Archiv der Kategorie: Veröffentlichung

Corona und die Abstraktion

Ich habe schon mehrmals hier geschrieben, dass ich leider nicht zu den schnellen Künstler gehöre, die eine veränderte Situation direkt in ein neues Werk umsetzen können.  Ich sitze kin meiner Wohnung und die viele freie Zeit, die ich mir immer gewünscht hatte, kann ich gerade irgendwie nicht nutzen, mein eigentliches Projekt voranzutreiben. Nun, die Situation ist natürlich auch wirklich ungewöhnlich. Da darf auch mal der Unterbewusstsein blockieren.

Um nun nicht nichts zu tun, habe ich gestern Abend ein kleines Experiment durchgeführt, dass man wohl als abstrakte Kunst bezeichnen könnte. Für 36 Felder habe ich gewürfelt, mit welcher Farbe (Rot, Grün, Blau, Gelb, Braun und Schwarz) sie ausgefüllt werden. Für das zweite Blatt habe ich die schwarzen Ergebnisse übertragen und nur die restlichen Felder ausgewürfelt, von denen dann auch wieder welche schwarz wurden usw.

Das Schwarz hat sich also vererbt und wurde in diesen frühlingshaft-grellen Farben so dominant, wie die Isolation zum diesjährigen Osterfest. Ups! Jetzt habe ich es doch getan.

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Todestag von Golo Mann

Heute vor 26 Jahren ist Golo Mann, das dritte von sechs Kindern des Nobelpreiträgers Thomas Mann. Heute wäre Golo Mann 111 Jahre alt.

Golo Mann teilte mit seinen Geschwistern das Problem, Kind eines berühmten und dominanten Vaters zu sein. Eine autobiographische Skizze beginnt er mit dem Satz: Golo Mann was born as a ,son‘; did not like it; could not help it. Aber er hat sich vom Sohn zu einer Persönlichkeit mit ganz eigener Bedeutung gemausert. Wer über die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts nachdenkt, kommt am Historiker Golo Mann nicht mehr vorbei. Er liegt auf dem Friedhof in Kilchberg am Zürichsee, etwas abseits vom Familiengrab.

Es gibt so viele Texte über die Manns. Da muss ich mich nicht auch noch ausbreiten. Ich möchte viel eher auf eine Publikation hinweisen, die ich in den letzten Wochen beim Autofahren (beginnend auf der Rückfahrt aus Polen zu meinem Geburtstag) als Hörbuch genossen habe. Hörbücher konsumiere ich äußerst selten. Ich lese gerne selbst. Aber dieses Mal ist es eben passiert. Und es hat mir gefallen.

Der Germanist Tilmann Lahme hat neben einer eigenständigen Golo-Mann-Biografie (2009) in einer aufwendigen Arbeit die Briefe der Manns neu und teilweise erstmalige gesichtet und 2015 eine Geschichte der ganzen Familie geschrieben. 2016 kam das Hörbuch heraus, gelesen von Christian Baumann.

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https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-Download/Die-Manns-Geschichte-einer-Familie/Tilmann-Lahme/der-Hoerverlag/e507181.rhd

Symphonie der Großstadt (im Zimmer)

Heute nehme ich zum zweiten Mal an einer Schreibaktion Teil, die unter dem Namen Symphonie der Großstadt Autoren auffordert, 24 Stunden lang auf einem Blog Gedichte und spontan Geschriebenes zu veröffentlichen. Dabei soll man gern auf die Beiträge der anderen eingehen, ihnen antworten, Gedanken fortführen.

Ich halte das für eine sehr gute Idee. Und ich bin gerne mit dabei. Allerdings muss ich gestehen, dass es mir schwer fällt, auf die anderen Texte einzugehen. Ich lese sie. Manche gefallen mir mehr, manche weniger. Aber eine direkte Erwiderung zu schreiben, kommt mir dabei nicht in den Sinn. Und eine Kritik des jeweiligen Textes wäre auch unangebracht.

Egal! Ich mache gern mit, auf die Art, die mir möglich ist. Und dieses Mal war ich nicht der einzige, der sich von tagesaktuellen Meldungen beeinflussen ließ. Ich bringe mal meine drei Beiträge hier gesammelt; dann müsst ihr den anderen Blog nicht durchforsten.

ABCDarius zur Lage

Allgemein bedrohliches Coronavirus
Durchseucht exponentiell fatal Gesellschaften;
Hält inne jedoch,
Kaum lernen Menschen noch
Organisierte Pläne:
Quarantäne – rigoroser Schutz!
Traumatisiert und verängstigt
Werden xenophobische Yuppies
Zahlungsunfähig.

Ein paar Gedanken aus der Einsamkeit der Wohnung in Prosa:

In den nächsten Wochen wird sich zeigen,
ob die digitalen Netze so tragfähig sind,
wie die sozialen Netze aus den Zeiten,
da man sie noch nicht Netzwerke nannte.

