Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Mai

K18_05_Mai

In einer kleinen Datsche am Stadtrand, da ist gut sein.
Dort treff’ ich dich heut Abend. Ich lad dich ein.

Dort entzünd’ ich eine Kerze; es gibt kein elektrisches Licht.
Und ich flüster’ in dein Ohr ein kurzes Gedicht.

Und fängt es an zu regnen, geh’n wir noch einmal raus.
Um uns nicht zu erkälten, zieh’n wir die Kleider lieber aus.

Wenn du dann plötzlich frierst, komm ruhig etwas näher heran.
Ich werd’ dich wärmen und dein Freund sein, dein Partner und Mann.

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Februar

K18_02_Februar

Auf Fotos, die ich heut von dir im Schnee gemacht hab,
Lächelst du bereits ein wenig freier.
Der Sinn steht mir nach Erdbeer’n. Leider schmecken sie
Nach nichts und sind auch viel zu teuer.

Ich reiß die Fenster auf um durchzulüften.
Noch keine Blüten seh’ ich, aber etwas Grün
Ich kuschle mich noch einmal dicht an dich heran.
Das ist nicht winterschläfrig; das ist kühn.

Kalender 2018 – Ein Jahr mit dir – Januar

Der erste Tag des neuen Jahres. Es müssen nicht die notorischen guten Vorsätze sein. Die wirft man ja gerne ein paar Tage später wieder über Bord. Und doch ist der Neujahrstag ein Anstoß, das Lebensmotto umzusetzen: nicht eines Tages, sondern Tag eins!

Für das Jahr 2018 habe ich einen Kalender mit dem Titel Ein Jahr mit dir gestaltet. Arbeitskollegen, Freunde und natürlich die Familie haben ihn zu Weihnachten geschenkt bekommen. Zu jedem Monatsersten möchte ich das Kalenderbild mit dem entsprechenden Gedicht hier auf meinem Blog posten.

K18_01_Januar

Ein Jahr beginnt! Und eins hört auf.
Es kommt in jüng’re Hände
Der Staffelstab im Jahreslauf
Zum Anfang nach dem Ende.

Ein tiefer Wunsch und auch ein Plan,
Wie dieses Jahr soll werden:
Ich will dich lieben, wie ich kann,
Und Friede sei auf Erden!

Spanisch ist die Sprache der Liebe

Bob Dylan, Literaturnobelpreisträger, veröffentlichte in meinem Geburtsjahr eine Aufnahme unter dem Titel Spanish is the Loving Tongue, die in ihrer Stilistik eine Ausnahme in seinem Schaffen darstellt, für mich allerdings prägend war, weil sie sich auf meiner zweiten eigenen Bob-Dylan-Platte befand.

Die Grundlage für dieses Lied bildet das Gedicht A Border Affair des amerikanischen Dichters Clark Badger (1883–1957), das 1919 in der Sammlung Sun and Saddle Leather veröffentlicht wurde. Badger ist einer der großen Cowboy-Dichter Amerikas. Er lebte sogar einige Zeit im berühmt-berüchtigten Tombstone in Arizona, nahe der mexikanischen Grenze, bis er schließlich zum offiziellen Staatsdichter von South Dakota ernannt wurde. In dem Buch Sun and Saddle Leather findet sich auch ein anderes, heute weit verbreitetes Gedicht: A Cowboy’s Prayer. Ein Gebet, das Gott nicht in amtskirchlichen Organisationseinheiten sondern vielmehr in der Natur sucht.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: A Border Affair erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus den USA stammend einer Frau in Mexiko begegnet. Von ihr lernt er die Sprache der Liebe, zu der zumindest die zwei spanischen Ausdrücke mi amor (meine Liebe) und mi corazon (mein Herz) gehören. Wegen eines Kampfes nach verlorenem Pokerspiel muss der liebende Mann über die Grenze fliehen. Da er nicht mehr zurück nach Mexiko kann, wird er seine Geliebte nie wieder sehen. Aber Spanisch ist ihm zur Sprache der Liebe geworden.

