Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Juni

K18_06_Juni

Allein auf weiter Flur und immer weiter reisen, reisen, reisen
Immer auf der Suche nach dem Schlüssel für das Schloss, das mich noch hält
Ach der Neid, die Gier, die Missgunst – das Denken, ja das Denken
Das macht vieles kaputt, was sonst hier wär’
Ich will Spaß und Wonne, strahlen wie die Sonne
Ich will der sein, mit dem du sein willst
Ich will bei dir bleiben, will dir Liebesbriefe schreiben
Ich will, dass du dich besser fühlst – und frei

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Mai

K18_05_Mai

In einer kleinen Datsche am Stadtrand, da ist gut sein.
Dort treff’ ich dich heut Abend. Ich lad dich ein.

Dort entzünd’ ich eine Kerze; es gibt kein elektrisches Licht.
Und ich flüster’ in dein Ohr ein kurzes Gedicht.

Und fängt es an zu regnen, geh’n wir noch einmal raus.
Um uns nicht zu erkälten, zieh’n wir die Kleider lieber aus.

Wenn du dann plötzlich frierst, komm ruhig etwas näher heran.
Ich werd’ dich wärmen und dein Freund sein, dein Partner und Mann.

Adrianopel, der Islam in Deutschland und die armenische Schrift

Adrianopel ist eine Stadt mit großer Geschichte. Als Uskodama gegründet, wurde sie im 2. Jahrhundert vom römischen Kaiser Hadrian umgebaut und nach ihm benannt. 378 erlitten die Römer ihre große Niederlage gegen die Gothen bei Adrianopel, was als ein Wendepunkt der Geschichte des Römischen Reiches gilt. Kreuzzügler, die aufgebrochen waren, die Heiligen Stätten von den sogenannten Ungläubigen zu befreien, plünderten mehrfach Adrianopel. Ab 1365 diente die Stadt als Residenz der türkischen Sultane. In den Balkankriegen des 20. Jahrhunderts wechselte die Stadt, die mittlerweile Edirne genannt wurde, mehrfach den Besitzer. Sie gehörte mal zu Bulgarien, mal Griechenland und schließlich wieder zur Türkei. Heute ist sie Hauptstadt der türkischen Provinz, die aus der Türkei auch ein kontinental-europäisches Land macht.

Vor genau 450 Jahren wurde in Edirne dieser Tage der Frieden von Adrianopel zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Osmanischen Reich geschlossen, der mit seinen drei vertraglichen Verlängerungen eine 25 Jahre währende Friedensphase auf dem Balkan einläutete. Rückwirkend bedeutete dieser Frieden wohl eher einen verlängerten Waffenstillstand, der zum Sammeln neuer Kräfte und nicht zum friedlichen kulturellen Austausch genutzt wurde. Aber immerhin! Wenn die Zivilbevölkerung 25 Jahre nicht unter einem Krieg zu leiden hat, ist das ein Erfolg. 25 Jahre sind fast eine Generation.

Seit 2005 ist eine Städtepartnerschaft zwischen dem türkischen Edirne und dem deutschen Lörrach gewachsen. Beide Städte verbindet, dass sie in einem Dreiländereck liegen. Dabei herrschen derzeit zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz deutlich weniger Spannungen als zwischen der Türkei, Bulgarien und Griechenland. Und nicht an allen Problemen ist die Türkei schuld.


Gestern wurde der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel aus türkischer Untersuchungshaft entlassen. Er kehrte zurück nach Deutschland, wo er bei der WeltN24-Gruppe unter Vertrag steht. Mit ihm wurde eine symbolhaft aufgeladene Figur entlassen. Weitere Journalisten und andere Menschen sitzen noch in türkischen Gefängnissen. Vielen Deutschen ist der von Recep Tayyip Erdoğan geleitete Staat am Bosporus unheimlich geworden. Das Unverständnis gegenüber den türkischen Verhältnissen führt oft zu einer Gleichsetzung mit dem Islam. Alles, was uns Deutschen an der Türkei fremd und falsch erscheint, ist dann auch gleich ein Fehler des Islam, der so etwas überhaupt möglich gemacht hätte. [Ich werte heute nicht. Meine Kraft reicht heute nur aus, um zu benennen.]

Heute berichtet der NDR, dass die Landtagsfraktion der AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit Pegida zusammenarbeiten möchte. Gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands zu kämpfen, sei ein gemeinsame Aufgabe. [Auch hier werde ich heute nur melden und nicht kommentieren.]

Heute hat Bülent Arslan Geburtstag. Er ist ein CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, der 1975 in der Türkei geboren wurde. 1976 zog der Einjährige mit seinen Eltern nach Deutschland. Mit 22 Jahren wurde Arslan deutscher Staatsbürger. Er arbeitet als Unternehmensberater, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Arslan ist Muslim und sieht in seiner Mitgliedschaft zu einer Partei mit einem C im Namen kein Problem. Die Werte der Partei seien dem Christentum entnommen, die Politik der Partei aber Christen wie für Nicht-Christen gemacht. 2004 sagte Arslan der Deutschen Welle gegenüber:

Und wenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgeklärter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie beispielsweise, und ich denke, dass ich da nicht zu einer Ausnahme in Deutschland gehöre. Umfragen zeigen, dass rund 50 bis 60 Prozent der in Deutschland lebenden Türken konservativ eingestellt sind, also religiöse, wertgebundene Menschen sind. Das ist meiner Meinung auch ein Potential für die CDU.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bülent Arslan!

