Archiv der Kategorie: Top-Five-Liste

Top-Five-Liste von Geburtstagskindern

Vor einigen Jahren habe ich meinen Blog mit Top-Five-Listen geflutet. Mittlerweile besteht er hauptsächlich aus Kalenderblättern und Fußballbildern. Da wird es wohl Zeit für eine neue Liste, um das Mischungsverhältnis wieder aufzuwerten.

Ich beginne zaghaft mit einer gemischten Liste von Geburtstagskindern, die – mal mehr, mal weniger – mir in meinem Leben begegnet sind (in zeitlicher Reihenfolge der Geburt):

  • Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827) – Mein Erstkontakt mit Pestalozzi war kein rühmlicher. In meiner Heimatstadt gibt es eine Förderschule, die seinen Namen trägt. Und auf dem Pausenhof meiner Grundschule war Pestalozzischüler ein gängiges Schimpfwort.
  • Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) – Die Vergeltung gehört für mich zu den schönsten Balladen in deutscher Sprache. Auf dem Lehrter Gymnasium habe ich sie auswendig gelernt. Einige Strophen habe ich bis heute im Kopf. Unter dieser Liste habe ich sie aber doch nicht getippt, sondern kopiert und eingefügt.
  • Jack London (1876–1916) – Ich war in meiner Jugend kein Karl-May-Fan. Aber die Erzählungen Jack Londons habe ich sehr gern gelesen. Als junger Erwachsener hat mich sein literarischer Umgang mit seinem Alkoholismus fasziniert.
  • David Wechsler (1896–1981) – Der rumänisch-stämmige Psychologe hat die Intelligenzforschung entscheidend voran gebracht. Er schlug vor, den IQ als eine Abweichung vom Mittelwert zu beschreiben. Bis heute ist sein Einfluss auf gängige Intelligenztests spürbar.
  • Maharishi Mahesh Yogi (1918–2008) – Der Begründer der Transzendentalen Meditation wurde in der westlichen Welt vor allem dadurch bekannt, dass u.a. die Beatles ihm nach Indien folgten, nur kurz zwar, aber ausreichend, um der Hippie-Bewegung deutliche Impulse zu geben.

Die Vergeltung.
I.
Der Kapitän steht an der Spiere,
Das Fernrohr in gebräunter Hand,
Dem schwarzgelockten Passagiere
Hat er den Rücken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
Die Beiden wie zwei Pfeiler sehn,
Der Fremde spricht: „was braut da drinnen?“
„Der Teufel,“ brummt der Kapitän.

Da hebt von morschen Balkens Trümmer
Ein Kranker seine feuchte Stirn,
Des Aethers Blau, der See Geflimmer,
Ach, Alles quält sein fiebernd Hirn!
Er läßt die Blicke, schwer und düster,
Entlängs dem harten Pfühle gehn,
Die eingegrabnen Worte liest er:
„Batavia. Fünfhundert Zehn.“

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
Das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn,
Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,
Die Bohlen weichen mit Gestöhn.
„Jesus, Marie! wir sind verloren!“
Vom Mast geschleudert der Matros‘,
Ein dumpfer Krach in Aller Ohren,
Und langsam löst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
Um seinen Balken fest geklemmt,
Da kömmt die Fluth, und eine Strecke
Wird er in’s wüste Meer geschwemmt.
Was nicht geläng‘ der Kräfte Sporne,
Das leistet ihm der starre Krampf,
Und wie ein Narwal mit dem Horne
Schießt fort er durch der Wellen Dampf.

Wie lange so? er weiß es nimmer,
Dann trifft ein Stral des Auges Ball,
Und langsam schwimmt er mit der Trümmer
Auf ödem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! — die Mannschaft! — sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
Dort sieht den Passagier er schwanken
In einer Kiste morschem Kahn.

