Macha, ein Alphabet und die Selbstwirksamkeit

Seit Jahren und Jahrzehnten bin ich im Internet. Gehöre ich auch nicht zu der Generation der digital natives, habe ich als Student wichtige Phasen der Computerisierung und der Geburt des Internet mitverfolgen können. Ich habe auch schon seit zwei Jahrzehnten eigene Websites, die ersten noch voller Hochachtung mit fremder Hilfe, die späteren bis heute selbst erstellt.

Ich muss gestehen, ein wenig unzufrieden bin ich mit der Wirksamkeit meiner Aktivitäten. Man schreibt und rackert, aber häufig hat man den Eindruck, es interessiere praktisch niemanden. Doch dann passieren so besondere Dinge, die einen wieder mit dem eigenen Schicksal versöhnen.

Auf der Suche nach einer englischen Übersetzung des Gedichts Mai vom tschechischen Romantiker Karel Hynek Mácha stieß ich auf einen deutschen Blogeintrag aus dem Jahre 2012, in dem ein Alphabet vorgestellt wird, welches wiederum vom mährischen Grafiker Jakub Konvica nach Motiven aus dem Gedicht Máchas entworfen wurde. Und ganz nebenbei steht da, dass man das Gedicht auf Deutsch auf der Website vatermoerder.de lesen könne – mit Link.

Schön!

http://seite360.de/2012/03/13/handgezeichnetes-alphabet/
http://kyuu.eu/may.htm

Lyrik zum Sonntag

Die Lyrik, an sich das sonnigste Musenkind, führt in unserer Zeit ein Schattendasein. Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Gedicht zu lesen? Und wie liest man es? Tatsächlich kann ein Gedicht beim ersten Lesen seine volle Schönheit nicht entfalten. Ich glaube, ein Gedicht muss auswendig aufgesagt werden, um auch für den Sprecher ein Genuss zu werden. Wir kennen das von Pop-Songs, die wir mitsingen wollen oder gar allein unter der Dusche singen.

Der Sprecher und Schauspieler Fritz Stavenhagen hilft uns beim Rezipieren von lyrischen Werken. Er spricht sie ein, und wir können den Text lesen und gleichzeitig von einer geübten und nebenbei bemerkt wohlklingenden Stimme vorgelesen bekommen. Den Namen werden viele nicht kennen. Seine Stimme mag man aber schon im Fernsehen gehört haben, u.a. in Werbeclips. Doch diese Arbeit an den deutschen Gedichten ist ungleich verdienstvoller. Vielen Dank, Fritz Stavenhagen!

Empfehlen möchte ich zwei sehr unterschiedliche Gedichte, die mich heute aber beide sehr berühren. Die Zusammenhänge darf man selber erahnen.

Bitte weiter schmökern und lesen! Wir sollten alle viel mehr Gedichte lesen – und vortragen, proklamieren.

Links
deutschelyrik.de – die Startseite des Projekts Deutsche Lyrik
fritzstavenhagen.de – der Mann hinter dem Projekt (und vor dem Mikrophon)

Geburtstag von Yoko Ono

Heute wird Yoko Ono 83 Jahre alt. In der deutschen Jugendkultur ist ihr Name immer noch lediglich mit dem John Lennons verbunden. Sie gilt als die Hexe, welche die Beatles auseinander getrieben haben soll. In meinem Freundeskreis ist bekannt, dass ich – obwohl auch großer John-Lennon- und Beatles-Fan – diese Ansicht nicht vertrete.

Yoko Ono ist eine der bedeutendsten Aktionskünstlerinnen, welche bisher auf dieser Erde wandelten. Das ist zugegeben ein wenig schwärmerisch und überschwänglich geraten, dient damit aber nur als Gegengewicht zu all den Schmähungen, welche Ono bisher ertragen musste.

Auf ihre künstlerische Arbeit möchte ich in diesem Beitrag gar nicht eingehen. Mir ist aber am Montag etwas Interessantes passiert, was ich hier kurz schildern möchte. Beim Überprüfen meines Spamordners fiel mir eine E-Mail auf, in der ich als Blogger mit künstlerischem Interesse auf eine Website aufmerksam gemacht werden sollte – speziell auf den Beitrag über Yoko Ono. Das gebe ich hier gerne weiter. Follower bin ich nicht gleich geworden, aber die Beiträge sind tatsächlich gut.

