Geburtstage der Wanderer zwischen den Welten

Es gibt diese berühmten Persönlichkeiten, bei deren Zuordnung man Probleme hat. Nenn man beispielsweise im Deutschen Reich geborene Menschen jüdischer Abstammung, die in die USA flohen und dort zu Ruhm und Ehren kamen, Deutsche, Juden oder Amerikaner? Es kommt wohl ganz auf den Einzelfall an. Schriftsteller im Exil blieben meist Deutsche, unabhängig der Staatsbürgerschaft. Naturwissenschaftler verbinden wir dann wohl eher mit ihrer konkreten Wirkungsstätte.

Auch in anderen Fällen kann die individuelle Biographie von historischen Umwälzungen gekreuzt werden. Dann finden wir die Persönlichkeit plötzlich auf zwei Seiten wieder. Heute gibt es eine Top-Five-Liste von Geburtstagskindern, die sich auf unterschiedlichen Feldern aber immer auch zwischen den Welten bewegten.

  • Bāyezīd II. (1447–1512) – Als Sultan des Osmanisches Reiches nahm er die aus Spanien vertriebenen Juden auf. Er soll dazu gesagt haben: Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen.
  • Nikolaus von Amsdorf (1483–1565) – Er war 1542 in Naumburg der erst lutherische Bischof, der in Deutschland eingesetzt wurde. Sein katholischer Konkurrent und Nachfolger Julius von Pflug war dann bereits der letzte Bischof in Naumburg überhaupt. In der Rechtfertigungslehre vertrat er pointiert die extreme Position: gute Werke sind schädlich zur Seligkeit.
  • Joseph Conrad (1857–1924) – Als Sohn polnischer Adeliger im russischen Reich in Berdytschiw geboren, das heute in der Ukraine liegt. Erst in seinen Zwanzigern lernte er Englisch. Heute gilt er als einer der wichtigsten englischsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Zum Thema Sprache wusste er auch: Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übriggeblieben ist.
  • Anna Freud (1895–1982) – Sie ist mit dem berühmten Namen zuallererst als Sigmund Freuds bekannt. Doch ihre eigenen Beiträge gerade zur Kinderpsychoanalyse sind bemerkenswert. Ein schöner Spruch von ihr für jedes Poesie-Album lautet: Wie wunderbar ist es, dass niemand auch nur einen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern.
  • Katarina Witt (*1965) – In den 80er Jahren war sie die Eiskunstläuferin der DDR schlechthin. Olympia- und Weltmeistertitel häuften sich bis 1988. 1994 trat sie erneut an, diesmal für das wiedervereinigte Deutschland. Sie belegte einen respektablen 7. Platz bei Olympia und wurde deutscher Vizemeister. Hier kommt kein Zitat aber ein bemerkenswerter Fun Fact: Der Playboy von 1998 mit Aktbildern von Katarina Witt ist nach dem mit Marilyn Monroe erst die zweite Ausgabe, die weltweit ausverkauft war.

75 Jahre Joni Mitchell

Heute ist Joni Mitchell 75 Jahre alt. Sie ist für mich eine Wichtige Kraftquelle und Inspiration. Ihre Musik und ihre Texte bedeuten mir seit Jahrzehnten unglaublich viel. Und die Tatsache, dass sie viele ihrer Plattencover selbst gestaltet hat, dient mir auch innerlich als Rechtfertigung für das eigene Komplettpaket.

Eigentlich sollte ich einen langen Aufsatz schreiben über bestimmte Alben und die Songs darauf, die verwendeten Instrumente, die Liebschaften, die Künstler, die von Joni Mitchell beeinflusst wurden usw. usf. Aber ich beschränke mich auf eine Top-Five-Liste – nicht meiner Lieblingssongs von ihr, sondern – von Cover-Versionen anderer Künstler:

  • Carey – mit halbem Tempo live von Cindy Lauper; sehr hypnotisch!
  • Big Yellow Taxi – von Bob Dylan in einer seiner schlimmeren Phasen, aber so habe ich das Lied eben kennengelernt.
  • Got ′til it′s gone – eigentlich ein eigenständiges Lied von Janet Jackson; aber mit wichtigem Hook-Line-Sample aus Big Yello Taxi; auch im Video kann man Joni Mitchell entdecken.
  • A Case of You – von Prince am Klavier gerade erst postum veröffentlicht.
  • Both Sides NowCleo Laine machte aus dem Folksong eine klassische Nummer; Joni Mitchell selbst kopierte später diesen Stil.