Armselge Lade! sie wird sinken,
Er strengt die heisre Stimme an:
„Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!“
Und immer näher schwankt’s heran,
Und immer näher treibt die Trümmer,
Wie ein verwehtes Mövennest;
»Courage!« ruft der kranke Schwimmer,
„Mich dünkt ich sehe Land im West!“

Nun rühren sich der Fähren Ende,
Er sieht des fremden Auges Blitz,
Da plötzlich fühlt er starke Hände,
Fühlt wüthend sich gezerrt vom Sitz.
„Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen.“
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
Ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,
Am Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er kräftig sich geschwungen,
Und schaukelt durch das öde Blau,
Er sieht das Land wie Dämmerungen
Enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
Umflattert von der Möve Schrei,
Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

II.
Drei kurze Monde sind verronnen,
Und die Fregatte liegt am Strand,
Wo Mittags sich die Robben sonnen,
Und Bursche klettern über’n Rand,
Den Mädchen ist’s ein Abentheuer
Es zu erschaun vom fernen Riff,
Denn noch zerstört ist nicht geheuer
Das gräuliche Corsarenschiff.

Und vor der Stadt da ist ein Waten,
Ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,
Da die verrufenen Piraten
Ein Jeder sterben sehen will.
Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,
Hat man den Galgen, dicht am Meer,
In wüster Eile aufgezimmert.
Dort dräut er von der Düne her!

Welch ein Getümmel an den Schranken! —
„Da kömmt der Frei — der Hessel jetzt —
Da bringen sie den schwarzen Franken,
Der hat geläugnet bis zuletzt.“
„Schiffbrüchig sey er hergeschwommen,“
Höhnt eine Alte: „Ei, wie kühn!
Doch Keiner sprach zu seinem Frommen,
Die ganze Bande gegen ihn.“

Der Passagier, am Galgen stehend,
Hohläugig, mit zerbrochnem Muth,
Zu jedem Räuber flüstert flehend:
„Was that dir mein unschuldig Blut!
Barmherzigkeit! — so muß ich sterben
Durch des Gesindels Lügenwort,
O mög‘ die Seele euch verderben!“
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten —
Er hört das Summen im Gewühl —
Nun weiß er, daß des Himmels Walten
Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
Will starren nach den Aetherhöhn,
Da liest er an des Galgens Holze:
„Batavia. Fünfhundert Zehn.

Marshall_Plan_poster_titel

Die Lage der Welt im Spiegel historischer Ereignisse

US-Amerikanische Professoren und Journalisten merkten in den letzten Tag vermehrt an, dass sich die USA in einer besonders kritischen Phase befänden, in der sich drei folgenschwere Phase der amrikanischen Geschichte zu wiederholen scheinen:

  • Die Spanische Grippe von 1918, die allein in den USA zwischen 500.000 und 850.000 Menschen das Leben kostete.
  • Die Great Depression von 1929, die in den USA zu einer Arbeitslosenquote von 23 % geführt hatte.
  • Die Bürgerrechtsbewegung, die häufig mit dem Jahr 1968 und der Ermordung von Martin Luther King assoziiert wird.

Das ist eine beängstigende Mischung; umso mehr als in dieser Zeit der Orientierungslosigkeit und Neubewertung ein Präsident an der Macht ist, der beständig irgendwo zwischen bösartig und blödsinnig changiert.

Wir können den Blick weiten und uns gleichzeitig nur auf diesen einen Tag konzentrieren, um ein ungefähres Bild unserer Lage im Jahr 2020 zu bekommen. Ich habe versucht, historische Ereignisse zu fünf Punkten zu bündeln – einer Top-Five-Liste:

