75 Jahre Joni Mitchell

Heute ist Joni Mitchell 75 Jahre alt. Sie ist für mich eine Wichtige Kraftquelle und Inspiration. Ihre Musik und ihre Texte bedeuten mir seit Jahrzehnten unglaublich viel. Und die Tatsache, dass sie viele ihrer Plattencover selbst gestaltet hat, dient mir auch innerlich als Rechtfertigung für das eigene Komplettpaket.

Eigentlich sollte ich einen langen Aufsatz schreiben über bestimmte Alben und die Songs darauf, die verwendeten Instrumente, die Liebschaften, die Künstler, die von Joni Mitchell beeinflusst wurden usw. usf. Aber ich beschränke mich auf eine Top-Five-Liste – nicht meiner Lieblingssongs von ihr, sondern – von Cover-Versionen anderer Künstler:

  • Carey – mit halbem Tempo live von Cindy Lauper; sehr hypnotisch!
  • Big Yellow Taxi – von Bob Dylan in einer seiner schlimmeren Phasen, aber so habe ich das Lied eben kennengelernt.
  • Got ′til it′s gone – eigentlich ein eigenständiges Lied von Janet Jackson; aber mit wichtigem Hook-Line-Sample aus Big Yello Taxi; auch im Video kann man Joni Mitchell entdecken.
  • A Case of You – von Prince am Klavier gerade erst postum veröffentlicht.
  • Both Sides NowCleo Laine machte aus dem Folksong eine klassische Nummer; Joni Mitchell selbst kopierte später diesen Stil.

Und zum Abschluss ein mittlerweile 5 Jahre altes Interview mit ihr:

Geburtstag bedeutender Frauen

Wenn ich meine Top-Five-Listen zu einem Tag erstelle, suche ich normalerweise Berufe aus: Maler, Schriftsteller, Musiker. Meist sind es Männer, nicht weil ich ihnen den Vorzug gäbe, sondern weil sich die Geschichtsschreibung bisher auf Männer konzentrierte. Es ist ja im Wandel. Und in allen drei vorgenannten Disziplinen weiß ich zumindest einige Frauen in meinen persönlichen Favoritenlisten.

Heute möchte ich eine Top-Five-Liste von weiblichen Geburtstagskindern schreiben:

  • Anna Maria von Schürmann (1607–1678) – Eine niederländische Universalgelehrte, die zehn Sprachen beherrschte. Für den Besuch der Universität wurde ihr ein Holzverschlag gebaut. So störte sie nicht die Männerwelt.
  • Catherine „Kitty Clive“ Raftor (1711–1785) – Schauspielerin und Sängerin in London. Sie sang beispielsweise die Delilah in der Uraufführung von Händels Oratorium Samson.
  • Vivien Leigh (1913–1967) – Es bleibt vor allem der Oscar für ihre Rolle der Scarlett O’Hara in Vom Winde verweht. Doch das ist wohl das Einzige, was sie mit den Südstaaten verbindet. Eigentlich war sie eine britische Theatergröße.
  • Gisela Andersch, geb. Dichgans (1913–1987) – Den Nachnamen bekam sie von ihrem zweiten Ehemann Alfred Andersch. Bis heute ist der Malerin und Grafikerin hauptsächlich für Buchgestaltungen bekannt.
  • Elke Sommer (*1940) – Die Pastorentochter ist vor allem als Schauspielerin bekannt. Sie gehört zu den wenigen Deutschen, die auch in Hollywood Karriere gemacht haben. Und sie teilt das Schicksal aller hübschen Frauen, in einer Männerwelt immer wieder auf das Aussehen reduziert zu werden.

Top-Five-Liste von Musiker-Geburtstagen

Ach, wenn man einmal wieder mit Top-Five-Listen anfängt, ist es schwer wieder damit aufzuhören. Ob mir wohl fünf gute Gründe einfallen würden, warum ich Top-Five-Listen so gern mag?

