Namenstag des Hl. Joseph von Nazareth

Der Hl. Joseph gehört wohl neben Jesus und Maria zu den bekanntesten Personen des Neuen Testaments. Doch weiß man mehr über seinen Beruf (Zimmermann) als über seine tatsächliche Beziehung zu den beiden anderen. War er der Ehemann Marias, der mit ihr viele Kinder hatte, wie zum Beispiel Jakobus, den „Bruder“ des Herrn? Oder war der alternde Joseph der jungen Maria eher ein väterlicher Freund, der mit ihr die geschlechtslose und nach ihm benannte Josephsehe führte?

Der Stammbaum Jesu, der in den Evangelien nach Matthäus und nach Lukas (unterschiedlich) aufgelistet ist, nennt Joseph als das letzte Glied der Kette, das Jesu Abstammung von König David bezeugen soll. Eine Beweisführung, die bei wortwörtlicher Jungfrauengeburt offenkundig obsolet wäre.

Vielleicht ist das aber auch eine moderne Funktion des Hl. Joseph, uns zu zeigen, dass biologische Vaterschaft am Ende nur für den Genetiker interessant ist. Vater ist, wer die Rolle des Vater annimmt, sie mit Leben füllt und dem Kind gegenüber Verantwortung übernimmt. Joseph hat genau das getan.

In meinem Projekt Vatermörder, an dem ich dieser Tage verstärkt arbeite, beschäftige ich mich mit abwesenden biologischen Vätern und den ihnen folgenden Stiefvätern bis hin zu modernen Patchwork-Familien. Vor allem aber geht es mir darum, was diese Lebenssituation mit den Söhnen macht. Man darf gespannt bleiben.

Der Josephstag war bis in die späten 60er Jahre in Bayern ein gesetzlicher Feiertag, in Italien sogar noch bis 1977. In vielen Kantonen der Schweiz wird er bis heute gefeiert. In manchen Bundesländern Österreichs ist auch heute noch zu Sankt Joseph schulfrei.

Eine schöne Bauernregel verheißt uns nach dem heutigen Sonnentag ein gutes Jahr:

Ist es zu Sankt Joseph klar,
folgt ein gutes Honigjahr.


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