Archiv der Kategorie: Meinung

John Stuart Mill und die Freiheit

Am 8. Mai 1873 starb der liberale Ökonom und Philosoph John Stuart Mill. Er war ein früher Verfechter der Emanzipation der Frau, überzeugter Anhänger des Utilitarismus und Schöpfer des Wortes Dsytopie zur Bezeichnung einer negativen Utopie.

Heute, am Tag der Befreiung, der, wie Richard von Weizsäcker 1984 sagte, auch ein Tag der Befreiung für Deutschland vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war, möchte ich einen wichtigen Satz von Mill herausheben. Er ist aus seinem Werk On Liberty (1859):

That the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilized community, against his will, is to prevent harm to others.

J. S. Mill nennt dies ein wirklich einfaches Prinzip (one very simple principle). Doch heute reiben wir uns die Schläfen wund, wann und wie denn nun die Freiheit eines Individuums eingeschränkt werden kann, bzw. wann auf offiziellem Weg ermittelt werden darf, ob ein solcher Fall eingetreten sei.

Ich spiele selbstverständlich auf Jan Böhmermann an, dessen Interview in der Wochenzeitung „Die Zeit“ gerade in aller Munde ist. Dem manchmal geistreichen Unterhaltungskünstler hat die große Öffentlichkeit nicht gut getan. Er versteigt sich zu einer Merkel-Kritik, die nur zeigt, dass er – wie viele – den eigentlichen Kern der Sache nicht verstanden hat. Von großen Teilen der Bevölkerung erwarte ich ja nichts anderes. Aber Böhmermann hätte die letzten Tage zum Nachdenken nutzen können.

Filetiert habe die Kanzlerin den Moderator und einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert. Na, das klingt jetzt aber dramatisch. Frau Merkel bekannte, dass das eigentliche Schmähgedicht für sie bewusst verletzend sei. Sie sagte dies dem Präsidenten der Türkei, aber sie sprach doch nicht ex cathedra. Ein solcher Satz hat, auch aus dem Munde der Bundeskanzlerin, keine konstituierende Wirkung. Und dass die Regierung letztendlich ein Verfahren zur Prüfung zulässt, so wie es in geltenden Gesetzen vorgesehen ist, lässt sich in meinen Augen schwer zu einem haltbaren Vorwurf nutzen.

Einen deutschen Ai Weiwei habe Angela Merkel aus ihm gemacht, sagt Böhmermann weiter. Da kann ich ihn beruhigen. Es gibt wohl nichts, was die Kanzlerin machen oder sagen könnte, um Böhmermanns Niveau zu heben, schon gar nicht auf das des großen Ai Weiwei. Selbstverständlich ist eine Voruntersuchung und ein letztendliches Strafverfahren keine angenehme Sache. Und über die menschliche Not Böhmermanns möchte ich mich nicht erheben. Ich glaube aber, Ai Weiwei wäre deutlich glücklicher, wenn er all seine gegen ihn gerichteten Ermittlungen und Verfahren in Deutschland und nach deutschem Recht erdulden müsste. Das sollten wir nicht vergessen.

Wir leben nicht in einer Welt der unbegrenzten Freiheit, die persönliche Freiheit ist genau so beschränkt wie die Presse- und die Kunstfreiheit. Und das ist gut so. Denn die Freiheit, die wir haben, soll für alle gelten.

Eins möchte ich noch sagen: Ich hoffe, dass Jan Böhmermann freigesprochen wird. Ich denke, dass er diese Nummer mit dem Schmähgedicht recht geschickt eingefädelt hat. Ihm liegt – und da muss ich eine Polemik zum Niveau Böhmermanns leicht revidieren – fast etwas Faustisches inne. Wir erinnern uns an der Tragödie zweiten Teil. In seinem letzten Monolog sagt Faust:

Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!

Diese letzten Worte lassen Mephisto an den Sieg der Wette glauben. Doch der Teufel hat nicht genau hingehört; Faust hat im Konjunktiv gesprochen. Ähnlich verhält es sich mit dem Schmähgedicht. Natürlich kann man nicht unter der Überschrift „Ich zeige euch mal, was man nicht machen darf“ ungestraft einen Mord begehen. Aber auf der verbalen Ebene ist ein solches Verfahren statthaft. Sonst befinden wir uns in einer von Monty Python beschriebenen Szene: „Es ist verboten, Jehova zu sagen!“ – Na, wer hat jetzt „Jehova“ gesagt?

