Stiftung Christliche Kunst Wittenberg

Zum großen Reformationsjubiläum 2017 habe ich mich von Wittenberg ferngehalten. Ich dachte mir, ich muss mich nicht mit den Touristen aus aller Welt in lange Schlangen stellen, wenn ich keine hundert Kilometer entfernt lebe. Andererseits muss ich gestehen, dass ich insgesamt noch viel zu selten die kleineren Städte in meiner Umgebung besuche. Da entgeht mir doch eine ganze Menge.

Nun, nach Wittenberg habe ich es gestern endlich mal wieder geschafft. Und dort habe ich vor allem die Ausstellung im Schloss bewundert, die von der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg präsentiert wird. Das Ehepaar Scheufelen begründete 2001 die Stiftung mit über 400 Arbeiten von Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts. Durch Zukäufe und Schenkungen wächst die Sammlung, die hauptsächlich grafische Blätter umfasst.

Otto Dix - Versuchung

Mit fiel sofort eine Auswahl von Otto-Dix-Arbeiten ins Auge, vor allem, weil Kunstdrucke davon meinen Wohnungsflur zieren. Es sind Lithografien zum Matthäusevangelium, hier die Versuchung Jesu Christi.

Viele prominente Namen sind zu finden: Ernst Barlach, Marc Chagall, Joseph Beuys und Friedensreich Hundertwasser sind nur eine ganz willkürlich Auswahl. Max Pechsteins Grafiken zum Vater Unser sind weitere Highlights. Die gibt es auch als Postkartenset zu kaufen. Absolute Besuchsempfehlung!

Link
http://www.christlichekunst-wb.de/

Weihnachten und der Koran

Der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel promovierte 1977 über Jesus in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Betreut wurde er von niemand Geringerem als Hans Küng und Walter Jens. Seine Habilitationsschrift 1989 trug den Titel Geboren vor aller Zeit? Der Streit um Christi Ursprung. Kuschel beschäftigt sich also mit der zentralen Person des Christentums. Bis 2013 hatte er den Lehrstuhl für Theologie der Kultur und des interrreligiösen Dialogs an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Tübingen inne. Er war außerdem der stellvertretende Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung der Universität. Von Kuschel und seinem Doktorvater Küng stammt der Begriff der Abrahamitischen Ökumene, der einen Trialog von Judentum, Christentum und Islam beschreibt. Wer mal nicht weiß, was er mir schenken soll, kann gerne die Literaturliste in Kuschels Wikipedia-Eintrag wildern.

Weihnachten und der Koran

2008 (und in 2. Auflage 2012) veröffentlichte Kuschel ein Buch, das sich mit dem Weihnachtsgeschehen beschäftigt, wie es im Koran wiedergegeben wird. Das brachte mich auf die Idee einer ganz besonderen Top-Five-Liste: dem Christentum und dem Islam gemeinsame Aspekte der Weihnachtsgeschichte.

  1. Maria, die Mutter Jesu, brachte ihren Sohn als Jungfrau zur Welt.
  2. Den Naturgesetzen hält Lukas 1,37 entgegen: Denn für Gott ist nichts unmöglich. In Sure 3,47 heißt es: Wenn er [Gott] eine Sache beschließt, dann sagt er zu ihr nur: ‚Sei!‘ Und da ist sie.
  3. Jesus ist ohne einen irdischen Vater gezeugt. Er ist Geist von Gott. (Sure 4,171) An anderen Stellen im Koran wird Jesus nicht nur Prophet Gottes sondern auch Wort Gottes genannt. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, sagt Johannes 1,14.
  4. Für Christen beginnt mit der Geburt Jesu die Umkehrung aller Werte. Er verkörpert in seiner Person den Frieden Gottes auf Erden. Das singen bereits die Engel zu den Hirten im Lukasevangelium. Im Koran spricht Jesus: Er hat mich nicht zum unseligen Gewalttäter gemacht. (Sure 19,32)
  5. Im Neuen Testament weist Gott Jesus durch Taten, Wunder und Zeichen aus. Der Koran (Sure 19,21) erklärt ihn zu einem Zeichen für die Menschen, indem er Blinde und Aussätzige heilt und Tote auferweckt.

Natürlich sind Christentum und Islam nicht gleichzusetzen. Es gibt auch viele Unterschiede. Aber die sehen wir schon allzu oft. Es wird Zeit, sich einmal auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren.

Link
http://www.patmos.de/weihnachten-und-der-koran-p-8147.html

Namenstag von Maria Magdalena

Nun habe ich ganz den 20. Juli 1944 vergessen, dessen man in den heutigen Zeiten (Stichwort Freital) doch gedenken sollte. Das große Jubiläum im letzten Jahr hatte ich dafür feierlich begangen, indem ich eine Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden besuchte. Nun ist Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr eine Wanderausstellung. Bis zum 13. September 2015 ist sie in Ludwigsburg (bei Stuttgart) zu sehen. Sie besteht zu großen Teilen aus dem, was der Museumspädagoge Flachware nennt. Es ist also viel zu lesen. Aber mich haben einige der Originalbriefe beeindruckt, die dort gezeigt werden.