Fünf Musiker feiern heute Geburtstag, die man ruhig kennen kann:

  • Robert Long (1943–2006) – Niederländischer Liedermacher, der auch auf Deutsch gesungen hat. Er lebte offen schwul und sang darüber; zu einer Zeit, da es noch nicht hipp war. Hörtipp: Homo Sapiens
  • Hans Hartz (1943–2002) – Wer kennt es nicht, das Sail Away! aus der Becks-Werbung? Achtung! Nicht zu verwechseln mit dem Remake, bei dem Joe Cocker versucht, in die Fußstapfen des Deutschen zu steigen.
  • Leslie West (*1945) – Der Name wird einigen nichts sagen. Aber mit seiner Band Mountain spielte 1969 in Woodstock. Eddie van Halen nennt den Gitarristen sein Vorbild. Ihr größter Hit: Mississippi Queen
  • Shaggy (*1968) – Wer wurde heute vor runden 50 Jahren geboren? It wasn’t me
  • Helmut Lotti (*1969) – Der Beginn seiner Karriere liegt in Belgien. Mit Helmut Lotti Goes Classic wurde er europaweit bekannt. Als Botschafter des Kinderhilfswerks UNICEF tut er bis heute Gutes. Im Herbst und später zur Advents- und Weihnachtszeit darf man auch seine Lieder wieder hören.

Liste literarischer Todestage und ein Arzt mit Geschichte

Ich habe schon lange keine meiner Top-Five-Listen veröffentlicht, obwohl das eigentlich meine Lieblings-Artikel-Art ist. Es böte sich auch an, etwas über Asperger zu schreiben. Schließlich ist Johann Friedrich Karl Asperger, der Namensgeber einer speziellen Form des Autismus, heute vor 38 in Wien gestorben. Aber das lässt mich emotional gerade völlig kalt. Dies könnte ein politisch nicht ganz korrekter Witz sein, der sich auf das Asperger-Syndrom bezieht, wenn ich die erklärenden Zeilen nicht auch nutzte darauf hinzuweisen, dass Asperger selbst in der Zeit des Nationalsozialismus nicht selbst menschenverachtende, kriminelle Herzenskälte bewies, als er in der sogenannten Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund Kinder und Jugendliche für die Tötung aussortierte. 1939 sagte Asperger in einem Vortrag:

Im neuen Deutschland haben wir Ärzte zu unseren alten eine Fülle neuer Pflichten übernommen. So wie der Arzt bei der Behandlung des Einzelnen oft schmerzhafte Einschnitte machen muss, so müssen wir aus hoher Verantwortung Einschnitte am Volkskörper machen. Wir müssen dafür sorgen, dass das, was krank ist und diese Krankheit in fernere Generationen weitergeben würde, zu des Einzelnen und des Volkes Unheil, an der Weitergabe des kranken Erbguts gehindert wird.

Ja, jetzt habe ich doch etwas zu Asperger geschrieben, eben weil es mich doch nicht kalt lässt. Nun aber – mit Blick auf meine Lesung am nächsten Samstag – doch schnell meine Top-Five-Liste von Todestagen bedeutender Schriftsteller:

  • Nikolos Barataschwili (1817–1844) – Ich habe nichts von Barataschwili gelesen. Aber er gehört wegen eines frühes Malaria-Todes zum Club der 27 und ist ein bedeutender Schriftsteller der Romantik aus Georgien. Georgisch wird auch bei meiner Lesung am Sonnabend zu hören sein.
  • Arthur Schnitzler (1862–1931) – Von diesem Arzt und berühmten modernen Erzähler und Dramatiker habe ich ebenfalls zu meiner Schande noch nichts gelesen oder gesehen. Sigmund Freud war begeistert vom Werk Schnitzlers. Das soll uns reichen.
  • Jack Kerouac (1922–1969) – Diesen großen Vertreter der Beat-Generation kenne ich nun endlich wirklich selbst. On the Road auf der Route 66 pflanzte weiteren Generationen das Fernweh in die Herzen.
  • Walter Schmiele (1909–1998) – Schmiele teilt das Schicksal vieler Übersetzer; weil ihre Namen nicht direkt auf dem Buchcover abgedruckt werden, kennt sie keine Sau. Und als Essayist schreibt man für ein Fachpublikum. Ich habe ihn als Autor einer Henry-Miller-Monographie kennengelernt.
  • Manfred Krug (1937–2016) – Krug war nicht nur ein hervorragender Schauspieler und arsch-cooler Sänger. Unter dem Pseudonym Clemens Kerber hatte er auch viele seiner Liedtexte selbst verfasst.

Der Ramadan beginnt

Durch das Soziokulturelle Zentrum „Die VILLA“ und meine Arbeit bei der Deutschen Angestellten-Akademie habe ich in den letzten zwei bis drei Jahren viele Menschen kennengelernt, die muslimischen Glaubens sind. Seitdem beschäftige ich mich verstärkt mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der drei Abrahamitischen Religionen. Und gerade in der ostdeutschen Diaspora überwiegen für mich die Gemeinsamkeiten; oder um es pointiert zu sagen: Es muss doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht bald einen Weg finden, friedlich miteinander zu leben!