  • Heute ist der Todestag des Hl. Bonifatius (673–755), den man seit Jahrhunderten in der katholischen Kirche als den Apostel der Deutschen verehrt. Und weil ich nicht zwei oder drei Punkt meiner Top-Five-Liste verbrauchen möchte, erwähne ich hier noch das Attentat auf den aussichtsreichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy (1925–1968), dem er am Folgetag erlag, und den von Alzheimer umnebelten Tod des Schauspielers und 40. Präsidenten der USA Ronald Reagan (1911–2004).
  • Am 5. Juni 1851 erschien der erste Teil des Romans Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe (1811–1896) als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift The National Era. Das Werk gilt als ein kultureller Höhepunkt der weißen Anstrengungen zur Abschaffung der Sklaverei in den USA. 10 Jahre später begann der Amerikansiche Bürgerkrieg.
  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterzeichneten am 5. Juni 1945 die Alliierten die Berliner Erklärung und übernahmen damit gemeinsam die oberste Regierungsgewalt in Form des Alliierten Kontrollrats. Im Kalten Krieg war dieses Gremium quasi nicht existent, traf sich allerdings bis 1990 im Zwei-plus-Vier-Vertrag das wiedervereinigte Deutschland ein vollständig souveräner Staat wurde. Ebenfalls an einem 5. Juni, nämlich zwei Jahre nach der Berliner Erklärung, skizzierte der US-amerikanische Außenminister George C. Marshall (1880–1959) seinen Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas vor den Absolventen von Harvard. Der Plan trägt bis heute seinen Namen und brachte ihm 1953 den Friedensnobelpreis ein.
  • Am 5. Juni 1972 wurde in Stockholm die erste Weltumweltkonferenz eröffnet. Dazu riefen die Vereinten Nationen diesen Tag aus zum World Environment Day, der bis heute auch in Deutschland feierlich und nachhaltig begangen wird.
  • Heute vor 39 Jahren wurden in einem Bulletin des US-amrikanischen Centers for Disease Control and Prevention die ersten Fallbeschreibungen von AIDS-Toten veröffentlicht. Damals rang man noch um einen Namen für die Krankheit: 4H Disease war auch im Gespräch, weil als frühe Risikogruppen Haitianer, Homosexuelle, Hämophile (Bluter) und Heroin-Süchtige ausgemacht wurden. Der Spiegel nannte sie die Schwulenpest. Eine tatsächliche Heilung oder Impfung gibt es bis heute nicht. Dennoch ist eine HIV-Infektion in Europa kein Todesurteil mehr.

Corona

Todestag wichtiger Ärzte

Die Ärzte zählen in der Corona-Krise nicht eindeutig zu den Helden. Das mag vor allem daran liegen, dass sie noch allgemeine Volksmeinung ohnehin genug verdienen, während das Gehalt von Pflegekräften und Verkäufern durchaus eine Erhöhung vertragen könnte.

Wenn wir aber die Ärzte hinzunehmen, die sich auch in der Forschung hergetan haben, dann landen wir schnell bei Christian Drosten, der bestimmt schon Angebote von Hugo Boss oder Armani bekommen hat. Heute gibt es eine Top-Five-Liste von Ärzten, die heute ihren Todestag haben. Und immer wieder scheint auch unsere aktuelle Krise durch:

  • Georg Eduard Dohlhoff (1799–1852) – Der Chirurg gründete während der 2. Cholera-Pandemie 1831 in Magdeburg einen Krankenwärter-Verein und verbesserte somit die Pfleger-Ausbildung.
  • Friedrich Schlemm (1795–1858) – Wir tragen seinen Namen noch heute mit dem Schlemm-Kanal in unseren Augen. Die Sektion von Leichen zur Anschauung in Forschung und Lehre war ihm besonders wichtig.
  • Heinrich Hermann Robert Koch (1843–1910) – Für Robert Koch allein könnte man einen ganzen Blogeintrag verfassen. Uns soll hier genügen, dass dieser Nobelpreisträger Pate stand für das Institut, das uns und unsere Regierung heute mit wichtigen Informationen zu Corona versorgt.
  • John Howard Northrop (1891–1987) – Auch er ist ein Nobelpreisträger (1946 für Chemie). Er erhielt ihn zusammen mit Wendell Meredith Stanley für ihre Darstellung von Enzymen und Virus-Proteinen in reiner Form.
  • Michael Frotscher (1947–2017) – Sein Gebiet war die Neuroanatomie. Er wäre sicherlich sehr interessiert an der Frage, wie stark das Corona-Virus das Nervensystem angreift. Er selbst war ein prominentes Opfer der EHEC-Epedemie 2011, deren Spätfolgen er noch untersuchte.

Schauspielergeburtstag

Die Corona-Maßnahmen werden behutsam gelockert. Man traut sich wieder nach draußen. Aber im Zweifelsfall ist es noch immer ratsam, lieber zuhause einen Film zu sehen, als sich in eine dicht gedrängte Menschenmenge zu stürzen. Und weniger Bußgeld muss man dafür auch bezahlen.

Vielleicht können wir ja einen Film schauen, in dem eines dieser Geburtstagskinder vertreten ist. Eine Top-Five-Liste von Schauspielergeburtstagen, nachdem wir – außer der Reihe – erstmal Matt Stone zum 49. gratulieren. Er ist der Macher von South Park.