Aber das gerichtlich untersuchen zu lassen, muss erlaubt bleiben. Wir leben in einem Rechtsstaat. Der wirkt manchmal etwas schwerfällig. Der Lynchmob ist da deutlich agiler. Möchte jemand tauschen?

Die Freiheit jedes Einzelnen zu bewahren und vor ausufernden Handlungen anderer zu schützen, ist ein fortwährender Aushandlungsprozess. Jan Böhmermann ist dieser Tage zu einem prominenten Beispiel geworden, einen tragischen Helden macht ihn das aber noch lange nicht. Der, nämlich Faust, sagte kurz vor den oben zitierten Worten noch den Satz, mit dem ich meinen Eintrag abschließen möchte:

Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.

10 Jahre Blindgänger – Das Doppelkonzert im Bandhaus Leipzig

Wenn sich 16-Jährige zu einer Band formieren, mögen sie glauben, einen Bund fürs Leben geschlossen zu haben. Doch oft ist dann schon die nächste Freundin wichtiger als die Bandproben, und spätestens der Schulabschluss, die Ausbildung oder der neue Job bedeutet das Aus für das ehrgeizige Projekt. Welche Band überlebt auch nur fünf Jahre?

Mit den Blindgängern stand am Freitag und wieder am Sonnabend eine Gruppe von Musikern vor den jeweils rund 150 Zuschauern, die ihre Ideen nun schon seit zehn Jahren mit Überzeugung, Verve und der nötigen Chuzpe vertreten – und mit geradlinigem Rock ’n’ Roll unterschiedlicher Subgenres.

Zehn Jahre Blindgänger. Darauf kann man schon stolz sein. Doch es verleitet die Fünf nicht zur Hybris. Deshalb nutzten sie ihr Doppelkonzert zum Bandgeburtstag nicht zur ausgelassenen Selbstbeweihräucherung, sondern vielmehr, um sich in der Musiklandschaft der härteren Töne zu verorten. Das Bandhaus der Bandcommunity Leipzig ist dafür genau der richtige Ort. Beide Abende liefen nach der gleichen Dramaturgie: ein Anheizer zu Beginn, dann die immer noch jugendlichen Jubilare und schließlich jeweils ein Headliner, der deutlich macht, dass sich die Blindgänger ganz und gar nicht überschätzen.

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Am Freitag eröffnen Störfall das Feierwochenende mit solidem Metal-Punk und die Crushing Caspars aus Rostock lassen bis Mitternacht mit dem von ihnen geprägten Baltic Sea Hardcore das Bandhaus wackeln. Zum Sonnabend machen die Stoner Shotgun Valium aus Erfurt den Anfang. In tiefster Nacht geben sich zum Abschluss die Nitrogods die Ehre: Harter Rock mit Anklängen von Bluesrock und Psychobilly. An beiden Abenden spielen die Blindgänger an zweiter Stelle. Und an beiden Abenden haben sie völlig unterschiedliche Setlists. Da zeigt sich die umfangreiche Bandgeschichte. Sie sind die zehn Jahre eben alles andere als untätig gewesen.

Nur ein Lied wiederholt sich: „Da faucht der Aal“ von dem im Herbst 2012 erschienenen Album „Antrieb“. Würde dieser Teil der Musikszene in Singleauskopplungen denken, wäre das wohl ihr Top-Seller. Der Titel kommt von einer Äußerung des Techniker-Titan und Anker Urgestein Flori, der die Blindgänger beim Courage Jugendfestival 2011 ins Herz geschlossen hatte. Flori starb 2014 völlig überraschend. Hier war ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt.

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Die Spielfreude ist den fünf jungen Männern immer anzumerken. Im Hintergrund sitzt Das Uhrwerk und gibt den Takt vor. Bereits nach wenigen Liedern spielt er mit freiem Oberkörper. Der Bass wird in vielen Bands vom ruhigsten und trockensten Typen gespielt. Nicht so bei den Blindgängern. Marv Vader zeigt in jedem Augenblick, wie Hardrock der späten 70er und frühen 80er gespielt werden muss. Nach dem Konzert habe ich selbst einmal versucht, so breitbeinig zu stehen und headbangend einen imaginären Bass zwischen meinen Beinen baumelnd zu spielen. Es ist schier unmöglich, so den Takt zu halten, aber Marv gelingt das spielend. The Holy Matze und Mr. Longneck an den Gitarren geben dem Sound der Band, was er für heutigen Rock braucht – die Mischung aus ständigem und harten Schlag und aufjaulenden Spitzen. Schließlich El Rich, der als Sänger eine echte Rampensau von großem Format ist. Zwischen den Songs gibt er noch ein paar Sprüche, widmet die Hälfte des Konzerts dem jüngst verstorbenen Lemmy, und zwischen den Schlucken aus der Bierflasche spuckt er auch mal ins Publikum. Ein paar Tropfen landeten auch auf meinem Gesicht. Nun bin ich ein Gesegneter des Punkrock.

