Schlagwort-Archiv: Geschichte

Kerzenpatenschaft des VILLA e.V.

Im Rahmen des Lichtfests Leipzig fand zum sechsten Mal die Aktion Kerzenpatenschaft statt. In diesem Jahr gingen die Spenden in Höhe von 5.000 Euro an den VILLA e.V.

Am 17. November 2025 überreichte Oberbürgermeister Burkhard Jung gemiensam mit Marit Schulz, der Leiterin des Lichtfests Leipzig, den symbolischen Spendenscheck an Oliver Reiner, unseren Geschäftsführer und mich als Vorsitzenden des Fördervereins.

Das »Kuratorium Friedliche Revolution 1989« hatte im Vorfeld entschieden, dass der Spendenerlös aus den Kerzenpatenschaften in diesem Jahr uns zugutekommt.

Oliver Reiner zeigte sich begeistert von der Summe und betonte: »Es braucht diese Orte, wo Menschen wieder zusammenkommen können, wo man Zugehörigkeit erleben kann. Das machen wir – und dafür werden wir auch diese Summe nutzen.«

Neben der Möglichkeit, eine Kerzenpatenschaft zu übernehmen, waren wir am Lichtfest-Abend am 9. Oktober mit einem eigenen Informations-Stand präsent und führten viele anregende Gespräche.

Wir danken allen Unterstützern für ihre Spende! Man kann auch weiterhin spenden.

Schloss Rochsburg

Was für ein schöner Sonntag! Erst begleite ich meinen Verein, den FC Mohajer Leipzig e.V., zum Auswärtsspiel in Großpösna. Dann besichtige ich mit einer guten Freundin das Schloss Rochsburg mit einer Führung durch den Leiter der jüngsten Restaurierungsarbeiten. Aber jetzt bin ich schreibfaul wie die steinerne Dame, der zum Tintenfass irgendwie die Feder fehlt.

Link
https://www.schloss-rochsburg.de/

Ahmadjan und der Wiedehopf

Eine bewegende Lebensgeschichte erzählt von der Tochter

1972 kommt der junge Ahmadjan aus Afghanistan nach Deutschland, um Künstler zu werden. Was folgt, ist eine bunte Irrfahrt; ein bewegtes Leben zwischen Kunst und Krieg, Heimat und Neuanfang, Flucht und Verantwortung, immer auf der Suche nach dem Glück.

Seine beeindruckende Biografie erzählt Ahmadjans Tochter Maren Amini in ihrer Graphic Novel entlang der alten persischen Sage der »Konferenz der Vögel« von Fariduddin Attar. Sie zeigt darin auch die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität und der Geschichte Afganistans, einfühlsam, humorvoll und mit leichtem Strich.

Maren Aminis mit Spannung erwartetes Debüt »Ahmadjan und der Wiedehopf« wurde 2023 mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet.

In die Comic-Zeichnungen hat Maren Amini Kunstwerke ihres Vaters eingearbeitet. Zitate aus der »Konferenz der Vögel« von Fariduddin Attar folgen der Übersetzung von Annemarie Schimmel.

Was für ein großartiges Buch! Maren Amini schreibt ein Buch über den Lebensweg ihres Vaters, des Künstlers Ahmadjan Amini, lehnt diesen Weg an den Weg der Vögel auf der Suche nach ihrem König an, wie ihn der Dichter Fariduddin Attar beschrieben hat, und schafft damit etwas so Großartiges!

Das Buch ist eine Hommage an den Vater, dessen Arbeiten von der Tochter in ihre Zeichnungen verwoben wurde. Das Werk verneigt sich vor der großen und altehrwürdigen persischen Dichtkunst. Und es zeigt einen prägenden Ausschnitt aus der Geschichte Afghanistans, die nciht zuletzt durch den Protagonisten eine deutsch-afghanische Geschichte ist.

Es lässt den weniger geschichtlich Gebildeten aber nicht allein. Ein Glossar erklärt die wichtigsten Situationen und Akteure. Und ein paar Fotos aus dem Leben Ahmadjans bekommen wir auch noch zu sehen.

Absolute Kaufempfehlung!