  • John Wayne (1907–1979) – Geboren als Marion Robert Morrison und später schlicht nur noch Duke genannt, ist er wohl einer der bedeutendsten Westernhelden Hollywoods. Politisch stand er am rechten Rand der Republikaner. Seine Filme bleiben trotzdem Meilensteine des Genres.
  • John Dall (1918–1971) – Ich kenne diesen Schauspieler nur aus einem Film, aber auch das ist ein Klassiker. 1948 plante er für Alfred Hitchcock in Cocktail für eine Leiche den perfekten Mord. An der Durchführung haperte es dann aber doch.
  • Horst Tappert (1923–2008) – Als Derrick sorgte er im deutschen Fernsehen dafür, dass es auch hierzulande keine perfekten Morde gibt. Sein berühmtester so nie gesprochener Satz: Harry, hol schon mal den Wagen!
  • Pam Suzette Grier (*1949) – Sie hätte eine dieser Blaxploitation-Frauen bleiben können. Aber dann entdeckte Quentin Tarantino sie für seine Homage an eben dieses Genre und schuf das Meisterwerk Jackie Brown, das durch eben diese Hauptdarstellerin so wunderbar wurde. Der beste Tarantino ever!
  • Benjamin Gregory Hertzberg (*1978) – Er ist als Brian Tanner ein Sidekick zu ALF ein Gesicht der späten 80er. Doch kurz nach dem Ende des anarchischen Außerirdischen kehrte er der Schauspielerein den Rücken zu.

Donovan

Musiker-Geburtstage

Heute wird Mark David Chapman, der Mörder von John Lennon, 65 Jahre alt. Seit 20 Jahren stellt Chapman alle zwei Jahre ein Gnadengesuch, das immer wieder der Einwände Lennons Witwe Yoko Ono wegen abgelehnt wird. Das klingt nach kalter Rache. Wenn man aber bedenkt, dass Chapman, um seinem Idol ähnlicher zu sein, sogar selbst eine Japanerin geheiratet hatte, kann man verstehen, dass Yoko Ono noch immer Angst vor einem Chapman auf freiem Fuß hat.

Mark David Chapman nahm John Lennon 1980 das Leben. Aber das Erbe Lennons bleibt, trotz des 10. Mai. Und dieser Tag ist nicht nur der Geburtstag eines späteren Mörders an einem der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Er ist auch der Geburtstag von weiteren Musikern, die nicht die Unbedeutendsten sind. Das schreit nach einer Top-Five-Liste von Musiker-Gebrutstagen des 10. Mai:

  • Donovan Phillips Leitch (*1946) – Man nannte ihn den Britischen Dylan. Er machte das Lied Universal Soldier berühmt und das Lied ihn. Seine eigenen Songs wie Hurdy Gurdy Man sind schon mehrfach im Soundtrack bedeutender Filme verwendet worden. Ich habe ihn in meiner Jugend als eine Art Geheimtipp verehrt und erst sehr viel später andere Menschen getroffen, die seine Musik ebenso schätzen. Ihm widme ich das Beitragsbild (Foto von Jac. de Nijs am 12. Juli 1965). Donocan war in seiner Jugend genauso rotzig und genauso schön wie die Gallagher-Brüder oder Jake Bugg.
  • Sly Dunbar (*1952) – Für mich ist besonders wichtig die Zusammenarbeit mit Bob Dylan 1983. Aber man kennt den Schlagzeuger vor allem gemeinsam mit dem Bassisten Robbie Shakespeare und vor allem mit Peter Tosh.
  • Roland Kaiser (*1952) – Stilistisch wechseln wir das Feld deutlich, dafür bleiben wir im Geburtsjahr. Kaiser ist nicht meine Musik. Und dennoch begleitet er mich bereits mein gesamtes Leben lang. Santa Maria konnte ich als Grundschüler komplett mitsingen, auch ohne alle erotischen Implikationen nachzuvollziehen. Heute ziehe ich meinen Hut vor der Deutlichkeit, mit der dieser unerschütterliche Sozialdemokrat dem rechten Mob entgegentritt.
  • Sid Vicious (1957–1979) – Der Bassist der Sex Pistols. Sein tragisch kurzes Leben (inklusive Mordverdacht und Tod durch eine Überdosis) inspiriert bis heute Jugendliche im Punk-Umfeld.
  • Paul David Hewson (*1957) – Unter seinem bürgelichen Namen kennt ihn kaum einer. Es ist Bono von U2. Zu Beginn mochte ich U2 nicht sonderlich. Doch rückblickend haben sie ein bedeutendes Oeuvre geschaffen. Heute ist Bono weniger Musiker, sondern vielmehr weltweit tätiger Aktivist, der sich dadurch auch großer Kritik ausgesetzt sieht.