Und zum Abschluss ein mittlerweile 5 Jahre altes Interview mit ihr:

Geburtstag bedeutender Frauen

Wenn ich meine Top-Five-Listen zu einem Tag erstelle, suche ich normalerweise Berufe aus: Maler, Schriftsteller, Musiker. Meist sind es Männer, nicht weil ich ihnen den Vorzug gäbe, sondern weil sich die Geschichtsschreibung bisher auf Männer konzentrierte. Es ist ja im Wandel. Und in allen drei vorgenannten Disziplinen weiß ich zumindest einige Frauen in meinen persönlichen Favoritenlisten.

Heute möchte ich eine Top-Five-Liste von weiblichen Geburtstagskindern schreiben:

  • Anna Maria von Schürmann (1607–1678) – Eine niederländische Universalgelehrte, die zehn Sprachen beherrschte. Für den Besuch der Universität wurde ihr ein Holzverschlag gebaut. So störte sie nicht die Männerwelt.
  • Catherine „Kitty Clive“ Raftor (1711–1785) – Schauspielerin und Sängerin in London. Sie sang beispielsweise die Delilah in der Uraufführung von Händels Oratorium Samson.
  • Vivien Leigh (1913–1967) – Es bleibt vor allem der Oscar für ihre Rolle der Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht. Doch das ist wohl das Einzige, was sie mit den Südstaaten verbindet. Eigentlich war sie eine britische Theatergröße.
  • Gisela Andersch, geb. Dichgans (1913–1987) – Den Nachnamen bekam sie von ihrem zweiten Ehemann Alfred Andersch. Bis heute ist der Malerin und Grafikerin hauptsächlich für Buchgestaltungen bekannt.
  • Elke Sommer (*1940) – Die Pastorentochter ist vor allem als Schauspielerin bekannt. Sie gehört zu den wenigen Deutschen, die auch in Hollywood Karriere gemacht haben. Und sie teilt das Schicksal aller hübschen Frauen, in einer Männerwelt immer wieder auf das Aussehen reduziert zu werden.

Top-Five-Liste von Musiker-Geburtstagen

Ach, wenn man einmal wieder mit Top-Five-Listen anfängt, ist es schwer wieder damit aufzuhören. Ob mir wohl fünf gute Gründe einfallen würden, warum ich Top-Five-Listen so gern mag?

Fünf Musiker feiern heute Geburtstag, die man ruhig kennen kann:

  • Robert Long (1943–2006) – Niederländischer Liedermacher, der auch auf Deutsch gesungen hat. Er lebte offen schwul und sang darüber; zu einer Zeit, da es noch nicht hipp war. Hörtipp: Homo Sapiens
  • Hans Hartz (1943–2002) – Wer kennt es nicht, das Sail Away! aus der Becks-Werbung? Achtung! Nicht zu verwechseln mit dem Remake, bei dem Joe Cocker versucht, in die Fußstapfen des Deutschen zu steigen.
  • Leslie West (*1945) – Der Name wird einigen nichts sagen. Aber mit seiner Band Mountain spielte 1969 in Woodstock. Eddie van Halen nennt den Gitarristen sein Vorbild. Ihr größter Hit: Mississippi Queen
  • Shaggy (*1968) – Wer wurde heute vor runden 50 Jahren geboren? It wasn’t me
  • Helmut Lotti (*1969) – Der Beginn seiner Karriere liegt in Belgien. Mit Helmut Lotti Goes Classic wurde er europaweit bekannt. Als Botschafter des Kinderhilfswerks UNICEF tut er bis heute Gutes. Im Herbst und später zur Advents- und Weihnachtszeit darf man auch seine Lieder wieder hören.