Links
https://www.artsy.net/artist/yoko-ono
https://www.artsy.net/

H. P. Lovecraft in Braunschweig

Mein Bruder ist seit Jahren beim Filmfest in Braunschweig ehrenamtlich aktiv. In diesem Jahr engagiert er sich besonders mit der ersten deutschen Werkschau zu H.P. Lovecraft. Im Vorlauf des Filmfests wurde mein Bruder vom in Dresden ansässigen Deep Red Radio interviewt. Bevor ich jetzt hier Wort an Wort reihe, überlasse ich meinem Bruder das Wort:

Link
drrshow.wordpress.com
filmfest-braunschweig.de

Ein Wochenende im Sommer

Der Sommer ist über Deutschland hereingebrochen. Und ich wollte dieses Wochenende besonders begehen. Ich möchte es nun nicht gleich einen Kurzurlaub nennen. Aber einiges ist schon gewesen, was nicht zu jedem Wochenende passiert.

Der Freitag begann mit einer Autotour nach Potsdam; denn dort besuchte ich die Hauptversammlung der Studio Babelsberg AG. Ich bin alles andere als ein Großaktionär, aber ich erwerbe gern einzelne Aktien von interessanten Unternehmen aus der Umgebung, um an deren Hauptversammlungen teilzunehmen und über wirtschaftliche Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein. Mehr mag ich jetzt nicht dazu schreiben. Nach vier Stunden in einem klimatisierten Kino hat mich das Nachmittagswetter schier erschlagen.

Ich fuhr mit weit geöffneten Fenster über Land nach Coswig in Anhalt. Bisher kannte ich nur den Namen und war noch nie dort gewesen. Sofort fiel mir die St.-Nicolai-Kirche auf, die ich dann auch aufsuchte, schon allein um Kühlung zu erfahren. St. Nicolai ist 1272 als Nonnenkloster erbaut worden und wird nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation seit 1527 als Stadtkirche genutzt. Sie ist das älteste Bauwerk in Coswig. Sofort fällt dem Besucher das barocke Gestühl inklusive Doppelemporen im Chor ins Auge. Der besondere Schatz von St. Nicolai sind aber zwei Werke Lucas Cranachs des Jüngeren sowie ein Abendmahlsbild aus der Cranach-Werkstatt (s.u.).

Abendmahl von einem Cranach-SchülerWährend ich die Kirche besichtigte, arbeitete noch eine Restauratorin am Epitaph für Ritter von Pogk aus dem Jahre 1577, der in seiner Üppigkeit durchaus eine Bseonderheit im reformatorischen Kirchenschmuck darstellt, wie mir die Restauratorin in einer kleinen Pause erklärte. Leider kann ich die Details gar nicht mehr wiedergeben.

Epitaph für Otto von Pogk (1578) von Lucas Cranach dem JüngerenIn Vorbereitung auf das große Reformationsjubiläum 2017 ist die Landesausstellung Sachsen-Anhalts in diesem Jahr Cranach dem Jüngeren gewidmet. Die Region um die Lutherstadt Wittenberg hat viele sogenannter Cranach-Kirchen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

2002 kürte die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler St. Nicolai zur Kirche des Jahres. St. Nicolai ist außerdem eine der Radwegekirchen, über die ich vor kurzem geschrieben habe. Die Radwanderroute 12 – Flämingtour beginnt in Coswig. Die 32 km lange Strecke auf der Mitteldeutschen Kirchenstraße wollte ich aber ungeübt und bei diesen Temperaturen nicht auf mich nehmen. Coswig liegt außerdem am Lutherweg, der in den Bundesländern Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen alle wichtigen Stätten reformatorischen Schaffens und Lebensstationen Luthers verbindet.

 St. Nicolai in Coswig (Anhalt) St. Nicolai in Coswig (Anhalt) St. Nicolai in Coswig (Anhalt)
  Blick auf St. Nicolai Blick auf das Schloss in Coswig Gierfähre auf der Elbe

Das Schloss, das Rathaus und den Marktplatz von Coswig ließ ich links liegen und fuhr an die Elbe hinab zur Fähre. Für 3,50 EUR brachte der Fährmann mein Auto und mich auf das gegenüberliegende Ufer, wo ich auf der Elbterasse Wörlitzer Winkel ein Eis mit heißen Kirschen und dazu einen Eiskaffee genoss. Doch ich überstürze mich. Zunächst war ich noch von der Fähre ganz beeindruckt, die ich von der Terasse aus auch weiter beobachten konnte. Sie ist eine sogenannte Gierfähre. Eine Gierfähre ist an einem Seil fixiert und wird durch Schrägstellung im Fluss allein von der Strömung auf die andere Seite getrieben. So einfach wie genial. Ich frage mich, warum es überhaupt noch Fähren an Flüssen gibt, die mit Diesel betrieben werden.