Zum ersten Mal in Gent

Wenn ich von Leipzig nach London fahre, komme ich an Gent vorbei. Den Namen der Stadt kenne ich natürlich. Aber ich war noch nie in der Stadt – bis zu dieser Fahrt, bei der ich zwei Nächte in Gent verbrachte, um die Stadt endlich persönlich kennenzulernen. Ich könnte viel schreiben und viele Fotos zeigen. Aber ich beschränke mich auf zehn:

Die historische Altstadt von Gent

Nach Gent werde ich auf jeden Fall noch einmal reisen, inshallah.

90 Jahre „Röhm-Putsch“

Heute jährt sich zum 90. Mal das innerparteiliche Morden der NSdAP, das zum vermeintlichen Abwenden des erdachten Röhm-Putsches als Nacht der langen Messer in die Propaganda-Erzählungen von Goebbels und Konsorten eingehen sollte.

Der Hauptmann Ernst Röhm war der Führer der SA und war nach einigen mittleren Skandalen allgemein als Homosexueller bekannt. Erst hatte sich Hitler noch vor seinen Hauptmann gestellt, als man seine privaten Briefe veröffentlicht hatte. Doch am 30. Juni 1934 ließ man ihn fallen und am gleich am Folgetag hinrichten. Tatsächlich finde ich den Röhm ähnlich uninteressant wie Hitler und neuere Personen der aktuellen Tagespolitik.

Spannend und gleichzeitig beschämend war und ist, wie sich die Linke in der Weimarer Republik und dem restlichen Europa zu den Vorkommnissen verhielt. Schon damals forderten einige progressive Kräfte die Streichung des Paragraphen 175 aus dem Strafgesetzbuch, der Homosexualität kriminalisierte. Als aber der SA-Führer geoutet wurde, nutzte man dies, um in Texten und Karikaturen die Nazis als Gruppe schwuler Triebtäter darzustellen.

Als Beispiel soll ein Gedicht von Bertolt Brecht dienen, welches im Dezember 1932 von Ernst Busch aufgenommen und im Januar 1933 veröffentlicht und im März bereits verboten wurde. Es ist allgemein von so bestechend naiv-überheblicher Hoffnung getragen, dass es einem ganz kalt im Herzen wird, es heute mit der aktuellen politischen Lage in der Welt zu hören.

Der Führer sagt: Jetzt kommt der letzte Winter,
nur jetzt nicht schlapp gemacht, ihr müsst marschier’n!
Der Führer fährt voran im Zwölfzylinder.
Marsch, Marsch! ihr dürft die Fühlung nicht verlier’n!

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche.
Man soll’s nicht glauben, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Der Führer sagt: Nur nicht in Lumpen laufen!
Er hat’s ja schon gesagt der Industrie:
Wir wollen neue Uniformen kaufen.
Der Hauptmann Röhm liebt uns nicht ohne die.

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche
Ein bißchen Liebe macht ihn halb so schwer.
Es ist ein hoher Baum die deutsche Eiche.
Und kameradschaftlich sei der Verkehr.

Der Führer hat gesagt, er lebt noch lange,
und er wird älter als der Hindenburg.
Er kommt noch dran, da ist ihm gar nicht bange.
Und drum pressiert’s ihm gar nicht und dadurch

ist es ein langer Weg zum Dritten Reiche.
Es ist unglaublich, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Text: Bertolt Brecht
Musik: „It’s a long way to Tipperary“ (Arrangement: Hanns Eisler)

Die besungenen Uniformen von SA, SS, Wehrmacht und Hitlerjugend wurden vom NSdAP-Mitglied Hugo Ferdinand Boss gefertigt. Maxim Gorki schrieb am 23. Mai 1934 in der Prawda: Ich weise jedoch darauf hin, dass in dem Lande, wo das Proletariat tapfer und erfolgreich wirtschaftet [der Sowjetunion], die die Jugend korrumpierende Homosexualität als sozial verbrecherisch und strafbar angesehen wird, während sie in dem ‚kultivierten‘ Land der großen Philosophen, Gelehrten und Musiker [in Deutschland also] frei und ungestraft waltet. Man hat sogar schon das sarkastische Sprichwort geprägt: „Rottet die Homosexualität aus – und der Faschismus verschwindet.“

Ja, es gäbe noch so vieles zu schreiben über all die Verwicklungen und Verquickungen – doch das überlasse ich Berufeneren wie z.B. dem Soziologen Alexander Zinn mit seinem Buch Die soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten.