Gerade als die virtuellen Netzwerke an Bedeutung gewinnen
und der altmodischste Großvater noch digitalisiert wird,
entdecken junge Menschen die Bedeutung des Realen
und treffen sich trotz ernster Warnungen im Park.

Mit Hinweis auf die Klimakrise werfen die Jungen
den Alten vor, dass sie auf ihre Kosten lebten.
Mit Hinweis auf die Mortalitätsrate bei Covid-19
werfen dies die Alten den Jungen vor.

Kriege, Krisen, Katastrophen brachten im Nachgang
stets einen besonderen technischen Fortschritt.
Wird es diesmal die schon lange diskutierte
Bildungsreform mit digitalen Lernmitteln sein?

In China kann man wieder freier atmen.
In Venedig ist das Wasser der Kanäle klar.
Das Virus ist stärker als die Flugscham.
Aber wie nachhaltig ist dessen Gewalt?

Ist die Menschheit vom Coronavirus befallen
und hoffentlich bald auf dem Wege der Besserung?
Oder ist die Welt vom Menschheitsvirusbefallen
und nach kurzer Besserung auf dem Weg ins Verderben?

Und noch drei Limericks. Je ernster die Lage, desto ausgelassener die Form

Corona-Limerick I
Es war mal ein Markt in Wuhan,
Dort steckten sich einige an.
Dann wurden es mehr
In der Welt, kreuz und quer.
– Das Unheil vom Markt in Wuhan!

Corona-Limerick II
Ein Mann aus dem schönen Cremona
Trug in sich das Virus Corona.
Jedoch ohne Test
Stand dieses nicht fest
Für den krankenden Mann aus Cremona.

Corona-Limerick III
Ein Ehepaar links von der Ruhr
Liebt karnevaleske Kultur
Da küsst man so gern
Jede Frau, jeden Herrn
Für Ärzte wurd’ dies zur Tortur.

Link
https://symphoniedergrossstadt.wordpress.com/

John & Yokos Hochzeitstag

Jeden Tag könnte man eine lange Betrachtung über Wellen von Viruserkrankungen schreiben, über menschliches Verhalten in Krisenzeiten oder wieviel Zwang notwenidg ist, um eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft vor sich selbst zu schützen. Danach steht mir aber nicht der Sinn. Ich möchte heute auch keinen Geburtstagskindern gratulieren, die ihre Feier heute bitte im kleinen Kreis ausrichten.

Heute, am Frühjahres-Äquinoktium des Jahres 2020, möchte ich Yoko Ono und John Lennon † zum Hochzeitstag gratulieren. Die Biografien dieser beiden großartigen Menschen und Künstler muss ich sicher nicht wiedergeben. Am 9. November 1966 lernten sie sich in einer Galerie kennen, die Werke von Yoko Ono zeigte. Im November 1968 lies sich Lennon von seiner Ehefrau schreiden. Bis zum Februar 1969 dauerte Onos Scheidung von ihrem zweiten Ehemann Anthony Cox. Am 20. März 1969 sollte dann die Hochzeit in Gibraltar stattfinden.

Für die Jungend Europas, welche die Beatles verehrte, war Yoko Ono eine Hexe, der man nachsagt, die Beatles auseinandergetrieben zu haben. Das verrät mehr über die europäische Jugend als über das Ehepaar: Mysogonie, Rassismus und schlichtes Unwissen fallen mir da sofort ein. Für John Lennon war die Ehe mit Yoko Ono tatsächlich ein Befreiungsschlag. Endlich hatte er ein Gegenüber gefunden, mit dem er sich weiterentwickeln konnte. Elfeinhalb Jahre dauerte ihre Ehe. Dann wurde John Lennon erschossen. Er starb in Armen seiner Ehefrau.

Zum 30. Hochzeitstag veröffentlichte Gibraltar zwei Sondermarken, die kaum eindrücklicher zeigen können, wie sehr Yoko Ono immer noch ausgeschlossen wird, wenn sich europäische Musikfans dem John-Lennon-Kult widmen. Das hätte vor allem ihr Idol John Lennon nicht gewollt.

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Corona – Wissen und Fühlen

Heute hat mein letzter aktueller Auftraggeber seine Tore geschlossen. Jetzt bin ich, wie viele andere im Land, auf mich zurückgeworfen. Ein ungewohntes, völlig neues Gefühl. Ich werde die gewonnene Zeit nutzen, meinen Schreibtisch gründlich aufzuräumen. Vielleicht finde ich auch etwas Muße, mich dem einen oder anderen Projekt zu widmen.

Thematisch werde ich aber nicht bei Corona sein. Ich arbeite langsam. Erst in der Rückschau könnte ich über dieses Frühjahr schreiben. Mein Freund, der bildende Künstler und Musiker Ihsan Abou Said ist da deutlich schneller. Er hat ein Lied eingespielt und ein Video zum tagesaktuellen Thema produziert. Es gefällt mir gut. Schaut doch mal!

