Namenstag von Maria Magdalena

Nun habe ich ganz den 20. Juli 1944 vergessen, dessen man in den heutigen Zeiten (Stichwort Freital) doch gedenken sollte. Das große Jubiläum im letzten Jahr hatte ich dafür feierlich begangen, indem ich eine Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden besuchte. Nun ist Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr eine Wanderausstellung. Bis zum 13. September 2015 ist sie in Ludwigsburg (bei Stuttgart) zu sehen. Sie besteht zu großen Teilen aus dem, was der Museumspädagoge Flachware nennt. Es ist also viel zu lesen. Aber mich haben einige der Originalbriefe beeindruckt, die dort gezeigt werden.

Links
mhmbw.de – Militärhistorisches Museum in Dresden
garnisonmuseum-ludwigsburg.de – Garnisonmuseum in Ludwigsburg (aber das sagt ja schon die URL)


Ich wollte mich heute auf Maria Magdalena stürzen; denn heute ist ihr Namenstag, der von nahezu allen Kirchen begangen wird – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Maria Magdalena wird im Deutschen auch Maria von Magdala genannt. Das ist kein Adelstitel, sondern eine Herkunftsbezeichnung. Der Name Maria ist zur Zeit Jesu einfach zu häufig gewesen. An Beinamen zur Identifizierung fehlt es unserer Maria aber nun wirklich nicht. Lediglich Maria, die Mutter Jesu, hat noch ein paar mehr.

Maria Magdalena ist eine höchstwahrscheinlich historische Person aus einem Dorf am westlichen Ufer des See Genezareth, was heute unter dem Namen Migdal bekannt ist. Sieben Dämonen soll Jesus ihr ausgetrieben haben, bevor sie selbst eine Jüngerin Jesu wurde. Sie wird an einigen Stellen in den Evangelien erwähnt. Sie ging mit nach Jerusalem, war Zeugin der Kreuzigung und der Auferstehung. Der Religionswissenschaftler David Flusser entwickelte eine Theorie, nach der Maria Magdalena dem Evangelisten Lukas zugearbeitet hätte. Hippolyt von Rom nannte sie bereits im dritten Jahrhundert die Apostelin der Apostel.

Die Geschichte der anonymen Sünderin, die Jesus die Füße wusch und salbte, wurde seit Papst Gregor I. mit Maria Magdalena assoziiert. Aus der Sünderin wurde mit der Zeit eine Prostituierte. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Besserungsanstalten für gefallene Mädchen Magdalenenheime genannt.

In einigen apokryphen Schriften gnostischer Tradition wird Maria Magdalena als Gefährtin oder gar Ehefrau Jesu bezeichnet. In popular- und pseudowissenschaftlichen Artikeln und Büchern wurde die kühne These aufgestellt, dass Maria mit Jesus nach Frankreich ausgewandert sein soll. Die Nachfahren bildeten dann das Haus der Merowinger.

Das aus Frankreich stammende Kleingebäck in Form einer Jakobsmuschel trägt seinen Namen Madeleine nur mittelbar der biblischen Gestalt wegen. Die Köchin am herzoglichen Hof zu Lothringen, die das Gebäck erfand, soll schlicht so geheißen haben. Aber sie stammte gewiss aus einer katholisch geprägten Familie.

Während es gerade schwül-warm ist über Leipzig, möchte ich zwei Bauernweisheit zitieren:

An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.

Und in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig frustrierend:

Regnet’s am St. Magdalentag, folgt gewiss mehr Regen nach.

 

Ein Wochenende im Sommer

Der Sommer ist über Deutschland hereingebrochen. Und ich wollte dieses Wochenende besonders begehen. Ich möchte es nun nicht gleich einen Kurzurlaub nennen. Aber einiges ist schon gewesen, was nicht zu jedem Wochenende passiert.

Der Freitag begann mit einer Autotour nach Potsdam; denn dort besuchte ich die Hauptversammlung der Studio Babelsberg AG. Ich bin alles andere als ein Großaktionär, aber ich erwerbe gern einzelne Aktien von interessanten Unternehmen aus der Umgebung, um an deren Hauptversammlungen teilzunehmen und über wirtschaftliche Entwicklungen auf dem Laufenden zu sein. Mehr mag ich jetzt nicht dazu schreiben. Nach vier Stunden in einem klimatisierten Kino hat mich das Nachmittagswetter schier erschlagen.

