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Opferfest 2020

Muslime in der ganzen Welt feiern heute das Opferfest. Normalerweise wären jetzt hunderttausende von ihnen auf Pilgerreise in Mekka. Doch Corona verursacht auch für den Hadsh eine ungewöhnliche Situation.

Das Virus zeigt uns Menschen, wie schutzlos und klein wir sind. Wir müssen uns Gottes Liebe und Barmherzigkeit ganz anvertrauen. Er hat einen Plan für uns. In seiner Hand sind wir sicher. Er hat einen Bund mit uns geschlossen.

Eid Mubarak!

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Eine besondere Nacht im Ramadan

Der Ramadan neigt sich langsam dem Ende entgegen. Heute Nacht ist für viele Muslime eine besondere. Es ist die Nacht der Bestimmung, Lailat al-Qadr. In dieser Nacht gedenkt man der ersten Offenbarung des Koran an Mohammad. In der Sure 97, die auch Bestimmung betitelt ist, wird diese Nacht beschrieben. Der deutsche Islamwissenschaftler und Philologe Rudi Paret übersetzte die Sure wie folgt:

  1. Wir haben ihn [d. h. den Koran] in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
  2. Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
  3. Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
  4. Die Engel und der Geist kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn hinab, lauter Logos[wesen].
  5. Sie ist [voller] Heil [und Segen], bis die Morgenröte sichtbar wird [wieder aufgeht].

Ich schreibe heute keine lang religionsphilosophische Betrachtung. Stattdessen präsentiere ich ein neues Bild von mir.

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Ich hoffe, dass ich mit der Abbildung keine religiösen Gefühle verletze. Ich habe mich an alten Illustrationen aus muslimischen Büchern orientiert. Wichtig ist, Mohammad nicht mit einem Gesicht darzustellen. Schließlich können wir nicht wissen, wie er wirklich ausgesehen hat. Der Engel Gabriel kann ruhig ein Gesicht haben. Er ist sowieso ein Geistwesen ohne einen menschlichen Körper. Er ist nur symbolhaft dargestellt.

Manchmal werde ich gefragt, mit welcher App ich diese Collagen machen. Es gibt aber keine App. Das ist alles Handarbeit. Ich möchte dieses Bild nutzen, mal eine Art Making of zu zeigen.

1 Hintergrund 2 Erste Farbe 3 Das Grün 4 Mit Rot 5 Volle Flügel 6 Goldene Krone 7 Vollständig 8 Zeichnung

Ich hoffe, alle meine muslimischen Freunde haben eine wunderschöne und andächtige Nacht der Bestimmung und am Wochenende ein frohes und reiches Zuckerfest!

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Ramadan, Corona und die Werbung

Der Ramadan und der Advent haben – bei allen offensichtlichen Unterschieden – wichtige Gemeinsamkeiten. Beide sind die Vorbereitungszeit für die Offenbarung des Wort Gottes, ob es nun für Moslems der Koran ist oder für Christen Jesus, das fleischgewordene Wort. Beide sind auch Fastenzeiten. Ok, der Advent war es mal. Und beide sind gleichzeitig die Gelegenheit für Festessen und soziale Interaktion in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft.

Deshalb hat auch die Fernsehwerbung sowohl den Advent als auch den Ramadan entdeckt für besonders aufwendige Werbefilmproduktionen. Bereits im letzten Jahr habe ich eine kleine Auswahl von Videos präsentiert, die mir besonders gefallen haben. In diesem Jahr möchte ich das wiederholen. In allen Werbungen (mit Ausnahme von McDonald’s) sind die Folgen der Corona-Krise bereits zu erkennen.

Wir beginnen mit McDonald’s in Singapur. Ein junger Mann arbeitet bei McDelivery. Wir erleben ihn als einen sehr sympathischen Menschen. Er ist im Ramadan ständig von Essen umgeben. Gegen Abend wird er von seinem letzten Kunden zum Essen eingeladen.