Spanish is the lovin‘ tongue,
Soft as music, light as spray.
Twas a girl I learnt it from,
Livin‘ down Sonora way.
I don’t look much like a lover,
Yet I say her love words over
Often when I’m all alone—
„Mi amor, mi corazon.“

Nights when she knew where I’d ride
She would listen for my spurs,
Fling the big door open wide,
Raise them laughin‘ eyes of hers
And my heart would nigh stop beatin‘
When I heard her tender greetin‘,
Whispered soft for me alone—
„Mi amor! mi corazon!“

Moonlight in the patio,
Old Señora noddin‘ near,
Me and Juana talkin‘ low
So the Madre couldn’t hear—
How those hours would go a-flyin‘!
And too soon I’d hear her sighin‘
In her little sorry tone—
„Adios, mi corazon!“

But one time I had to fly
For a foolish gamblin‘ fight,
And we said a swift goodbye
In that black, unlucky night.
When I’d loosed her arms from clingin‘
With her words the hoofs kep‘ ringin‘
As I galloped north alone—
„Adios, mi corazon!“

Never seen her since that night.
I kaint cross the Line, you know.
She was Mex and I was white;
Like as not it’s better so.
Yet I’ve always sort of missed her
Since that last wild night I kissed her,
Left her heart and lost my own—
„Adios, mi corazon!“

Viele Folk- und Countrysänger haben diese Strophen mal mehr mal minder originalgetreu gesungen: Judy Collins, Bob Dylan, Marianne Faithfull, um nur einige zu nennen. Für einen YouTube-Link habe ich eine Version von Emmylou Harris ausgewählt. Ich hoffe, sie gefällt.

Aber warum schreibe ich das heute? Es ist weder Bob Dylans, Clark Badgers noch Emmylou Harris‘ Geburts- oder Todestag. Heute ist mein Lieblingsliebesbuch auf Spanisch erschienen. Wenn du nicht da bist … heißt ab heute auch Cuando no estás cerca … Vielen Dank an Fabian Esteban Osorio für die Übersetzung!

Folie1Ich möchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass dieses in mittlerweile sechs Sprachen erhältliche Buch als eine eindeutige Liebeserklärung verschenkt werden kann. Seine Originalität erkennt man daran, dass kein einziges Mal der Satz „Ich liebe dich.“ darin vorkommt.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/cuando-no-est-s-cerca-fabian-williges-9783745069532/64663
http://www.gutenberg.org/ebooks/36770Sun and Saddle Leather als freies Ebook
https://archive.org/details/sun_saddle_leather_eh_1411_librivox/Sun and Saddle Leather als freies Hörbuch

Todestage von Weltveränderern

Die Welt verändern! Einen Anstoß geben, der die Kugel in eine andere – und hoffentlich zukunftsträchtigere – Richtung weiterrollen lässt. Das ist der Traum vieler Menschen. Ich muss gestehen, dass ich wohl auch in diese Gruppe gehöre; in die der Träumer. Nun ist nicht jede Veränderung gleich eine Verbesserung. Im Wandel der Zeit kann sich die Bewertung ändern. Und oft sind sich unterschiedliche Interessengruppen gar nicht einig über die Bewertung einer Veränderung. So oder so, die fünf Personen auf meiner Top-Five-Liste heutiger Todestage haben diese Welt verändert zurückgelassen.

  • Johann Baptist Strauss (1825–1899) – Der Walzerkönig von Wien. Sein gleichnamiger Vater zeichnet verantwortlich für den Radetzky-Marsch, er schrieb die großen Walzer wie An der schönen blauen Donau, Wiener Blut und den Kaiser-Walzer sowie Operetten: Die Fledermaus und Der Zigeunerbaron, um nur zwei zu nennen. Langezeit waren romantische Szenen in Filmen ohne seinen musikalischen Beitrag schier unmöglich.
  • Franz Kafka (1883–1924) – Seitdem Max Brod die Texte Kafkas veröffentlichte, ist der Deutschunterricht wieder spannend. Das stimmt so natürlich nicht; denn erstmal waren Kafkas Texte in Nazi-Deutschland verboten. Auch ohne Nobelpreis steht dieses Werk monolithisch in der Landschaft der Weltliteratur.
  • Johannes XXIII. (1881–1963) – Noch unter dem bürgerlichen Namen Angelo Giuseppe Roncalli setzte er sich für Christen in der neu gegründeten Türkei und Juden aus Nazideutschland ein. Als Papst berief er das Zweite Vatikanische Konzil ein, das unter seinem Nachfolger Paul VI. zum Abschluss kam. In seiner letzten Enzyklika Pacem in terris (Friede auf Erden) weist Johannes XXIII. die Akteure des Kalten Krieges daraufhin, dass Streitigkeiten nicht durch Waffengewalt, sondern durch Verträge und Verhandlungen beizulegen sind.

  • Nâzım Hikmet (1902–1963) – Der Dramatiker und Lyriker gilt als Begründer der modernen türkischen Lyrik. Das heißt nicht, dass er zu Lebzeiten in seiner Heimat wohlgelitten gewesen wäre. Er starb im russischen Exzil. 2009 bekam er postum die türkische Staatsbürgerschaft zurück. Die letzte Strophe aus seinem Gedicht Davet (Einladung) kennt man in Deutschland vor allem als Refrain des Liedes Leben einzeln und frei von Hannes Wader.