Links
mhmbw.de – Militärhistorisches Museum in Dresden
garnisonmuseum-ludwigsburg.de – Garnisonmuseum in Ludwigsburg (aber das sagt ja schon die URL)


Ich wollte mich heute auf Maria Magdalena stürzen; denn heute ist ihr Namenstag, der von nahezu allen Kirchen begangen wird – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Maria Magdalena wird im Deutschen auch Maria von Magdala genannt. Das ist kein Adelstitel, sondern eine Herkunftsbezeichnung. Der Name Maria ist zur Zeit Jesu einfach zu häufig gewesen. An Beinamen zur Identifizierung fehlt es unserer Maria aber nun wirklich nicht. Lediglich Maria, die Mutter Jesu, hat noch ein paar mehr.

Maria Magdalena ist eine höchstwahrscheinlich historische Person aus einem Dorf am westlichen Ufer des See Genezareth, was heute unter dem Namen Migdal bekannt ist. Sieben Dämonen soll Jesus ihr ausgetrieben haben, bevor sie selbst eine Jüngerin Jesu wurde. Sie wird an einigen Stellen in den Evangelien erwähnt. Sie ging mit nach Jerusalem, war Zeugin der Kreuzigung und der Auferstehung. Der Religionswissenschaftler David Flusser entwickelte eine Theorie, nach der Maria Magdalena dem Evangelisten Lukas zugearbeitet hätte. Hippolyt von Rom nannte sie bereits im dritten Jahrhundert die Apostelin der Apostel.

Die Geschichte der anonymen Sünderin, die Jesus die Füße wusch und salbte, wurde seit Papst Gregor I. mit Maria Magdalena assoziiert. Aus der Sünderin wurde mit der Zeit eine Prostituierte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Besserungsanstalten für gefallene Mädchen Magdalenenheime genannt.

In einigen apokryphen Schriften gnostischer Tradition wird Maria Magdalena als Gefährtin oder gar Ehefrau Jesu bezeichnet. In popular- und pseudowissenschaftlichen Artikeln und Büchern wurde die kühne These aufgestellt, dass Maria mit Jesus nach Frankreich ausgewandert sein soll. Die Nachfahren bildeten dann das Haus der Merowinger.

Das aus Frankreich stammende Kleingebäck in Form einer Jakobsmuschel trägt seinen Namen Madeleine nur mittelbar der biblischen Gestalt wegen. Die Köchin am herzoglichen Hof zu Lothringen, die das Gebäck erfand, soll schlicht so geheißen haben. Aber sie stammte gewiss aus einer katholisch geprägten Familie.

Während es gerade schwül-warm ist über Leipzig, möchte ich zwei Bauernweisheit zitieren:

An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.

Und in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig frustrierend:

Regnet’s am St. Magdalentag, folgt gewiss mehr Regen nach.

 

Jesus-Filme

Jesus Christus aus Nazaret ist nicht nur die zentrale und namensgebende Person des Christentums, er ist auch als literarische Person von kaum zu überschätzender Bedeutung. Dann ist es wohl nur folgerichtig, dass sich das Kino ebenfalls und bereits seit seinen Anfängen mit Jesus auseinandersetzt.

Zum Karfreitag möchte ich daher eine Top-Five-Liste erstellen mit Jesus-Filmen, die mir viel bedeuten, die mich nicht nur einmal, sondern immer wieder stark ergreifen. Da ich aus einer so übergroßen Fülle schöpfen kann/muss, möchte ich die Auswahl noch vorher etwas einschränken.

Nicht zur Wahl stehen Filme, in denen Jesus nur eine Nebenrolle oder einen kurzen Gastauftritt hat, wie z.B. Ben Hur, Das Gewand oder auch Das Leben des Brian, der im Übrigen keine Verballhornung Jesu ist, sondern seiner und anderer übereifrigen Nachfolger. Ich kann ein gläubiger Christ sein und diesen Film mögen. Trotzdem kommt er nun nicht in meine Top-Five-Liste. Fernsehserien lasse ich grundsätzlich weg, so dass Southpark bereits aus zwei Gründen nicht aufgeführt sein wird.

Auch Endzeitfilme lasse ich raus. Der wiederkehrende Christus wie ihn Jürgen Prochnow in Das siebte Zeichen spielt, ist selbstverständlich auch ein interessanter Betrachtungsgegenstand. In der heutigen Liste zum Karfreitag soll aber die Passion im Mittelpunkt stehen. Das Leiden, die Kreuzigung also der Opfertod Jesu für die Sünden der Menschheit muss im Film thematisiert sein, damit er hier Aufnahme finden kann.