Ich denke gern in Systematiken: Hard Rock, Heavy Metal, Punk, Hardcore. Nach der genauen Musikrichtung der Band gefragt, antwortet mir El Rich nach dem Auftritt: „Mir ist egal, in welche Schublade wir gesteckt werden. Hauptsache die Schublade ist in der Nähe des CD-Players.“ – Das muss ich wohl so hinnehmen.

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Seit zehn Jahren gibt es diese Band. Seit zehn Jahren beobachte ich ihre Entwicklung, mal näher dran, mal weiter weg. Aber was ich an diesem Wochenende gehört habe, überzeugt mich. Sie haben einen weiten Weg zurückgelegt, von den ersten Songs im Proberaum des Soziokulturellen Zentrums „Die VILLA“ über den Sieg beim Bandwettbewerb zum Courage Jugendfesttival bis zum heutigen Jubiläum. Und jetzt möchte ich die Blindgänger auf den großen Festivalbühnen sehen. Wir würden alle gewinnen!

Kämpfen am 1. Mai

Als Freiberufler über die Rechte der Arbeitnehmer zu schwadronieren, ist wohl doch eher unpassend. Nun soll aber der 1. Mai ein Kampftag sein. Wäre heute nicht Sonntag, hätten wir ja trotzdem frei. Wofür kann man kämpfen? Da fallen mir sofort die LGBT-Rechte ein. Der US-amerikanische Singer/Songwriter Tom Goss kämpft ganz charmant für die Gleichstellung Homosexueller. Und seine Lieder kann man sich auch noch gut anhören.

Das Lied Son of a preacher man hat ja schon seit der Aufnahme von Dusty Springfield etwas Schlüpfriges. Nun wird es – meines Wissens erstmalig – in einem schwulen Kontext verwendet. War eigentlich schon länger fällig. Toll! Vielen Dank, Tom Goss!

Macha, ein Alphabet und die Selbstwirksamkeit

Seit Jahren und Jahrzehnten bin ich im Internet. Gehöre ich auch nicht zu der Generation der digital natives, habe ich als Student wichtige Phasen der Computerisierung und der Geburt des Internet mitverfolgen können. Ich habe auch schon seit zwei Jahrzehnten eigene Websites, die ersten noch voller Hochachtung mit fremder Hilfe, die späteren bis heute selbst erstellt.

Ich muss gestehen, ein wenig unzufrieden bin ich mit der Wirksamkeit meiner Aktivitäten. Man schreibt und rackert, aber häufig hat man den Eindruck, es interessiere praktisch niemanden. Doch dann passieren so besondere Dinge, die einen wieder mit dem eigenen Schicksal versöhnen.

Auf der Suche nach einer englischen Übersetzung des Gedichts Mai vom tschechischen Romantiker Karel Hynek Mácha stieß ich auf einen deutschen Blogeintrag aus dem Jahre 2012, in dem ein Alphabet vorgestellt wird, welches wiederum vom mährischen Grafiker Jakub Konvica nach Motiven aus dem Gedicht Máchas entworfen wurde. Und ganz nebenbei steht da, dass man das Gedicht auf Deutsch auf der Website vatermoerder.de lesen könne – mit Link.

Schön!

http://seite360.de/2012/03/13/handgezeichnetes-alphabet/
http://kyuu.eu/may.htm

Terezin/Theresienstadt im Frühling

Ich bin dieser tage ein wenig blogschreibfaul geworden. Auch heute wird es keinen langen Eintrag geben, nur eine kurze Wasserstandsmeldung. Am Wochenende war ich in Tschechien gemeinsam mit dem neuseeländischen Dichter David Howard, der sich für zwei Monate in Prag aufhält. Ich habe ihm zwei Orte zeigen dürfen, die ich für wichtige Stätten der tschechischen Geschichte halte: Litoměřice (Leitmeritz) und Terezín (Theresienstadt).

