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Vera Lynn †

Heute starb Dame Vera Lynn, The Forces’ Sweetheart genannt, im Alter von 103 Jahren. Sie hat im Zweiten Weltkrieg die Moral der britischen Truppen gestärkt und die Zivilbevölkerung über die harten Zeiten hinweggetröstet.

Bis heute ist ihr Weltkriegs-Hit We’ll Meet Again unvergessen. Geschrieben wurde das Lied 1939 von Ross Parker und Hughie Charles. Es bleibt aber verbunden mit Vera Lynn. Der bereits von Tode gezeichente Johnny Cash wählte es als das letzte Lied auf seinem letzten Album The Man Comes Around. Zuletzt beruhigte Königin Elisabeth II. ihre britischen Untertanen in der Corona-Krise mit den Worten: We should take comfort that while we may have more still to endure, better days will return: we will be with our friends again; we will be with our families again; we will meet again.

Noch in der Corona-Krise haben Theater- und Musical-Stars des Londoner West-Ends ein Video gemeinsam mit Vera Lynn erstellt:

Der Vater von Roger Waters fiel im Zweiten Weltkrieg. Für ihn erfüllte sich das Versprechen des glücklichen Wiedersehens als nicht. In der Rock-Oper The Wall verarbeitet er den Schmerz darüber in dem kurzen Lied Vera:

Does anybody here remember Vera Lynn?
Remember how she said that
We would meet again
Some sunny day?
Vera! Vera!
What has become of you?
Does anybody else in here
Feel the way I do?

Für mich gehört sie als Sängerin in eine Reihe mit:

  • Marlene Dietrich (1901–1992)
  • Lale Andersen (1905–1972)
  • Zarah Leander (1907–1981)
  • Doris Day (1922–2019)
  • Marilyn Monroe (1926–1962)

Jetzt bleiben uns noch, deren Lieder ich sehr empfehlen kann:

  • Nana Mouskouri (*1934)
  • Fairuz (*1934)

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Afghan Lives Matter

Über die Vorgänge im Iran habe ich bereits geschrieben. Nach der großen Demonstration unter dem Hashtag #BlackLivesMatter am vergangenen Wochenende gab es heute Abend eine Demonstration zu #AfghanLivesMatter mit leider deutlich weniger deutscher Beteiligung. Das Anliegen ist aber wichtig. Und Afghanistan ist auf dem internationalen Spielfeld leider immer wieder im Abseits.

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Ich habe viele Freunde und Bekannte wiedergetroffen. Von den Reden habe ich nicht alle verstanden, weil viele auf Persisch gehalten wurden. Aber ich ahne, was sie gesagt haben.

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Und noch ein paar Panoramen:

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Afghan Lives Matter

Der Mord an George Floyd durch einen Polizisten (und stillschweigende Duldung dreier Kollegen) ging um die Welt. Das Video, das Floyds Sterben zeigt, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Kein Wort des Hasses, kein Fluch kommt über seine Lippen. Dazu im Kontrast dieser selbstgefällige Mann mit seinen Händen in den Taschen, der es schafft, auch in mir Aggressionen zu schüren.

Die Entrüstung über diese Tat und damit die Beileids- und Solidaritätsbekundungen sind Legion, vereint unter dem Hashtag #BlackLivesMatter. Schnell kam Kritik, es seien doch nicht nur die Leben der Schwarzen, die zählten, müsste es nicht viel eher #AllLivesMatter heißen. Diesem grundsätzlich natürlich korrekten Punkt werden im Netz Beispiele und Analogien entgegengehalten, von denen ich eine vorstellen möchte, die mir sofort eingeleuchtet hat. Wenn dein Haus in Flammen steht und du andere um Hilfe beim Löschen bittest mit den Worten „Mein Haus soll nicht abbrennen“, wird dich keiner verbessern, dass doch wohl niemandes Haus abbrennen solle.