Den Abschluss des Freitags bildete ein Spaziergang durch Teile des Parks in Wörlitz. Da blieb ich aber nicht mehr so lang. Ich wollte in die heimischen Vier Wände, um mich von der Last der Hitze zu befreien. Da ahnte ich noch nicht, dass mir der folgende Sonnabend – immerhin der Unabhängigkeitstag der USA – zeigen sollte, wie wenig unabhänig ich von so etwas Banalem wie dem Wetter wirklich bin. Ich war nämlich am Sonnabend zu jeder Tat absolut unfähig.

Erst in der Nacht, als es allmählich kühler wurde und sich unsere Fußballnationalmannschaft der Frauen die Niederlage bereits eingestehen musste, ging ich mit einem guten Freund in Die VILLA zu einer schönen Tanzveranstalltung mit düsterer Musik aus den 80er Jahren. In den Grüften soll es ja auch recht kühl sein.

Am Sonntag schaute ich den Film Zimt & Koriander, der das Schicksal einer griechischen Familie aus Istanbul während der Hochphase des Zypernkonflikts beleuchtet. Ich dachte, einen griechischen Film zu gucken, könnte irgendwas bewirken, aber das Ergebniss des Referendums in Griechenland belehrt mich eines Besseren.

Links
cranach2015.de – Landesausstellung Sachsen-Anhalt
mitteldeutsche-kirchenstrasse.de
lutherweg.de
kirchedesjahres.de
kirchenkreis-zerbst.de

Public Radio Exchange

Eine kleine Meldung über eine großartige Entdeckung: PRX – Public Radio Exchange.

Eine Mischung aus Podcast und Bürgerradio, das viele Themen behandelt, zu viele, um sie hier nun alle aufzuzählen. Aufmerksam wurde ich auf die Website durch ein zweistündiges Radiofeature über Joni Mitchell. Dann entdeckte ich noch einmal zwei Stunden über meine Lieblings-Dylan-Platte Blood on the Tracks. Beide Feature sind von Paul Ingles, den ich vorher nicht kannte und jetzt gut finde.

So oder so, mit dieser Seite kann man auf hervorragende Art seine Zeit verschwenden.

Links
beta.prx.org – Public Radio Exchange
beta.prx.org/stories/23531The Emergence of Joni Mitchell
beta.prx.org/stories/136715Right on Target, So Direct: Bob Dylan’s „Blood on the Tracks“

Wann ist Frühling?

Wir warten in jedem Jahr wieder und immer ein wenig ungeduldiger als im Jahr zuvor auf den Frühling. Fast könnte man die ungeduldige Vorfreude der Erwachsenen in diesen Wochen mit der kindlich-adventlichen Erwartung des Weihnachtsfestes vergleichen, wenn sich dies nicht aus jahreszeitlichen und theologischen Gründen ausschlösse. Weihnachten und Ostern fallen eben tatsächlich niemals auf den selben Tag!

Da uns aber der Frühling so wichtig ist, können wir gleich mehrere Frühlingsanfänge feiern. Da bietet sich doch meine geliebte Form der Top-Five-Liste an:

  1. Frühlingsanfang im Kirchenjahr
    Für die Berechnung des Osterfestes ist der Frühlingsanfang wichtig. Der Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, also dem Vollmond nach Frühlingsanfang, ist der Ostersonntag. Bereits beim Konzil von Nicäa wurde das so festegelegt und der Frühlingsanfang auf den 21. März gesetzt. In Abhängigkeit des Monzykluses kann das Osterfest also schon am 22. März beginnen oder aber erst am 25. April. In diesem Jahr wird der Frühlingsvollmond am 4. April sein. Der 5. April ist dann Ostersonntag.
  2. Der phänologische Frühlingsanfang
    Wenn man einen Spaziergang macht, interessieren einen nicht unbedingt Kalender und Berechnungen von bestimmten Terminen. Man schaut in die Natur. Und was man sieht, bestimmt auch, wie man sich fühlt. Brechen die ersten Schneeglöckchen durch den Schnee, beginnt der Vorfrühling. Die gelben Blüten der Forsythie ordnet man dem sogenannten Erstfrühling zu. Die Apfelblüte zeigt uns schließlich gemeinsam mit dem ersten Flieder den Beginn des Vollfrühlings in Mitteleuropa an.
  3. Der astronomische Frühlingsanfang
    Die erste Tag-und-Nacht-Gleiche des Jahres bestimmt den astronomischen Beginn des Frühling; die zweite dann übrigens den Herbstanfang. In diesem Jahr hat der astronomische Frühling bereits gestern am 20. März begonnen.
  4. Der meteorologische Frühlingsanfang
    Die Meteorologen lieben Statistiken. Damit man diese sauber erstellen kann, braucht es klare Zuordnungen. Daher hat die unter dem Dach der UN arbeitende World Meteorological Organization die drei Monate März, April und Mai dem Frühling zugeorndet. Wir sind heute also schon drei Wochen tief im meteorologischen Frühling. (Die Aufteilung der übrigen neun Monate erspare ich mir, um nicht die Intelligenz meiner Leser zu kränken.)
  5. Der ökonomische Frühlingsanfang
    Böse Zungen behaupten, man erkenne den Beginn des Frühlings am Beginn des Sommerschlussverkaufs, da ja im Handel vieles überpünktlich bis absolut unzeitig angeboten würde. So schlimm ist es allerdings noch nicht um uns gestellt. Obwohl saisonale Schlussverkäufe seit 2004 nicht mehr gesetzlich bestimmt werden, haben sich doch bestimmte Zeiten bewahrt (Juli/August für den SSV und Januar/Februar für den WSV). Das Ende des Winterschlussverkaufs ist also eine Art ökonomischer Frühlingsanfang. Ungefähr zur gleichen Zeit halten dann auch Schokoladenosterhasen und Nugateier Einzug in die deutschen Supermärkte.