Während in der sozialdemokratischen Exilzeitung Volksstimme Ende 1934 behauptet wird, die NSdAP geradezu zur Bewegung der Homosexuellen geworden sei, veröffentlicht Klaus Mann am 24. Dezember 1934 in den Europäischen Heften in Prag seinen Text Die Linke und ‚das Laster‘ einen kritischen Text und mahnt, dass „der Homosexuelle“ im antifaschistischen Europa zu einem ähnlichen Sündenbock stilisiert werde wie „der Jude“ im faschistischen Deutschen Reich.

Link
https://www.queer.de/detail.php?article_id=38595Auf queer.de gibt es einen interessanten Artikel zum 90. Jahrestag der Veröffentlichung von Röhms Briefen am 14. April 1931.

Top-Five-Liste von Geburtstagskindern

Vor einigen Jahren habe ich meinen Blog mit Top-Five-Listen geflutet. Mittlerweile besteht er hauptsächlich aus Kalenderblättern und Fußballbildern. Da wird es wohl Zeit für eine neue Liste, um das Mischungsverhältnis wieder aufzuwerten.

Ich beginne zaghaft mit einer gemischten Liste von Geburtstagskindern, die – mal mehr, mal weniger – mir in meinem Leben begegnet sind (in zeitlicher Reihenfolge der Geburt):

  • Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827) – Mein Erstkontakt mit Pestalozzi war kein rühmlicher. In meiner Heimatstadt gibt es eine Förderschule, die seinen Namen trägt. Und auf dem Pausenhof meiner Grundschule war Pestalozzischüler ein gängiges Schimpfwort.
  • Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) – Die Vergeltung gehört für mich zu den schönsten Balladen in deutscher Sprache. Auf dem Lehrter Gymnasium habe ich sie auswendig gelernt. Einige Strophen habe ich bis heute im Kopf. Unter dieser Liste habe ich sie aber doch nicht getippt, sondern kopiert und eingefügt.
  • Jack London (1876–1916) – Ich war in meiner Jugend kein Karl-May-Fan. Aber die Erzählungen Jack Londons habe ich sehr gern gelesen. Als junger Erwachsener hat mich sein literarischer Umgang mit seinem Alkoholismus fasziniert.
  • David Wechsler (1896–1981) – Der rumänisch-stämmige Psychologe hat die Intelligenzforschung entscheidend voran gebracht. Er schlug vor, den IQ als eine Abweichung vom Mittelwert zu beschreiben. Bis heute ist sein Einfluss auf gängige Intelligenztests spürbar.
  • Maharishi Mahesh Yogi (1918–2008) – Der Begründer der Transzendentalen Meditation wurde in der westlichen Welt vor allem dadurch bekannt, dass u.a. die Beatles ihm nach Indien folgten, nur kurz zwar, aber ausreichend, um der Hippie-Bewegung deutliche Impulse zu geben.

Die Vergeltung.
I.
Der Kapitän steht an der Spiere,
Das Fernrohr in gebräunter Hand,
Dem schwarzgelockten Passagiere
Hat er den Rücken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
Die Beiden wie zwei Pfeiler sehn,
Der Fremde spricht: „was braut da drinnen?“
„Der Teufel,“ brummt der Kapitän.

Da hebt von morschen Balkens Trümmer
Ein Kranker seine feuchte Stirn,
Des Aethers Blau, der See Geflimmer,
Ach, Alles quält sein fiebernd Hirn!
Er läßt die Blicke, schwer und düster,
Entlängs dem harten Pfühle gehn,
Die eingegrabnen Worte liest er:
„Batavia. Fünfhundert Zehn.“

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
Das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn,
Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,
Die Bohlen weichen mit Gestöhn.
„Jesus, Marie! wir sind verloren!“
Vom Mast geschleudert der Matros‘,
Ein dumpfer Krach in Aller Ohren,
Und langsam löst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
Um seinen Balken fest geklemmt,
Da kömmt die Fluth, und eine Strecke
Wird er in’s wüste Meer geschwemmt.
Was nicht geläng‘ der Kräfte Sporne,
Das leistet ihm der starre Krampf,
Und wie ein Narwal mit dem Horne
Schießt fort er durch der Wellen Dampf.