Zain2020

Ramadan, Corona und die Werbung

Der Ramadan und der Advent haben – bei allen offensichtlichen Unterschieden – wichtige Gemeinsamkeiten. Beide sind die Vorbereitungszeit für die Offenbarung des Wort Gottes, ob es nun für Moslems der Koran ist oder für Christen Jesus, das fleischgewordene Wort. Beide sind auch Fastenzeiten. Ok, der Advent war es mal. Und beide sind gleichzeitig die Gelegenheit für Festessen und soziale Interaktion in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft.

Deshalb hat auch die Fernsehwerbung sowohl den Advent als auch den Ramadan entdeckt für besonders aufwendige Werbefilmproduktionen. Bereits im letzten Jahr habe ich eine kleine Auswahl von Videos präsentiert, die mir besonders gefallen haben. In diesem Jahr möchte ich das wiederholen. In allen Werbungen (mit Ausnahme von McDonald’s) sind die Folgen der Corona-Krise bereits zu erkennen.

Wir beginnen mit McDonald’s in Singapur. Ein junger Mann arbeitet bei McDelivery. Wir erleben ihn als einen sehr sympathischen Menschen. Er ist im Ramadan ständig von Essen umgeben. Gegen Abend wird er von seinem letzten Kunden zum Essen eingeladen.

Der pakistanische Getränkehersteller Jam-e-Shirin zeigt uns Mutter und Tochter im Konflikt, weil kein Essen für ein Iftar-Mahl im Haus ist. Die Arbeitgeberin würde Geld schicken, mein die Mutter. Du hast doch schon lange nicht mehr für sie gearbeitet, die Tochter. Als ein Bote eine Kiste mit Lebensmitteln, einen Umschlag mit Geld und ein Handy übergibt, an dem die Arbeitgeberin spricht, dass sie niemals ihre beste Mitarbeiterin im Ramadan vergessen könnte, ist alles wieder gut.

Das Waschmittel Surf excel ist auch aus Pakistan. Ein Junge lernt von seinem Vater, dass es im Ramadan auch um gute Taten geht. Der Junge strengt sich den ganz Tag an, anderen zu helfen und eine Freude zu bereiten, und wird dabei sehr schmutzig. Am Abend kommt der Vater nachhause. Dort erst sehen wir, dass er ein Arzt ist.

Die ägyptische Banque Misr ruft jedem Menschen zu: du bist außergewöhnlich! Gezeigt werden unsere Helden der Corona-Krise sowie Menschen mit Handicap und – wie man es wohl sagen würde – ganz normale Menschen. Jeder einzelne ist etwas Besonderes.

Der Telekommunikationsanbierter Zain aus Kuwait macht ja jedes Jahr von sich reden durch seine besonders zu Herzen gehende Ramadan-Werbung. Hier geht es um Lebensfreude und Liebe trotz Corona und vor allem um Gottvertrauen angesichts der globalen Krise. Selbstverständlich bekommen die Helden der Krise einen Applaus gespendet.


Damit ist meine Top-Five-Liste der Werbung im Ramadan eigentlich abgeschlossen. Aber das Indus Hospital hat als Fundraiser einen Werbespot zu Corona im Ramadan produziert. Mit diesem Video möchte ich abschließen. Ramadan Kareem!

Politikerinnengeburtstag

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihm den Rücken freihält. So heißt es allgemein. Doch immer wieder – und heute glücklicherweise immer öfter – treten Frauen aus dem Hintergrund und werden selbst erfolgreich. Bevor ich meine Top-Five-Liste von Politikerinnen, die heute Geburtstag haben, beginne, möchte ich zwei weiteren Frauen gratulieren.

