Schlagwort-Archive: Paris

Weihnacht in Corona-Zeiten

2. Januar (9th Day of Xmas)

Für den 2. Januar komme ich noch einmal zurück zu Notr-Dame de Paris. Die Fenster sind einer der großen Schätze dieser Kathedrale. Beim Brand war nicht sicher, ob die Bleihalterungen der Fenster der großen Hitze würden standhalten können. Meines Wissens haben die Fenster – oder zumindest eine großer Teil von ihnen – das Feuer überstanden.

Es ist ein kleiner Fehler in meiner Bildfolge. Von außen zeige ich die Westrosette über dem Hauptportal. Von innen zeige ich die Südrosette. So oder so ist auf jedem Bild eine Madonna mit Jesuskind zu sehen. Und darum geht es uns doch.

DSC_3877 DSC_3883 DSC_3884 Notre Dame Fenster

Weihnacht in Corona-Zeiten

29. Dezember (5th Day of Xmas)

Heute ist der Namenstag von König David. Er ist auch einer der sogenannten Krippenheiligen. Schließlich ist der der menschliche Vorfahr Jesu Christi. Im Lukasevangelium wird darauf hingewiesen. Deshalb mussten Joseph und Maria nach Bethlehem ziehen. Es gibt einige Darstellungen des Stammbaums Jesu, von Isai, dem Vater Davids, bis zu Jesus. Ich habe auf meinen Reisen allerdings keinen solchen fotografiert.

Stattdessen wende ich mich noch einmal Notre-Dame de Paris zu. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Darstellungen den Brand überstanden haben. Auf ihnen sind die Weisen aus dem Morgenland Könige geworden, wie wir sie heute auch oft nennen.

DSC_3899 Krippe DSC_3899

Weihnacht in Corona-Zeiten

27. Dezember (3rd Day of Xmas)

Heute ist der Namenstag des Hl. Johannes, der traditionell sowohl mit dem Evangelisten und Autoren der Offenbarung als auch mit dem Apostel gleichgesetzt wird. Heute weiß man, dass es sich vermutlich um drei verschiedene Personen handelt.

Der Hl. Johannes ist ein sogenannter Krippenheiliger. Das bedeutet, dass man seinen Namenstag möglichst nahe an die Geburt Jesu Christi gesetzt hat, um seine Bedeutung zu betonen.

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Dieses Foto habe ich 2011 in Paris gemacht. Die Madonna mit Blumenstrauß ist Teil der Fassade von Notre-Dame de Paris. Es ist auch das Beitragsbild für diese Reihe. Das Jesuskind hält die Bibel in seinen Händen. Jesus ist das personifizierte Wort Gottes. So steht es am Anfang des Johannesevangeliums:

 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1, 14

Unterwerfung von Michel Houellebecq

Über die letzten freien Tage habe ich Unterwerfung von Michel Houellebecq gelesen. Vor der Lektüre hatte ich die Absicht, eine Ausführliche Rezension zu schreiben. Allein der Erscheinungstermin in Frankreich, in so tragischer Synchronizität mit dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo, gebietet eine Würdigung des Werkes. Die Presse war sich ja auch (vor-)schnell einig, dass in diesem Buch der Islam demaskiert würde und seine schrecklich Fratze zum Vorschein käme.

Gleich vorab: Dem ist nicht so. Und ich habe auch keine große Lust, eine lange und große Rezension zu schreiben. Selbstverständlich ist der Roman gut zu lesen. Houellebecq kann schreiben. Und die Übersetzung ist gelungen. Ich war also einige Zeit gut unterhalten. Doch was bleibt, wenn ich das Buch ausgelesen beiseite lege?

Die Geschichte ist zu Beginn sehr realitätsnah und schlüssig eingeleitet. Durch den Wahlerfolg der Rechten schließen sich bürgerliche und linke mit der fiktiven islamischen Partei zusammen. Mohamed Ben Abbès, der erste moslemische Präsident Frankreichs, wird gewählt. Gegen Ende berührt das Buch religiöse Themen, als die Hauptfigur, der Literaturwissenschaftler François, mit Rediger, dem Rektor der Universität, über seine Wiedereinstellung und seinen Übertritt zum Islam verhandelt. Alles landet aber letztendlich bei der Frage, ob man als moderner Moslem auch weiter Alkohol trinken dürfe, und woher man für die Mehrehe die entsprechend hübschen Frauen bekäme, wenn auf der Straße doch alle verschleiert rumliefen.

Aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel erfahre ich, „[d]er Roman habe ursprünglich die Bekehrung eines mit Huysmans befassten Literaturwissenschaftlers zum Katholizismus zum Thema gehabt und sollte dementsprechend mit Conversion betitelt sein; bei der Durchführung dieses Themas sei er allerdings an den gegenwärtigen Realitäten gescheitert.“

Das scheint mir tatsächlich auch passender zu sein. Denn diese pubertäre Konzentration auf das Sexuelle im Privatleben der Hauptperson angesichts der politischen und kulturellen Veränderungen der Gesellschaft, die im Buch zumindest angedeutet werden, ist bei Lichte besehen doch eher etwas für Menschen, die sich am Katholizismus abarbeiten wollen.

Link
dumont-buchverlag.de/buch/Michel_Houellebecq_Unterwerfung/