Der pakistanische Getränkehersteller Jam-e-Shirin zeigt uns Mutter und Tochter im Konflikt, weil kein Essen für ein Iftar-Mahl im Haus ist. Die Arbeitgeberin würde Geld schicken, mein die Mutter. Du hast doch schon lange nicht mehr für sie gearbeitet, die Tochter. Als ein Bote eine Kiste mit Lebensmitteln, einen Umschlag mit Geld und ein Handy übergibt, an dem die Arbeitgeberin spricht, dass sie niemals ihre beste Mitarbeiterin im Ramadan vergessen könnte, ist alles wieder gut.

Das Waschmittel Surf excel ist auch aus Pakistan. Ein Junge lernt von seinem Vater, dass es im Ramadan auch um gute Taten geht. Der Junge strengt sich den ganz Tag an, anderen zu helfen und eine Freude zu bereiten, und wird dabei sehr schmutzig. Am Abend kommt der Vater nachhause. Dort erst sehen wir, dass er ein Arzt ist.

Die ägyptische Banque Misr ruft jedem Menschen zu: du bist außergewöhnlich! Gezeigt werden unsere Helden der Corona-Krise sowie Menschen mit Handicap und – wie man es wohl sagen würde – ganz normale Menschen. Jeder einzelne ist etwas Besonderes.

Der Telekommunikationsanbierter Zain aus Kuwait macht ja jedes Jahr von sich reden durch seine besonders zu Herzen gehende Ramadan-Werbung. Hier geht es um Lebensfreude und Liebe trotz Corona und vor allem um Gottvertrauen angesichts der globalen Krise. Selbstverständlich bekommen die Helden der Krise einen Applaus gespendet.


Damit ist meine Top-Five-Liste der Werbung im Ramadan eigentlich abgeschlossen. Aber das Indus Hospital hat als Fundraiser einen Werbespot zu Corona im Ramadan produziert. Mit diesem Video möchte ich abschließen. Ramadan Kareem!

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Am Vorabend des Ramadan 2020

Heute Abend wird die Sichel des Neumondes zu sehen sein und der Ramadan beginnen, die Fastenzeit der Muslime. Die muslimische Art des Fastens (kein Essen und Trinken zwischen Sonnenauf- und -untergang) stellt schon eine körperliche Herausforderung dar, doch stärker als das Christliche Fasten, was normalerweise heute ein Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten bedeutet. Natürlich ist sie außerdem eine Zeit der inneren Einkehr. Aber – und da unterscheiden sich christliches und muslimischen Fasten – kennt der Ramadan das allabendliche Fastenbrechen. Und das ist ein soziales Ereignis.

Das Fastenbrechen wird in großen Gruppen begangen oder in der Nachbarschaft. Manche Familien laden sich zum Fastenbrechen einen Fremden ein, den sie wie einen teuren Gast bewirten. Ich kenne das auch als eine Weihnachtstradition. Oft ist es nur noch ein leerer Stuhl, den man für einen weiteren Gast aufstellt – für die einen ist es der Weihnachtsmann (der bekommt dann Milk and Cookies), die anderen warten auf Jesus selbst.

Im Ramadan der letzten Jahre habe ich diese konkrete Gastfreundschaft einige Male (und hier stimmt nun auch Mahle) erleben dürfen. Doch in diesem Jahr wird es wohl nichts geschehen. Denn die Corona-Krise zwingt uns alle zur Vorsicht.

Ich wünsche all meinen muslimischen Freunden dennoch eine glückliche Zeit der Einkehr, des Fastens und des Fastenbrechens, wenn auch in kleinerem Kreis. Ramadan Mubarak!

