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Jahresrückblick 2019

Silvester 2019 – ein Tag auf dem Zeitstrahl. Aber in unserer Kultur ist es üblich, hier den Schnitt anzusetzen. Die Erinnerung unterscheidet zwischen vor und nach diesem Tag, genauer dieser Nacht. Ich möchte auch eine kurze Rückschau halten auf die vergangenen zwölf Monate; zwölf Bilder habe ich mir dafür herausgesucht, die ich mit euch betrachten möchte.

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Ich beginne mit einem Bild aus dem Kalender, der mich und euch im Jahr 2019 begleitet hat. Es waren Porträts aus meinem Projekt Vaterbilder – Gespräche mit Söhnen aus Rumpf- und Patchwork-Familien. Dieses Projekt habe ich im Januar mit dem zweiten Band erfolgreich abgeschlossen. Das lag mir mittlerweile schwer auf der Seele. Bereits 17 Jahre hatte ich daran gearbeitet. Es drohte, ein Dauerprojekt zu werden, welches niemals ein Ende finden würde. Doch das habe ich abgewendet. [http://vaterbilder.de/]

Im Februar ist mein Geburtstag. 2019 habe ich das Geburtstagswochenende dazu genutzt, mich meiner frühen Lebensjahre zu erinnern. Ich war auf dem Wurmberg, dem höchsten Berg Niedersachsens, und verbrachte eine Nacht in meiner Geburtsstadt Hildesheim, bevor ich dann noch meine Eltern besuchte.

Das nächste familiäre Großereignis war die Goldene Hochzeit meiner Eltern. Selbstverständlich war ich in die Organisation eingebunden. Zusätzlich hielt ich einen kleinen Vortrag und leitete eine Schreibwerkstatt mit allen Gästen an. Es war eine sehr schöne Feier, die ich lange in Erinnerung behalten werde.

Ähnlich einprägsam – aber aus anderen Gründen – war die Ausstellung von Yoko Ono in Leipzig. Dazu hatte ich einen eigenen Blog-Eintrag verfasst.

Im Sommer war die Taufe meines Patenkindes Fabian, dem ich als Geschenk ein Märchenbuch überreichen konnte. Der schlaue Dschirtdan stammt ursprünglich aus Aserbaidschan, ist aber mit Hänsel und Gretel aus Deutschland und Nim-Kuni aus Afghanistan verwandt.

Ich habe die Zeit gefunden, an einem anderen Projekt weiterzuarbeiten, das ich immer den Annaberg-Roman nenne. Es geht gar nicht so sehr um Annaberg. Die Stadt ist lediglich die Kulisse, die ich vor mittlerweile zehn Jahren kennenlernen durfte. Meine Recherchen haben mich 2019 nach Naunhof geführt, wo ich auf einen äußerst freundlichen Archivleiter gestoßen bin. Vielen Dank für die Unterstützung!

Im September habe ich meine Tante in London besucht, um mit ihr ihren Geburtstag zu feiern. Wir unternehmen immer viel gemeinsam. Deshalb sind auch die nächsten zwei Bilder noch aus London: die All-gender-Toilette der Tate Modern und mein Selfie vor einem Prom-Konzert in der Royal Abert Hall. [Auch das Beitragsbild stammt vom diesjährigen London-Urlaub und ebenfalls aus der Tate Modern.]

Die nachhaltigste Veränderung 2019 war für mich aber die Begegnung mit dem FC Mohajer Leipzig, einer Fußballmannschaft, deren Spieler alle aus Afghanistan stammen. Da kann ich eigentlich nicht einen Link setzen; denn mein Blog ist voll von Fotos der Spieler und ihrer Gegner. Ich freue mich sehr, dass mich die Spieler so offenherzig und freundlich aufgenommen haben. Die Spieltage bedeuten mir sehr viel. Vielleicht setze ich einen Link zu dem Interkulturellen Fußballturnier des Bürgervereins Gohlis, mit dem für mich alles angefangen hat.

Seit November (bis etwa Mitte Januar 2020) sind meine Spieler-Porträts des FC Mohajer Leipzig im Café der VILLA zu sehen. Die Ausstellung wurde erst mit Vernissage eröffnet, um zwei Tage später noch ein Kicker-Turnier in der Ausstellung abzuhalten. Die Kalenderblätter werde ich natürlich hier auf dem Blog Monat für Monat präsentieren.

Mohammad Mirzayi, der Kapitän der Mannschaft, hat in diesem Jahr das Bistro Etria eröffnet. Es befindet sich in der Rosa-Luxemburg-Straße 10 und hat neben den üblichen Gerichten Döner und Pizza auch besondere Spezialitäten aus Afghanistan auf der Karte. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Das war mein Jahr 2019. Es ist noch mehr passiert. Aber diese zwölf Schlaglichter reichen schon, um mir vor Augen zu führen, wie gut es mir geht. Ich führe ein Leben an einem sicheren Ort in relativem Wohlstand, der mir auch das Reisen gestattet. Ich habe wunderbare Menschen in meinem näheren Umfeld und in der Welt verteilt, mit denen gemeinsam dieses Leben eine Freude ist.