Wie lange so? er weiß es nimmer,
Dann trifft ein Stral des Auges Ball,
Und langsam schwimmt er mit der Trümmer
Auf ödem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! — die Mannschaft! — sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
Dort sieht den Passagier er schwanken
In einer Kiste morschem Kahn.

Armselge Lade! sie wird sinken,
Er strengt die heisre Stimme an:
„Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!“
Und immer näher schwankt’s heran,
Und immer näher treibt die Trümmer,
Wie ein verwehtes Mövennest;
»Courage!« ruft der kranke Schwimmer,
„Mich dünkt ich sehe Land im West!“

Nun rühren sich der Fähren Ende,
Er sieht des fremden Auges Blitz,
Da plötzlich fühlt er starke Hände,
Fühlt wüthend sich gezerrt vom Sitz.
„Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen.“
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
Ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,
Am Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er kräftig sich geschwungen,
Und schaukelt durch das öde Blau,
Er sieht das Land wie Dämmerungen
Enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
Umflattert von der Möve Schrei,
Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

II.
Drei kurze Monde sind verronnen,
Und die Fregatte liegt am Strand,
Wo Mittags sich die Robben sonnen,
Und Bursche klettern über’n Rand,
Den Mädchen ist’s ein Abentheuer
Es zu erschaun vom fernen Riff,
Denn noch zerstört ist nicht geheuer
Das gräuliche Corsarenschiff.

Und vor der Stadt da ist ein Waten,
Ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,
Da die verrufenen Piraten
Ein Jeder sterben sehen will.
Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,
Hat man den Galgen, dicht am Meer,
In wüster Eile aufgezimmert.
Dort dräut er von der Düne her!

Welch ein Getümmel an den Schranken! —
„Da kömmt der Frei — der Hessel jetzt —
Da bringen sie den schwarzen Franken,
Der hat geläugnet bis zuletzt.“
„Schiffbrüchig sey er hergeschwommen,“
Höhnt eine Alte: „Ei, wie kühn!
Doch Keiner sprach zu seinem Frommen,
Die ganze Bande gegen ihn.“

Der Passagier, am Galgen stehend,
Hohläugig, mit zerbrochnem Muth,
Zu jedem Räuber flüstert flehend:
„Was that dir mein unschuldig Blut!
Barmherzigkeit! — so muß ich sterben
Durch des Gesindels Lügenwort,
O mög‘ die Seele euch verderben!“
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten —
Er hört das Summen im Gewühl —
Nun weiß er, daß des Himmels Walten
Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
Will starren nach den Aetherhöhn,
Da liest er an des Galgens Holze:
„Batavia. Fünfhundert Zehn.

Vera Lynn †

Heute starb Dame Vera Lynn, The Forces’ Sweetheart genannt, im Alter von 103 Jahren. Sie hat im Zweiten Weltkrieg die Moral der britischen Truppen gestärkt und die Zivilbevölkerung über die harten Zeiten hinweggetröstet.

Bis heute ist ihr Weltkriegs-Hit We’ll Meet Again unvergessen. Geschrieben wurde das Lied 1939 von Ross Parker und Hughie Charles. Es bleibt aber verbunden mit Vera Lynn. Der bereits vom Tode gezeichente Johnny Cash wählte es als das letzte Lied auf seinem letzten Album The Man Comes Around. Zuletzt beruhigte Königin Elisabeth II. ihre britischen Untertanen in der Corona-Krise mit den Worten: We should take comfort that while we may have more still to endure, better days will return: we will be with our friends again; we will be with our families again; we will meet again.

Noch in der Corona-Krise haben Theater- und Musical-Stars des Londoner West-Ends ein Video gemeinsam mit Vera Lynn erstellt:

Der Vater von Roger Waters fiel im Zweiten Weltkrieg. Für ihn erfüllte sich das Versprechen des glücklichen Wiedersehens nicht. In der Rock-Oper The Wall verarbeitet er den Schmerz darüber in dem kurzen Lied Vera:

Does anybody here remember Vera Lynn?
Remember how she said that
We would meet again
Some sunny day?
Vera! Vera!
What has become of you?
Does anybody else in here
Feel the way I do?