Leider kann man diese Analogie weiterführen. Denn wenn sich die gesamte Dorfbevölkerung um das Löschen eines Hauses kümmert, kann am anderen Ende unbemerkt ein weiteres Haus niederbrennen. Der Lockdown sollte uns vor Corona schützen, hat aber die Situation von Kindern verschlechtert, die Misshandlungen ausgesetzt sind. Wir leben aber in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Es gibt meist Lobbygruppen oder andere Organisationen, die ein speziellen Problem im Blick behalten.

Ein Land, was uns mit seinen Problemen immer wieder aus dem Focus gerät, ist Afghanistan. Als 2015 die weltweiten Flüchtlingsbewegungen auch Zentraleuropa erreichten, sorgte sich die empathische Hälfte Deutschlands um das Schicksal der Syrer. Migranten aus Afghanistan wurden bis in die Corona-Krise hinein abgeschoben.

Nach dem Tode George Floyds reden wir über den handfesten Rassismus, der sich in den USA in Polizeigewalt äußert, und über den etwas feineren aber nicht weniger unangebrachten Rassismus, wie er uns in Deutschland begegnet. Das ist absolut wichtig. Rassismus – genau wie Sexismus und Klassismus – sind weiter verbreitet, als man glauben mag. Es lohnt sich, immer wieder eigene Sicht- und Verhaltensweisen zu hinterfragen.

Und doch scheinen mir Kundgebungen in Deutschland gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA allzu opportun. Und wieder vergessen wir das Schicksal afghanischer Migranten, die im Iran rassistischen Angriffen ausgesetzt sind. In der letzten Zeit gab es zwei größere Vorfälle, die der europäischen Aufmerksamkeit entgangen sind.

Anfang Mai zwangen iranische Polizisten 50 Afghanen in einen Fluss zu springen. 23 von ihnen sind ertrunken. Und am 3. Juni beschossen Polizisten ein Auto mit 14 Insassen. Das Auto entzündete sich in der Folge des Beschusses und drei Afghanen im Kofferraum verbrannten bei lebendigem Leib. Eine Video-Sequenz, auf dem die Beine eines Opfers aus dem brennenden Kofferraum ragen, verfolgt mich, seitdem ich es einmal gesehen habe. Ich wollte es nicht teilen und habe stattdessen eine künstlerische Bearbeitung erstellt.

Ich bin kein Militärstratege und auch kein Manager innerhalb einer internationalen Hilfsorganisation; aber wir müssen endlich Afghanistan helfen. Es darf nicht weiter unterhalb unseres Radars bleiben. Ein Anfang sind die Hashtags: #AfghanLivesMatter, #StopKillingAfghans, #IBurned

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Es gibt eine Online-Petition auf change.org, um die Weltöffentlichkeit in Gestalt der Vereinten Nationen auf die Lage afghanischer Flüchtlinge im Iran aufmerksam zu machen. Um Unterzeichnung wird gebeten.

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Drei Artikel, aus denen ich meine Informationen bezogen habe, finden sich auf den folgenden Seiten:
https://www.rferl.org/Radio Free Liberty auf Englisch
https://english.alarabiya.net/Al Arabiya auf Englisch
https://www.bbc.com/persian/BBC auf Persisch

 

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Zerstörtes Hildesheim und Geburtstage

Heute vor 75 Jahren wurde meine Geburtstadt Hildesheim durch US-amerikanische, kanadische und britische Einheiten bombardiert. 824 Menschen sind an diesem Tag ums Leben gekommen und zahlreiche Kulturgüter wurden zerstört. Hildesheim galt bis dahin mit seiner mittelalterlichen Innenstadt als Nürnberg des Nordens.

