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Titel

Yoko Ono in Leipzig

Noch bis zum Sonntag ist die Ausstellung PEACE is POWER im Museum der Bildenden Künste zu sehen. Es ist die umfangreichste Werkschau von Yoko Ono, die bisher für ein deutsches Museum zusammengestellt wurde. Vom 04.04. bis zum 07.07. teilte sich die berühmte Konzeptkünstlerin den Raum mit der Leipziger Bürgersammlung.

Das hat – im kunstwissenschaftlichen Diskurs – ein höchst interessantes Spannungsfeld abgesteckt, in dem auch vom klassischen Gemälde mehr aktueller Bezug eingefordert wird, und von jedem konzeptuellen Stück mehr Beständigkeit.

Besonders frapierend ist da wohl die Arbeit Add Colour Painting (Refugee Boat), bei dem die Besucher aufgefordert sind, einen weißen Raum mit einem geweißten Flüchtlingsboot Farbe zu geben und sich somit am Werk selbst zu beteiligen. Eine Etage darüber sollen die Besucher durch zwei italienische Münzfernrohre nach den für uns unsichtbaren Menschen Ausschau halten, die in kleinen Booten zu uns kommen, um Schutz zu suchen.

Der Mensch, bedroht durch globale Kriege und häusliche Gewalt, seine Verletzlichkeit, sein Überlebenswille, sein Streben nach Heilung steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung, gemeinsam mit der titelgebenden Kraft des Friedens, der Liebe und der Schönheit. Ein kleines Stück vom Himmel konnte man mit nachhause nehmen, in Form eines Puzzlestücks aus einem deutschen Soldatenhelm. Im Café des Museums konnte man Schach spielen, aber ohne dieses polarisierende Schwarz-weiß-Denken. Dass man irgendwann im Spiel durcheinanderkommt, was Freund und Feind und Frontverlauf betrifft, ist – so denke ich mir – wohl intendiert.

Die Stücke mit dezidierter Publikumsbeteiligung sind nach drei Monaten Ausstellungsbetrieb natürlich schon reichlich genutzt, benutzt, abgenutzt. Das soll so sein. Ich habe heute nicht nur Yoko Ono bestaunt, sondern wohl auch Tausende ihrer Besucher – Verehrer und Kritiker. Wieder einmal hat mich Yoko Ono begeistert, zum Lachen gebracht, zum Weinen und vor allem zum Nachdenken. Vielen Dank!

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Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Daher konnte ich nur mit meinem Smartphone fotografieren.

Links
https://artfacts.net/artist/x/74 – Artfacts über Yoko Ono
https://mdbk.de/ – Museum der Bildenden Künste Leipzig

Rom und die Kunst – Teil 2

Heute bin ich in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna gewesen. Ich war lange nicht mehr so lange in einem Museum. Aber hier vergisst man einfach die Zeit. Wie passend! Das Konzept der derzeitigen Präsentation der Sammlung steht unter dem Motto: Time is out of joint. Das kommt aus Shakespeares Hamlet. Der Titelgebende Prinz von Dänemark beschreibt die Situation in seinem Heimatland als höchst änderungswürdig:

Let us go in together,
And still your fingers on your lips, I pray.
The time is out of joint—O cursed spite,
That ever I was born to set it right!
Nay, come, let’s go together.

Schlegel übersetzt die Zeit ist aus den Fugen. So ging das Wort in den Sprachschatz deutscher Redewendungen ein. In der Galleria Nazionale ist es für den Besucher aber nicht so gefährlich wie für Adlige am Dänischen Hof. Hier geriet die Zeit auf spielerische Weise aus den Fugen. Vom Oktober 2016 bis April 2018 werden Werke von vor-modernen bis zeitgenössischen Künstlern in einem neuen Zusammenhang präsentiert. Traditionsstränge werden sichtbar. Skurile Situationen entstehen.

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Die reguläre Eintrittskarte kostet 10 EUR, der Audioguide 5 EUR. Fotografie ohne Blitz und kommerzielle Interessen ist gestattet. Ein Besuch ist empfehlenswert!

Link
http://www.lagallerianazionale.com/