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Werbung im Ramadan

Am kommenden Montag ist der Ramadan zur Hälfte rum. Mit vielen muslimischen Freunden spüre auch ich als Christ, dass dies eine besondere Zeit ist. Häufig überdeckt allerdings das europäischen Staunen über die sportliche Leistung des totalen Verzichts den Blick auf die theologische und zwischenmenschliche Bedeutung des Fastenmonats.

Ich fülle dieses Defizit mit einer ansatzweise kulturwissenschaftlichen aber dann doch nicht systematischen Betrachtung der kommerziellen Welt: Werbung im Ramadan.

Es ist wohl zu vergleichen mit der Werbung in der Advents- und Weihnachtszeit. Für die festliche Zeit der westlichen Welt produzieren Unternehmen spezielle Werbespots, die vereinzelt das christliche Geschehen, vor allem aber Gemütlichkeit und die Figur des Weihnachtsmanns zum Thema haben. Am Ende eines solchen Spots wünscht das Unternehmen seinen Kunden – oder auch dezidiert allen Menschen – eine frohe, besinnliche, friedliche Weihnachtszeit.

Hier möchte ich ein paar Videos des Ramadan 2019 vorstellen. Ich kommentiere sie nicht großartig; nenne nur kurz Marke bzw. Produkt bzw. was mir am Spot auffällt.

Zain, das Telekommunikationsunternehmen aus Kuwait hat bereits eine lange Tradition von Ramadan-Werbespots epischen Ausmaßes. Vor zwei Jahren habe ich bereits darüber geschrieben. In diesem Jahr geht es um die Gemeinsamkeiten von Christen und Muslims. Um ehrlich zu sein: dieser Spot ist auch der Grund für meinen heutigen Blog-Eintrag.
Weitere Videos von Zain: https://www.zain.com/en/media-center/video-gallery/

BMW muss ich wohl nicht vorstellen. BMW Middle East stellt uns die Geschichte von zwei Brüdern vor. Und gibt dem Zuschauer mit auf den Weg: Vergebung erhellt den Weg, der vor uns liegt.

Coca-Cola hat in diesem Jahr einen kürzeren Ramadan-Spot produziert. Aber schön ist er trotzdem.

Hyundai hat gleich für jede Woche des Ramadan einen anderen Film produziert – unter dem Motto: together on the path of blessings with hyundai. Wir sehen, Kinder dürfen selbstverständlich auch im Ramadan tagsüber essen.

Das Interessante bei der Tunisie Telecom ist wohl, dass beim Fastenbrechen alle Gäste ihr Handy in einem Korb ablegen, bis sie merken, dass man darauf auch Gesellschaftsspiele kann.

Bei Big Bazaar, einer Einzelhandelskette aus Indien, sehen wir eine muslimische Ärztin, die ihr Iftar-Mahl verschiebt, um das Kind einer hinduistischen Mutter zu entbinden.

Beim indischen Automobilhersteller Tata Motors bedanken sich die Kinder der Grundschule bei ihrem Busfahrer.

Zum Abschluss noch etwas Leichtes vom pakistanischen Speiseöl Mezan.

Vom Personen- zum Markennamen

Heute ist der Geburts- bzw. Todestag von Menschen, die ihren Namen im herkömmlichen Sinne unsterblich gemacht haben. Das schreit nach einer Top-Five-Liste (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Carl Joseph Meyer (09.05.1796–27.06.1856) – Er gründete das Bibliographische Institut, zu dem heute auch der Duden-Verlag gehört. Meyers Konversations-Lexikon war jahrzehntelang die größte Konkurrenz zur Brockhaus Enzyklopädie.
  • August Friedrich Pauly (09.05.1796–02.05.1845) – Für Altphilologen und Historiker ist Der Kleine Pauly, die Kurzfassung der Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, immer noch ein Standardwerk.
  • Adam Opel (09.05.1837–08.09.1895) – Das heute etwas glücklose Auto trägt den Namen des Rüsselsheimers, der sich so schöne auf Popel reimt.
  • Apollonia Margarete Steiff (24.07.1847–09.05.1909) – Durch Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt, beschäftigte sie sich mit der Nähmaschine und gründete schließlich das Unternehmen, dem die Erfindung des Teddybären zugesprochen wird.
  • Vidal Sassoon (17.01.1928–09.05.2012) – Ich wusste bis dato nicht, dass dies der Name eines Menschen ist. Aber mit Friseuren und Haarpflegeprodukten kenne ich mich eben auch nicht so aus. Sein Leben lässt sich als Traum vom armen Haarwäscher zum Millionär beschreiben.