Direkt nach dem Krieg wurden die Kirchen wieder aufgebaut. Die Holzdecke der evangelisch-lutherischen Kirche St. Michael (siehe Beitragsbild) war vor dem Bombardement ausgelagert worden. Daher ist sie im Original erhalten. Auch der katholische Dom wurde wieder aufgebaut, an desen Rückseite der 1000-jährige Rosenstock, der in der Bombennacht verbrannt war, wieder erblühte. Ein erstes Rosenwunder hatte Kaiser Ludwig den Frommen zum Bau einer Kapelle bewogen, aus der letztendlich der Dom geworden war. Das Überleben des Rosenstocks gilt den Hildesheimern als das zweite Rosenwunder.

Seit 1985 gehören Dom und Michaeliskirche zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie sind beide in vorromanischer Zeit vom Bischof Bernward in Auftrag gegeben worden, der ein Schüler des Mainzer Erzbischof Willigis war. Need I say more? Seit den 80ern wurden auch einige weltliche Bauten der Innenstadt rekonstruiert; allen voran das Knochenhaueramtshaus und der Umgestülpte Zuckerhut. Hildesheim ist heute eine schöne Mittelstadt mit rund 100.000 Einwohnern, aus der man ganz gerne stammen kann.

Die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Innenstädte werden nicht nur rechtsaußen kontrovers diskutiert. Ich denke, dass sie zum Ende des Zweiten Weltkriegs notwendig waren. Von deutscher Seite gab es einen unbedingten Kriegswillen, der genauso unbedingt gebrochen werden musste. Die Niederlage musste genauso total sein, wie der Krieg, den Goebbels im Sportpalast verkündet hatte, damit es später nicht zu einer weiteren Dolchstoßlegende kommen würde.


Nun ist Hildesheim aber meine Geburtsstadt und da wären Geburtstage doch ein viel passenderes Thema für einen Blog-Eintrag. Nach den Kirchen ist es wohl angebracht, eine Top-Five-Liste von theologischen Geburtstagskindern des 22. März zu erstellen (in zeitlicher Reihenfolge):

  • Paul Gerhardt (1607–1676) – Wer schon einmal ein evangelisches Gesangbuch in den Händen hielt, muss diesen Menschen nicht mehr vorgestellt bekommen. Seine Lieder atmen die lutherische Theologie, als hätte er die Reformation selbst angestoßen. Besonders kennt man wohl Geh aus mein Herz und suche Freud und mein Lieblingsweihnachtslied Ich steh an deiner Krippen hier. Um ein wenig Mut zu machen folgt auf die Top-Five-Liste das Lied Befiehl du deine Wege.
  • August Hermann Francke (1663–1727) – Wir bleiben in Mitteldeutschland, obwohl Francke in Lübeck geboren ist, und auch bei Kirchenlieddichtern. Aber vor allem kennt man hier die Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale. Die Gebäude zählen ebenfalls zum UNSECO Weltkulturerbe.
  • Christoph Ernst Luthardt (1823–1902) – Es ist nicht nur der Tag, es ist auch die Region. Luthardt war Theologieprofessor in Leipzig. Er war mitbegründer der Allgemeinen evangelisch-lutherischen Konferenz, der Vorläuferorganisation des Lutherischen Weltbundes. Außerdem schrieb er Über die Darstellung des Schmerzes in der bildenden Kunst.
  • Albrecht Goes (1908–2000) – Nun haben haben wir die Region verlassen. Goes ist nicht nur Theologe, sondern auch Schriftsteller gewesen. Häufig sah man ihn im Fernsehen das Wort zum Sonntag sprechen. Und er hielt am 30. August 1969 die Trauerrede bei der Beisetzung Erika Manns.
  • Aleida Assmann (*1947) – Sie ist keine Theologin, sondern Ägyptologin und Kutlurwissenschaftlerin, hat aber gemeinsam mit ihrem Mann, dem Religionswissenschaftler Jan Assmann zu vielen auch Judentum und Christentum betreffenede Themen gearbeitet. Dafür bekamen sie gemeinsam schon einige Preise, auch einige, die sonst an Theologen vergeben werden.

 

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen,
es muss erbeten sein.

Dein’ ewge Treu’ und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.

Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht;
dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

Und ob gleich alle Teufel
hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehn;
was er sich vorgenommen
und was er haben will,
das muss doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel.

Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.

Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht,
lass fahren, was das Herze
betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.

Ihn, ihn lass tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.

Er wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verziehn
und tun an seinem Teile,
als hätt in seinem Sinn
er deiner sich begeben,
und sollt’st du für und für
in Angst und Nöten schweben,
als frag er nichts nach dir.

Wird’s aber sich befinden,
dass du ihm treu verbleibst,
so wird er dich entbinden,
da du’s am mindsten glaubst;
er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.

Wohl dir, du Kind der Treue,
du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt.

Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.

big four versailles

Ein Tag in Deutschland

Es gibt so besondere Tage, da drängt sich die Geschichte zusammen und man weiß gar nicht mehr, welchen Datums man gedenken soll. Der 9. November ist das wohl prominenteste Beispiel in Deutschland. Aber auch der 18. Januar hat es in sich. Das verlangt nach einer Top-Five-Liste von wichtigen Ereignissen an einem 18. Januar.

  • 1701 – In Königsberg krönt sich Herzog Friedrich III. selbst zum ersten König von Preußen und nennt sich nun Friedrich I. Manche sehen in Preußens Aufstieg den beginnenden Untergang der alten Reichsidee.
  • 1871 – König Wilhelm I. von Preußen wird in Versailles von den Siegern des Deutsch-Französischen Krieges zum Kaiser proklamiert. Nun ist das Reich nicht mehr Römisch, sondern Deutsch.
  • 1919 – Erneut in Versailles wird die Pariser Friedenskonferenz eröffnet [siehe Beitragsbild], die ein Jahr später mit einem Friedensvertrag endet, welcher in seiner Härte den Aufstieg der nationaler Kräfte in Deutschland begünstigt.
  • 1943 – Die SS versucht, das Warschauer Ghetto aufzulösen, trifft aber auf erbitterten Widerstand. Ein viertägiger Kampf ist die Vorstufe des eigentlichen Aufstands im April desselben Jahres.
  • 1956 – Die Volkskammer der DDR beschließt, als Reaktion auf die Aufstellung der Bundeswehr, die Gründung der Nationalen Volksarmee. Nun sind beide deutsche Staaten wieder unter Waffen.

Pikante Geburtstagspaare

Den Geburtstag sucht man sich nicht aus, auch wenn werdende Mütter oft das Gefühl haben mögen, der Nachwuchs versuche, bei dem angekündigten Geburtstermin kurzfristig doch noch mitzureden. Bei manchen historischen Geburtstagen habe ich den Eindruck, dass da zwei aufeinander gewartet haben – mal weil sie so gut zueinander passen und mal eben gerade nicht.

Also eine Top-Five-Liste von jeweils zwei Geburtstagskindern des 18. Dezember und was sie miteinander verbindet bzw. voneinander trennt:

  • Josef Wissarionowitsch Stalin (1878–1953) und Willy Brandt (1913–1992) – Das sind ja gleich zu Beginn solch historische Schwergewichte. Die kann meine Top-Five-Liste gar nicht fassen. Mit Stalin verbindet sich u.a. die Westverschiebung Polens und mit Brandt die Ostverträge und der Kniefall von Warschau.
  • Albin Köbis (1892–1917) und Hans Bernd August Gustav von Haeften (1905–1944) – Beide wurden hingerichtet. Beide stellten sich gegen ihre Regierung. Köbis kam für die Novemberrevolution gut ein Jahr zu früh. Von Haeften gehörte der Bekennenden Kirche an und stand dem Kreisauer Kreis nah. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch er gefangen genommen. Vor Gericht nannte er Hitler den großen Vollstrecker des Bösen.
  • Allen Klein (1931–2009) und Keith Richards (*1943) – Nicht im eigentlichen Sinne pikant, aber doch bemerkenswert. Der Manager und der Gitarrist der Rolling Stones haben am gleichen Tag Geburtstag. Pikant ist höchstens, dass Klein zeitweilig auch der Manager der Beatles war.
  • Stephen Bantu Biko (1946–1977) und Irja Askola (*1952) – Der eine begründete auf Grundlage der südamerikanischen Befreiungstheologie das Black Consciousness Movement in Südafrika. Die andere war die erste Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands und ordinierte als erste ein homosexuelles Paar zum Dienst in der Kirche.
  • Steven Allan Spielberg (*1946) und William Bradley Pitt (*1963) – Beide sind aus Hollywood nicht wegzudenken. Und ich mag eine ganze Reihe von Filmen von dem einen oder mit dem anderen. Aber wer kann mir einen Film nennen, in dem Brad Pitt die Hauptrolle unter der Regie von Steven Spielberg spielt?