Heute ist der erste Tag des Fastenmonats Ramadan. Ich wünsche all meinen muslimischen Freunden eine Zeit der Einkehr, Ruhe und Besinnung. Uns allen wünsche ich den Frieden auf Erden, den auch in der Weihnachtserzählung der Engel den Hirten wünscht.

Ramadan Mubarak 2018

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Mai

K18_05_Mai

In einer kleinen Datsche am Stadtrand, da ist gut sein.
Dort treff’ ich dich heut Abend. Ich lad dich ein.

Dort entzünd’ ich eine Kerze; es gibt kein elektrisches Licht.
Und ich flüster’ in dein Ohr ein kurzes Gedicht.

Und fängt es an zu regnen, geh’n wir noch einmal raus.
Um uns nicht zu erkälten, zieh’n wir die Kleider lieber aus.

Wenn du dann plötzlich frierst, komm ruhig etwas näher heran.
Ich werd’ dich wärmen und dein Freund sein, dein Partner und Mann.

Adrianopel, der Islam in Deutschland und die armenische Schrift

Adrianopel ist eine Stadt mit großer Geschichte. Als Uskodama gegründet, wurde sie im 2. Jahrhundert vom römischen Kaiser Hadrian umgebaut und nach ihm benannt. 378 erlitten die Römer ihre große Niederlage gegen die Gothen bei Adrianopel, was als ein Wendepunkt der Geschichte des Römischen Reiches gilt. Kreuzzügler, die aufgebrochen waren, die Heiligen Stätten von den sogenannten Ungläubigen zu befreien, plünderten mehrfach Adrianopel. Ab 1365 diente die Stadt als Residenz der türkischen Sultane. In den Balkankriegen des 20. Jahrhunderts wechselte die Stadt, die mittlerweile Edirne genannt wurde, mehrfach den Besitzer. Sie gehörte mal zu Bulgarien, mal Griechenland und schließlich wieder zur Türkei. Heute ist sie Hauptstadt der türkischen Provinz, die aus der Türkei auch ein kontinental-europäisches Land macht.

Vor genau 450 Jahren wurde in Edirne dieser Tage der Frieden von Adrianopel zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Osmanischen Reich geschlossen, der mit seinen drei vertraglichen Verlängerungen eine 25 Jahre währende Friedensphase auf dem Balkan einläutete. Rückwirkend bedeutete dieser Frieden wohl eher einen verlängerten Waffenstillstand, der zum Sammeln neuer Kräfte und nicht zum friedlichen kulturellen Austausch genutzt wurde. Aber immerhin! Wenn die Zivilbevölkerung 25 Jahre nicht unter einem Krieg zu leiden hat, ist das ein Erfolg. 25 Jahre sind fast eine Generation.

Seit 2005 ist eine Städtepartnerschaft zwischen dem türkischen Edirne und dem deutschen Lörrach gewachsen. Beide Städte verbindet, dass sie in einem Dreiländereck liegen. Dabei herrschen derzeit zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz deutlich weniger Spannungen als zwischen der Türkei, Bulgarien und Griechenland. Und nicht an allen Problemen ist die Türkei schuld.


Gestern wurde der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel aus türkischer Untersuchungshaft entlassen. Er kehrte zurück nach Deutschland, wo er bei der WeltN24-Gruppe unter Vertrag steht. Mit ihm wurde eine symbolhaft aufgeladene Figur entlassen. Weitere Journalisten und andere Menschen sitzen noch in türkischen Gefängnissen. Vielen Deutschen ist der von Recep Tayyip Erdoğan geleitete Staat am Bosporus unheimlich geworden. Das Unverständnis gegenüber den türkischen Verhältnissen führt oft zu einer Gleichsetzung mit dem Islam. Alles, was uns Deutschen an der Türkei fremd und falsch erscheint, ist dann auch gleich ein Fehler des Islam, der so etwas überhaupt möglich gemacht hätte. [Ich werte heute nicht. Meine Kraft reicht heute nur aus, um zu benennen.]

Heute berichtet der NDR, dass die Landtagsfraktion der AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit Pegida zusammenarbeiten möchte. Gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands zu kämpfen, sei ein gemeinsame Aufgabe. [Auch hier werde ich heute nur melden und nicht kommentieren.]