  • Ruhollah Musawi Chomeini (1902–1989) – Er ist die zentrale Figur der Islamischen Revolution, die 1979 zur Absetzung des Schahs Pahlavi in Persien und zur Gründung der Islamischen Republik Iran führte. Seitdem hieß er Ajatollah und ersetzte das alte Unrechtsregime durch ein neues. Ich persönlich bin ein religiöser Mensch; doch bin ich auch ein Verfechter der Gewaltenteilung. Chomeini sieht das anders. Bereits 1943 schrieb er: Die islamische Regierung ist die Regierung des göttlichen Rechts, und ihre Gesetze können weder gewechselt, noch geändert, noch angefochten werden.

Davet

Dörtnala gelip Uzak Asya’dan
Akdeniz’e bir kısrak başı gibi uzanan
bu memleket, bizim.

Bilekler kan içinde, dişler kenetli, ayaklar çıplak
ve ipek bir halıya benziyen toprak,
bu cehennem, bu cennet bizim.

Kapansın el kapıları, bir daha açılmasın,
yok edin insanın insana kulluğunu,
bu dâvet bizim.

Yaşamak bir ağaç gibi tek ve hür
ve bir orman gibi kardeşçesine,
bu hasret bizim!

Einladung

Dieses Land, das im Galopp aus dem fernen Asien kam
und sich wie ein Stutenkopf ins Mittelmeer streckt,
dieses Land ist unser.

Blutige Handgelenke, zusammengepresste Zähne, nackte Füße,
und die einem seidenen Teppich gleichende Erde,
diese Hölle, dieses Paradies sind unser.

Sich einem andern zu verdingen, damit soll Schluss, endlich Schluss sein,
schafft ab die Knechtschaft des Menschen durch den Menschen!
Diese Einladung ist unser.

Leben! Wie ein Baum, einzeln und frei
und brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist unser!

(Übersetzung von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. In: Hikmet, Nazim; Die Luft ist schwer wie Blei. Hava Kursun Gibi Agir. Gedichte. Übersetzt und herausgegeben von Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Berlin 2000)

Drei weitere Todestage möchte ich nicht unerwähnt lassen, weil auch sie mir wie beim Tod Chomeinis zeigten, dass ich gerade das Ende einer Ära erlebe:

  • Anthony Quinn (1915–2001)
  • David Carradine (1936–2009)
  • Muhammad Ali (1942–2016)

Dark Creature und die Buchmesse

Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen der Leipziger Buchmesse. Ich bin die letzten zwei Tage über das Messegelände getigert. Heute tun mir die Füße weh, so dass ich einen Schreibtischtag einlege, bevor ich abends der Lesung einer guten Freundin beiwohnen werde.

Zu dieser Messe ist beim Verlag Romantruhe in der Anthologie Dark Creature (ISBN 978-3-86473-277-5) der Horror-Website Geisterspiegel.de meine Ballade Der Knappe von Schloss Champtocé erschienen. Die Sammlung enthält Horror-Erzählungen, die nicht ausschließlich fantastisch sind, sondern vielmehr eine historische Grundlage besitzen.

Buchcover Dark-Creature

In meiner Ballade geht es um den hundertfachen Kindermörder Gilles de Rais, der im 15. Jahrhundert erst ein Volksheld des Hundertjährigen Krieges gewesen war. Ich habe mich bemüht, die Ballade ganz im Sinne der klassischen Regeln und Formen zu verfassen. Zum Anfüttern hier zwei der 37 Strophen:

„Ein Fürst ist einem Bauern gleich,
Der baut am Feldrand Schanzen,
Damit sein Volk gedeiht im Reich.
Sein Volk, das sind die Pflanzen.
Hier pflügt er kreuz und quer das Land
Und bildet rohe Häufel.
Das ist kein Mensch mehr mit Verstand
Den lenkt nicht Gottes milde Hand;
Den lenkt ein finstrer Teufel!

Wenn nun der Fürst des Teufels ist
Und tötet statt zu schützen,
Dann darf man, wie man’s wohl ermisst,
Nicht seine Herrschaft stützen.“
Sein Fatum brachte Pierre zum Ort;
Er kann sich nicht verkriechen.
Nun gilt nur eins, ein einzig Wort:
Verübe den Tyrannenmord!
– Wie dereinst bei den Griechen.