Cäcilie Bertha Benz, geb. Ringer (1849–1944) übergab ihrem Verlobten Carl Benz bereits vor der Hochzeit ihre Mitgift, damit dieser sein Unternehmen weiterführen konnte. Schließlich begründete erst ihre legendäre Fahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nr. 3 von Pforzheim nach Mannheim und zurück den wirtschaftlichen Erfolg dieser Erfindung.

Dorothy Gladys „Dodie“ Smith (1896–1990) ist eine englische Schriftstellerin. Von ihr stammt das Buch The Hundred and One Dalmatians, or the Great Dog Robbery, das 1961 von Walt Disney in einen märchenhaften Zeichentrickfilm verwandelt wurde.

Nun aber zu den Politikerinnen, die an einem 3. Mai geboren wurden:

  • Hedwig Heyl (1850–1934) – Parteipolitisch nicht so bedeutend und später leider auch ins rassische abgerutscht, schuf sie 1884 die erste Hauswirtschaftsschule. 1904 organisierte sie den Internationalen Frauenkongress in Berlin. 1920 bekam sie einen Ehrendoktor für Ernährungswissenschaften.
  • Golda Meir (1898–1978) – Nachdem sie 1949–1956 Arbeitsministerin und danach bis 1965 die Außenministerin Israels war, wurde sie am 17. März 1969 Israels erste und bisher eizige Ministerpräsidentin.
  • Traute Lafrenz (*1919) – Sie ist keine Politkerin im eigentlichen Sinne, sondern Ärztin. Sie gehört aber zum engeren Unterstützerkreis der Weißen Rose, erlbete das Ende des Zweiten Weltkriegs im Gefängnis und soll somit auch ein Teil meiner politischen Geburtstagsliste sein.
  • Katrin Dagmar Göring-Eckardt (*1966) – Sechs Jahre vor mir brach sie ihr Theologiestudium in Leipzig ab. Seit 1998 ist sie für Bündnis90/Die Grünen Mitglied des Bundestages. Und auch in der evangelisch-lutherischen Kirche übernimmt sie immer wieder wichtige Ämter.
  • Franziska Giffey (*1978) – Von 2015 an Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Neukölln, wurde die SPD-Politikerin 2018 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Yves Klein

Die Kirche und das ewige Blaue

Heute vor genau 800 Jahren wurde in Salisbury der Grundstein für The Cathedral Church of St Mary gelegt. Die Kathedrale ist ein frühes Beispiel für den Early English Style, der typisch englischen Ausprägung der Frühgotik. Der 100 Jahre später vollendete Vierungsturm ist heute mit 123 Metern der höchste Kirchturm Englands. Um ihn tragen zu können, wurden die Eckpfeiler der Vierung mit den charakteristischen Scherenbögen versehen, welche die Lasten noch einmal verteilen bzw. ableiten.

Die Kathedrale von Salisbury ist die Vorlage für den Roman Die Säulen der Erde (1989) von Ken Follett, der 2010 in einer deutsch-kanadischen Koproduktion verfilmt wurde. Das nehme ich zum Anlass für eine Top-Five-List von Schriftstellern, die heute Geburtstag haben:

  • Karl Kraus (1874–1936) – Der Dichter und Publizist bemühte sich um einen aufklärenden Journalismus. Für die Hetzblätter prägte er den Begriff Journaille. Heute wissen wir, dass der Kampf um guten Journalismus niemals aufhört.
  • Bruno Apitz (1900–1979) – Der Leipziger war früh Teil der Arbeiterbewegung, erst SPD, dann KPD. Im Nationalsozialismus kam er ins KZ. Sein Roman Nackt unter Wölfen ist bis heute Schulliteratur.
  • Kurt Friedrich Gödel (1906–1978) – Eigentlich ist Gödel Mathematiker und Logiker. Doch sein Nachweis, dass es in hinreichend starken Systemen Aussagen geben muss, die sich weder beweisen noch widerlegen lassen, kann auch in der Literatur und in der Lebenswelt so herrlich angewendet werden. Schließlich beschäftigte sich Gödel auch mit dem Gottesbeweis.
  • Harper Lee (1926–2016) – Sie schrieb nur ein Buch: To Kill a Mockingbird. Aber der wurde verfilmt mit Gregory Peck in der Hauptrolle als aufrechter Amerikaner.
  • Terence David John Pratchett (1948–2015) – Terry Pratchett gehört zu den großen der Fantasy-Literatur, genauer des Teils der Fantasy-Literatur, der man ein gewisses literarisches Niveau zugestehen muss. Und ich schwöre, dass ich wirklich einmal ein Buch von ihm lesen werde!