Für mich gehört sie als Sängerin in eine Reihe mit:

  • Marlene Dietrich (1901–1992)
  • Lale Andersen (1905–1972)
  • Zarah Leander (1907–1981)
  • Doris Day (1922–2019)
  • Marilyn Monroe (1926–1962)

Jetzt bleiben uns noch, deren Lieder ich sehr empfehlen kann:

  • Nana Mouskouri (*1934)
  • Fairuz (*1934)

Die Lage der Welt im Spiegel historischer Ereignisse

US-Amerikanische Professoren und Journalisten merkten in den letzten Tag vermehrt an, dass sich die USA in einer besonders kritischen Phase befänden, in der sich drei folgenschwere Phase der amrikanischen Geschichte zu wiederholen scheinen:

  • Die Spanische Grippe von 1918, die allein in den USA zwischen 500.000 und 850.000 Menschen das Leben kostete.
  • Die Great Depression von 1929, die in den USA zu einer Arbeitslosenquote von 23 % geführt hatte.
  • Die Bürgerrechtsbewegung, die häufig mit dem Jahr 1968 und der Ermordung von Martin Luther King assoziiert wird.

Das ist eine beängstigende Mischung; umso mehr als in dieser Zeit der Orientierungslosigkeit und Neubewertung ein Präsident an der Macht ist, der beständig irgendwo zwischen bösartig und blödsinnig changiert.

Wir können den Blick weiten und uns gleichzeitig nur auf diesen einen Tag konzentrieren, um ein ungefähres Bild unserer Lage im Jahr 2020 zu bekommen. Ich habe versucht, historische Ereignisse zu fünf Punkten zu bündeln – einer Top-Five-Liste:

  • Heute ist der Todestag des Hl. Bonifatius (673–755), den man seit Jahrhunderten in der katholischen Kirche als den Apostel der Deutschen verehrt. Und weil ich nicht zwei oder drei Punkt meiner Top-Five-Liste verbrauchen möchte, erwähne ich hier noch das Attentat auf den aussichtsreichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy (1925–1968), dem er am Folgetag erlag, und den von Alzheimer umnebelten Tod des Schauspielers und 40. Präsidenten der USA Ronald Reagan (1911–2004).
  • Am 5. Juni 1851 erschien der erste Teil des Romans Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe (1811–1896) als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift The National Era. Das Werk gilt als ein kultureller Höhepunkt der weißen Anstrengungen zur Abschaffung der Sklaverei in den USA. 10 Jahre später begann der Amerikansiche Bürgerkrieg.
  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterzeichneten am 5. Juni 1945 die Alliierten die Berliner Erklärung und übernahmen damit gemeinsam die oberste Regierungsgewalt in Form des Alliierten Kontrollrats. Im Kalten Krieg war dieses Gremium quasi nicht existent, traf sich allerdings bis 1990 im Zwei-plus-Vier-Vertrag das wiedervereinigte Deutschland ein vollständig souveräner Staat wurde. Ebenfalls an einem 5. Juni, nämlich zwei Jahre nach der Berliner Erklärung, skizzierte der US-amerikanische Außenminister George C. Marshall (1880–1959) seinen Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas vor den Absolventen von Harvard. Der Plan trägt bis heute seinen Namen und brachte ihm 1953 den Friedensnobelpreis ein.
  • Am 5. Juni 1972 wurde in Stockholm die erste Weltumweltkonferenz eröffnet. Dazu riefen die Vereinten Nationen diesen Tag aus zum World Environment Day, der bis heute auch in Deutschland feierlich und nachhaltig begangen wird.
  • Heute vor 39 Jahren wurden in einem Bulletin des US-amrikanischen Centers for Disease Control and Prevention die ersten Fallbeschreibungen von AIDS-Toten veröffentlicht. Damals rang man noch um einen Namen für die Krankheit: 4H Disease war auch im Gespräch, weil als frühe Risikogruppen Haitianer, Homosexuelle, Hämophile (Bluter) und Heroin-Süchtige ausgemacht wurden. Der Spiegel nannte sie die Schwulenpest. Eine tatsächliche Heilung oder Impfung gibt es bis heute nicht. Dennoch ist eine HIV-Infektion in Europa kein Todesurteil mehr.