Links
http://www.geisterspiegel.de/
http://www.romantruhe.de/
http://www.leipziger-buchmesse.de/

Doppelte Top-Five-Liste von Geburtstagen

Auch auf die Gefahr hin, mich dem Vorwurf der Beliebigkeit auszusetzen, muss ich heute gleich eine weitere Top-Five-Liste von Geburtstagskindern erstellen und sie – bei Überdehnung ihres Namens – um weitere fünf Geburtstagskinder erweitern. Aber auch hier entsteht für mich in der Zusammenstellung und zwischen den Zeilen ein Bild unserer heutigen Welt und meiner Prägung. Gut, eine doppelte Top-Five-Liste von Geburtstagskindern des 18. März in zeitlicher Reihenfolge:

  • Christian Friedrich Hebbel (1813–1863) – Er gehörte zum Kanon meiner Schulzeit. Maria Magdalena hat mich merkwürdig berührt. Seine Sicht auf die Nibelungen wirkt nach. Auch wenn manches Gedicht von ihm heute ein wenig altbacken wirkt, mag ich seine Verse. Den Vorfrühling zitiere ich aus aktuellen Anlass weiter unten.
  • Stephen Grover Cleveland (1837–1908) – Er ist der einzige US-amerikanische Präsident, der seine zwei Amtszeiten nicht direkt hintereinander absolvierte. Er ist der 22. (1885–1889) und der 24. (1893–1897) Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
  • Emilie Kempin-Spyri (1853–1901) – Sie ist die Nichte der Heidi-Autorin Johanna Spyri; aber das bringt ihr nicht den Platz auf dieser Liste. Sie ist die erste Frau, die in der Schweiz als Juristin promovierte und sich habilitierte, letztendlich aber nicht als Anwältin praktizieren durfte. Sie emigrierte in die USA. Damals waren die noch ein Einwanderungsland.
  • Rudolf Christian Karl Diesel (1858–1913) – Er ist der Erfinder des Dieselmotors, einem Motor, der in den letzten Jahren arg in Verruf geraten ist. Hoffen wir, dass die Zeit der Verbrennungsmotoren tatsächlich bald vorbei ist!
  • Arthur Neville Chamberlain (1869–1940) – Den britischen Premier kennt man aus dem Geschichtsunterricht. Seine Appeasement-Politik machte Hitler vielleicht stärker, mit Sicherheit stellte sie ihm nicht genug entgegen. Daran muss ich heute häufiger denken: Syrien, Türkei, Russland, USA, Ungarn, Polen …
  • Kurt Erich Ohser (1903–1944) – Man kennt ihn eher unter seinem Pseudonym e.o.plauen, noch markanter sind seine Bildergeschichten von Vater und Sohn. Ohser wurde als Regimegegner denunziert und erhängte sich am Vorabend seines Prozesses vor dem berüchtigten Volksgerichtshof.
  • Charlotte von Mahlsdorf (1928–2002) – Als Lothar Berfelde geboren gründete der berühmteste Transvestit der DDR ein Gründerzeitmuseum, das bis heute Bestand hat. Sein Leben kennt alle Licht- und Schattenseiten, die man sich vom Nationalsozialismus, Kommunismus und der Nachwendezeit vorstellen kann. Eine Galionsfigur der ostdeutschen Schwulenszene mit Bundesverdienstkreuz.
  • Christa Wolf (1929–2011) – die große deutsche Schriftstellerin hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Die Lektüre ihres geteilten Himmels in der 11. Klasse ließ in mir den Entschluss reifen, zum Studium in den Osten zu ziehen. Im Germanistikstudium lernte ich dann Christa T. und Kassandra lieben. Weitere Werke folgten.
  • Anne Will (*1966) – Als Moderatorin der Tagesthemen trat sie in mein Leben. Ihre Talkshow liefert oft Grund zum Ärgern. Aber auch das ist wohl gut so.
  • Charlotte Elisabeth Grace Roche (*1978) – Ich habe sie nie als VIVA-Moderatorin erlebt, ihre Feuchtgebiete nicht ergründet und keine Schoßgebete gen Himmel oder sonst wohin gestoßen. Da sie nun aber heute Geburtstag hat, käme ich mir komisch vor, diese popkulturelle Gestalt nicht zu erwähnen.

Vorfrühling

Wie die Knospe hütend,
Daß sie nicht Blume werde,
Liegts so dumpf und brütend
Über der drängenden Erde.

Wolkenmassen ballten
Sich der Sonne entgegen,
Doch durch tausend Spalten
Dringt der befruchtende Segen.

Glühnde Düfte ringeln
In die Höhe sich munter.
Flüchtig grüßend, züngeln
Streifende Lichter herunter.

Daß nun, still erfrischend,
Eins zum andern sich finde,
Rühren, alles mischend,
Sich lebendige Winde.