Am letzten Sonntag hat das Soziokulturelle Zentrum Die VILLA ihre diesjährige Spendenrallye eröffnet. Zehn verschiedene Projekte, die unter dem Dach der VILLA entstehen sollen, werden kurz vorgestellt und werben um finanzielle Unterstützung. In vier Etappen schaut der Förderverein, welches Projekt:
a) die größte Spendensumme,
b) die höchste Einzelspende,
c) die meisten Spenden
erhalten hat. Diese Projekte werden dann jeweils mit noch einmal 150 EUR belohnt. Ich finde selbstverständlich alle aufgelisteten Projekte unterstützenswert. Aber mein Herz schlägt besonders für die Neuanschaffung zweier Gitarren für die OpenStage, die jeden Montag im Keller der VILLA stattfindet.
Seit Jahren und Jahrzehnten bin ich im Internet. Gehöre ich auch nicht zu der Generation der digital natives, habe ich als Student wichtige Phasen der Computerisierung und der Geburt des Internet mitverfolgen können. Ich habe auch schon seit zwei Jahrzehnten eigene Websites, die ersten noch voller Hochachtung mit fremder Hilfe, die späteren bis heute selbst erstellt.
Ich muss gestehen, ein wenig unzufrieden bin ich mit der Wirksamkeit meiner Aktivitäten. Man schreibt und rackert, aber häufig hat man den Eindruck, es interessiere praktisch niemanden. Doch dann passieren so besondere Dinge, die einen wieder mit dem eigenen Schicksal versöhnen.
Auf der Suche nach einer englischen Übersetzung des Gedichts Mai vom tschechischen Romantiker Karel Hynek Mácha stieß ich auf einen deutschen Blogeintrag aus dem Jahre 2012, in dem ein Alphabet vorgestellt wird, welches wiederum vom mährischen Grafiker Jakub Konvica nach Motiven aus dem Gedicht Máchas entworfen wurde. Und ganz nebenbei steht da, dass man das Gedicht auf Deutsch auf der Website vatermoerder.de lesen könne – mit Link.
Ich bin dieser tage ein wenig blogschreibfaul geworden. Auch heute wird es keinen langen Eintrag geben, nur eine kurze Wasserstandsmeldung. Am Wochenende war ich in Tschechien gemeinsam mit dem neuseeländischen Dichter David Howard, der sich für zwei Monate in Prag aufhält. Ich habe ihm zwei Orte zeigen dürfen, die ich für wichtige Stätten der tschechischen Geschichte halte: Litoměřice (Leitmeritz) und Terezín (Theresienstadt).
In Litoměřice besuchten wir eine Kunstausstellung. Arbeiten von Josef Lada (1887–1957). Den Namen werden wohl nur sehr wenige kennen. Einige seiner Bilder sind aber recht bekannt. Tschechische Kinderbücher wurden von ihm geschrieben und gemalt, z.B. die Geschichte vom Kater Mikesch. Und von ihm stammen auch die sehr bekannten Bilder zu den Abenteuern des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav Hašek.
David und mich hat die Besichtigung des KZ Theresienstadt sehr bedrückt. Auf dem Bild sind Pappurnen zu sehen, in denen die Asche der verbrannten Insassen aufbewahrt wurden. Theresienstadt war eine besondere Perversion der Nationalsozialisten. Es wurde als Muster-Anlage sogar der internationalen Öffentlichkeit vorgeführt. Eine Delegation des Roten Kreuzes inspizierte 1944 das Lager, ohne jedoch mit den Häftlingen zu sprechen. Die Nazis machten daraus einen Propagandafilm über das KZ: Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet. Bekannt ist daraus der schäbige Satz: „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“
Es ist so passend, gerade heute darüber zu schreiben. Heute vor 75 Jahren wurde der NS-Propagandafilm Ohm Krüger in Berlin uraufgeführt. Darin werden die südafrikanischen Buren als edle Opfer britisch-imperialistischer Gewaltherrschaft stilisiert. Emil Jannings spielt die Titelfigur Paul Krüger. Der Film wird im Rahmen von Bildungsveranstaltungen heute noch gezeigt. Vor 25 Jahren verstarb Max Frisch, der sich in seinem Stück Biedermann und die Brandstifter mit unserem Verhalten bei vorhersehbarem Unheil beschäftigt. Man sollte das Stück in Sachsen mal wieder inszenieren.