Ich möchte den heutigen Blogeintrag auch nutzen, um einen anderen Blog kurz vorzustellen. Unter dem Namen Neues aus Philly stellt Anne Sophie Heisig ihre temporäre Wahlheimat Philadelphia vor. Während ihrer ersten Semester der Theologie habe ich sie in Leipzig, genauer beim Gitarrenabend in der VILLA kennengelernt. Sie spielt nämlich Gitarre und hat – nebenbei bemerkt – eine wunderbare Stimme. Nun ist sie für ein Studienjahr in den USA.

In diesem Sommer aber wird sie zurückkommen. Darauf freue ich mich. Gestern hat sie auf ihrem Blog einem Artikel den Titel Warten auf den Frühling gegeben. Dem schließe ich mich an. Der Blog beinhaltet übrigens deutlich weniger Worte und mehr Bilder als mein Blog. Ein kurzer Besuch lohnt sich also.

Link
neues-aus-philly.blogspot.de

Das Ende von Eddy

Heute habe ich nach nur drei Lesetagen (und das ist für mich als extremer Langsamleser ein Rekord) Das Ende von Eddy endgültig aus den Händen gelegt. Und um es gleich vorab kurz zu sagen: Ich bin begeistert!

Buchcover

Im Dezember 2008 wurde der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Initiative Frankreichs und der Niederlande die Erklärung über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität verlesen. 67 der 192 Mitgliedsstaaten unterzeichneten sie, darunter auch die gesamte EU. Die erforderliche Mehrheit wurde jedoch verfehlt. Von Syrien gab es noch am gleichen Tag eine Gegenerklärung, welche von 57 vorwiegend islamischen Staaten unterstützt wurde.

Wir, die westliche Welt, wähnen uns schon die moralischen Sieger in Fragen der Menschenrechte. Wir verachten die in Russland Regierenden für ihre in neue Gesetze geronnene Homophobie. Doch oft erinnert mich die Aufregung an das Jesuswort in der Bergpredigt von Splittern und Balken.

Sind wir eine Tolerante Gesellschaft, weil wir im Fernsehen Abendkleid und Vollbart auch gemeinsam ertragen? Wie steht es mit dem Wechsel von Haute Couture zu Prêt-à-porter? Trägt das dünne Eis der Toleranz hier noch?

Seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Doch Pegida und Co. zeigen uns, was auch in unserer Gesellschaft noch alles wimmelt und wuchert. Das Feuilleton darf weiter überrascht sein. In den Unterschichten wird der Diskurs nicht ganz so feingliedrig geführt, die Sprache nicht ganz so gewählt verwendet. Und ganz gleich, wie viele Zwischenformen dem Anmeldeformular von Facebook abgerungen werden, wer sich nicht wie ein ganzer Kerl benimmt, ist eben eine Tussi.

Der 1992 als Eddy Bellegueule geborene Autor schildert uns auf knappen 200 Seiten das noch junge Leben eines Menschen, der den Weg aus dieser Schicht geschafft hat. Doch wie gefährdet ist sein Weg! – Auch in unserer westlichen Welt. Was kommt alles nicht in diesem Roman vor? Welche Hilfs- und Förderprogramme haben ihn nicht erreicht? Und wie viele Menschen gibt es, deren Geschichte wir nicht kennen, weil sie nie die Möglichkeit erhielten, sie zu erzählen?