Die Kirche und das ewige Blaue

Heute vor genau 800 Jahren wurde in Salisbury der Grundstein für The Cathedral Church of St Mary gelegt. Die Kathedrale ist ein frühes Beispiel für den Early English Style, der typisch englischen Ausprägung der Frühgotik. Der 100 Jahre später vollendete Vierungsturm ist heute mit 123 Metern der höchste Kirchturm Englands. Um ihn tragen zu können, wurden die Eckpfeiler der Vierung mit den charakteristischen Scherenbögen versehen, welche die Lasten noch einmal verteilen bzw. ableiten.

Die Kathedrale von Salisbury ist die Vorlage für den Roman Die Säulen der Erde (1989) von Ken Follett, der 2010 in einer deutsch-kanadischen Koproduktion verfilmt wurde. Das nehme ich zum Anlass für eine Top-Five-List von Schriftstellern, die heute Geburtstag haben:

  • Karl Kraus (1874–1936) – Der Dichter und Publizist bemühte sich um einen aufklärenden Journalismus. Für die Hetzblätter prägte er den Begriff Journaille. Heute wissen wir, dass der Kampf um guten Journalismus niemals aufhört.
  • Bruno Apitz (1900–1979) – Der Leipziger war früh Teil der Arbeiterbewegung, erst SPD, dann KPD. Im Nationalsozialismus kam er ins KZ. Sein Roman Nackt unter Wölfen ist bis heute Schulliteratur.
  • Kurt Friedrich Gödel (1906–1978) – Eigentlich ist Gödel Mathematiker und Logiker. Doch sein Nachweis, dass es in hinreichend starken Systemen Aussagen geben muss, die sich weder beweisen noch widerlegen lassen, kann auch in der Literatur und in der Lebenswelt so herrlich angewendet werden. Schließlich beschäftigte sich Gödel auch mit dem Gottesbeweis.
  • Harper Lee (1926–2016) – Sie schrieb nur ein Buch: To Kill a Mockingbird. Aber der wurde verfilmt mit Gregory Peck in der Hauptrolle als aufrechter Amerikaner.
  • Terence David John Pratchett (1948–2015) – Terry Pratchett gehört zu den großen der Fantasy-Literatur, genauer des Teils der Fantasy-Literatur, der man ein gewisses literarisches Niveau zugestehen muss. Und ich schwöre, dass ich wirklich einmal ein Buch von ihm lesen werde!

Die Liste prominenter Geburtstage reisst nicht ab. Heute vor 112 Jahren wurde der Unternehmer Oskar Schindler (1908–1974) geboren. Seine durch Steven Spielberg weltbreühmte Liste von kriegsnotwendigen Zwangsarbeitern rettete vielen Juden in Nazideutschland das Leben. Der Staat Israel erklärte ihn 1993 zu einem Gerechten unter den Völkern. Die von ihm Geretteten übergaben Schindler zum Dank einen Ring, der aus Zahngold gefertig war und einen Satz aus dem Talmud enthielt:

Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Man kann sagen, dass ein weiteres Gebrutstagskind des 28. April den passenden künstlerischen Ausdruck für das 20. Jahrhundert gefunden hat: Yves Klein (1928–1962) und seine Monochromen Vorschläge (siehe Beitragsbild).

Blau war in der Malerei des Mittelalters eine heilige Farbe. Und die Romantiker verzehrten sich in Sehnsucht nach der blauen Blume. Heute ist uns das Blau des Himmels oft noch Sinnbild des Göttlichen oder zumindes des Ewigen. Vor diesem Ewigen werden sich auch die letzten drei Jubilare des heutigen Tages rechtfertigen müssen:

  • António de Oliveira Salazar (1889–1970) – Er war von 1932 an als Ministerpräsident und später auch als Präsident Portugals der Staatsführer einer faschistoiden Diktatur, die erst vier Jahre nach seinem Tode mit der Nelkenrevolution beendet wurde.
  • Karl-Eduard Richard Arthur von Schnitzler (1918–2001) – Der schwarze Kanal war eine Sendung im DDR-Fernsehen. Dort schüttete der hinter vorgehaltener Hand als Sudel-Ede bezeichnete Moderator seine Propaganda über den Kapitalismus aus.
  • Saddam Hussein (1937–2006) – Der Diktator des Irak unterdrückte und mordete Kurden und Schiiten. Er war lange Zeit das Ziehkind des Westens gegen die kommunistischen Einflüsse im Iran und Afghanistan. Als er zu viel wollte und Kuwait besetzte, ließen ihn die USA fallen.