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Am Vorabend des Ramadan 2020

Heute Abend wird die Sichel des Neumondes zu sehen sein und der Ramadan beginnen, die Fastenzeit der Muslime. Die muslimische Art des Fastens (kein Essen und Trinken zwischen Sonnenauf- und -untergang) stellt schon eine körperliche Herausforderung dar, doch stärker als das Christliche Fasten, was normalerweise heute ein Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten bedeutet. Natürlich ist sie außerdem eine Zeit der inneren Einkehr. Aber – und da unterscheiden sich christliches und muslimischen Fasten – kennt der Ramadan das allabendliche Fastenbrechen. Und das ist ein soziales Ereignis.

Das Fastenbrechen wird in großen Gruppen begangen oder in der Nachbarschaft. Manche Familien laden sich zum Fastenbrechen einen Fremden ein, den sie wie einen teuren Gast bewirten. Ich kenne das auch als eine Weihnachtstradition. Oft ist es nur noch ein leerer Stuhl, den man für einen weiteren Gast aufstellt – für die einen ist es der Weihnachtsmann (der bekommt dann Milk and Cookies), die anderen warten auf Jesus selbst.

Im Ramadan der letzten Jahre habe ich diese konkrete Gastfreundschaft einige Male (und hier stimmt nun auch Mahle) erleben dürfen. Doch in diesem Jahr wird es wohl nichts geschehen. Denn die Corona-Krise zwingt uns alle zur Vorsicht.

Ich wünsche all meinen muslimischen Freunden dennoch eine glückliche Zeit der Einkehr, des Fastens und des Fastenbrechens, wenn auch in kleinerem Kreis. Ramadan Mubarak!

Ramadan 2020_4

Sharing Ramadan in der VILLA

Für gestern Abend hatte eine Gruppe vom Forum Dialog zum gemeinsamen Fastenbrechen in die VILLA geladen. Das abendliche Fastenbrechen nennt sich Iftar und ist ein Festmahl, das gern auch im großen Kreis eingenommen wird. Nichtmuslime können so islamische Traditionen und Gebräuche kennenlernen – ohne übrigens missioniert zu werden. Ich habe gern teilgenommen. Tieftheologisches muss ich jetzt nicht schreiben. Aber zwei Fotos von mir möchte ich ergänzen (Vielen Dank an Caner Uzun für die schönen Bilder!).

20150601 VILLA Iftar 1

20150601 VILLA Iftar 3

Links
https://www.facebook.com/pg/SharingRamadanDE/
http://forumdialog.org/project/sharing-ramadan/
http://www.caneruzun.com/

Die Bomben, die Liebe und der Kommerz

Seit einer Woche ist Ramadan, der islamische Fastenmonat, der uns christlichen oder auch atheistischen Europäern abwechselnd Kopfschütteln und eine sportliche Anerkennung abnötigt. Aber das soll jetzt hier nicht behandelt werden. Jeden Abend nach Sonnenuntergang ist Iftar, das Fastenbrechen, das je nach Neigung ein festähnliches Essen mit der gesamten Nachbarschaft, ein Festmahl mit der versammelten Großfamilie oder – moderner – ein Fernsehabend mit bereitgestellten Snacks sein kann. Für die letztgenannte Möglichkeit produzieren große Unternehmen eigens einen Ramadan-Werbespot. Wir kennen das auch, von der Advents- und Weihnachtszeit sowie vor dem Osterfest.

Der arabische Telekommunikationsanbieter Zain hat in diesem Jahr etwas Besonderes gewagt. Er zeigt einen Selbstmordattentäter in Vorbereitung, der allerdings von der friedliebenden Bevölkerung gestellt, mit der Unvereinbarkeit seines Handels mit der islamischen Friedensbotschaft konfrontiert und schließlich wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wird. Der Sänger des den gesamten Spot untermalenden Liedes ist der preisgekrönte Hussain Al Jassmi. Im Werbespot treten auch Menschen auf, die von Attentaten der jüngsten Vergangenheit betroffen waren. Ihre Namen sind eingeblendet.

Selbstverständlich kann man nun unterschiedlicher Meinung sein, wie sich das Leid von Anschlagsopfern und Hinterbliebenen mit dem Kommerz eines Telekommunikationsanbieters verträgt. Aber ich möchte heute das Augenmerk auf einen anderen Punkt lenken. In Europa wünschen wir uns immer wieder Zeichen der Ablehnung gegenüber islamistischen Terror – auch und gerade von Akteuren innerhalb der muslimischen Welt.

Diese Werbung zum Ramadan ist eine deutliche Botschaft für den Frieden und die Liebe. Sie verdeutlicht, dass Attentate nicht im Sinne Gottes sind. Sie schürt keinen Hass und will jedem Menschen, auch moralisch Verwirrten und Fehlgeleiteten, einen Platz in der Gesellschaft geben. Mich berührt diese Werbung. Das möchte ich zum heutigen Freitagabend so stehen lassen.

Und meinen muslimischen Freunden wünsche ich weiterhin: Ramadan Mubarak! – !رمضان المبارك