Eddy Bellegueule trennt sich von seiner Herkunft ab. 2013 ändert er seinen Namen zu Édouard Louis. Nun gehört er zu den Kreisen, die man mit der Weltstadt Paris verbindet. Doch bleibt ihm die Erinnerung, die ihn auch hier nun nicht vollständig dazugehören lässt. Er selbst sagt in einem Interview, die Pariser Verleger hätten keine Vorstellung von den Verhältnissen in der nordfranzösischen Provinz. Ein Verleger habe sein Manuskript mit Verweis auf die Unglaubwürdigkeit der Geschichte abgelehnt.

Der Spiegel hält zu den Etablierten, wenn man in einer Rezension von Franziska Wolffheim lesen kann, dass man als Leser „tatsächlich mitunter Schwierigkeiten [habe], sich auf diesen etwas holzschnittartig wirkenden Kosmos einzulassen – mag er auch authentisch sein.“

Der franko-kanadische Regisseur und Schauspieler Xavier Dolan hingegen lobt sogar dezidiert die Authentizität der Dialoge. Le Figaro schreibt schließlich: „Es erscheint so selten wie der Halley’sche Komet an unserem Himmel, ein so ungewöhnliches Buch, dass seine schiere Existenz schon einem Wunder gleicht, welches zu beschreiben die Worte fehlen.“

Ein Fachbuch hatte er bereits 2013 im Rahmen seines Soziologiestudiums herausgebracht, über Pierre Bourdieu, und eines 2014 über Michel Foucault. Man könnte ein wenig spotten über den damals noch 21-jährigen Studenten, dessen erstes Belletristisches Werk eine Autobiografie ist. Doch es geht hier nicht um die Aufzählung seiner vermeintlichen Meriten. Es ist ein bedeutendes Überlebenszeugnis. Der Roman wäre schon als reine Schilderung wichtig. Hinzu kommt die Sprache, die viel gelobt, auch in der deutschen Übersetzung überzeugt.

Bereits im Januar 2014 wurde En finir avec Eddy Bellegueule von Édouard Louis in Frankreich veröffentlich. Ins Deutsche übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel ist Das Ende von Eddy bei S. Fischer am 19. Februar 2015 erschienen.

 

Links
edouardlouis.com (auf Französisch)
fischerverlage.de/buch/das_ende_von_eddy
spiegel.de/kultur/literatur/das-ende-von-eddy

Der erste Monat geht zu Ende

Der erste Monat, den ich diesen Blog betreibe, geht nun zu Ende. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir das so gefällt, wie ich den Blog nutze. Die Frequenz, die Themen und die Art der Behandlung – da ist noch deutlich Luft nach oben.

Allerdings ist es auch noch nicht so gefährlich. Die Adresse kennt ja kaum einer. Ich kann also noch probieren. Ich denke mal, im Sommer werde ich eine Entscheidung fällen. Bis dahin wird es ungefähr so weitergehen wie bisher.

Neben dem Blog arbeite ich am Vatermörder-Projekt, was ich bis zum Frühsommer abgeschlossen haben will. Dann muss ich auch die Website zum Projekt überarbeiten.

Links
vatermoerder.de

Hello world!

Hello world! – Das ist immer die richtige Überschrift für einen Anfang. Und hier geht es um einen Anfang. Ein eigener Blog soll es sein, um meine Gedanken zu den verschiedensten Themen zu sammeln, mich im Kreis geneigter Leser zu äußern, und schlicht um ins Schreiben zu kommen.

Das Wort Blog ist ja schon ein problematisches. Der Duden schlägt zuerst Neutrum vor. Maskulinum sei aber auch möglich. Es stammt von Weblog, was eigentlich Netz-Logbuch übersetzt werden müsste. Mir geht es ja schon gegen mein Sprachempfinden, dass der letzte Buchstabe der ersten Silbe als Anfangsbuchstabe des neuen Wortes vor die zweite Silbe gesetzt wurde.

Jetzt bin ich also auch ein Blogger (Konsunantendopplung ist ja im Englischen wie im Deutschen ein bekanntes Phänomen). Und mit Zweitgeborener ein Teil der Blogosphäre. Das Wort ist der Welt der Worte, der Logosphäre, angelehnt. Da scheint es mir schon wieder etwas merkwürdig, was das B davor so alles anrichtet.

Aber ich möchte nicht gleich im ersten Beitrag zu unsympathisch erscheinen. Daher beende ich ihn hier einfach abrupt.