Adrianopel, der Islam in Deutschland und die armenische Schrift

Adrianopel ist eine Stadt mit großer Geschichte. Als Uskodama gegründet, wurde sie im 2. Jahrhundert vom römischen Kaiser Hadrian umgebaut und nach ihm benannt. 378 erlitten die Römer ihre große Niederlage gegen die Gothen bei Adrianopel, was als ein Wendepunkt der Geschichte des Römischen Reiches gilt. Kreuzzügler, die aufgebrochen waren, die Heiligen Stätten von den sogenannten Ungläubigen zu befreien, plünderten mehrfach Adrianopel. Ab 1365 diente die Stadt als Residenz der türkischen Sultane. In den Balkankriegen des 20. Jahrhunderts wechselte die Stadt, die mittlerweile Edirne genannt wurde, mehrfach den Besitzer. Sie gehörte mal zu Bulgarien, mal Griechenland und schließlich wieder zur Türkei. Heute ist sie Hauptstadt der türkischen Provinz, die aus der Türkei auch ein kontinental-europäisches Land macht.

Vor genau 450 Jahren wurde in Edirne dieser Tage der Frieden von Adrianopel zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Osmanischen Reich geschlossen, der mit seinen drei vertraglichen Verlängerungen eine 25 Jahre währende Friedensphase auf dem Balkan einläutete. Rückwirkend bedeutete dieser Frieden wohl eher einen verlängerten Waffenstillstand, der zum Sammeln neuer Kräfte und nicht zum friedlichen kulturellen Austausch genutzt wurde. Aber immerhin! Wenn die Zivilbevölkerung 25 Jahre nicht unter einem Krieg zu leiden hat, ist das ein Erfolg. 25 Jahre sind fast eine Generation.

Seit 2005 ist eine Städtepartnerschaft zwischen dem türkischen Edirne und dem deutschen Lörrach gewachsen. Beide Städte verbindet, dass sie in einem Dreiländereck liegen. Dabei herrschen derzeit zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz deutlich weniger Spannungen als zwischen der Türkei, Bulgarien und Griechenland. Und nicht an allen Problemen ist die Türkei schuld.


Gestern wurde der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel aus türkischer Untersuchungshaft entlassen. Er kehrte zurück nach Deutschland, wo er bei der WeltN24-Gruppe unter Vertrag steht. Mit ihm wurde eine symbolhaft aufgeladene Figur entlassen. Weitere Journalisten und andere Menschen sitzen noch in türkischen Gefängnissen. Vielen Deutschen ist der von Recep Tayyip Erdoğan geleitete Staat am Bosporus unheimlich geworden. Das Unverständnis gegenüber den türkischen Verhältnissen führt oft zu einer Gleichsetzung mit dem Islam. Alles, was uns Deutschen an der Türkei fremd und falsch erscheint, ist dann auch gleich ein Fehler des Islam, der so etwas überhaupt möglich gemacht hätte. [Ich werte heute nicht. Meine Kraft reicht heute nur aus, um zu benennen.]

Heute berichtet der NDR, dass die Landtagsfraktion der AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit Pegida zusammenarbeiten möchte. Gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands zu kämpfen, sei ein gemeinsame Aufgabe. [Auch hier werde ich heute nur melden und nicht kommentieren.]

Heute hat Bülent Arslan Geburtstag. Er ist ein CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, der 1975 in der Türkei geboren wurde. 1976 zog der Einjährige mit seinen Eltern nach Deutschland. Mit 22 Jahren wurde Arslan deutscher Staatsbürger. Er arbeitet als Unternehmensberater, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Arslan ist Muslim und sieht in seiner Mitgliedschaft zu einer Partei mit einem C im Namen kein Problem. Die Werte der Partei seien dem Christentum entnommen, die Politik der Partei aber Christen wie für Nicht-Christen gemacht. 2004 sagte Arslan der Deutschen Welle gegenüber:

Und wenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgeklärter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie beispielsweise, und ich denke, dass ich da nicht zu einer Ausnahme in Deutschland gehöre. Umfragen zeigen, dass rund 50 bis 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken konservativ eingestellt sind, also religiöse, wertgebundene Menschen sind. Das ist meiner Meinung auch ein Potential für die CDU.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bülent Arslan!

Quelle
http://de.qantara.de/inhalt/bulent-arslan-als-muslim-in-der-cdu


Nach einem Ausflug in das Lager der CDU müsste ich eigentlich, um im Gleichgewicht zu bleiben, noch ein paar Zeilen zu Erich Zeigner verlieren, einer historischen Größe der SPD und erstem Bürgermeister im Leipzig der Nachkriegszeit, dessen Geburtstag heute ebenfalls ist. Doch den hier einfach nur anzuhängen, wird ihm auch nicht gerecht. Daher muss die einfache Erwähnung reichen.

Aber einen Todestag möchte ich noch ins Spiel bringen. Am 17. Februar 440 starb Mesrop Maschtoz bzw. Մեսրոպ Մաշտոց. Der Heilige ist der Entwickler eben dieses armenischen Alphabets zu Beginn des fünften Jahrhunderts. In Armenien trägt seit 1993 der Staatsorden seinen Namen. Ich muss gestehen, ich würde mich bis heute nicht um das armenische Alphabet und dessen heiligen Entwickler kümmern, wenn ich nicht vor zwei Jahren einen Flüchtling kennengelernt hätte, der einer armenisch-christlichen Minderheit aus Syrien angehört.

Dieser war so freundlich, mein Buch Wenn du nicht da bist … ins West-Armenische zu übersetzen. Wie alle anderen Ausgaben ist es bei epubli.de erschienen und kostet 7,95 EUR; es kann aber auch über den Buchhandel unter der ISBN 978-3-7450-6436-0 erworben werden.

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Deutsche Digitale Bibliothek

Heute vor fünf Jahren ging die Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek online. Die Idee war, bei der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen ein Gegengewicht zur Arbeit von Google zu schaffen, da Google als international agierendes Wirtschaftsunternehmen nicht zwingend und verlässlich dem deutschen Gemeinwohl dient. Apropos Gemeinwohl: Heute ist auch der Geburtstag von Friedrich Engels.

Link:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/

 

Literarische Geburtstage

Heute ist ein wahrlich besonderer Tag. Gleich zwei meiner absoluten Top-Favoriten aus dem Kreise der Autoren haben heute Geburtstag. Grund genug für eine schnelle Top-Five-Liste; denn die beiden stehen mit ihrem Geburtstag am 18.11. nicht alleine da:

  • Margaret Eleanor Atwood (* 1939) – Ihr dystopischer Roman A Handmaid’s Tale kam nach Trumps Wahl wieder in die Bestsellerlisten. Aber sie hat natürlich mehr geschrieben – und meiner Meinung nach auch besseres: The Robber Bride oder die Sammlung kurzer Erzählungen Wilderness Tips.
  • Klaus Heinrich Thomas Mann (1906–1946) – Seine zwei weiteren Vornamen sind auch schon die größte Hypothek, die Klaus Mann mit sich herumschleppte. Mephisto und Der Fromme Tanz sind Bücher, die ich neben seinen Essays über den aufkommenden und raumgreifenden Nationalsozialismus empfehlen kann.
  • Hans Reimann (1889–1969) – Er schrieb einen alternativen Reiseführer über Leipzig in der Reihe Was nicht im „Baedeker“ steht des Piper-Verlags. In der gleichen Reihe veröffentlichten Klaus und Erika Mann übrigens ihr Buch von der Riviera. Er arbeitete zusammen mit Heinrich Spoerl. Man sagt, Reimann sei der Co-Autor von Spoerls Feuerzangenbowle. Zumindest teilten sie sich die Tantiemen.
  • Richard Fedor Leopold Dehmel (1863–1920) – Ich mag vor allem Zwei Menschen. Roman in Romanzen und einige seiner Gedichte. Aber der ganze Mensch Dehmel ist sehr interessant und schillernd. Die deutschen Expressionisten verehrten ihn. Er übte sich in der Freien Liebe. Und in einem verschriftlichten Gespräch mit Max Liebermann sagt er, nur in „Mischvölkern“ gedeihe genialische Kreativität, befinde sich das geistig-kulturelle Niveau auf seinem Höhepunkt. Von auswärtigen Einflüssen abgeschlossene Ethnien seien langfristig dem allmählichen zivilisatorischen Niedergang geweiht. (Richard Dehmel, Kultur und Rasse. Ein Gespräch zwischen Künstlern, 1913)
  • Friedrich Ludwig Zacharias Werner (1768–1823) – Hier muss ich gestehen, Werner ist vor allem dabei, um auf die Fünf zu kommen. Aber er scheint in Mensch zu sein, mit dem man sich einmal beschäftigen sollte. Bei Kant hat er studiert und in Weimar wurden seine Stücke vor Goethe aufgeführt. Nach drei gescheiterten Ehen konvertierte der romantische Dichter zum Katholizismus und wurde noch Priester. Sein bekanntestes Stück ist das Schicksalsdrama Der vierundzwanzigste Februar. Und das ist mein Geburtstag.

Link
http://gutenberg.spiegel.de/buch/zwei-menschen-1728/1Zwei Menschen. Roman in Romanzen von Richard Dehmel beim Projekt Gutenberg

Komponisten-Geburtstage

Der 25. Oktober ist der Geburtstag eines der größten Genies der Bildenden Kunst: Pablo Picasso. Vor 136 Jahren wurde er im spanischen Málaga geboren. Ich sollte vielleicht einen besonders langen Blog-Eintrag verfassen zu seinen verschiedenen Perioden oder zu ausgesuchten Werken. Er kann mich immer wieder begeistern. Doch irgendwie scheint mir das Projekt zu groß.

Ich bleibe lieber bei meinen Top-Five-Listen, heute: fünf Komponisten-Geburtstage des 25. Oktober.

  • Georg Gebel der Jüngere (1709–1753) – Der Bach-Zeitgenosse wurde in Schlesien geboren, wure dann in Dresden Mitglied der Brühl’schen Privatkapelle unter der Leitung des späteren Thomaskantors und unmittelbaren Bachnachfolgers Gottlob Harrer. Schließlich komponierte Gebel am Hof in Rudolstadt als Kapellmeister Kantatenzyklen, Oratorien, Passionen und Opern. Auch wenn noch nicht die Zeit dafür ist, möchte ich am Ende dieser Liste einen Link zu einer Aufnahme des Weihnachtsoratoriums setzen.
  • Johann Baptist Strauss, Sohn (1825–1899) – Man nennt dieses Wiener Urgestein auch gern den Walzerkönig. Wiener Blut und An der schönen blauen Donau sind weltbekannt. Operetten wie Die Fledermaus oder Der Zigeunerbaron werden bis heute immer wieder aufgeführt – und besucht.
  • Georges Bizet (1838–1875) – Paris und Romantik in der Musik; da kann ja nur Carmen herauskommen. Seine letzte Oper wurde zu Uraufführung in seinem Todesjahr verrissen. Heute ist sie eine der beliebtesten Opern überhaupt. Außerhalb der Musiker- und Musikwissenschaftler-Szene kennt man aber dafür auch nichts anderes von ihm.
  • Wolfgang Jacobi (1894–1972) – Ich muss gestehen, ich kenne nicht ein einziges seiner Werke. Aber als Professor für Komposition hob er in seinen eigenen Kompositionen das Akkordeon in den Stand eines ernsthaften Musikinstruments. Das brachte ihm eine Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Akkordeonlehrer-Verbandes ein. Der Bayerische Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz erweitern die Reihe seiner Auszeichnungen.
  • Thomas Natschinski (*1947) – Gitarrist und Sänger in der DDR. Ich kenne ihn mit seiner Gruppe und der Aufforderung Sag mir, wo du stehst! In über 150 Filmen und Fernsehspielen ist seine Musik zu hören, u.a. in der Spuk-Reihe (z.B. Spuk im Hochhaus). Auch die Musik des DEFA-Kultfilm Heißer Sommer stammt von Natschinski und seinem Vater Gerd.

Quasi Top-Five-Listen von Schriftstellern mit heutigem Geburts- oder Todestag

Heute ist mal wieder ein besonders wichtiger Tag für die Welt der Dichter und Denker und für die der Leser. Wenn ich mir meine letzten (und die heute aufgestellten) Top-Five-Listen so anschaue, drängt sich mir das GEfühl auf, dass ich mich stärker disziplinieren muss. Warum heißen diese Listen wohl Top Five? Nichtsdestotrotz hier eine auf sieben aufgestockte Top-Five-Liste der Schriftsteller, die heute, am 02. Juli, Geburtstag haben:

  • Abraham a Sancta Clara (1644–1709) – Über 600 Schriften hinterließ uns dieser Ordensmann und ist damit einer der bedeutendsten Dichter des deutschsprachigen katholischen Barock. Ich lernte ihn durch Judas Der Ertz-Schelm kennen, ein Werk, das den Verräter Christi in eine Ecke mit dem Vatermörder Oidipus stellt.
  • Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) – Aufklärung, Empfindsamkeit – mit diesen Worten verbindet man Klopstock. Er träumte von einer deutschen Gelehrtenrepublik und einem deutschen Nationalepos, das von ihm zu schaffen sei, der Messias. Ich kann beim Lesen seiner Texte heute keine große Freude empfinden. Seiner Bedeutung in der Literaturgeschichte tut dies keinen Abbruch.
  • Lily Braun (1865–1916) – Die stolze Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin ist bestimmt einen langen Eintrag wert. Tatsächlich habe ich mich noch nicht lang und intensiv genug mit ihr beschäftigt. Ich kam zu ihr über ihren Sohn, den Hochbegabten 1918 mit 20 Jahren gefallenen Otto Braun. Auf meiner ewig langen Leseliste stehen die Memoiren einer Sozialistin.
  • Hermann Karl Hesse (1877–1962) – Er überstrahlt heute alle anderen Jubilare; denn dies ist mit 130 Jahren ein runder Geburtstag. Außerdem gelingt es seinen Texten bis heute, sowohl bei Deutschlehrern als auch pubertierenden Schülern beliebt zu sein. Allein dafür hätte er in meinen Augen seinen Literaturnobelpreis (1946) bereits verdient.
  • Hans Günther Adler (1910–1988) – Er promoviert über Klopstock und arbeitete bei der Urania für die Volksbildung. Er geriet in die Fänge der Nationalsozialisten und überlebte das Grauen. Er schrieb sowohl Belletristik als auch Sachbücher zu den sein Leben prägenden Ereignissen. Als Standardwerk gilt bis heute: Theresienstadt 1941–1945, Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft.
  • Josef Guggenmos (1922–2003) – Guggenmos ist ein wichtiger Vertreter der Literatur für Kinder. Ich bin mit Texten von ihm aufgewachsen. Mittlerweile tragen einige Grundschulen seinen Namen, der irgendwie zu Kinderlyrik besonders gut zu passen scheint.
  • Wisława Szymborska (1923–2012) – Die polnische Literaturnobelpreisträgerin (1996) habe ich in diesem Jahr schon einmal erwähnt. Am 1. Februar war ihr fünfter Todestag. Zum Eintrag inklusive einem Gedicht von ihr.

Der 2. Juli ist aber auch der Todestag bedeutender Autoren. Daher gleich noch eine sieben Namen umfassende Top-Five-Liste (sortiert nach Todesjahr):

  • Nostradamus (1503–1566) – Ich gestehe, seine Schriften nicht tatsächlich gelesen zu haben. Immer wieder hört man, er habe das eine oder andere vorhergesagt. In dieser Liste steht er vor allem, um zu zeigen, dass sein Werk zur Dichtung gezählt werden muss.
  • Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) – Sein Leben könnte eher aus einem Schundroman stammen. Seine Werke haben die europäische Geisteswelt nachhaltig verändert. Sie sind das Fundament der Aufklärung. Bis heute kann man zumindest Anregungen aus seinen Schriften zu wirtschaftlichen, sozialen und pädagogischen Fragen ziehen. Heute mag ich einen Satz aus seinem Buch Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen (1755) besonders gern, den ich am Ende dieses Eintrags wiedergebe.
  • Ernest Miller Hemingway (1899–1961) – Über Literaturnobelpreisträger (1954) muss ich wohl nicht so viel schreiben. Die sind meist bekannt. Hemingway ist übrigens mehr als Der alte Mann und das Meer.
  • Vladimir Nabokov (1899–1977) – Nabokov gehört noch stärker als Hemingway zu den Künstlern, deren Gesamtwerk hinter dem Ruhm eines einzelnen Werkes zurücktritt; zumal es in seinem Falle auch noch ein pikantes ist. Lolita ist sogar genrebildend geworden. Wer kennt einen weiteren Text von Nabokov?
  • Josef Mühlberger (1903–1985) – Der Sudetendeutsche schrieb 1934 den Roman Die Knaben und der Fluss. Unser heutiges Geburtstagskind Hesse schrieb darüber, es sei wie eine Vogelmelodie, die schönste und einfachste junge Dichtung, die [er] seit langer Zeit gelesen habe.
  • Mario Gianluigi Puzo (1920–1999) – Wahrscheinlich kennt man eher die Verfilmungen seiner Bücher. Für Der Pate und Der Pate, Teil II erhielt er je einen Oscar; denn die Drehbücher hatter Puzo ebenfalls erarbeitet. Ich glaube aber, dass der Ruhm doch eher dem Regisseur Francis Ford Coppola und natürlich den unvergleichlichen Marlon BRando und Al Pacino zu verdanken ist.
  • Elie Wiesel (1928–2016) – Wiesel ist ein Holocaust-Überlebender und wichtiger Zeitzeuge, der in Romanen und Sachbüchern den Faschismus damals thematisiert und der Fratze der Unmenschlichkeit auch in unseren Tagen die Maske herunterriss. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus.

Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: „Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, das die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.“
aus: „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“
von: Jean-Jacques Rousseau

Schauspieler-Geburtstage

Eigentlich habe ich überhaupt gar keine Zeit für einen Blog-Eintrag. Damit aber nicht schon wieder so lange Pausen entstehen, schreibe ich eine schnelle Top-Five-Liste von Schauspielern, die heute Geburtstag haben:

  • Marlon Brando (1924–2004) – Über diesen Giganten muss man wohl nicht viel schreiben: The Wild One, The Godfather, Apocalypse Now und viele weitere Filme.
  • Marsha Mason (* 1942) – In der Serie The Middle spielt sie die Mutter der weiblichen Hauptfigur. Sie fällt einem heutigen Serienzuschauer nicht weiter auf. Aber 1986 stand sie an der Seite von Clint Eastwood in seinem Heartbreak Ridge.
  • Alexander „Alec“ Rae Baldwin III (* 1958) – Die vier Baldwins sind alle heiß geliebte Schauspieler. Alec ist wohl der bekannteste von ihnen. Seine Trump-Parodie ist aktuell sehr begehrt.
  • Edward „Eddie“ Regan Murphy (* 1961) – Irgendwie kann ich mich mit seinem Klamauk nicht anfreunden. Aber ist seit den 1980ern so präsent, dass man um ihn nicht herum kommt.
  • Birgit Minichmayr (* 1977) – Am Wiener Burgtheater wirkte sie. Im Parfüm und im Weißen Band war sie auf der großen Leinwand zu sehen. Im Tatort kann man auch auf sie stoßen.