Dann fuhren wir weiter nach Prag. Ich habe es genossen, mit dem Dichter, den ich auch schon übersetzt habe, endlich ganz entspannt einen Wein zu trinken und über Gott und die Welt – und natürlich die Lyrik – zu reden. Ein gutes und volles Wochenende war das.
Heute habe ich über epubli.de das Buch Jonas – Eine Text- und Bilder-Collage veröffentlicht. Geschrieben, gemalt und geklebt habe ich es für meinen Neffen, der eben diesen Namen trägt und im letzten Sommer geboren wurde. Zu seiner Taufe im November habe ich es ihm als Sonderausgabe geschenkt. Jetzt dürfen auch andere Menschen dieses Buch besitzen.
In wenigen Wochen wird das Buch über den Buchhandel erhältlich sein. Auch über Amazon kann man das Buch bestellen. Heute ist es bereits im Epubli-Shop verfügbar.
Die Buchmesse in Leipzig hat heute begonnen. Ich war mit meiner Kollegin und guten Freundin Kathleen Stemmler unterwegs. Meine Erzählung Lucias Aufbrüche ist eine der vielen Neuerscheinungen, die auf der Messe 2016 vorgestellt werden. Ein anderes ist die Masterarbeit von Robert Steinmüller, die ich zu lektorieren die Ehre hatte. Ein weiteres Bild zeigt mich im Gespräch mit Schülern des Paulsen Gymnasiums in Berlin-Steglitz. Ich bin gespannt auf ihren Beitrag von der Buchmesse.
Die Fotos wurden von Kathleen gemacht. Vielen Dank!
Morgen geht es wieder auf das Messegelände.
Jetzt war schon wieder eine kleine Pause im Blogeintragsrhythmus eingetreten. In der Zwischenzeit bin ich älter geworden und die letzte Woche krank gewesen – erkältet! Ich werde den grippalen Infekt wahrscheinlich überleben, aber schlecht man sich trotzdem, wenn die Nase zu ist und der Hals rau.
Zumal ich Anfang dieser Woche zwei Lesungen aus meiner Erzählung Lucias Aufbrüche hatte; eine in Wathlingen und eine in Peine. Da ist eine Erkältung auf einmal eine Herausforderung. Ist aber gut gegangen, und mittlerweile bin ich auf dem Weg der Besserung.
Was sich momentan nicht bessert, ist die politische Situation in Deutschland, der EU und vor allem der USA. Was wird uns denn von den Republikanern da als Präsidentschaftskandidat angeboten?! Manchmal ist mir nach Lachen, doch meist nach Weinen. Ich musste in den letzten Tagen immer mal an den Roman It can’t happen here des Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis denken, der 1935 halb-satirisch beschreibt, wie in den USA ein rechter Populist zum Präsidenten gewählt wird. Buzz Windrip ist sein Name und er formt die Vereinigten Staaten um zu einem faschistischen Staat. Klaus Mann war seinerzeit begeistert von diesem hellsichtigen Buch. Ich habe mich ein wenig durch das Original gequält. Aber das ist wohl eher meinem Sprachvermögen geschuldet.
Der Titel ist eine ironische Wiederholung der damals weit verbreiteten Ansicht, dass das, was in Nazideutschland geschah, niemals in der Freien Welt passieren könnte. Aus einem ähnlichen Grund gab es 1967 im kalifornischen Palo Alto das Third Wave Experiment, welches heute als 1981er oder 2008er Verfilmung Die Welle bekannt ist. Trevor Noah vergleicht in The Daily Show Donald Trump direkt mit Benito Mussolini. Das kann man sich mal anschauen:
Aber ich habe auch eine schöne Seite gefunden, die ganz erfreuliche Dinge zeigt. Auf Our World in Data werden zu verschiedenen Themenkomplexen Daten visualisiert. Auch die Quellen sind jeweils angegeben. Tenor der Website: vieles hat sich zum Guten gewandelt! Wir werden immer älter, die Mordraten sinken und die Intelligenz steigt.
Hoffen wir’s!
Der junge Magier Alexander Merk antwortet allen Ängstlichen auf ihr historisches „Das Boot ist voll“ mit einem sympathischen Zaubertrick, den ich hier zum Abschluss meines heutigen Posts zeigen möchte:
Heute wird Yoko Ono 83 Jahre alt. In der deutschen Jugendkultur ist ihr Name immer noch lediglich mit dem John Lennons verbunden. Sie gilt als die Hexe, welche die Beatles auseinander getrieben haben soll. In meinem Freundeskreis ist bekannt, dass ich – obwohl auch großer John-Lennon- und Beatles-Fan – diese Ansicht nicht vertrete.