Der Zustand der Welt gespiegelt in 10 historischen Ereignissen

Heute vor 53 Jahren wurde Jimmy Wales geboren, der Vater von Wikipedia. Ich spreche gern von Wikipedia als dem größten friedlichen Menschheitsprojekt, das es je gab. Und bitte: such ein anderes Projekt von dieser Größe und diesem globalen, den Menschen dienenden Ansatz. Ihr werdet nichts Vergleichbares finden.

Ohne Wikipedia fiele es mir auch viel schwerer, meine geliebten Top-Five-Listen zu verfassen, für die ich meist Geburts- oder Todestage berühmter Persönlichkeiten aufstelle.  Nun also, zum Geburtstag des Wikipedia-Begründers eine doppelte Top-Five-Liste von geschichtlichen Ereignissen an einem 7. August (inkl. zweier weiterer Geburtstage), in der sich auch der gegenwärtige Zustand unserer Welt spiegelt:

  • 936 wird Otto I. der Große (912–973) im Aachener Münster zum König des Ostfränkischen Reiches gekrönt. 26 Jahre später ist er dann der erste römisch-deutsche Kaiser.
  • 1485 bricht zum ersten Mal eine bis heute nicht eindeutig zugeordnete Krankheit in England aus – die Schweißsucht oder der Englische Schweiß. In fünf Seuchenwellen rafft sie Tausende dahin, bis sie 1551 wieder verschwindet.
  • 1495 wird auf dem Reichstag zu Worms vom König und späteren Kaiser Maximilian I. der Ewige Landfriede verkündet. Damit waren Fehden und Kleinkriege zwischen den Häusern innerhalb des Reiches – zumindest offiziell – untersagt.
  • 1867 wurde Emil Nolde geboren. Der außerordentlich begabte Expressionist zählte nach dem Krieg als Opfer des Nationalsozialismus. Tatsächlich war er selbst glühender Anhänger dieser verbrecherischen Ideologie. Heute müssen wir nun darum ringen, ob man Werk und Künstler trennen kann oder nicht.
  • 1869 wird in Eisenach der Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Vorläufer der SPD) eröffnet. Am zweiten Tag erfolgte dan der tatsächliche Gründungsakt. Mit dabei: August Bebel und Wilhelm Liebknecht, der wiederum am 7. August 1900 verstarb.
  • 1883 wurde Joachim Ringelnatz in Wurzen geboren. Bei diesem expressionistischen Dichter muss nichts von etwas anderem getrennt werden. Man sollte ihn viel häufiger lesen. Und deshalb folgt der Liste ein schönes Gedicht von ihm.
  • 1908 wird bei Arbeiten zur Donauuferbahn in Willendorf eine steinzeitliche Figurine entdeckt. Heute kann man die Venus von Willendorf im Naturhistorischen Museum in Wien bewundern. Auf Facebook kann man Bilder dieser 25.000 Jahre alten Darstellung praller Weiblichkeit nicht in jedem Fall veröffentichten. Es kam 2017 vor, dass sie als Pornografie eingeschätzt und zensiert wurde.
  • 1947 landete der norwegische experimentelle Archäologe Thor Heyerdahl mit seinem Floß Kon-Tiki auf dem Atoll Raroia. Er bewies damit praktisch, dass eine Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war.
  • 1964 verabschiedete der US-amerikanische Kongress die Tonkin-Resolution. Diese ermächtigte den Präsidenten Lyndon B. Johnson zum Eintritt in den Krieg gegen Nord-Vietnam. 2005 veröffentlichte der NSA Dokumente, die bestätigen, dass der vorher an Johnson gemeldete Angriff gezielt vorgetäuscht worden war.
  • 2008 beginnt in der Nacht zum 8. August der Kaukasuskrieg zwischen Russland und Georgien. Seitdem sind die Regionen Südossetien und Abchasien Autonome Republiken auf georgischem Gebiet.