Heute hat Bülent Arslan Geburtstag. Er ist ein CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, der 1975 in der Türkei geboren wurde. 1976 zog der Einjährige mit seinen Eltern nach Deutschland. Mit 22 Jahren wurde Arslan deutscher Staatsbürger. Er arbeitet als Unternehmensberater, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Arslan ist Muslim und sieht in seiner Mitgliedschaft zu einer Partei mit einem C im Namen kein Problem. Die Werte der Partei seien dem Christentum entnommen, die Politik der Partei aber Christen wie für Nicht-Christen gemacht. 2004 sagte Arslan der Deutschen Welle gegenüber:

Und wenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgeklärter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie beispielsweise, und ich denke, dass ich da nicht zu einer Ausnahme in Deutschland gehöre. Umfragen zeigen, dass rund 50 bis 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken konservativ eingestellt sind, also religiöse, wertgebundene Menschen sind. Das ist meiner Meinung auch ein Potential für die CDU.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bülent Arslan!

Quelle
http://de.qantara.de/inhalt/bulent-arslan-als-muslim-in-der-cdu


Nach einem Ausflug in das Lager der CDU müsste ich eigentlich, um im Gleichgewicht zu bleiben, noch ein paar Zeilen zu Erich Zeigner verlieren, einer historischen Größe der SPD und erstem Bürgermeister im Leipzig der Nachkriegszeit, dessen Geburtstag heute ebenfalls ist. Doch den hier einfach nur anzuhängen, wird ihm auch nicht gerecht. Daher muss die einfache Erwähnung reichen.

Aber einen Todestag möchte ich noch ins Spiel bringen. Am 17. Februar 440 starb Mesrop Maschtoz bzw. Մեսրոպ Մաշտոց. Der Heilige ist der Entwickler eben dieses armenischen Alphabets zu Beginn des fünften Jahrhunderts. In Armenien trägt seit 1993 der Staatsorden seinen Namen. Ich muss gestehen, ich würde mich bis heute nicht um das armenische Alphabet und dessen heiligen Entwickler kümmern, wenn ich nicht vor zwei Jahren einen Flüchtling kennengelernt hätte, der einer armenisch-christlichen Minderheit aus Syrien angehört.

Dieser war so freundlich, mein Buch Wenn du nicht da bist … ins West-Armenische zu übersetzen. Wie alle anderen Ausgaben ist es bei epubli.de erschienen und kostet 7,95 EUR; es kann aber auch über den Buchhandel unter der ISBN 978-3-7450-6436-0 erworben werden.

Folie1

Todestage großer Autoren

Morgen ist der 100. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll. Bevor wir diesen feierlich begehen können, müssen wir uns heute symbolisch von fünf Autoren verabschieden, deren Todestag heute ist:

  • Max Brod (1884–1968) – Ja, er hat selbst geschrieben! Auch wenn die Welt ihn als den Freund Franz Kafkas kennt, welcher der literarischen Welt zuliebe sein Versprechen am Sterbebett brach und Kafkas Werke veröffentlichte. Danke!
  • John Ernst Steinbeck (1902–1968) – Grapes of Wrath, Of Mice and Men, East of Eden – alle hervorragend verfilmt. Man kann den Literaturnobelpreisträger aber auch immer noch lesen.
  • Moss Hart (1904–1961) – Ich kenne Hart nicht als Autor. Aber er war als Dramaturg für die Uraufführung von My Fair Lady am Broadway verantwortlich. Vorlage: Pygmalion des Literaturnobelpreisträgers George Bernhard Shaw.
  • Günther Eich (1907–1972) – Ich kenne Eich vor allem als Lyriker der ersten Nachkriegszeit. Sein Gedicht Inventur gab dieser Zeit ihren Namen.
  • Carl Edward Sagan (1934–1996) –Er schrieb den Roman Contact, der mit Jodie Foster in der Hauptrolle verfilmt wurde. Aber er beschäftigte sich auch durchaus ernsthaft mit der Möglichkeit von Leben außerhalb unseres Sonnensystems. Die Artikel Leben und Extraterrestrisches Leben der Encyclopaedia Britannica stammen aus Sagans Feder. Und die Golden Record der Voyager-Mission, diese Nachricht an mögliches Leben, war auch eine Idee Sagans.

Deutsche Digitale Bibliothek

Heute vor fünf Jahren ging die Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek online. Die Idee war, bei der Digitalisierung von Bibliotheksbeständen ein Gegengewicht zur Arbeit von Google zu schaffen, da Google als international agierendes Wirtschaftsunternehmen nicht zwingend und verlässlich dem deutschen Gemeinwohl dient. Apropos Gemeinwohl: Heute ist auch der Geburtstag von Friedrich Engels.

Link:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/