Ich danke Gott für seine Güte und gehe demütig ins neue Jahr. Möge es mit eben so viel Freude beginnen! Ich wünsche uns allen ein gutes Jahr 2020 mit viel Liebe und Vernunft. Es gibt ja auch ein Menge Herausforderungen, auf die ich in meinem Text aber nun einmal nicht eingehen wollte. Gemeinsam werden wir auch dort erfolgreich sein. Inshallah!

Vaterbilder – Band 2

Der zweite und abschließende Band meines Projekts Vaterbilder ist gestern erschienen. Zur Feier dieser Publikation möchte ich hier das Vorwort wiedergeben:

Im Dezember 2002 begann ich mit dem Projekt, das mich fast 17 Jahre lang beschäftigen sollte; erst unter dem reißerischen Titel Vatermörder, später dann und etwas ruhiger als Vaterbilder.

Es ging und geht bis heute um Söhne, die ohne ihren leiblichen Vater aufwachsen. Viele dieser Söhne fanden sich von Projektbeginn an in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Weitere traf ich in meinem beruflichen Umfeld von Soziokultur, sowie Fort- und Weiterbildung.

Im September 2017 veröffentlichte ich endlich die ersten Interviews aus den Jahren 2003 und 2004, gemeinsam mit zwölf grafisch bearbeiteten Porträts der Interviewten. Darüber hinaus konnte ich mit zweien der ehemals jugendlichen Söhne noch einmal sprechen, nachdem sie mittlerweile selbst Väter von Söhnen geworden waren.

Im nun vorliegenden zweiten und abschließenden Band präsentiere ich 24 weitere Interviews, wieder mit zwölf Illustrationen, zu denen ich im letzten Abschnitt noch meine Überlegungen ausführe. Für zwei Gesprächspartner habe ich meine ursprüngliche Altersgrenze von 25 aufgehoben. Ich wollte ihre Lebensgeschichte unbedingt wiedergeben.

Abgerundet wird die Sammlung durch zwei zusätzliche Interviews von Söhnen, die bei ihrem leiblichen Vater, aber ohne ihre Mutter aufwachsen. Einer von ihnen ist der Stiefbruder von zwei Interviewpartnern des ersten Bandes.

Vaterbilder Band 2Alle in diesem Band versammelten Interviews wurden in den Jahren 2004 bis 2017 in Leipzig geführt. Die politischen Umbrüche von 1989/90 wirken hinein bis in die Familien meiner Gesprächspartner, sowie der technische Wandel. In manchen Interviews sind Handys und Computer sehr wichtig, in anderen werden sie noch nicht einmal erwähnt.

Trotzdem habe ich die Interviews nicht zeitlich nach ihrer Entstehung sortiert, sondern nach dem Alter meiner Gesprächspartner, weil mir die sich entwickelnde Sicht der Söhne auf ihren Vater wichtiger schien als die technischen Begleiterscheinungen des 21. Jahrhunderts.

Nach wie vor soll aber nicht eine bestimmte sozialwissenschaftliche Hypothese über die Implikationen der Vaterlosigkeit belegt, sondern die Lebenswelt von Söhnen beleuchtet werden, die in einer Familie aufwachsen, zu der ihr leiblicher Vater nicht zählt.

Die Studioatmosphäre des Interviews vermag es nicht, ein vollständiges Familienbild auszuleuchten, mit all seinen Schattierungen. Der geneigte Leser mag an manchen Stellen – bei besonders konfliktreichen Situationen – eine zweite Perspektive vermissen.

Doch hier steht ausschließlich der vaterlose Sohn im Rampenlicht. Gleich einer Brecht’schen Figur steht er am Bühnenrand und kommentiert das Geschehen für uns. Und wir sind eingeladen, wenigstens für die Dauer der Lektüre, seine Sicht zu teilen.

Nun liegen 17 Jahre der Projektarbeit hinter mir. Gerne sprechen Kreative von ihren Projekten wie von ihren Kindern. Fast volljährig wäre dieser Sohn heute, den ich zu seiner Geburt so vorschnell Vatermörder taufte. Jetzt wird es aber Zeit, ihn in die weite Welt zu entlassen, ihn freizugeben, bevor er sich noch gegen seinen Projektvater wendet.

Links
https://www.epubli.de/shop/buch/Vaterbilder
http://www.vaterbilder.de/

Der erste Monat geht zu Ende

Der erste Monat, den ich diesen Blog betreibe, geht nun zu Ende. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir das so gefällt, wie ich den Blog nutze. Die Frequenz, die Themen und die Art der Behandlung – da ist noch deutlich Luft nach oben.

Allerdings ist es auch noch nicht so gefährlich. Die Adresse kennt ja kaum einer. Ich kann also noch probieren. Ich denke mal, im Sommer werde ich eine Entscheidung fällen. Bis dahin wird es ungefähr so weitergehen wie bisher.

Neben dem Blog arbeite ich am Vatermörder-Projekt, was ich bis zum Frühsommer abgeschlossen haben will. Dann muss ich auch die Website zum Projekt überarbeiten.

Links
vatermoerder.de