Nun Schluss damit! Und ein Liebesgedicht von Ringelnatz; wie versprochen.

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Andrew Quilty – Ein australischer Fotograf in Afghanistan

Über eine Facebook-Gruppe, die sich für den Verbleib afghanischer Flüchtlinge in Deutschland einsetzt, stieß ich auf einen Artikel aus dem TIME Magazine. Er ist vom australischen Fotografen Andrew Quilty, der seit einigen Jahren in Afghanistan lebt und arbeitet. In dem Artikel mit ausführlicher Fotostrecke geht es um eine Familie aus der Provinz Nangarhar. Nach Kämpfen finden die Kinder einen Blindgänger. Vier Familienmitglieder starben, sieben verloren mindestens ein Bein. Auf den Bildern sehen wir, wie diese Familie versucht, wieder auf die Beine zu kommen.

20181105 TIME coverDie Fotos sind nichts für zartbesaitete Personen! Aber ich finde sie sehr gut, sehr eindringlich. Das bewegende Schicksal dieser Familie aus Afghanistan wird uns nahe gebracht. Die Gewalt und Brutalität des Krieges zeigt sich in diesen Bildern jenseits von Schlachtfeldern umso gravierender. Und dann sieht man auch diese Hoffnung, den Lebenswillen. Mit Helden wie diesen Kindern kann es dann doch eines Tages auch wieder gut werden.

Andrew Quilty hat bereits einige Preise gewonnen. Mich bewegt neben dem aktuellen Fotoessay eine Strecke von afghanischen Kindern mit ihren Skiern. Beim UNICEF-Wettbewerb Foto des Jahres 2017 erhielt Quilty dafür eine Ehrenvolle Erwähnung.

Links
http://time.com/longform/afghan-family/ – Artikel mit Bildern im TIME Magazine
https://www.andrewquilty.com/ – Der Fotograf Andrew Quilty
https://www.instagram.com/andrewquilty/ – Instagram-Konto des Fotografen
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/wettbewerb-2017/ehrenvolle-erwaehnungen

Volkstrauertag und Gettysburg Address

Heute ist Volkstrauertag. Seit 1952 ist der vorletzte Sonntag des Kirchenjahres dem Gedenken von Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaft. Wichtig ist hier, dass es nicht um eine Verherrlichung vermeintlicher deutscher Heldentaten geht. Alle Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft stehen gemeinsam im Zentrum.

Genau heute jährt sich die Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld von Gettysburg in Pennsylvania. Dort hielt Präsident Abraham Lincoln eine Rede, die heute zu den berühmtesten von US-Präsidenten gehaltenen Reden zählt. Martin Luther King wählte bspw. als Einstieg in seine I-have-a-dream-Rede eine ganz ähnliche Satzkonstruktion. Hier die Rede in ganzer Länge:

Four score and seven years ago our fathers brought forth on this continent, a new nation, conceived in Liberty, and dedicated to the proposition that all men are created equal.

Now we are engaged in a great civil war, testing whether that nation, or any nation so conceived and so dedicated, can long endure. We are met on a great battle-field of that war. We have come to dedicate a portion of that field, as a final resting place for those who here gave their lives that that nation might live. It is altogether fitting and proper that we should do this.