Ich fuhr mit weit geöffneten Fenster über Land nach Coswig in Anhalt. Bisher kannte ich nur den Namen und war noch nie dort gewesen. Sofort fiel mir die St.-Nicolai-Kirche auf, die ich dann auch aufsuchte, schon allein um Kühlung zu erfahren. St. Nicolai ist 1272 als Nonnenkloster erbaut worden und wird nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation seit 1527 als Stadtkirche genutzt. Sie ist das älteste Bauwerk in Coswig. Sofort fällt dem Besucher das barocke Gestühl inklusive Doppelemporen im Chor ins Auge. Der besondere Schatz von St. Nicolai sind aber zwei Werke Lucas Cranachs des Jüngeren sowie ein Abendmahlsbild aus der Cranach-Werkstatt (s.u.).

Abendmahl von einem Cranach-SchülerWährend ich die Kirche besichtigte, arbeitete noch eine Restauratorin am Epitaph für Ritter von Pogk aus dem Jahre 1577, der in seiner Üppigkeit durchaus eine Bseonderheit im reformatorischen Kirchenschmuck darstellt, wie mir die Restauratorin in einer kleinen Pause erklärte. Leider kann ich die Details gar nicht mehr wiedergeben.

Epitaph für Otto von Pogk (1578) von Lucas Cranach dem JüngerenIn Vorbereitung auf das große Reformationsjubiläum 2017 ist die Landesausstellung Sachsen-Anhalts in diesem Jahr Cranach dem Jüngeren gewidmet. Die Region um die Lutherstadt Wittenberg hat viele sogenannter Cranach-Kirchen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

2002 kürte die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler St. Nicolai zur Kirche des Jahres. St. Nicolai ist außerdem eine der Radwegekirchen, über die ich vor kurzem geschrieben habe. Die Radwanderroute 12 – Flämingtour beginnt in Coswig. Die 32 km lange Strecke auf der Mitteldeutschen Kirchenstraße wollte ich aber ungeübt und bei diesen Temperaturen nicht auf mich nehmen. Coswig liegt außerdem am Lutherweg, der in den Bundesländern Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen alle wichtigen Stätten reformatorischen Schaffens und Lebensstationen Luthers verbindet.

 St. Nicolai in Coswig (Anhalt) St. Nicolai in Coswig (Anhalt) St. Nicolai in Coswig (Anhalt)
  Blick auf St. Nicolai Blick auf das Schloss in Coswig Gierfähre auf der Elbe

Das Schloss, das Rathaus und den Marktplatz von Coswig ließ ich links liegen und fuhr an die Elbe hinab zur Fähre. Für 3,50 EUR brachte der Fährmann mein Auto und mich auf das gegenüberliegende Ufer, wo ich auf der Elbterasse Wörlitzer Winkel ein Eis mit heißen Kirschen und dazu einen Eiskaffee genoss. Doch ich überstürze mich. Zunächst war ich noch von der Fähre ganz beeindruckt, die ich von der Terasse aus auch weiter beobachten konnte. Sie ist eine sogenannte Gierfähre. Eine Gierfähre ist an einem Seil fixiert und wird durch Schrägstellung im Fluss allein von der Strömung auf die andere Seite getrieben. So einfach wie genial. Ich frage mich, warum es überhaupt noch Fähren an Flüssen gibt, die mit Diesel betrieben werden.

Den Abschluss des Freitags bildete ein Spaziergang durch Teile des Parks in Wörlitz. Da blieb ich aber nicht mehr so lang. Ich wollte in die heimischen Vier Wände, um mich von der Last der Hitze zu befreien. Da ahnte ich noch nicht, dass mir der folgende Sonnabend – immerhin der Unabhängigkeitstag der USA – zeigen sollte, wie wenig unabhänig ich von so etwas Banalem wie dem Wetter wirklich bin. Ich war nämlich am Sonnabend zu jeder Tat absolut unfähig.

Erst in der Nacht, als es allmählich kühler wurde und sich unsere Fußballnationalmannschaft der Frauen die Niederlage bereits eingestehen musste, ging ich mit einem guten Freund in Die VILLA zu einer schönen Tanzveranstalltung mit düsterer Musik aus den 80er Jahren. In den Grüften soll es ja auch recht kühl sein.

Am Sonntag schaute ich den Film Zimt & Koriander, der das Schicksal einer griechischen Familie aus Istanbul während der Hochphase des Zypernkonflikts beleuchtet. Ich dachte, einen griechischen Film zu gucken, könnte irgendwas bewirken, aber das Ergebniss des Referendums in Griechenland belehrt mich eines Besseren.

