – ein gutes Bild das Lebens eines denkenden und fühlenden deutschen junge Mannes zu Zeiten der Weimarer Republik, des Faschismus und der frühes Nachkriegszeit.