But, in a larger sense, we can not dedicate – we can not consecrate – we can not hallow – this ground. The brave men, living and dead, who struggled here, have consecrated it, far above our poor power to add or detract. The world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here. It is for us the living, rather, to be dedicated here to the unfinished work which they who fought here have thus far so nobly advanced. It is rather for us to be here dedicated to the great task remaining before us – that from these honored dead we take increased devotion to that cause for which they gave the last full measure of devotion – that we here highly resolve that these dead shall not have died in vain – that this nation, under God, shall have a new birth of freedom – and that government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth.

Abraham Lincoln
November 19, 1863

Der Begriff „score“ meint eine Einheit von zwanzig, also vor 87 Jahren (4 × 20 + 7 = 87). Die Bewertung von Lincolns Rede war durchaus unterschiedlich. Er selbst hielt sie für schwach. Sein mit zwei Stunden Redezeit ausführlicherer Vorredner Edward Everett schrieb in einem Brief an Lincoln:

I should be glad if I could flatter myself that I came as near to the central idea of the occasion, in two hours, as you did in two minutes.

Die Chicago Times kannte 1863 Präsident Trump noch nicht. Daher goss sie ihre Häme über Abraham Lincoln aus:

The cheek of every American must tingle with shame as he reads the silly, flat and dishwatery utterances of the man who has to be pointed out to intelligent foreigners as the President of the United States

Links
http://www.volkstrauertag.de/
http://www.abrahamlincolnonline.org/
http://www.loc.gov/exhibits/gettysburg-address/
https://en.wikipedia.org/wiki/File:Gettysburg_Address_Bliss_copy.jpg

Der noble Frieden und Matthew Shepard

Gestern bekam die Initiative ICAN – International Campaign to Abolish Nuclear Weapons den Friedensnobelpreis für 2017 zuerkannt, für „ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken“. Vor zehn Jahren wurde sie in Wien gegründet, bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags. Noch zwei Jahre früher aber dafür genau am heutigen Tag, also am 7. Oktober 2005, erhielt die 1957 gegründete IAEOInternationale Atomenergie-Organisation in Wien gemeinsam mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei den Friedensnobelpreis „für ihren Einsatz gegen den militärischen Missbrauch von Atomenergie sowie für die sichere Nutzung der Atomenergie für zivile Zwecke“. Die USA und Nordkorea zeigen uns in den letzten Wochen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, dass nach der ersten in einem Konflikt abgeworfenen Atombombe über Hiroshima, die über Nagasaki nicht die letzte ihrer Art sein könnte.

Morgen ist der 25. Todestag von Willy Brandt. Auch er ist Träger des Friedensnobelpreises. Sein Verdienst ist die Versöhnung nach den Naziverbrechen und die langsame Wiederannäherung zwischen Ost und West. Dazu nutzte er die Politik der kleinen Schritte – und die große Geste des Warschauer Kniefalls.

Das ist wohl Grund genug für eine Top-Five-Liste von Nobelpreisträgern, die am 7. Oktober geboren oder gestorben sind. So allgemein muss ich es formulieren, um auf fünf Personen zu kommen.

  1. Niels Henrik David Bohr (07.10.1885–18.11.1962) erhielt 1922 den Nobelpreis für Physik für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung.
  2. George Emil Palade (19.11.1912–07.10.2008) bekam 1974 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zuerkannt für die Entdeckungen zur strukturellen und funktionellen Organisation der Zelle.
  3. Niels Kaj Jerne (23.12.1911–07.10.1994) wurde 1984 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin verliehen; für Theorien über den spezifischen Aufbau und die Steuerung des Immunsystems.
  4. Desmond Mpilo Tutu (07.10.1931) bekam 1984 den Friedensnobelpreis zuerkannt für sein Engagement im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.
  5. Harold Walter Kroto (07.10.1939–30.04.2016) erhielt 1996 als einer von dreien den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Fullerene, auch Buckyballs genannt, einer neuen Form des Kohlenstoffs mit kugelförmigen Molekülen.

