Archiv der Kategorie: Ausstellung

Weihnacht in Corona-Zeiten

2. Januar (9th Day of Xmas)

Für den 2. Januar komme ich noch einmal zurück zu Notr-Dame de Paris. Die Fenster sind einer der großen Schätze dieser Kathedrale. Beim Brand war nicht sicher, ob die Bleihalterungen der Fenster der großen Hitze würden standhalten können. Meines Wissens haben die Fenster – oder zumindest eine großer Teil von ihnen – das Feuer überstanden.

Es ist ein kleiner Fehler in meiner Bildfolge. Von außen zeige ich die Westrosette über dem Hauptportal. Von innen zeige ich die Südrosette. So oder so ist auf jedem Bild eine Madonna mit Jesuskind zu sehen. Und darum geht es uns doch.

DSC_3877 DSC_3883 DSC_3884 Notre Dame Fenster

Weihnacht in Corona-Zeiten

Fest der Beschneidung Christi

Der 1. Januar ist acht Tage vom eigentlichen Weihnachtstag entfernt. Am achten Tag soll ein jüdischer Junge beschnitten werden. Die drei Darstellungen stammen wieder aus der Marienbasilika in Krakau. Es sind Bildtafeln aus dem Chorgestühl von 1586. Sie zeigen die Weihnachtsgeschichte mit Hirten, mit den Weisen aus dem Morgenland und die Beschneidung Christi.

DSC_7278 Krakau Hirten

DSC_7276 Krakau Könige

DSC_7276 Krakau Beschneidung

Im August 2016 habe ich diese Aufnahmen beim EMAG gemacht. Ich muss auf jeden Fall mal wieder nach Krakau fahren. Die Stadt gehört für mich zu den schönsten Städten Europas.

Weihnacht in Corona-Zeiten

Silvester

Der Name Silvester ist so sehr mit dem Jahresende verbunden, dass man den Hl. Silvester als Namenspatron kaum noch wahrnimmt, sondern mehr über die Endlichkeit des Lebens, der Welt oder zumindest des Jahres sinniert. Auch ich werde gleich darauf zurückkommen.

Der Hl. Silvester war Papst und starb am 31. Dezember 335. Er soll den Kaiser Konstantin getauft und somit von Aussatz geheilt haben. Vorher sollen heidnische Priester dem Kaiser geraten haben, im Blut unschuldiger Kinder zu Baden. Diese rettete Silvester vor einem sinnlosen Sterben.

DSC_6276 Danzig

Das Bild für den heutigen Tag ist ein wahrlich ungewöhnliches. Gemalt wurde es von Hans Memling (vor 1440–1494), dessen Werke vor allem in ehemaligen Hansestädten zu finden ist wie Brügge, Lübeck und Danzig, wo ich 2018 diese Aufnahme gemacht habe.

Der Flügelaltar zeigt aufgeklappt das Jüngste Gericht mit Jesus auf dem Thron und dem Erzengel Michael, der mit Waage und Schwert die auferstandenen Seelen wiegt. Auf dem rechten Flügel sieht man die Hölle und auf dem linken das himmlische Jerusalem. Auf den Außenseiten der Flügel sind die Stifter dargestellt.

Im Hintergrund der Stifter ist einerseits der Erzengel im Kampf mit dem Teufel und andererseits Marie mit dem Jesuskind und einem Vogel dargestellt. Das Besondere ist, dass diese Figuren als Standbilder gemalt sind. Das lässt die betenden Stifter davor seltsam einsam erscheinen in ihrer Lebenswirklichkeit.

Der Vogel in den Händen Jesu korrespondiert mit der Vorderseite des Altars. Denn der Vogel steht für die Seele eines Verstorbenen. Das Jesuskind geht zwar kleinkindtspisch etwas grob mit den Flügeln des Tieres um. Doch können wir annehmen, dass Maria dafür sorgen wird, dasss dem Vogel nichts Arges geschieht.

Ich wünsche uns allen einen guten Rutsch!

Weihnacht in Corona-Zeiten

30. Dezember (6th Day of Xmas)

Heute zeige ich zwei kleine Tafeln aus dem Lindenau-Museum in Altenburg. Dort war ich auch schon lange nicht mehr. Aber 2010, wo ich die Fotos gemacht habe, war nicht der letzte Besuch.