Quelle
http://de.qantara.de/inhalt/bulent-arslan-als-muslim-in-der-cdu


Nach einem Ausflug in das Lager der CDU müsste ich eigentlich, um im Gleichgewicht zu bleiben, noch ein paar Zeilen zu Erich Zeigner verlieren, einer historischen Größe der SPD und erstem Bürgermeister im Leipzig der Nachkriegszeit, dessen Geburtstag heute ebenfalls ist. Doch den hier einfach nur anzuhängen, wird ihm auch nicht gerecht. Daher muss die einfache Erwähnung reichen.

Aber einen Todestag möchte ich noch ins Spiel bringen. Am 17. Februar 440 starb Mesrop Maschtoz bzw. Մեսրոպ Մաշտոց. Der Heilige ist der Entwickler eben dieses armenischen Alphabets zu Beginn des fünften Jahrhunderts. In Armenien trägt seit 1993 der Staatsorden seinen Namen. Ich muss gestehen, ich würde mich bis heute nicht um das armenische Alphabet und dessen heiligen Entwickler kümmern, wenn ich nicht vor zwei Jahren einen Flüchtling kennengelernt hätte, der einer armenisch-christlichen Minderheit aus Syrien angehört.

Dieser war so freundlich, mein Buch Wenn du nicht da bist … ins West-Armenische zu übersetzen. Wie alle anderen Ausgaben ist es bei epubli.de erschienen und kostet 7,95 EUR; es kann aber auch über den Buchhandel unter der ISBN 978-3-7450-6436-0 erworben werden.

Folie1

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Februar

K18_02_Februar

Auf Fotos, die ich heut von dir im Schnee gemacht hab,
Lächelst du bereits ein wenig freier.
Der Sinn steht mir nach Erdbeer’n. Leider schmecken sie
Nach nichts und sind auch viel zu teuer.

Ich reiß die Fenster auf um durchzulüften.
Noch keine Blüten seh’ ich, aber etwas Grün
Ich kuschle mich noch einmal dicht an dich heran.
Das ist nicht winterschläfrig; das ist kühn.

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Januar

Der erste Tag des neuen Jahres. Es müssen nicht die notorischen guten Vorsätze sein. Die wirft man ja gerne ein paar Tage später wieder über Bord. Und doch ist der Neujahrstag ein Anstoß, das Lebensmotto umzusetzen: nicht eines Tages, sondern Tag eins!

Für das Jahr 2018 habe ich einen Kalender mit dem Titel Ein Jahr mit dir gestaltet. Arbeitskollegen, Freunde und natürlich die Familie haben ihn zu Weihnachten geschenkt bekommen. Zu jedem Monatsersten möchte ich das Kalenderbild mit dem entsprechenden Gedicht hier auf meinem Blog posten.

K18_01_Januar

Ein Jahr beginnt! Und eins hört auf.
Es kommt in jüng’re Hände
Der Staffelstab im Jahreslauf
Zum Anfang nach dem Ende.

Ein tiefer Wunsch und auch ein Plan,
Wie dieses Jahr soll werden:
Ich will dich lieben, wie ich kann,
Und Friede sei auf Erden!

Ewigkeitssonntag

Heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr und trennt uns von der Adventszeit. Die Weihnachtsmärkte sind ja bereits aufgebaut. Wir warten ungeduldig, in den glühweinseligen Vorweihnachtstrubel zu gleiten. Aber zuvor kommt dieser etwas unbequeme Tag, der auch noch so einen düsteren Namen trägt: Totensonntag – oder etwas weniger düster aber schwerer: Ewigkeitssonntag.

Er symbolisiert für mich einen Kern der monotheistischen Religionen. An diesem Tag gedenken wir der Tatsache – für Agnostiker: der Möglichkeit –, dass es ein Regelsystem außerhalb unserer weltlichen Regeln gibt. Wir kennen uns in unserer Welt ganz gut aus. Wir wissen, was wir zu erwarten haben und was uns zusteht. Wir haben ein Gefühl für Gerechtigkeit. Nach diesem Leben wird aber ein anderer Maßstab an uns gelegt.

Im Evangelium nach Matthäus ist eine Weltgerichtsszene beschrieben, wo Jesus als König und Richter der Welt die Menschen einteilen wird, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Dann wird er zu denen zu seiner Rechten sagen (Matthäus 25, 34–40):

Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Auf dem Totenbett interessiert nicht mehr, ob wir in unserem Leben ein hochrangiger Politiker waren, ein Wirtschaftsboss oder ein Hochschulprofessor. Auf dem Totenbett werden wir wieder gleich; Sterbliche. Und nach dem Tod werden wir gerichtet.

Wenn in der Kapuzinergruft in Wien ein Habsburger Kaiser beigesetzt wurde, gab es eine interessante Zeremonie. Ein Herold geht dem Trauerzug voran. Er klopft an die Tür zur Gruft. Ein Kapuzinermönch fragt von innen, wer Einlass begehre. Der Herold antwortet mit der Aufzählung aller weltlichen Titel und Ränge des Verstorbenen. Von drinnen heißt es: „Wir kennen ihn nicht!“ Dann klopft der Herold ein zweites Mal und beantwortet die Frage mit der Kurzform der Titel. Auch hier lautet die Erwiderung: „Wir kennen ihn nicht!“ Nach dem dritten Klopfen antwortet der Herold auf die Frage: „Ein sterblicher und sündiger Mensch.“ Nun erhält der Verstorbene Einlass in die Gruft.