In Litoměřice besuchten wir eine Kunstausstellung. Arbeiten von Josef Lada (1887–1957). Den Namen werden wohl nur sehr wenige kennen. Einige seiner Bilder sind aber recht bekannt. Tschechische Kinderbücher wurden von ihm geschrieben und gemalt, z.B. die Geschichte vom Kater Mikesch. Und von ihm stammen auch die sehr bekannten Bilder zu den Abenteuern des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav Hašek.

20160402_155125David und mich hat die Besichtigung des KZ Theresienstadt sehr bedrückt. Auf dem Bild sind Pappurnen zu sehen, in denen die Asche der verbrannten Insassen aufbewahrt wurden. Theresienstadt war eine besondere Perversion der Nationalsozialisten. Es wurde als Muster-Anlage sogar der internationalen Öffentlichkeit vorgeführt. Eine Delegation des Roten Kreuzes inspizierte 1944 das Lager, ohne jedoch mit den Häftlingen zu sprechen. Die Nazis machten daraus einen Propagandafilm über das KZ: Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet. Bekannt ist daraus der schäbige Satz: „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“

Es ist so passend, gerade heute darüber zu schreiben. Heute vor 75 Jahren wurde der NS-Propagandafilm Ohm Krüger in Berlin uraufgeführt. Darin werden die südafrikanischen Buren als edle Opfer britisch-imperialistischer Gewaltherrschaft stilisiert. Emil Jannings spielt die Titelfigur Paul Krüger. Der Film wird im Rahmen von Bildungsveranstaltungen heute noch gezeigt. Vor 25 Jahren verstarb Max Frisch, der sich in seinem Stück Biedermann und die Brandstifter mit unserem Verhalten bei vorhersehbarem Unheil beschäftigt. Man sollte das Stück in Sachsen mal wieder inszenieren.

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Dann fuhren wir weiter nach Prag. Ich habe es genossen, mit dem Dichter, den ich auch schon übersetzt habe, endlich ganz entspannt einen Wein zu trinken und über Gott und die Welt – und natürlich die Lyrik – zu reden. Ein gutes und volles Wochenende war das.

 

 

Links
http://www.litomerice-info.cz/de/
http://galerie-ltm.cz/
http://www.terezin.cz/
http://www.bookcouncil.org.nz/writers/howarddavid.html

Jonas

Heute habe ich über epubli.de das Buch Jonas – Eine Text- und Bilder-Collage veröffentlicht. Geschrieben, gemalt und geklebt habe ich es für meinen Neffen, der eben diesen Namen trägt und im letzten Sommer geboren wurde. Zu seiner Taufe im November habe ich es ihm als Sonderausgabe geschenkt. Jetzt dürfen auch andere Menschen dieses Buch besitzen.

Jonas Cover

In wenigen Wochen wird das Buch über den Buchhandel erhältlich sein. Auch über Amazon kann man das Buch bestellen. Heute ist es bereits im Epubli-Shop verfügbar.

http://www.epubli.de/shop/buch/Jonas-Fabian-Williges-9783737597791/50598

Todestag von Leo Fender

Heute vor 25 Jahren starb Clarence Leonidas Fender. 1909 wurde Leo geboren.1950 baute er die erste Gitarre mit angeschraubtem Hals, der dadurch sehr leicht austauschbar wurde. Im Folgejahr baute er seinen ersten E-Bass. Im Februar 2009 wurde ihm postum für sein die gesamte Rock- und Pop-Musik prägendes Lebenswerk ein Grammy verliehen.

Leo Fender konnte übrigens nicht Gitarre spielen.

Und jetzt gehe ich zur OpenStage in der VILLA. Das passt ja auch irgendwie zu mindestens einem der oben genannten Tatsachen.

Leipziger Buchmesse 2016

Die Buchmesse in Leipzig hat heute begonnen. Ich war mit meiner Kollegin und guten Freundin Kathleen Stemmler unterwegs. Meine Erzählung Lucias Aufbrüche ist eine der vielen Neuerscheinungen, die auf der Messe 2016 vorgestellt werden. Ein anderes ist die Masterarbeit von Robert Steinmüller, die ich zu lektorieren die Ehre hatte. Ein weiteres Bild zeigt mich im Gespräch mit Schülern des Paulsen Gymnasiums in Berlin-Steglitz. Ich bin gespannt auf ihren Beitrag von der Buchmesse.