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Frohe Weihnachten

Mein Weihnachtsgruß ist bebildert mit dem Werk eines Niederländischen Meisters (1490–1510). Es ist der Flügel eines Marienaltars, welcher der Kirche St. Peter und Paul in Wróblewo (Sperlingsdorf) bei Danzig 1591 von der Witwe Ursula Schewecke, geb. Wennenpfennings gestiftet wurde. In dieser Kirche stand der Altar bis 1945. Heute ist er im Danziger Nationalmuseum zu sehen. Dort bin ich im Sommer 2018 über dieses Bild gestolpert.

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Mich hat die Abbildung sofort an den Koran erinnert. Koran und Jesus? Ja. Jesus ist im Islam eine wichtige Person. Er wird ein Prophet genannt, ein Gesandter und Messias. Sogar als Wort Gottes wird er bezeichnet und als neuer Adam. Nur die Gottessohnesschaft wird kathegorisch abgelehnt. Das weihnachtliche Geschehen wird in der Sure 19 erzählt, die auch den Namen Mariens trägt:

Da wurde sie mit ihm schwanger und zog sich mit ihm an einen fernen Ort zurück. Dann trieben sie die Wehen zum Stamm der Palme. Sie sagte: »Wäre ich doch nur schon zuvor gestorben und ganz und gar vergessen!« Da rief er ihr von unten zu: »Sei nicht traurig! Dein Herr hat unter Dir ein Bächlein fließen lassen. Rüttle den Palmenstamm zu dir hin, dann lässt sie frische Datteln auf dich fallen. Iss, trink und sei guten Muts! Wenn du jemanden von den Menschen siehst, sprich: ›Ich habe dem Barmherzigen ein Fasten gelobt, deswegen werde ich heute mit keinem Menschen reden.‹«

Sure 19, 22–26

Josef taucht im Koran nicht auf. Jesus braucht keinen Vater. Er ist tatsächlich der einzige Mensch, der im Koran nach seiner Mutter näher bestimmt wird: Isa ibn Maryam (Jesus, Sohn der Maria).

Wie kommt nun diese Schilderung auf einen Altarflügel einer christlichen Kirche? Der Schlüssel ist das Pseudo-Matthäus-Evangelium, das wahrscheinlich im 7. bis 8. Jahrhundert entstanden ist. Es führt mehrere andere apokryphe Evangelien leicht bearbeitet zusammen, wie das Protevangelium des Jakobus und das Kindheitsevangelium nach Thomas. Teile des Pseudo-Matthäus wurden im 13. Jahrhundert von Jakobus de Voragine in die Legenda Aurea aufgenommen. Aus dieser Legendensammlung bedienten sich die Kunstmaler auf ihrer Motivsuche.

Hier ist nun Josef mit dabei. Und die Wunder mit Dattelpalme und Quelle geschehen nicht bei der Geburt, sondern auf der Flucht nach Ägypten.

Am dritten Tag ihrer Reise geschah es, daß Maria von der allzu großen Sonnenglut in der Wüste müde wurde, und als sie einen Palmbaum sah, sprach sie zu Josef: „Ich möchte in seinem Schatten ein wenig ausruhen.“ Josef aber führte sie eilends zu der Palme und ließ sie von dem Lasttier absteigen. Als Maria sich niedergelassen hatte, schaute sie zur Krone der Palme hinauf und sah sie voller Früchte. Sie sagte zu Josef: „Wenn es möglich ist, möchte ich gern von den Früchten der Palme haben.“ Josef sprach zu ihr: „Es wundert mich, daß du dies sagst, weil du sehen kannst, wie hoch die Palme ist, und daß du trotzdem darüber nachdenkst, von den Palmfrüchten zu essen. Ich denke eher über unseren Wassermangel nach, da uns das Wasser in den Schläuchen zur Neige geht und wir nichts haben, womit wir uns und die Lasttiere erfrischen könnten.“