  1. Das 1. Evangelium – Matthäus (1964 von Pier Paolo Pasolini)
    Als der atheistische, sozialistische und homosexuelle Pasolini das Leben Jesu verfilmte, waren viele Kreise aus unterschiedlichen Gründen verwundert, skeptisch und brüskiert. Doch der späte italienische Neorealist zeigt mit dem Laiendarsteller Enrique Irazoqui als Jesus einen Kämpfer für die sozial Benachteiligten, „sanft im Herzen, aber nie im Denken“. Nach einer Vorführung im Vatikan soll der Applaus 40 Minuten angedauert haben. Unter dem Kreuz sieht man Pasolinis Mutter als Maria.
  2. Die Passion Christi (2004 von Mel Gibson)
    Ich möchte sofort und entschieden drauf hinweisen, dass ich mit der Aufnahme dieses Films in meine Liste keine Aussage über die Qualität anderer Filme von und mit Mel Gibson  treffe. Auch seine persönlichen Aussagen sollen hier nicht zur Diskusson stehen. Die Passion Christi aber ist ein Meisterwerk! Unsynchronisiert erleben wir die letzten Tage Jesus auf Latein, Aramäisch und Hebräisch. Dem Film wird vorgeworfen,  Gewaltexzess und Blutorgie zu sein. Das Gesicht James Caviezels ist fast den gesamten Film über blutig und nach der Geißelung ist sein Rücken so zerfurcht, dass man kaum noch Haut erkennen kann. Dem möchte ich aber entgegen halten, dass Jesus tatsächlich gefoltert wurde und für die Sünden der Welt gestorben ist. Wenn uns beim Zuschauen ein wenig mulmig wird, ist das wohl ein vergleichsweise niedriger Preis. Gibson verneigt sich übrigens still vor Pasolini, indem er seinen Film im süditalienischen Matera dreht, welches auch schon 1964 als Kulisse diente.
  3. Die letzte Versuchung Christi (1988 von Martin Scorsese)
    Der dritte Film in der Reihe und der dritte Film mit einem italienischen Bezug, zumindest was die Wurzeln des Regisseurs angeht. Die literarische Vorlage lieferte 1951 der griechische Autor Nikos Kazantzakis, der auch für Alexis Sorbas verantwortlich zeichnet. Walter Jens nannte es ein interessantes und problematisches Buch. Papst Pius XII. setzte 1954 den Roman auf den Index der verbotenen Bücher. Mit der Musik von Peter Gabriel unterlegt sehen wir einen von Willem Dafoe gespielten Jesus, der als Zimmermann Kreuze für die Römer fertigt. Er zweifelt an seiner Berufung nimmt sie aber letztendlich doch an. Am Kreuz erscheint ihm ein vermeintlicher Engel, der ihm vom Kreuz hilft. Jesus heiratet Maria Magdalena und erlebt als alter Mann die Zerstörung Jerusalems. In einer Konfrontation seiner ehemaligen Jünger erkennt er, dass er am Kreuz hätte sterben müssen. Er erwacht, erneut am Kreuz hängend, und nimmt den Opfertod auf sich.
  4. Jesus Christ Superstar (1973 von Norman Jewison)
    Andrew Lloyd Webber ist bekannt für viele erfolgreiche Musicals. Tim Rice lieferte in den ersten Jahren das Libretto, so auch 1970 für Jesus Christ Superstar. Der kanadische Regisseur Jewison, von dem ich auch In der Hitze der Nacht von 1967 und Hurricane von 1999 sehr schätze, kommt in meiner Liste den Originalschauplätzen am nächsten. Er drehte in der Negev-Wüste in Israel. Allerdings nutzt er einen Verfremdungseffekt: Die Darsteller sind eine Hippie-Kommune, die zu Beginn mit einem Bus anreisen und mit teilweise hanebüchenen Requisiten (Maschinenpistolen, Stahlhelme, Regenschirme etc.) die Passion nachspielen. Auch Bezüge zur Zeitgeschichte (Panzer, Düsenjäger) fehlen nicht. Ted Neely spielt den von seiner Rolle auch immer mal überforderten Jesusdarsteller.
  5. Jesus von Montreal (1989 von Denys Arcand)
    Mit dem fünften Film dehne ich meine eigenen Vorgaben. Nach Jesus Christ Superstar ist aber der Schritt nicht mehr ganz so groß. Lothaire Bluteau spielt Daniel Coulombe. Daniel ist der Jesusdarsteller einer Passionsspielgruppe in Montreal. Im Laufe eines Handgemenges mit Polizei und Zuschauern stürzt der ans Kreuz gebundene Daniel. Ohne ärztliche Versorgung verlässt er das Krankenhaus. An seiner Sprache und seinem Verhalten wird ersichtlich, dass er die Jesusrolle vollständig verinnerlicht hat. In einer U-Bahn-Station bricht er zusammen und wird in ein jüdisches Krankenhaus gebracht, wo nur noch der Hirntod festgestellt werden kann. Sein Herz und seine Augen werden ihm als Organspende entnommen. Die anderen Schauspieler gründen nach seiner Beerdigung ihm zu Ehren eine neue Schauspielgruppe.