Links
cranach2015.de – Landesausstellung Sachsen-Anhalt
mitteldeutsche-kirchenstrasse.de
lutherweg.de
kirchedesjahres.de
kirchenkreis-zerbst.de

Leipziger Buchmesse 2015

Zwei Tage auf der Leipziger Buchmesse und ich kann meine Füße kaum noch spüren. Manche lieben ja den Trubel um das geschriebene Wort. Andere stehen den plötzlich aufgescheuchten Massen skeptisch gegenüber. Am Donnerstag gehörte ich zu ersten Gruppe und heute zur zweiten. Den Sonnabend möchte ich nicht auf dem Messegelände verbringen.

Beim Gang durch die Hallen traf ich trotz der vielen Besucher auch eine Menge Freunde, die ich aber an dieser Stelle nicht aufzählen mag. Aber ich kann von einigen Personen des öffentlichen Lebens berichten. Wer einen Blog betreibt, kommt wohl an Sascha Lobo nicht vorbei, zumindest kommt er auf der Buchmesse nicht an ihm vorbei, ohne ihn wenigstens einmal fotografiert zu haben (s.u.). Dann habe ich den Stand des Self-Publisher-Verlags aufgesucht, über den ich meine Bücher bisher und bis auf weiteres auch weiterhin veröffentlich habe und werde: epubli. Im Bereich Religion der Halle 3 hörte ich ein Gespräch mit Brigitte Schorr. Sie leitet das Schweizer Institut für Hochsensibilität. Ich selbst bin davon nicht betroffen, aber ich weiß, dass für eine Reihe von Hochbegabten die Hochsensibilität ein wichtiges Thema ist.

Schließlich lauschte ich einem Gespräch mit dem diesjährigen Preisträger des Leipziger Buchpreises im Bereich Belletristik Jan Wagner. Seine Regentonnenvariationen sind der erste Lyrikband, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Und auch, wenn ich ihn kein Gedicht hab sprechen hören, waren seine Worte so behutsam gesetzt, dass auch dieses Gespräch schon ein Genuss war.

Ich hatte auch Peer Steinbrück getroffen. Allerdings  wollte ich nicht wie ein verrücktes Groupie in seinen Weg springen, um ein Foto von ihm zu machen. Ich begnügte mich viel mehr damit, quasi in seinen Fußstapfen zu wandeln, bis er dann allerdings abbog – ich werde jetzt nicht sagen, ob nach rechts oder links.

Im Rahmen der Buchmesse findet auch die Manga Comic Convention statt. Sie ist der Grund für die vielen verkleideten Jugendlichen auf dem Messegelände. In vielen Kunstrichtungen und -gattungen wird diskutiert, ob denn nun das Leben die Kunst oder die Kunst das Leben imitiere.  Bei der Verkleidung der Manga-Fans ist es ein wenig komplizierter. Sie treten auf der Convention in eine Halbwelt, in der sie einerseits einen Charakter ihrer Wahl darstellen und andererseits besonders gelungen Kostümierte mit ihrem Smartphone oder einer größeren Kamera einfangen. Doch die Charaktere, die hier nun also dargestellt werden, sind selbst aus Comics oder Computerspielen, in denen eine naturgetreue Darstellung bereits aufgegeben wurde. Nun müssen diese Jugendlichen also besonders künstlich aussehen. Die eigenen Haare zu stylen, kann nur ein Kompromiss sein. Besser ist da eine nach Theatermaßstäben schlechte Perücke, welche die Haarsträhnen zusammenfassend eher Haarflächen zeigt, fast wie in den Comics und Mangas, in denen die Originale auftreten.

Morgen gehe ich noch mit einer guten Freundin zu einer Lesung von Indie-Autoren, mit denen sie in den letzten Jahren der Buchmesse und über das Internet Freundschaft schloss. Ich bin gespannt.

Links
leipziger-buchmesse.de
saschalobo.com
epubli.de
ifhs.ch
hanser-literaturverlage.de/autor/jan-wagner
manga-comic-con.de

Namenstag des Hl. Matthias

Zunächst einmal: Heute ist mein Geburtstag. Heute vor 42 Jahren erblickte ich in Hildesheim das Licht der Welt. Gestern habe ich gemeinsam mit guten Freunden bei der Open Stage des soziokulturellen Zentrums „Die VILLA“ auf den Anbruch dieses Tages gewartet. Die handgemachte Musik der Open Stage bietet genau die Klänge, die mir seit Jugend so vertraut sind.