Die Liste prominenter Geburtstage reisst nicht ab. Heute vor 112 Jahren wurde der Unternehmer Oskar Schindler (1908–1974) geboren. Seine durch Steven Spielberg weltbreühmte Liste von kriegsnotwendigen Zwangsarbeitern rettete vielen Juden in Nazideutschland das Leben. Der Staat Israel erklärte ihn 1993 zu einem Gerechten unter den Völkern. Die von ihm Geretteten übergaben Schindler zum Dank einen Ring, der aus Zahngold gefertig war und einen Satz aus dem Talmud enthielt:

Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Man kann sagen, dass ein weiteres Gebrutstagskind des 28. April den passenden künstlerischen Ausdruck für das 20. Jahrhundert gefunden hat: Yves Klein (1928–1962) und seine Monochromen Vorschläge (siehe Beitragsbild).

Blau war in der Malerei des Mittelalters eine heilige Farbe. Und die Romantiker verzehrten sich in Sehnsucht nach der blauen Blume. Heute ist uns das Blau des Himmels oft noch Sinnbild des Göttlichen oder zumindes des Ewigen. Vor diesem Ewigen werden sich auch die letzten drei Jubilare des heutigen Tages rechtfertigen müssen:

  • António de Oliveira Salazar (1889–1970) – Er war von 1932 an als Ministerpräsident und später auch als Präsident Portugals der Staatsführer einer faschistoiden Diktatur, die erst vier Jahre nach seinem Tode mit der Nelkenrevolution beendet wurde.
  • Karl-Eduard Richard Arthur von Schnitzler (1918–2001) – Der schwarze Kanal war eine Sendung im DDR-Fernsehen. Dort schüttete der hinter vorgehaltener Hand als Sudel-Ede bezeichnete Moderator seine Propaganda über den Kapitalismus aus.
  • Saddam Hussein (1937–2006) – Der Diktator des Irak unterdrückte und mordete Kurden und Schiiten. Er war lange Zeit das Ziehkind des Westens gegen die kommunistischen Einflüsse im Iran und Afghanistan. Als er zu viel wollte und Kuwait besetzte, ließen ihn die USA fallen.

Schauspieler-Geburtstage

Der 21. April ist von mir schon zwei Mal bearbeitet worden: 2016 und 2017. In diesem Jahr möchte ich den Geburtstag von Schauspielern feiern – in einer Top-Five-Liste:

  • Anthony Quinn (1915–2001) – In fast allen größeren Hollywood-Produktionen der 40er- bis 60er-Jahre is Quinn vertreten. Man kennt ihn bis heute als bedauernswerten Glöckner von Notre-Dame und als den Griechen Alexis Sorbas.
  • Tony Danza (*1951) – Aus der Serie Wer ist hier der Boss bekannt. Hier teilt er sich den Synchronsprecher mit ALF: Tommi Piper.
  • Roy Dupuis (*1963) – Diesen Regisseur und Schauspieler kenne ich vor allem aus dem beklemmenden Film Jesus von Montreal. Absolute Empfehlung!
  • Toby Stephens (*1969) – Er stammt aus einer echten Schauspielfamilie. Seine Mutter ist Maggi Smith. Viel Theater, aber auch ein James Bond: Stirb an einem anderen Tag!
  • James McAvoy (*1979) – Ich liebe die Serie Shameless. Und wenn ich das schreibe, meine ich natürlich das britische Original und nicht das amerikanische Remake.

