Schlagwort-Archive: Rom

Jahresrückblick

Blick zurück und Blick nach vorn

Das Jahr 2018 hat nur noch wenige Stunde vor sich. Da kann man langsam Rückschau halten. Da ich viel grafisch arbeite, habe ich mir aus meinem Fotoarchiv ein Bild des Jahres 2018 ausgesucht.

Jahresrückblick

Es ein Modell des Titelbildes meines gezeichneten Bilderbuches Wenn du nicht da bist …, welches seit dem Jahr 2018 in 18 Sprachen vorliegt. Das habe ich natürlich nicht allein gemacht. Freunde, die ich teilweise schon sehr lange kenne und teilweise erst im endenden Jahr kennengelernt habe, halfen mir bei den Übertragungen in ihre jeweilige Muttersprache. Allein schon für dieses Projekt bin ich dem Jahr 2018 dankbar.

Ich habe dem Foto eine Sepia-Färbung gegeben, da es ein wenig an Gold erinnert. Im kommenden Jahr feiern meine Eltern ihre Goldene Hochzeit. Die Liebe dieser zwei Menschen zueinander hat nicht nur mich und meine Geschwister hervorgebracht, sie ist mir auch ein Modell geworden für zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt und die Ehe als Ein- und Dauerpartnerschaft im Besonderen.

Anfang 2018 durfte ich als Trauzeuge einem guten Freund und seiner Braut eine ganz ähnliche Zukunft wünschen. Ich wäre zu der Feier in jedes Provinznest gefahren. Versprochen! Tatsächlich fand sie auf dem Kapitolinischen Hügel mitten in Rom statt. Das ist auf jeden Fall eine Erinnerung an 2018, die bleiben wird.

Ich weiß auch, dass nicht jedes Paar, das verliebt in die Ehe hineingeht, auch ein Leben lang in diesem Zustand verharrt. Meine Langzeitprojekt Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien beschäftigt sich ja damit. Ende 2017 habe ich den ersten Abschlussband veröffentlicht. Anfang 2019 wird der zweite und damit letzte Band erscheinen. Die Kraft dazu hat mir das noch laufende Jahr gegeben oder zumindest nicht nehmen können.

Gerade erst vor wenigen Wochen hat eine gute Freundin ihre Mutter verloren. So enden langjährige Beziehungen. Die Normalität des Todes lässt ihn aber nicht weniger bedrohlich, unheimlich, traurig scheinen. Er reißt Menschen aus unserer Mitte. Wir können es kommentieren, aber wir können es nicht ändern. Bei der nächsten Feier, zu der ich 2019 eingeladen werde, wird ein wichtiger Mensch fehlen. Auch das sieht man in meinem Foto.

Gerade heute fällt mir eine weitere mögliche Bedeutung für dieses Foto ein. Es sieht aus, als wäre in der Mauer vor der Person ein Durchgang, genau für sie gemacht. Vielleicht ist das der Weg zum neuen Jahr. Die kleine Person wird sich schon irgendwie durchwurschteln. Aber es würde auch nicht schaden, wenn sie noch etwas wüchse. Ich frage mich, ob ich im Jahr, aus dem wir heute Nacht gehen werden, wirklich alles gemacht habe, was ich hätte machen können. Habe ich mich meinen Mitmenschen gegenüber richtig verhalten? Habe ich meine Energie in die richtigen Projekte gesteckt? Bei kritischer Würdigung der vergangenen 365 Tage, muss ich gestehen, dass da doch wohl noch erheblich Luft nach oben ist. Das ist ein guter Vorsatz für das anbrechende Jahr: wachsen!

Wachsen – nicht im kapitalistischen Sinne. Da sind unserer Welt doch Grenzen gesteckt, die wir mehr und mehr zu sehen scheinen! Wachsen – in einem inneren, seelischen Sinne. Und auf diesem Gebiet müssen wir uns über Grenzen keine Sorgen machen.

Ich habe das Jahr 2018 mit so vielen guten und freundlichen Menschen verbracht: Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Kursteilnehmer, Besucher von VILLA-Angeboten. Die meisten Begegnungen waren positiv, fruchtbringend, unterhaltend, schön. In einem solchen Kreis von lieben Menschen fühle ich mich gut aufgehoben. Vielen Dank dafür!

Und das nächste Jahr? Was wird 2019 bringen? So Gott will und wir leben, soll es in meiner näheren Umgebung gern so weitergehen. Gegen die großen Weltthemen Hunger, Krieg und Umweltzerstörung werden wir mehr machen müssen. Wir werden über uns hinaus wachsen müssen. Aber heute Abend bin ich voller Zuversicht, dass uns das auch gelingen wird.

Rom und die Kunst – Teil 2

Heute bin ich in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna gewesen. Ich war lange nicht mehr so lange in einem Museum. Aber hier vergisst man einfach die Zeit. Wie passend! Das Konzept der derzeitigen Präsentation der Sammlung steht unter dem Motto: Time is out of joint. Das kommt aus Shakespeares Hamlet. Der Titelgebende Prinz von Dänemark beschreibt die Situation in seinem Heimatland als höchst änderungswürdig:

Let us go in together,
And still your fingers on your lips, I pray.
The time is out of joint—O cursed spite,
That ever I was born to set it right!
Nay, come, let’s go together.

Schlegel übersetzt die Zeit ist aus den Fugen. So ging das Wort in den Sprachschatz deutscher Redewendungen ein. In der Galleria Nazionale ist es für den Besucher aber nicht so gefährlich wie für Adlige am Dänischen Hof. Hier geriet die Zeit auf spielerische Weise aus den Fugen. Vom Oktober 2016 bis April 2018 werden Werke von vor-modernen bis zeitgenössischen Künstlern in einem neuen Zusammenhang präsentiert. Traditionsstränge werden sichtbar. Skurile Situationen entstehen.

klein_DSC_2197

klein_DSC_2308

klein_DSC_2333

klein_DSC_2383

klein_DSC_2388

klein_DSC_2402

Die reguläre Eintrittskarte kostet 10 EUR, der Audioguide 5 EUR. Fotografie ohne Blitz und kommerzielle Interessen ist gestattet. Ein Besuch ist empfehlenswert!

Link
http://www.lagallerianazionale.com/

Rom und die Kunst

Das erste Mal in Rom – seit 27 Jahren. Als Teenager war ich bereits in der Ewigen Stadt, zwei Mal. Daher habe ich heute die großen Ziele wie das Kolosseum und den Vatikan ignoriert. Stattdessen ging ich in eine Kirche aus den frühen 50er-Jahren, in das Etruskische Museum in der Villa Guilia, in den Park der Villa Borghese und durch die Straßen der Innenstadt.

Doch besonderen Eindruck machte ein lebender Künstler, der in seinem museo all‘ aria aperta am Straßenrand nahe dem Mausoleum des Augustus witzige und geistreiche Kunstwerke präsentierte. Er heißt Fausto Delle Chiaie. Ich hatte die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen und ein Porträt von ihm zu schießen. Schließlich bekam ich auch ein kleines Kunstwerk von ihm geschenkt.

Kunst von Fausto Delle Chiaie

Fausto Delle Chiaie

Zum Abschied sagte mit Fausto Delle Chiaie, dass er zwar keine eigene Website hätte, dass ich ihn aber finden würde, wenn ich seinen Namen über Google suchte. Er hatte recht. Auf Ciao Roma gibt es beispielsweise ein Interview mit ihm. Dokumentarfilme sind über ihn gemacht worden. Ein kurzes YouTube-Video verlinke ich hier mal: