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Mariä Empfängnis und die Marien

Heute ist nicht nur der zweite Adventssonntag sondern auch der katholische Gedenktag Mariä Empfängnis, der regelmäßig für Witzeleien herleiten muss, welche die vermeintliche Biologie-Unkenntnis der katholischen Kirche zu Inhalt haben. Allerdings offenbaren jene Spötter viel eher ihre Unkenntnis der Namens- und Gedenktage im Jahreskreis und zugleich ein fehlendes Gespühr für den Genetiv.  Denn der Term Mariä Empfängnis kann zweierlei bedeuten: Maria empfängt oder Maria wird empfangen. Und im vorliegenden Fall ist die zweite Bedeutung richtig.

Jesu Großmutter Anna empfängt Maria am 8. Dezember. Der Gedenktag korrespondiert mit Mariä Geburt am 8. September. Die spöttelnden Biologen seien auf den Feiertag Mariä Verkündigung verwiesen. Der ist am 25. März, neun Monate vor Weihnachten.

Im Jahre 1854 erhob Papst Pius IX. die unbefleckte Empfängnis  zum Dogma. Die Idee ist, dass Maria frei von der Erbsünde gezeugt und geboren wurde, damit sie das reine Gefäß ist, durch das Jesus in die Welt kommen kann. Mir persönlich scheint diese Überlegung etwas zu akademisch.

Nichtsdestotrotz ist der heutige Gedenktag bemerkenswert, allein schon wegen der Tradition, einem Kind den Namen des Heiligen zu geben, der am Geburts- oder Tauftag seinen Gedenktag hat. Daher folgt nun eine meiner geliebten Top-Five-Listen von Personen mit dem Namen Maria, die heute Geburtstag haben.

  • Maria Stuart (1542–1587) – Als Maria I. Königin von Schottland und als Teenager auch Königin von Frankreich wurde sie von ihrer Tante zweiten Grades Elisabeth I. von England hingerichtet. Friedrich Schiller bearbeitete dies für deutsche Bühnen.
  • Johann Maria Farina (1685–1766) – Dieser Italiener erfand ein Duftwasser, welches er nach seiner Wahlheimat benannte: Eau de Cologne.
  • Maria Josepha von Österreich (1699–1757) – Sie war von August dem Starken ausgewählt worden, die Ehefrau seines Sohnes zu sein, um sein Haus in den europäischen Machtstrukturen stärker zu vernetzen. Ab 1733 war sie Kurfüstin von Sachsen und Königin von Polen.
  • Diego María de la Concepción Juan Nepomuceno Estanislao de la Rivera y Barrientos Acosta y Rodríguez (1886–1957) – Ein bedeutende Maler Mexicos. In Europa kennt man Diego Rivera vor allem als Ehemann von Frida Kahlo.
  • Sinéad Marie Bernadette O’Connor (*1966) – Die bekannte Sängerin mag ihren Namen schlicht von ihrer Mutter geerbt haben. So oder so hat sie mittlerweile die Namen ihrer Familie abgelegt, ist zum Islam konvertiert und nennt sich Shuhahda‘ Sadaqat.

Nicht in diese Liste passt die Schauspielerin Kim Basinger, die heute glatte 66 Jahre alt wird. Sie trägt als Zweitnamen den Namen der Mutter Marias: Kimila Anna Basinger.

Namenstag von Maria Magdalena

Nun habe ich ganz den 20. Juli 1944 vergessen, dessen man in den heutigen Zeiten (Stichwort Freital) doch gedenken sollte. Das große Jubiläum im letzten Jahr hatte ich dafür feierlich begangen, indem ich eine Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden besuchte. Nun ist Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr eine Wanderausstellung. Bis zum 13. September 2015 ist sie in Ludwigsburg (bei Stuttgart) zu sehen. Sie besteht zu großen Teilen aus dem, was der Museumspädagoge Flachware nennt. Es ist also viel zu lesen. Aber mich haben einige der Originalbriefe beeindruckt, die dort gezeigt werden.

Links
mhmbw.de – Militärhistorisches Museum in Dresden
garnisonmuseum-ludwigsburg.de – Garnisonmuseum in Ludwigsburg (aber das sagt ja schon die URL)


Ich wollte mich heute auf Maria Magdalena stürzen; denn heute ist ihr Namenstag, der von nahezu allen Kirchen begangen wird – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Maria Magdalena wird im Deutschen auch Maria von Magdala genannt. Das ist kein Adelstitel, sondern eine Herkunftsbezeichnung. Der Name Maria ist zur Zeit Jesu einfach zu häufig gewesen. An Beinamen zur Identifizierung fehlt es unserer Maria aber nun wirklich nicht. Lediglich Maria, die Mutter Jesu, hat noch ein paar mehr.

Maria Magdalena ist eine höchstwahrscheinlich historische Person aus einem Dorf am westlichen Ufer des See Genezareth, was heute unter dem Namen Migdal bekannt ist. Sieben Dämonen soll Jesus ihr ausgetrieben haben, bevor sie selbst eine Jüngerin Jesu wurde. Sie wird an einigen Stellen in den Evangelien erwähnt. Sie ging mit nach Jerusalem, war Zeugin der Kreuzigung und der Auferstehung. Der Religionswissenschaftler David Flusser entwickelte eine Theorie, nach der Maria Magdalena dem Evangelisten Lukas zugearbeitet hätte. Hippolyt von Rom nannte sie bereits im dritten Jahrhundert die Apostelin der Apostel.

Die Geschichte der anonymen Sünderin, die Jesus die Füße wusch und salbte, wurde seit Papst Gregor I. mit Maria Magdalena assoziiert. Aus der Sünderin wurde mit der Zeit eine Prostituierte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Besserungsanstalten für gefallene Mädchen Magdalenenheime genannt.

In einigen apokryphen Schriften gnostischer Tradition wird Maria Magdalena als Gefährtin oder gar Ehefrau Jesu bezeichnet. In popular- und pseudowissenschaftlichen Artikeln und Büchern wurde die kühne These aufgestellt, dass Maria mit Jesus nach Frankreich ausgewandert sein soll. Die Nachfahren bildeten dann das Haus der Merowinger.

Das aus Frankreich stammende Kleingebäck in Form einer Jakobsmuschel trägt seinen Namen Madeleine nur mittelbar der biblischen Gestalt wegen. Die Köchin am herzoglichen Hof zu Lothringen, die das Gebäck erfand, soll schlicht so geheißen haben. Aber sie stammte gewiss aus einer katholisch geprägten Familie.

Während es gerade schwül-warm ist über Leipzig, möchte ich zwei Bauernweisheit zitieren:

An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.

Und in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig frustrierend:

Regnet’s am St. Magdalentag, folgt gewiss mehr Regen nach.