Die Tafeln sind von Paolo di Giovanni Fei (1345–1411), welcher der Malerschule von Siena engehörte. Diese Schule ist durch die byzantinische Kunst beeinflusst.

Im Hintergrund der ersten Tafel verkündet der Engel noch den Hirten die Frohe Botschaft. Im Vordergrund nähern sich die Hirten bereits dem Stall. Auf der zweiten Tafel sehen wir drei Weise, die sich relativ stark ähneln. Aber sie waren auf drei sehr unterschiedlichen Pferden angereist.

_DSC0149 Altenburg _DSC0150 Altenburg

Link
https://www.lindenau-museum.de/

 

Weihnacht in Corona-Zeiten

29. Dezember (5th Day of Xmas)

Heute ist der Namenstag von König David. Er ist auch einer der sogenannten Krippenheiligen. Schließlich ist der der menschliche Vorfahr Jesu Christi. Im Lukasevangelium wird darauf hingewiesen. Deshalb mussten Joseph und Maria nach Bethlehem ziehen. Es gibt einige Darstellungen des Stammbaums Jesu, von Isai, dem Vater Davids, bis zu Jesus. Ich habe auf meinen Reisen allerdings keinen solchen fotografiert.

Stattdessen wende ich mich noch einmal Notre-Dame de Paris zu. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Darstellungen den Brand überstanden haben. Auf ihnen sind die Weisen aus dem Morgenland Könige geworden, wie wir sie heute auch oft nennen.

DSC_3899 Krippe DSC_3899

Weihnacht in Corona-Zeiten

Tag der unschuldigen Kinder

An diesem Tag soll der Kinder Bethlehems gedacht werden, die von König Herodes umgebracht wurden, nachdem er von den Weisen aus dem Morgenland auf die Geburt eines neuen zukünftigen Königs aufmerksam gemacht worden war. Da die allerdings erst am 6. Januar bei der Krippe ankommen, ist die Dramaturgie etwas durcheinandergeraten.

DSC_0722 Erfurt DSC_0723 Erfurt

Die zwei Reliefs habe ich im Erfurter Dom entdeckt. Leider habe ich keine Erklärung über die Herkunft und den Künstler entdecken können.

Der Kindermord von Bethlehem wird nicht so oft im weihnachtlichen Kontext bildlich dargestellt oder besungen. Eine beondere Ausnahme ist das Coventry Carol. Erst scheint es ein Wiegenlied zu sein – in der Tradition der vielen Wiegenlieder, die Maria dem einschlafenden Jesuskind vorsingt. Doch dann merkt man, es ist ein Mutter Bethlehem, die ihr hingemordetes Kind beweint.

Lully, lullay, Thou little tiny Child,
Bye, bye, lully, lullay.
Lullay, thou little tiny Child,
Bye, bye, lully, lullay.

O sisters too, how may we do,
For to preserve this day
This poor youngling for whom we do sing
Bye, bye, lully, lullay.
Herod, the king, in his raging,
Charged he hath this day
His men of might, in his own sight,
All young children to slay.

That woe is me, poor Child for Thee!
And ever mourn and sigh,
For thy parting neither say nor sing,
Bye, bye, lully, lullay.

Coventry verbindet mit Deutschland, besonders Dresden, eine weitere Geschichte. Die Nationalsozialisten wollten mit der Zerstörung der englischen Stadt durch die Luftwaffe ein besonderes Exempel statuieren. Es heißt, dass die Bombardierung Dresdens zum Kriegsende eine Vergeltungsmaßnahme für die Zerstörung Coventrys war. Seite 1959 verbindet beide Städte eine Partnerschaft.

Links
https://www.dom-erfurt.de/
https://coventry2021.co.uk/

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27. Dezember (3rd Day of Xmas)

Heute ist der Namenstag des Hl. Johannes, der traditionell sowohl mit dem Evangelisten und Autoren der Offenbarung als auch mit dem Apostel gleichgesetzt wird. Heute weiß man, dass es sich vermutlich um drei verschiedene Personen handelt.

Der Hl. Johannes ist ein sogenannter Krippenheiliger. Das bedeutet, dass man seinen Namenstag möglichst nahe an die Geburt Jesu Christi gesetzt hat, um seine Bedeutung zu betonen.