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Zehn musikalische Geburtstage

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen Musik in der Luft liegt. Nicht des aktuellen Wetters wegen. Das ist ja eher untypisch für einen Mai des 21. Jahrhunderts. Aber ich habe seit langer Zeit wieder mal ein Lied geschrieben, bzw. ein bestehendes Lied in die deutsche Spreche herüber gerettet. Ich denke, am nächsten Montag werde ich es in der VILLA zuur OpenStage spielen.

Heute ist außerdem einer dieser Tage, der unserer Welt bedeutende Musiker geschenkt hat. Deshalb eine meiner geliebten Top-Five-Listen von Musikern, die heute Geburtstag feiern (in zeitlicher Reihenfolge), die ich auf Grund der besonderen Häufung auf eine Top-Ten-Liste erweitere:

  • Bing Crosby (1903–1977) – Er lieh White Christmas von Irving Berlin seine Stimme. Gemeinsam sind sie unsterblich und zur Zeit auf Platz zwei der größten Verkaufserfolge aller Zeiten (nach Candle in the Wind).
  • Colorado Pete (1909–1969) – Er war einer der Singin‘ Cowboys der 30er und 40er Jahre. Er war vor allem ein Radio-Phänomen. KMBC 980 Kansas City – Brush Creek Follies ist teilweise bei YouTube zu finden und tatsächlich höhrenswert.
  • Pete Seeger (1919–2014) – Der linke Umweltaktivist war über Jahrzehnte das Epizentrum der US-amerikanischen Folk-Szene. Sein Erbe sind unvergessliche Songs wie: Where Have All the Flowers Gone, We Shall Overcome und If I Had a Hammer.
  • Dave Dudley (1928–2003) – Er machte den Cowboy der Country-Musik zum Fernfahrer. Ich liebe sein Lied Six Days on the Road. In Deutschland haben Truck Stop ihm einen Song verehrt: Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hörn.
  • James Brown (1933–2006) – Beim Godfather of Soul fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Daher nur ein paar Songtitel, die für sich sprechen: I Got You (I Feel Good), It’s a Man’s Man’s Man’s World, Sexmachine, Living in America.
  • Georges Moustaki (1934–2013) – Édith Piaf, Dalida und Yves Montand sangen seine Lieder. Er komponierte und textete. Von ihm stammt beispielsweise der Text des großartigen Milord.
  • John Primer (*1946) – Er hat in den Bands von Willie Dixon und Muddy Waters gespielt. Aber auch als Frontmann macht er eine gute Figur. Ach, es gibt so viele Musiker, die man einfach nicht genug würdigt. Und die Zeit ist so begrenzt.
  • Mary Hopkin (*1950) – Mit 18 Jahren sang sie ihren Hit Those Were the Days, den man bis heute kennt. Zwei Jahre später brachte sie mit Knock Knock Who’s There dem Vereinten Königreich beim Grand Prix (jetzt ESC) einen respektablen zweiten Platz.
  • Rea Garvey (*1973) – Man kennt den gebürtigen Iren wohl vor allem als Frontmann der Band Reamonn und als Coach bei The Voice of Germany.
  • Sidney Royel Selby III (*1997) – Unter dem Namen Desiigner brachte er den Rap-Song Panda heraus, der von Billboard auf Platz 24 der 100 wichtigsten Songs 2016 gelistet wird. Mich verstört das Video ein wenig. Aber Kanye West hat den Song bereits versampelt.

Sie passt nicht direkt in diese Liste. Aber ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass heute vor 128 Jahren die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt geboren wurde. Ihre Säk’schen Glassigger zeugen von einer hohen Musikalität der Leipzigerin. Herzlichen Glückwunsch!

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Geburtstag von fünf Autorinnen

Heute ist der Geburtstag des britischen Schriftstellers Nick Hornby. Sein bekanntestes Buch ist wohl About a Boy (1998), das mittlerweile sowohl im Kino (2002) als auch in einer TV-Serie (2014/15) weitere Rezipienten fand. Den Titel entlieh Hornby, so heißt es, dem Nirvana-Lied About a Girl. Da ist es nur gerecht, wenn wir neben Hornby eine Top-Five-Liste weiblicher Autoren erstellen, die heute ebenfalls Geburtstag haben (in zeitlicher Reihenfolge).