Yoko Ono ist eine der bedeutendsten Aktionskünstlerinnen, welche bisher auf dieser Erde wandelten. Das ist zugegeben ein wenig schwärmerisch und überschwänglich geraten, dient damit aber nur als Gegengewicht zu all den Schmähungen, welche Ono bisher ertragen musste.
Auf ihre künstlerische Arbeit möchte ich in diesem Beitrag gar nicht eingehen. Mir ist aber am Montag etwas Interessantes passiert, was ich hier kurz schildern möchte. Beim Überprüfen meines Spamordners fiel mir eine E-Mail auf, in der ich als Blogger mit künstlerischem Interesse auf eine Website aufmerksam gemacht werden sollte – speziell auf den Beitrag über Yoko Ono. Das gebe ich hier gerne weiter. Follower bin ich nicht gleich geworden, aber die Beiträge sind tatsächlich gut.
Wikipedia ist 15 Jahre alt. Die Online-Enzyklopädie hat sich von einem Nerd-Projekt zu einem weltweit genutzten Wissensspeicher gemausert. Ich gehöre fast ein Drittel dieser Zeit zu den sogenannten Wikipedianern, welche die Artikel verbessern, erweitern oder gar neue Artikel erstellen.
Am 3. Mai 2011 habe ich zum ersten Mal einen kleinen Fehler ausgebessert, der mir beim Lesen aufgefallen war. Mittlerweile habe ich auch schon eigene Artikel erstellt. Drei davon sind mir besonders wichtig:
Heute kam der Gottesdienst des Deutschlandfunks aus Sankt Jakobi, der Hauptkirche meiner Heimatstadt Peine. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, am Sonntagvormittag einen solchen Gruß aus der Heimat zu bekommen. Und die Tatsache, dass meine Mutter in der Gottesdienstgemeinde gesessen und kräftig mitgesungen hat, steigert eine eher passive Teilnahme am Radio zu einem familiären Ereignis. Ich habe auch schon viele Gottesdienste im Deutschlandfunk gehört. Der Sound in der Neugotischen Kirche ist doch ein besonders guter.
Zu Beginn des Gottesdienstes betonte Pastor Niemann die Schönheit des ausgemalten Innenraumes und der Fenster. Tatsächlich kannte ich die Kirche meine gesamte Kindheit und Jugend über nur schlicht weiß. Erst nach meinem Abitur wurden bei einer Renovierung die Malereien hinter dem Weiß entdeckt, obwohl es in den Archiven durchaus Abbildungen des historischen Innenraumes gab und gibt. Aber der Bevölkerung Peines waren die Malereien aus dem kollektiven Gedächtnis gerutscht. Auf einem Foto von 1904 sah der Innenraum mit Blick auf den Altar so aus:
Wer meine Erzählung Lucias Aufbrüche bereits gelesen hat, erkennt hier die Quelle für ein wichtiges Motiv in der Erzählung. Aber Vorsicht! Die Entdeckung der Malereien hat mich inspiriert. Die Bilder, die ich in meiner Erzählung beschreibe, sind allerdings ganz andere.
In welch strahlender Schönheit der Innenraum sich heute präsentiert, zeigt ein YouTube-Video aus dem Jahr 2012.
Am heutigen Tag im Jahre 1908 starb Wilhelm Busch mit 75 Jahren. Und genau heute wird Joan Baez 75 Jahre alt und erfreut sich, das möchte ich an dieser Stelle dann doch betonen, meines wissens bester Gesundheit. Ich bin gerade zu faul, die Lebensgeschichten dieser beiden Künstler wiederzugeben. Nur auf den ersten Blogeintrag in diesem Jahr wollte ich nun nicht verzichten.
Busch und Baez also – ich bewundere und verehre sie beide. Ich lese die Bildergeschichten und höre die Musik, niemals zusammen, aber beides sehr gern. Und ich entdecke an mir Neidungen, die mal in die eine und mal in die andere RIchtung gehen. Gibt es zynische Visionäre? Kann es solche geben? In der ersten Januarhälfte ist es wohl noch nicht zu spät für gute Vorsätze. Ich möchte gern weniger zynisch und bitter sein und zum Ausgleich mehr Mut und Träume haben! Für mehr Gutmenschentum!