Mein Geburtstag ist der Namenstag des Hl. Matthias. Matthias wurde nach dem Tod Judas‘ von den elf Aposteln erwählt, die Zwölferreihe zu schließen. In Matthias erfahren wir Nachgeborenen den Aufruf zur Nachfolge. Manche Legenden erzählen, dass Matthias in hohem Alter friedlich entschlafen sei. Andere berichten von seiner Enthauptung. In der römischen Kirche Santa Maria Maggiore soll das Haupt des Hl. Matthias ruhen. Auch in Trier befinden sich Reliquien des Heiligen, die über Jahrhunderte Wallfahrer anzogen. Der Hl. Matthias ist außerdem der Schutzpatron meiner Geburtsstadt Hildesheim. Das kann kein schlechtes Zeichen sein.

Die syrisch-orthodoxen Christen, auf deren schreckliche Situation im Einflussgebiet des sogenannten Islamischen Staates wir in den Nachrichten dieser Tage aufmerksam gemacht werden, gedenken heute des Evangelisten Matthäus.


Ich habe schon vor Jahren ein Lied geschrieben, das von meiner Beziehung zu Matthias (und Matthäus) handelt. Es ist zu finden in meinem Gedichtband Far from perfect, den es bei epubli.de zu kaufen gibt.

You’re stepping out of the car
and onto the boardwalk
you’ve got to do your job you haven’t reached too far
on the way to your goal
like bees would do if it rained
but: don’t forget that Matthew is a saint

I took your money
but I didn’t raise the tax
and—mmh—you’re right I was thinking about sex
with you; but I’m not to blame
to be kissing you I still would have to faint
don’t forget that Matthew is a saint

You might say that there are
some things I never should have done
but I tell you, baby-doll, I never was the one
who pushed the buttons, drew the lines
oh, my soul ain’t spotty, it’s just a little stained
don’t forget that Matthew is a saint

That’s the story so far
but what will last?
every sinner’s got a future
and every saint’s got a past.

Well, I am on the move
there are a lot of things to do
but sometimes I don’t know which ones to pick and choose
It’s kind of new to me, every morn
I know some ghosts still haunt me as long as they’re unnamed
but I don’t forget that Matthew is a saint
no, I don’t forget that Matthew is a saint


Zu meinem Geburtstag selbst bin ich mit einem Freund nach Zwickau gefahren. Wir haben das Robert-Schumann-Haus besucht und die Priesterhäuser. Sie gehören zu den ältesten Wohnhausensembles in Deutschland. In einem Deckenbalken ist die Jahreszahl 1264 eingeschnitten. Seit 1521 sind sie in den Ratsprotokollen der Stadt unter dem Namen Priesterhäuser bekannt.

Heute befindet sich in ihnen ein stadtgeschichtliches Museum, mit sehr interessanten Ausstellungsstücken zur Geschichte der ehemals drittgrößten Stadt Sachsens. (Das ist nicht nur vergangener Glanz. Immerhin ist Zwickau jetzt immer noch an vierter Stelle.)

Neben den Priesterhäusern findet sich der Zwickauer Dom St. Marien. Ein wirklicher Dom, also Bischofssitz, ist St. Marien nie gewesen. Aufgrund seiner bauhistorischen Bedeutung als Hallenkirche in obersächsischer Spätgotik wird die Stadtkirche seit 1935 auch offiziell Dom genannt. Hier wurde am 14. Juni 1810 Robert Schumann getauft.

Links
villa-leipzig.de
zwickau.de
nicolai-kirchgemeinde.de
priesterhaeuser.de
epubli.de/shop

Leipziger Schule

Gestern war ich mit zwei Freunden bei der Galerie Schwind in der Springerstraße. Dort befindet sich neben den Räumen der Galerie auch die Tübke Stiftung Leipzig, die im ehemaligen Atelier Werner Tübkes untergebracht ist, und auch noch die Sammlung Fritz P. Mayer zur Leipziger Schule.

Der Begriff Leipziger Schule beschreibt zunächst eine Gruppe von HGB-Absolventen und Professoren, sowie deren gemeinsamen Stil in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Traditionsstrang ist aber über die Wendejahre nicht abgerissen. In diesem Jahrtausend hat ja bereits die Neue Leipziger Schule von sich Reden machen. Der Stil der Jungen ist vielleicht nicht mehr ganz so bestimmend wie die gemeinsamen hohen Summen, die sie weltweit für ihre Werke erzielen können.

Doch die alte Leipziger Schule ist auch heute noch einen Besuch wert.
Mehr schreibe ich heute nicht dazu.

Links
galerie-schwind.de
tuebke-stiftung-leipzig.de