  • Eliza Acton (1799–1859) – Acton blieb unverheiratet, lebte mit ihrer Mutter und schrieb romantische Gedichte. In die Geschichte eingegangen ist sie aber mit ihrem Kochbuch Modern Cookery for Private Families von 1845.
  • Ida Boy-Ed (1852–1928) – Mit 17 Jahren verheiratet, verließ sie acht Jahre später ihren Mann und schrieb Romane, Erzählungen sowie journalistische Beiträge. In Lübeck unterhielt sie einen Salon und gehörte zu den frühen Förderern von Thomas Mann und Wilhelm Furtwängler. Sie ist auf dem Beitragsbild zu sehen.
  • Tania Blixen (1885–1962) – Sie stammt aus Dänemark und ist eine weitere selbstbestimmte Frau, die sich durch Scheidung ihres Lebemanns entledigte. Man kennt sie heute vor allem als afrikanische Farmerin. Afrika – dunkel lockende Welt von 1937 gibt Auskunft über diese Zeit. 1985 wurde sie mit Meryl Streep als Blixen preisgekrönt unter dem Titel Jenseits von Afrika verfilmt.
  • Helen Meier (*1929) – Ich kenne ihre Werke nicht. Aber die ausgebildete Grundschullehrerin beschäftigt sich in ihren Büchern mit den drei Themen: Altern, gescheiterte Lebensläufe und unerfüllte Liebe.
  • Joanna Murray-Smith (*1962) – Sie zählt heute zu den bedeutendsten Autorinnen Australiens. Ihre Bühnenstücke werden auch am Broadway gezeigt, u.a. 1998 mit Meryl Streep im Stück Honour, in dem es um Ehebruch geht.

Top-Five-Liste am heutigen Tag verstorbener Regisseure

Heute vor 63 Jahren starb Emil Nolde in Seebüll. Ich habe seine expressionistischen Bilder immer geliebt. Ich bin aufgewachsen mit der Vorstellung, dass Nolde als entarteter Künstler selbstverständlich zu Guten gehören musste. Erst viel später lernte ich, dass Nolde nicht nur der NSDAP angehört hatte, sondern dass er sich auch immer wieder deutlich antisemitisch geäußert hatte. Seinen Malstil lehnten die Nazis allerdings trotzdem ab.

Emil Nolde ist also neben Michael Jackson ein weiteres bzw. älteres Beispiel für die Frage, ob man Werk und Autor trennen könne. In gewisser Weise gibt es bei Nolde bereits eine Antwort: Seine Freunde trennten Werk und Autor. Sie hielten Nolde in den Reihen der Partei, ließen ihn aber nicht mehr seine Bilder ausstellen. Können, sollten, dürfen wir entsprechend umgedreht mit ihm verfahren? Oder sind seine Werke ebenso abzulehnen wie das Verhalten der Person?

Das werden wir mit einem kurzen Blogeintrag nicht lösen können. Dazu sind bereits dicke Bücher geschrieben worden und der Feuilleton versucht sich immer wieder dazu. Wir wenden uns daher einem anderen Thema zu, meinem Steckenpferd, den Top-Five-Listen.

Heute präsentiere ich eine Top-Five-Liste von Regisseuren, die an einem 13. April verstarben (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Veit Harlan (1899–1964) – Mit Harlan sind wir noch nicht weit von Nolde weggekommen. Harlan ließ sich von seiner ersten Frau scheiden, weil sie Jüdin war. Sie wurde im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Heute kennt man Harlan vor allem durch den Propaganda-Film Jud Süß, der bis heute nur mit fachlicher Begleitung gezeigt werden darf. Interessant ist aber auch die Geschichte um sein Spätwerk Anders als du und ich (§ 175) / Das dritte Geschlecht. Harlan ist über seine Nichte Christiane verschwägert mit Stanley Kubrick.
  • Lee Man-hee (1931–1975) – Bevor der Südkoreaner mit nicht mal 44 Jahren an Leberzirrhose starb, drehte er 51 Filme ganz unterschiedlicher Genres; darunter Horror, Thriller, Mystery, aber auch Kriegs-/Nachkriegsfilme. Late Autumn von 1966 erlebte in den Jahren 1972, 1975, 1982 und 2010 bereits vier Remakes.
  • Francisc Munteanu (1924–1993) – Der Rumäne kam vom Roman zum Drehbuch und schließlich selbst zum Regiestuhl. Der sonst Regimegetreue soll 1972 in Die Heilige Therese und die Teufel die erste komplette Nacktszene in einem sozialistischen Film gedreht haben.
  • József Gémes (1939–2013) – Hier wechseln wir deutlich das Genre. Er gilt als der bedeutendste Trickfilmzeichner/-regisseure Ungarns. Bekannt ist wohl besonders der Animationsfilm The Princess and the Goblin aus dem Jahre 1991 als internationale Koproduktion.
  • Miloš Forman (1932–2018) – Der gebürtige Tscheche ist uns heute als ein großer Mann aus Hollywood bekannt: Einer flog über das Kuckucksnest (1975), Hair (1979), Amadeus (1984), Mondmann (1999). Die werden bleiben!