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Die Fotos wurden von Kathleen gemacht. Vielen Dank!
Morgen geht es wieder auf das Messegelände.

Links
leipziger-buchmesse.de
kathleenstemmler.de
robertsteinmueller.de
paulsengymnasium.de

Lyrik zum Sonntag

Die Lyrik, an sich das sonnigste Musenkind, führt in unserer Zeit ein Schattendasein. Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Gedicht zu lesen? Und wie liest man es? Tatsächlich kann ein Gedicht beim ersten Lesen seine volle Schönheit nicht entfalten. Ich glaube, ein Gedicht muss auswendig aufgesagt werden, um auch für den Sprecher ein Genuss zu werden. Wir kennen das von Pop-Songs, die wir mitsingen wollen oder gar allein unter der Dusche singen.

Der Sprecher und Schauspieler Fritz Stavenhagen hilft uns beim Rezipieren von lyrischen Werken. Er spricht sie ein, und wir können den Text lesen und gleichzeitig von einer geübten und nebenbei bemerkt wohlklingenden Stimme vorgelesen bekommen. Den Namen werden viele nicht kennen. Seine Stimme mag man aber schon im Fernsehen gehört haben, u.a. in Werbeclips. Doch diese Arbeit an den deutschen Gedichten ist ungleich verdienstvoller. Vielen Dank, Fritz Stavenhagen!

Empfehlen möchte ich zwei sehr unterschiedliche Gedichte, die mich heute aber beide sehr berühren. Die Zusammenhänge darf man selber erahnen.

Bitte weiter schmökern und lesen! Wir sollten alle viel mehr Gedichte lesen – und vortragen, proklamieren.

Links
deutschelyrik.de – die Startseite des Projekts Deutsche Lyrik
fritzstavenhagen.de – der Mann hinter dem Projekt (und vor dem Mikrophon)

Sammelsurium im Frühling

Jetzt war schon wieder eine kleine Pause im Blogeintragsrhythmus eingetreten. In der Zwischenzeit bin ich älter geworden und die letzte Woche krank gewesen – erkältet! Ich werde den grippalen Infekt wahrscheinlich überleben, aber schlecht man sich trotzdem, wenn die Nase zu ist und der Hals rau.

Zumal ich Anfang dieser Woche zwei Lesungen aus meiner Erzählung Lucias Aufbrüche hatte; eine in Wathlingen und eine in Peine. Da ist eine Erkältung auf einmal eine Herausforderung. Ist aber gut gegangen, und mittlerweile bin ich auf dem Weg der Besserung.

Was sich momentan nicht bessert, ist die politische Situation in Deutschland, der EU und vor allem der USA. Was wird uns denn von den Republikanern da als Präsidentschaftskandidat angeboten?! Manchmal ist mir nach Lachen, doch meist nach Weinen. Ich musste in den letzten Tagen immer mal an den Roman It can’t happen here des Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis denken, der 1935 halb-satirisch beschreibt, wie in den USA ein rechter Populist zum Präsidenten gewählt wird. Buzz Windrip ist sein Name und er formt die Vereinigten Staaten um zu einem faschistischen Staat. Klaus Mann war seinerzeit begeistert von diesem hellsichtigen Buch. Ich habe mich ein wenig durch das Original gequält. Aber das ist wohl eher meinem Sprachvermögen geschuldet.

Der Titel ist eine ironische Wiederholung der damals weit verbreiteten Ansicht, dass das, was in Nazideutschland geschah, niemals in der Freien Welt passieren könnte. Aus einem ähnlichen Grund gab es 1967 im kalifornischen Palo Alto das Third Wave Experiment, welches heute als 1981er oder 2008er Verfilmung Die Welle bekannt ist. Trevor Noah vergleicht in The Daily Show Donald Trump direkt mit Benito Mussolini. Das kann man sich mal anschauen:

Aber ich habe auch eine schöne Seite gefunden, die ganz erfreuliche Dinge zeigt. Auf Our World in Data werden zu verschiedenen Themenkomplexen Daten visualisiert. Auch die Quellen sind jeweils angegeben. Tenor der Website: vieles hat sich zum Guten gewandelt! Wir werden immer älter, die Mordraten sinken und die Intelligenz steigt.

Hoffen wir’s!

Der junge Magier Alexander Merk antwortet allen Ängstlichen auf ihr historisches „Das Boot ist voll“ mit einem sympathischen Zaubertrick, den ich hier zum Abschluss meines heutigen Posts zeigen möchte: