Archiv der Kategorie: Allgemein

Kalender 2022.11 – Konferenz der Vögel

11 Der Rabe

Der Mensch verliert sich oft in fröhlichem Gelaber.
Ein schwarzer Vogel fliegt herbei und krächzt ein ABER.

Im Leben strebt der Mensch nach Reichtum – Geld und Ware.
Was nützt ihm wohl dereinst im Himmel all das BARE?

Geriert er sich vor andren streng als ein Entbehrer,
Lebt er doch insgeheim wie einst der König BERA.

Und schließlich ruht der Mensch allein in seinem Grabe;
Vom Stein darauf erhebt sich brüsk ein großer RABE.

Attentat in Kabul

Heute wurd in Kabul, Afghanistan ein Selbstmordattentat verübt. Besonders perfide daran ist, dass dies in einer Bildungseinrichtung geschah, in der sich junge Menschen auf die Universitätsprüfung vorbereitet haben. Es sind also ausschließlich zivile Opfer, unter denen ein hoher Anteil junger Frauen ist.

Ich kann gerade keine guten Worte dafür finden. Zum Glück habe ich meine spezielle Technik in der bildenden Kunst, um solche Phasen zu überstehen. Ich habe ein Bild gewählt, das heute um die Welt ging. Der junge Mann sitzt erschöpft im Gang eines Krankenhauses, wo Ärzte verzweifelt um das Leben seiner Schwester ringen.

Der Satz dazu bezieht sich auf Hiob/Ayyub, der trotz allen Leides seinen Glauben niemals verlor. Ich lasse ihn in seiner Glaubensfestigkeit eine kurze Pause machen.

20220930 Ayyub ist resting

3000 Years of Longing

Noch bin ich in London. Und hier habe ich einen wunderbaren Film gesehen. Er heißt Three Thousand Years of Longing. Regie führte George Miller, der auch für die Mad-Max-Reihe verantwortlich zeichnet; genau dort liegt auch schon das Problem. Aber davon später mehr.

Tilda Swinton spielt eine einzelgängerische Literaturwissenschaftlerin, die bei einem Aufenthalt in Istanbul ein kleines Glasfläschchen auf einem Basar ersteht. Bei dessen Reinigung im Hotelzimmer zerbricht der Verschluss und heraus kommt ein Dschinn gespielt von Idris Elba.

Kinoplakat

Nun entwickelt sich zwischen den beiden eine ganz besondere Spannung. Der Dschinn bietet seiner Befreierin die obligatorischen Wünsche. Die Literaturwissenschaftlerin kennt die alten Geschichten und weiß, dass die Erfüllung solcher Wünsche doch so leicht ins Unglück führen kann und wähnt sich wunschlos glücklich. Der Dschinn erzählt seine titelgebende 3000-jährige Lebens- und Leidensgeschichte.

Es ist oberflächlich ein Film über Wünsche, das Verlangen, die Liebe. Schon das muss viele Zuschauer enttäuschen. Denn nachdem George Miller gerade mit dem vierten Mad-Max-Teil Fury Road viel Action und Spezialeffekte abgeliefert hat, sind Zuschauer und Londoner Filmkritiker gleichermaßen verwirrt bzw. enttäuscht.

Ich sehe in diesem Film über die Liebe hinaus ein anderes wichtiges Thema: das Verhältnis zwischen Orient und Okzident. Schon auf dem Flug Richtung Istanbul liest Tilda Swintons Charakter The Prophet von Khalil Gibran. Dieser libanesich-US-amerikanische Dichter ist bereits ein Sinnbild für die ost-westliche Verständigung. Die Geschichte des Dschinns beginnt am Hofe des biblischen Salomo, der als Sulaiman auch im Koran als weiser König und Prophet verehrt wird. Im modernen London schließlich kommt der östliche Dschinn nicht gut zurecht und führt quasi eine Art Fernbeziehung mit der westlichen Literaturwissenschaftlerin.

Die Kritiker in England vermissen einen roten Faden, andere wollen mehr Action, den Miller so gut auf die Leinwand bringen kann. Das kann ich nicht so bestätigen. Es gibt zwar in den Rückblicken auf die Geschichte des Dschinns auch ein paar nette Spezialeffekte. Bei Lichte besehen ist es aber ein Kammerspiel mit zwei hervorragenden Schauspielern. Die literarische Vorlage lieferte A. S. Byatt, von der ich noch nichts gelesen habe. Nach dem Film hat aber meine Tante ihren Bücherschrank für mich geöffnet. Ich werde nacharbeiten! Die Kurzgeschichte heißt The Djinn in the Nightingale’s Eye, was ein wunderschöner Titel ist.

Absolute Empfehlung!

Links
https://www.festival-cannes.com/en/festival/films/three-thousand-years-of-longing
https://www.imdb.com/title/tt9198364/

London und die Metaebene

Seit einigen Tagen bin ich in London. Da gibt es natürlich viel zu berichten. Und genau so natürlich habe ich keine Zeit, das alles hier reinzutippen. Also nur sechs Bilder, die alle irgendwie miteinander verbunden sind – auf verschiedenen Ebenen.

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Ein kleiner Tipp: Es hat alles irgendwie mit Joni Mitchell zu tun, von der ich mir heute auch ein Buch mit ihren frühen Songtexten in ihrer Handschrift gekauft habe. Und die zwei Impressionisten hängen nicht in der Tate Modern, wie man durch die Zusammenstellung vielleicht denken könnte.

Die junge Dame auf den mittleren Bildern ist Keely Denham. Ich habe mir ihre CD Blue Leaves gekauft. Auf einer anderen EP interpretiert sie ein Lied von Joni Mitchell 😉

Links
https://courtauld.ac.uk/gallery/
https://www.tate.org.uk/
https://www.keelydenham.com/

Alive and Kicking in der Psychiatrie

Den heutigen Tag habe ich rumgebracht, indem ich mich für eine Serie dem Binge Watching hingab: Alive and Kicking. Es geht um den Ausbruch von 5 Teenagern aus einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt.

Der Schöpfer dieser Serie ist der Spanier Alber Espinosa, der mit der Krankenhausserie Polseres vermelles / Red Band Society / Club der roten Bänder seine eigene frühe Krebserkrankung verarbeitet hat. Neben dem spanischen Original gibt es ein US-amerikanisches und ein deutsches Remake. Ich empfehle aber das Original.

Nun also Alive and Kicking. Was ist es immer wieder mit den Namen? Die Romanvorlage von Espinosa heißt Was ich dir sagen werde, wenn ich dich wiedersehe. Das ist in der Tat etwas sperrig. Die Serie kam in Spanien unter dem Titel Los espabilados heraus, zu Deutsch: Die Eingeschlossenen. So hätte man die Serie gut nennen können. Sie hatte aber bereits den besagten internationalen Titel verordnet bekommen, der dann auch für das deutsche Fernsehen haften blieb. In den Folgen neben die Akteure aber immer wieder auf ihr Eingeschlossensein Bezug und nennen sich auch in der deutschen Synchronisation die Espabilados. Naja, Konsistenz wird überbewertet und alive and kicking wird allgemein übersetzt mit gesund und munter, hat im Englischen aber eine etwas wehrhaftere Konnotation – das passt zu dieser Serie auch ganz gut.

Beim ganzen Meckern über den Titel der Serie kommt viel zu kurz, dass ich sie sehr gut finde und absolut empfehlen möchte. In der ARD-Mediathek ist sie auf Deutsch und im spanischen Original abrufbar.

In der sechsten Folge nimmt die legendäre Hanna Schygulla als Truckfahrerin Verena die Kinder mit in die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. Dort angekommen suchen die Kinder mithilfe eines Spürhunds und eines alten Spielzeugs das Grab von Verenas Bruder, der anders als sie das KZ nicht überlebt hatte. Der Hund läuft vorbei am Grab von Anne Frank. Auf Verenas Truck steht aufgedruckt: KINDER – komm spielen wir! Und auch wenn es jetzt nacherzählt doch ein bisschen viel ist, passt es doch so richtig in die Serie hinein, auf mehreren Ebenen.

Links
https://www.ardmediathek.de/sendung/alive-and-kicking/staffel-1
https://losespabilados.movistarplus.es/
https://youtu.be/cIj4jY2yCMg – Titellied der Serie

Kalender 2022.06 – Konferenz der Vögel

06 Die Taube

Noah streckt die Arme aus der Gaube.
Er lässt aus seinen Händen eine Taube.
Nun reingewaschen von dem alten Staube,
Nährt ihn sein unerschütterlicher Glaube.
Bald liegt er bloß und trunken in der Laube,
Berauscht vom Wein der ersten neuen Traube
Und jede alte Planke dient als Daube.
Noch aber schaut er suchend nach der Taube.