Gedenktag der Maler

Heute ist für die meisten US-amerikanischen Protestanten der Gedenktag vieler wichtiger Maler: Albrecht Dürer, Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald und  Michelangelo. Warum das so ist, konnte ich nicht in jedem Fall ermitteln. Meist ist der Gedenktag der Todestag einer Person. Doch das gilt nicht für alle hier Genannten, während es weitere berühmte bildende Künstler gibt, deren Todestag heute ist ohne ein lutherischer Gedenktag zu sein.

Also muss eine Top-Drei-Liste her der heute gestorbenen bildenden Künstler (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Raffael (1483–1520) – Er hat heute sowohl Geburts- als auch Todestag. Im Leben war er vor allem der Schönheit verpflichtet. Das lässt Kritiker heute von Kitsch reden.
  • Albrecht Dürer (1471–1528) – Er ist wohl der wichtigste Kupferstecher und Holzschneider Deutschlands. Aber vor allem bleibt sein Hase.
  • Erich Ohser (1903–1944) – Man kennt ihn vor allem unter seinem Pseudonym e. o. plauen, mit dem er seine Vater-und-Sohn-Comicstrips unterzeichnete. Er karrikierte für den Vorwärts Hitler und Goebbels. Letztendlich wurde er ein Opfer der Faschisten.

Der Frühling und die Literatur

Neben der Liebe ist wohl der Frühling der größte Antrieb in der schöngeistigen Literatur. nicht umsonst werden alle drei in einem Atemzug genannt – mal zart gehaucht und mal ungestüm herausgeschrien.  Und die Buchmesse in Leipzig findet ebenfalls in jedem Jahr erneut in Frühlingsnähe statt.

Wann genau Frühling ist, habe ich schon einmal vor einigen Jahren in einem Beitrag untersucht. In diesem Jahr ist für mich der 20. März ein wichtiger Frühlingsanfang. Seit fast 1000 Jahren beginnt mit diesem Tag, dem Nouruz-Fest, im persisch-afghanischen Kulturkreis das neue Jahr. Im Iran isst man dazu ein Mal, das aus sieben Speisen bereitet wird, die alle mit S beginnen:

  1. Sabze – Grünes, also Weizen-, Gersten- oder Linsensprossen
  2. Samanou Malz aus Weizen
  3. Sir – Knoblauch
  4. Sendsched – Mehlbeere der Schmalblättrigen Ölweide
  5. Serkeh – Essig
  6. Somagh – Gewürzsumach
  7. Sib – Apfel

Der Frühling ist eine Zeit des Anfangs. In Leipzig gibt es eine besonders lange Tradition, die im Frühling ihren Anfang nahm. Der Thomanerchor kann eine Gründungsurkunde vorweisen, die auf den 20. März 1212 datiert ist und von Kaiser Otto IV. unterzeichnet.

Wer es weniger klassisch mag. Heute ist der 50. Hochzeitstag von John Lennon und Yoko Ono. Die Goldene Hochzeit blieb ihnen verwehrt. Am 8. Dezember 1980 fiel John Lennon einem geisteskranken Fan zum Opfer.

Nun, ich habe den Eintrag mit der Literatur begonnen. Deshalb möchte ich hier mit einer Top-Five-Liste von Literaten enden, die am 20. März Geburtstag feiern (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Ovid (43 v.Chr. – 17 n.Chr.) – Einer der größten römischen Dichter. Liebeslyrik, Sagenstoffe und Klagelieder schrieb der Zeitgenosse Jesu.
  • Friedrich Hölderlin (1770–1843) – Ein Romantiker, ein Klassiker, der doch so anders ist als die Weimarer Klassiker. Selbst in seiner „Umnachtung“ noch genialisch.
  • Henrik Ibsen (1828–1906) – Berühmt ist vor allem der Peer Gynt, auch weil Edvard Grieg dazu so ungeheuer schöne und markante Musik geschrieben hat.
  • Christoph Ransmayr (*1954) – Von diesem studierten Philosophen und Ethnologen habe ich Die letzte Welt gelesen, als Abiturient. Er hängt sehr am Werk Ovids. Ob das wirklich nur ein Zufall ist?
  • Jens Petersen (*1976) – Ich muss gestehen, ich kenne diesen Arzt und Schriftsteller nicht. Aber er kann nicht so richtig schlecht sein; 2009 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Flagge zeigen!