Da sagte das Jesuskind, das mit fröhlicher Miene auf dem Schoß seiner Mutter saß, zu der Palme: „Neige dich, Baum, und erfrische meine Mutter mit deinen Früchten!“ Und sogleich auf diesen Ruf neigte die Palme ihre Krone bis zu den Füßen Marias, und man sammelte von ihr Früchte, an denen sich alle gütlich taten. Als man alle Früchte von der Palme geerntet hatte, blieb sie in geneigter Stellung in der Erwartung, sich auf Befehl dessen wieder aufzurichten, auf dessen Geheiß sie sich geneigt hatte. Da sprach Jesus zu ihr: „Richte dich auf, Palme, und komm wieder zu Kräften! Sei Genossin meiner Bäume, die im Paradies meines Vaters stehen!

Öffne aber unter deinen Wurzeln eine Wasserader die in der Erde verborgen ist, und aus ihr sollen Wasser fließen, um unseren Durst zu stillen!“ Sogleich richtete die Palme sich auf, und an ihren Wurzeln begannen ganz klare, frische und ganz süße Wasserquellen zu sprudeln. Als sie aber die Wasserquellen sahen, freuten sie sich ungemein. Sie löschten den Durst zusammen mit allen Lasttieren und Menschen und sagten Gott Dank.

Kapitel 20, 1–3

Ich wünsche all meinen Freunden – Christen, Moslems, Andersgläubigen, Atheisten und Agnostikern – eine besinnliche und frohe Zeit! Eine gesegnete Weihnacht! Gott schaut auf uns und gibt uns nicht verloren.

Links
http://www.mng.gda.pl/ – Das Nationalmuseum in Danzig
https://corpuscoranicum.de/ – Koran-Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
http://12koerbe.de/ – Private Website des Altphilologen Hans Zimmermann, Görlitz

Zuckerfest 2019 – Eid Mubarak!

Gestern Abend bzw. heute Morgen begann das Zuckerfest. Moslems feiern damit das Ende des Fastenmonats Ramadan. Es ist von der sozialen Bedeutung mit dem Weihnachtsfest zu vergleichen: die Familie steht im Vordergrund, es wird viel zu viel gegessen und die Kinder erhalten Geschenke.

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Für den jahreszeitlich geprägten Festkalender Deutschlands ist es eine Herausforderung, dass sich das Zuckerfest in jedem um zehn bis elf Tage verschiebt. Aber in gut 15 Jahren werden wir die Ähnlichkeit von Zuckerfest und Weihnachten leichter spüren können.

Ich wünsche all meinen muslimischen Freunden ein frohes und gesegnetes Zuckerfest.

Eid Mubarak!

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Anschlag auf Betende in Christchurch, Neuseeland

Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh!
Da weinte Jesus.
Johannes 11, 34b–35

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Links
https://www.christchurchnz.com/
https://www.theguardian.com/world/video/2019/mar/15/mass-shooting-at-two-christchurch-mosques-video-report
https://edition.cnn.com/asia/live-news/new-zealand-christchurch-shooting-intl/index.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/christchurch-anschlag-auf-moschee-er-wollte-keine-ueberlebenden-a-1258021.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

Sharing Ramadan in der VILLA

Für gestern Abend hatte eine Gruppe vom Forum Dialog zum gemeinsamen Fastenbrechen in die VILLA geladen. Das abendliche Fastenbrechen nennt sich Iftar und ist ein Festmahl, das gern auch im großen Kreis eingenommen wird. Nichtmuslime können so islamische Traditionen und Gebräuche kennenlernen – ohne übrigens missioniert zu werden. Ich habe gern teilgenommen. Tieftheologisches muss ich jetzt nicht schreiben. Aber zwei Fotos von mir möchte ich ergänzen (Vielen Dank an Caner Uzun für die schönen Bilder!).

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20150601 VILLA Iftar 3

Links
https://www.facebook.com/pg/SharingRamadanDE/
http://forumdialog.org/project/sharing-ramadan/
http://www.caneruzun.com/