Fachliche Fragen zum Coronavirus SARS CoV 2 findet ihr auf folgender Website beantwortet: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

Mayberg aus Leipzig

Das Corona-Virus zwingt uns Vorsicht auf. Die Kanzlerin empfiehlt uns das Enschränken sozialer Kontakte. Abstand halten aus Solidarität. Damit ältere und schwächere Mitbürger vor den Folgen einer Infektion bewahrt werden. Das ist Stoff für einen Film, ein Buch oder doch wenigstens ein Lied.

Lieder mit einer ähnlichen Spannung und Widersprüchlichkeit, die nur mit einem Bruch gelöst werden zu können scheint, schreibt und singt der Leipziger Liedermacher Mayberg. An den Montagen sehe ich ihn bei der OpenStage im Keller des soziokulturellen Zentrums Die VILLA. Durch ein Instagram-Posting bin ich auf seinen YouTube-Kanal aufmerksam geworden. Sein neuestes Lied heißt Es ist schön. Das sollten wir jetzt mal hören:

https://youtu.be/bhbopjQEB-w

Die Stimme von Mayberg erinnert mich ein wenig an die von Henning May, dem Sänger von AnnenMayKantereit. Aber vielleicht möchte ich das auch nur, weil der Name so ähnlich klingt. Sie ist doch deutlich weniger rau und ein bisschen wärmer, vielleicht schmachtender. Aber dafür habe ich auch weniger Angst um seine Stimmbänder.
Weiterhin muss ich an den Schweizer Faber denken. Der ist aber lauter. Und ja wohl auch politischer. Aber was kann ich schon schreiben nach ein paar Songs?

Die sind auf jeden Fall so gut, dass ich gerne noch ein zweites Video hier verknüpfe:

https://youtu.be/A9pHiAlOCV8

Ein Tag der Anfänge

Noch ist Januar, der erste Monat des Jahres. Noch fühlt sich das Jahr ein bisschen neu an. Noch kann man mit etwas beginnen, was später einmal, im Rückblick, das persönliche Jahr prägen wird.

In der großen Kultur wird man sich das auch so gedacht haben. Warum sonst ist heute ein Tag der Premieren, Uraufführungen und Erstveröffentlichungen? Es sind so viele, dass ich meine geliebte Liste mal wieder verdoppeln muss. Als eine Top-Ten-Liste der Anfänge in Kunst und Kultur des 29. Januar.

  • 1728 wurde im Lincoln’s Inn Fields Theatre in London das komische Singspiel The Beggar’s Opera von John Gay uraufgeführt (siehe Beitragsbild). Die Musik dazu stellte der deutsche Komponist Johann Christoph Pepusch aus bekannten Arien und Gesängen seiner Zeit. Ziemlich genau 200 Jahre später würde Bertolt Brecht seine Adaption auf die Bühne bringen: Die Dreigroschenoper mit der Musik von Kurt Weil.
  • 1770 wurde in Weimar das komische Singspiel Die Jagd von Johann Adam Hiller uraufgeführt, bevor dieser 1789 zum dritten Bachnachfolger als Thomaskantor wurde. Das Libretto stammt von Christian Felix Weiße, der als der Erfinder der Jugendliteratur gilt und auch sonst in Leipzig kein Unbekannter ist.
  • 1781 findet am Münchner Residenztheater die Uraufführung der Oper Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozart statt. Mozart selbst hielt sie für seine beste Arbeit.
  • 1845 erscheint im New Yorker Evening Mirror erstmalig The Raven, das Gedicht von Edgar Allan Poe. Das Gedicht setzte Maßstäbe im Bereich der Schauerliteratur. Auch die Simpsons haben sich mit diesem Werk auseinandergesetzt (siehe Video).
  • 1917 war die Uraufführung des Dramas Die Bürger von Calais im Neuen Theater in Frankfurt am Main. Es ist der Durchbruch für den Dramatiker Georg Kaiser.
  • 1929 kam die Erstauflage des Romans Im Westen nichts Neues heraus und war durch Vorbestellungen sofort vergriffen. Erich Maria Remarque hatte zwölf Jahre an diesem Buch gearbeitet.
  • 1956 wurde Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Therese Giehse, die bereits Brechts Mutter Courage die erste irdische Gestalt verlieh, spielt die Titelfigur.
  • 1958 erfolgte die Uraufführung des französischen Kriminalfilms Fahrstuhl zum Schafott von Louis Malle. Jean Moreau spielte die Hauptrolle und Miles Davis lieferte die Musik.
  • 1959 war die Uraufführung des zeichentrickfilms Sleeping Beauty (Dornröschen) der Walt Disney Company. Die Musik stammt von Pjotr Iljitsch Tschaikowski.
  • 1964 wurde Stanley Kubricks Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben uraufgeführt. Peter Sellers übernahm gleich mehrere Rollen in diesem Film.