Heute hat die deutsche Flagge Geburtstag, bzw. einen ihrer vielen Geburtstage. Denn die Farben Schwarz-Rot-Gold sind nicht nur älter als die Bundesrepublik und die Weimarer Republik, sondern sogar ein wenig älter als der Deutsche Bund von 1815. Denn davor kommen noch die Burschenschaft und das Lützowsche Freikorps der Befreiungskriege. Aber heute ist ein besonders rundes Jubiläum. Vor 100 Jahren beschloss der Staatenausschuss die Farben der deutschen Nationalflagge. Der Staatenausschuss war die Ländervertretung zur Zeit der Weimarer Nationalversammlung, quasi der Bundesrat der Übergangsphase.

Heute wissen wir, wie tragisch und brutal die Weimarer Republik endete. Doch das besudelt nicht die Farben Schwarz-Rot-Gold, die – nebenbei bemerkt – die Regeln der klassischen, aristokratischen Heraldik brechen. Bezeichnend ist nämlich, dass die Nationalsozialisten die Farben wieder abschafften. Statt der selbstbewussten bürgerlich-freiheitlichen Flagge wehte überall das heraldikkonforme Hakenkreuzbanner.


Für eine andere Entwicklung in Richtung Freiheit ist dieser Tag auch besonders wichtig. Die LGBT-Bewegung, deren Fortschritt ebenfalls am Wehen einer bestimmten Flagge abgelesen werden kann, kann heute bedeutender Ereignisse und Geburtstag gedenken. Ich liste sie in zeitlicher Reihenfolge auf:

  • 1895 – John Sholto Douglas, 9. Marquess of Queensberry lässt in seinem Club einen Brief übergeben für Oscar Wilde, den posierenden Sodomiten. Douglas ist der Vater von Alfred Douglas, dem Geliebten Oscar Wildes. Die quasi-öffentliche Betitelung als Sodomiten zwingt Wilde zu Verleumdungsklage. Diese wiederum führt zu Wildes strafrechtlicher Verurteilung wegen Homosexualität.
  • 1932 – Andreas Meyer-Hanno wird geboren. Der u. a. mit einem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Opernregisseur ist einer der wichtigsten Schwulenaktivisten der Bundesrepublik. Er setzte sich ein für das Mahnmal Homosexuellenverfolgung in Frankfurt a.M. auf dem dafür umbenannten Klaus-Mann-Platz. Es war das erste bundesdeutsche Denkmal für schwulen und lesbischen Opfer des NS-Regimes.
  • 1933 – Yoko Ono wird geboren. Sie ist nicht nur eine fantastische Künstlerin und die große Liebe von John Lennon; sie ist eine Menschenrechtsaktivistin, eine Kämpferin für den Frieden und die Gleichstellung von Homosexuellen. In der Komödie Jeffrey (1995) wird der schwule Innenarchitekt Sterling (Patrick Stewart) nach seiner größten erotischen Phantasie gefragt. Seine Antwort: einen Tee trinken mit Yoko Ono, um ihre Inneneinrichtung zu sehen.
  • 1937 – Der Reichsführer SS Heinrich Himmler hält in Bad Tölz eine Geheimrede vor den SS-Gruppenführern. In dieser Rede bezeichnet er Homosexualität als ein anormales Leben. Nach der relativen Zurückhaltung während der Olympischen Sommerspiele 1936 bedeutet dieses Rede die Rückkehr bzw. Ausweitung der Verfolgung von Homosexuellen.
  • 2006 – Die lesbische Polizistin Laurel Hester stirbt. Sie setzte sich erfolgreich dafür ein, dass ihre Partnerin nach ihrem krankheitsbedingt frühen Tod Anspruch auf Pensionszahlungen erhält, wie es bei heterosexuellen Paaren üblich ist. Julianne Moore spielt Hester im Film Freeheld (2015).

Jahresrückblick

Blick zurück und Blick nach vorn

Das Jahr 2018 hat nur noch wenige Stunde vor sich. Da kann man langsam Rückschau halten. Da ich viel grafisch arbeite, habe ich mir aus meinem Fotoarchiv ein Bild des Jahres 2018 ausgesucht.

Jahresrückblick

Es ein Modell des Titelbildes meines gezeichneten Bilderbuches Wenn du nicht da bist …, welches seit dem Jahr 2018 in 18 Sprachen vorliegt. Das habe ich natürlich nicht allein gemacht. Freunde, die ich teilweise schon sehr lange kenne und teilweise erst im endenden Jahr kennengelernt habe, halfen mir bei den Übertragungen in ihre jeweilige Muttersprache. Allein schon für dieses Projekt bin ich dem Jahr 2018 dankbar.

Ich habe dem Foto eine Sepia-Färbung gegeben, da es ein wenig an Gold erinnert. Im kommenden Jahr feiern meine Eltern ihre Goldene Hochzeit. Die Liebe dieser zwei Menschen zueinander hat nicht nur mich und meine Geschwister hervorgebracht, sie ist mir auch ein Modell geworden für zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt und die Ehe als Ein- und Dauerpartnerschaft im Besonderen.

Anfang 2018 durfte ich als Trauzeuge einem guten Freund und seiner Braut eine ganz ähnliche Zukunft wünschen. Ich wäre zu der Feier in jedes Provinznest gefahren. Versprochen! Tatsächlich fand sie auf dem Kapitolinischen Hügel mitten in Rom statt. Das ist auf jeden Fall eine Erinnerung an 2018, die bleiben wird.

Ich weiß auch, dass nicht jedes Paar, das verliebt in die Ehe hineingeht, auch ein Leben lang in diesem Zustand verharrt. Meine Langzeitprojekt Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien beschäftigt sich ja damit. Ende 2017 habe ich den ersten Abschlussband veröffentlicht. Anfang 2019 wird der zweite und damit letzte Band erscheinen. Die Kraft dazu hat mir das noch laufende Jahr gegeben oder zumindest nicht nehmen können.

Gerade erst vor wenigen Wochen hat eine gute Freundin ihre Mutter verloren. So enden langjährige Beziehungen. Die Normalität des Todes lässt ihn aber nicht weniger bedrohlich, unheimlich, traurig scheinen. Er reißt Menschen aus unserer Mitte. Wir können es kommentieren, aber wir können es nicht ändern. Bei der nächsten Feier, zu der ich 2019 eingeladen werde, wird ein wichtiger Mensch fehlen. Auch das sieht man in meinem Foto.

Gerade heute fällt mir eine weitere mögliche Bedeutung für dieses Foto ein. Es sieht aus, als wäre in der Mauer vor der Person ein Durchgang, genau für sie gemacht. Vielleicht ist das der Weg zum neuen Jahr. Die kleine Person wird sich schon irgendwie durchwurschteln. Aber es würde auch nicht schaden, wenn sie noch etwas wüchse. Ich frage mich, ob ich im Jahr, aus dem wir heute Nacht gehen werden, wirklich alles gemacht habe, was ich hätte machen können. Habe ich mich meinen Mitmenschen gegenüber richtig verhalten? Habe ich meine Energie in die richtigen Projekte gesteckt? Bei kritischer Würdigung der vergangenen 365 Tage, muss ich gestehen, dass da doch wohl noch erheblich Luft nach oben ist. Das ist ein guter Vorsatz für das anbrechende Jahr: wachsen!

Wachsen – nicht im kapitalistischen Sinne. Da sind unserer Welt doch Grenzen gesteckt, die wir mehr und mehr zu sehen scheinen! Wachsen – in einem inneren, seelischen Sinne. Und auf diesem Gebiet müssen wir uns über Grenzen keine Sorgen machen.

Ich habe das Jahr 2018 mit so vielen guten und freundlichen Menschen verbracht: Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Kursteilnehmer, Besucher von VILLA-Angeboten. Die meisten Begegnungen waren positiv, fruchtbringend, unterhaltend, schön. In einem solchen Kreis von lieben Menschen fühle ich mich gut aufgehoben. Vielen Dank dafür!

Und das nächste Jahr? Was wird 2019 bringen? So Gott will und wir leben, soll es in meiner näheren Umgebung gern so weitergehen. Gegen die großen Weltthemen Hunger, Krieg und Umweltzerstörung werden wir mehr machen müssen. Wir werden über uns hinaus wachsen müssen. Aber heute Abend bin ich voller Zuversicht, dass uns das auch gelingen wird.