Todestage großer Anfänger

Bevor ich mich meinem eigentlichen Thema widme, möchte ich Tim Curry zum Geburtstag gratulieren. 74 Jahre wird der Darsteller des Doktor Frank N. Furter in The Rocky Horror Picture Show. Und gerade wird mir bewusst, wie nah an der Kinopremiere 1975 mein Erstkontakt im NDR 1985 war. Ich war 12 und habe bei weitem nicht alles verstanden. Aber mich faszinierte dieses schillernde sexuelle Mischwesen. Seitdem bin ich ein Fan.

Heute ist auch – in einer Häufung der Ereignisse, die mir die Nahrung für meine Blog-Einträge bietet – der Todestag von Daphne du Maurier, der Grande Dame des edlen Schreckens. Drei ihrer Erzählungen wurden von Alfred Hitchcock zu filmischen Meisterwerken veredelt: Rebecca (1938), Riff-Piraten (1939) und – last but not least – Die Vögel (1963). Noch beeindruckender finde ich aber den Film Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973), der ebenfalls auf einer Erzählung du Mauriers beruht. Wahrscheinlich würde sie heute als selbstbewusste Lesbierin leben. Damals nannte sie sich verschämt einen the boy in the box.


Doch nun zu einer Top-Five-Liste von Todestagen berühmter Männer des Beginnens. Spätestens seit Ostern wissen wir ja, dass der Tod nicht immer ein Ende sein muss, sondern vielmehr einen Anfang darstellt.

  • Ulrich Fugger der Ältere (1441–1510) – Hier mache ich schon den ersten Kompromiss. Er ist nicht der Begründer großen Familie der Fugger von der Lilie, aber er ist der älteste Sohn. Sein um 18 Jahre jüngerer Bruder, der auch den Namen des Vater erbte, wurde später von Albrecht Dürer porträtiert und wurde Jakob der Reiche genannt. Beider Großneffe, der Kunstmäzen Hans Fugger starb übrigens auch an einem 19. April. Wenn hier etwas angefangen hat, dann der Kapitalismus und kaufmännische Familiendynastien.
  • Philipp Melanchthon (1497–1560) – Er war nicht einfach Wegbegleiter Martin Luthers. Man kann ihn gut und gerne den zweiten Wittenberger Reformator nennen. Auch er wurde von Albrecht Dürer porträtiert; bekannter aber ist sein Abbild aus der Werkstatt Lucas Cranachs. Seine Allgemeinen Grundbegriffe der Theologie sind 1521 die erste Dogmatik der entstehenden evangelischen Kirche.
  • Charles Robert Darwin (1809–1882) – Über den Begründer der Evolutionstheorie muss ich wohl nicht viel schreiben. Aber es ließe sich anmerken, dass Darwin in Cambridge Theologie studierte, dass er Gott als höchste regelgebende Instanz ansah. Sein Zweifeln an Gott hatte übrigens weniger mit der Evolutionstheorie als mit dem frühen Tod seiner Tochter Annie 1851. Für die vor allem in den USA verbreiteten Grabenkämpfe zwischen Creationisten und Darwinisten hätte er wohl nur ein Kopfschütteln übrig.
  • Pierre Curie (1859–1906) – Er bekam gemeinsam mit seiner Frau Marie eine Hälfte des Physiknobelpreises 1903 zugesprochen, währen die andere Hälfte an Henri Becquerel ging. Dass seine Frau 1911 noch einen zweiten Nobelpreis (für Chemie) bekommen sollte, erlebte er nicht mehr, da er mit 46 Jahren bei einem Unfall mit einem Pferdefuhrwerk starb. Seine Tochter Irène Joliot-Curie bekam 1935 den Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Pierre Curie ist somit Nobelpreisträger, Ehemann einer doppelten und Vater einer weiteren Nobelpreisträgerin. Dass seine Forschung den Anfang zu einer neuen Massenvernichtungswaffe und einer langfristig problematischen Energienutzung wurde, wollen wir ihm nicht anlasten.
  • Konrad Hermann Joseph Adenauer (1876–1967) – Mit ihm beginnt die Bundesrepublik Deutschland ihren erfolgreichen Weg aus der Nazizeit zu einem wachsend selbstbewussten Staat innerhalb westlicher Bündnisse. Ich wäre als Zeitgenosse wohl nicht auf seienr Seite gewesen. Rückblickend muss man seine historische Leistung doch anerkennen.