Der 7. Oktober ist aber nicht nur ein guter, ein nobler, ein friedlicher Tag. Der 7. Oktober ist auch in die Geschichte der LGBT-Bewegung eingebrannt. Am frühen Morgen des 7. Oktober 1998 wurde der damals 21-jährige Matthew Wayne Shepard von zwei Männern in der kleinen Universitätsstadt Laramie im Bundesstaat Wyoming ausgeraubt, geschlagen, misshandelt und an einen Zaun gefesselt. Der Radfahrer, der ihn entdeckte, hielt Shepard zuerst für eine Vogelscheuche. Am 12. Oktober 1998 verstarb Shepard im Krankenhaus. Er war nicht mehr aus dem Koma erwacht.

Die beiden Täter wurden nach Intervention von Shepards Eltern nicht zum Tode verurteilt. Sie sitzen je zweimal lebenslänglich ab. Nach diesem Mord wurden die Gesetze in den USA für hate crimes (Hassverbrechen) verschärft. Matthew Shepard wurde postum zu einer Galionsfigur der LGBT-Bewegung. Shepards Eltern gründeten die Matthew Shepard Foundation.

Die Westboro Baptist Church nahm die Gerichtsverhandlung und die Beerdigung zum Anlass, gegen die Rechte Homosexueller zu demonstrieren. Auf ihren Schildern standen Sätze wie „God hates Fags“ und „Matt in Hell“. Sie Beziehen sich auf ein krudes Verständnis alt-testamentarischer Textstellen.

Bereits im November 1998 ging das New York City Tectonic Theater Project nach Laramie. Aus den Ortsbesichtigungen und Interviews ging das Laramie Project hervor. 2001 wurde es verfilmt mit Schauspieler wie  Peter Fonda, Joshua Jackson, Christina Ricci, Laura Linney, Clea DuVall, Ben Foster und Steve Buscemi.

Auch im Bereich der Rock- und Pop-Musik fand der Mord an Matthew Shepard seinen Niederschlag. Hier muss ich die Regel der Top-Five-Liste gleich erweitern zu einer Top-Twelve-Liste der Songs, die von Matthew Shepard handeln oder ihm gewidmet sind. Auch diese Liste bleibt immer noch sehr unvollständig.

    • Scarecrow – von Melissa Etheridge auf Breakdown (1999)
    • Trouble the Waters – von Big Country auf Driving to Damascus (1999)
    • American Triangle – von Elton John und Bernie Taupin auf Songs from the West Coast (2001)
    • Laramie – von Amy Ray auf Stag (2001)
    • Scarecrow – Kristian Hoffman mit Rufus Wainwright auf & (2002)
    • Fear and Loathing in Laramie – von Protest the Hero auf A Calculated Use of Sound (2003)
    • Jesus Is On The Wire – von Peter, Paul and Mary (Original von Thea Hopkins) auf In These Times (2004)
    • Matthew – von Janis Ian auf Billie’s Bones (2004)
    • Above the Clouds – von Cyndi Lauper und Jeff Beck auf The Body Acoustic (2005)
    • Did You Just Say ‚Faggot‘? – von den Dangers auf Dangers (2005)
    • Poster Child – von A Balladeer auf Where Are You, Bambi Woods? (2008)
    • The Fence (Matthew Shepard’s Song) – von Peter Katz auf First of the Last to Know (2010)

Aber das schönste Lied (und deshalb außerhalb der Top-Twelve-Liste) stammt vom kanadischen Singer-Songwriter Ron Sexsmith. Es heißt God Loves Everyone und findet sich auf seinem Album Cobblestone Runway aus dem Jahr 2002. Hier ein Video von YouTube:

Und noch eine Version:

Links
http://www.tectonictheaterproject.org/
http://www.matthewshepard.org/