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Dieses Foto habe ich 2011 in Paris gemacht. Die Madonna mit Blumenstrauß ist Teil der Fassade von Notre-Dame de Paris. Es ist auch das Beitragsbild für diese Reihe. Das Jesuskind hält die Bibel in seinen Händen. Jesus ist das personifizierte Wort Gottes. So steht es am Anfang des Johannesevangeliums:

 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1, 14

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Zweiter Weihnachtsfeiertag

Auch für den zweiten Weihnachtsfeiertag bleibe ich in Wien; denn der Stephansdom ist mit diesem Tag besonders verbunden. Der Namenstag des Hl. Stephan, dem ersten Märtyrer der christlichen Welt, ist der 26. Dezember. Der Dom ist in seiner Ostausrichtung genau nach dem Sonnenaufgang am Stephanstag  im Jahre 1137 orientiert.

DSC_5853 Wien Stephansdom

Zu Weihnachten ist im Stephansdom eine Krippe aufgebaut. Hier ist nicht das gesamte Ensemble von Figuren gemeint, sondern tatsächlich nur eine Futterkrippe mit dem Jesuskind darin – ein Pendant zum Kruzifix.

Weihnacht in Corona-Zeiten

Erster Weihnachtsfeiertag

Weihnachen verbinden wir heute mit Familienfeiern. Wir fahren zu unseren Eltern. Wir besinnen uns auf die Heimat. Doch so eigentlich ist Weihnachten das Fest der Heimatlosen und der Migration.

Jesus wird auf einer Reise geboren. Seine Eltern haben nicht einmal einen ordentlichen Raum in der Herberge gefunden. Und kaum ist er auf der Welt, trachtet man ihm nach dem Leben. Seine Familie muss nach Ägypten fliehen.

DSC_5795 Wien

Im Dezember 2015 entdeckte ich in der Wiener Ruprechtskirche die abgebildete Krippe. Sie stammt von der Hamburger Künstlerin Julia Oppermann, die seit 1999 an der Universität für industrielle und künstlerische Gestaltung in Linz unterrichtet.

Ihrer fragilen Installation hatte Oppermann ein Wort aus der Offenbarung beigestellt:

Seht das Zelt Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen,
und sie werden sein Volk sein.

Offenbarung 21, 3

Die Ruprechtskirche ist die älteste Kirche Wiens. Sie ist allgemein schlicht, aber mit einigen sehr schönen Kunstwerken ausgestattet, u.a. modernen, abstrakten Fenstern von Lydia Roppolt.

Link
https://www.ruprechtskirche.at/

Weihnacht in Corona-Zeiten

Heiliger Abend

Die zweite Weihnachtssaison unter Corona-Bedingungen. Das Reisen, Besichtigen und Besuchen bedeutet nun immer auch Gefährdung. Das nehme ich zum Anlass, in den Erinnerungen zu blättern. Jeden der Twelve Days of Christmas poste ich ein Foto, das ich an historischer Stelle gemacht habe. Jedes Bild hat einen Bezug zum Weihnachtsfest.

DSC_7288 Altar Krippe

Beginnen möchte ich heutigen am Heiligen Abend mit einem Altarbild aus Krakau. Es stammt von Veit Stoß (1447–1533). Man kann das Werk dieses Spätgotischen Meisters grob in zwei Phasen einteilen; in die Krakauer Phase  ab Ersterwähnung 1477 und in die Nürnberger von 1496 bis zu seinem hochbetagten Lebensende. Der Hochaltar in der Krakauer Marienbasilika ist sein erstes großes Werk. Es gilt auch gleich mit zu seinen bedeutendsten.

Der Hochaltar hat das Leben Marias zum Inhalt. Das Mittelbild auf der Innenseite des linken Flügels des Retabels zeigt die Geburt Chrsiti, wie sie im Lukasevangelium geschrieben steht. Hier wie auf den meisten Krippendarstellungen wurden ein Ochse und ein Esel ergänzt. Die passen natürlich grundsätzliche zu einer Szene in einem Stall mit Futterkrippe und Hirten als späten Gästen. Sie sollen aber auch an ein Prophetenwort aus dem Alten Testament erinnern:

Ein Ochse kennt seinen Herrn
und ein Esel die Krippe seines Herrn;
aber Israel kennt’s nicht,
und mein Volk versteht’s nicht.

Jesaja 1, 3

Wer bei der Geburt Jesu also Ochs und Esel ergänzt, zeigt, dass er erkannt hat, wer der eigentliche Herr der Welt ist – das Kind in der Krippe.

Was mich an diesem Bild von Veit Stoß aber am meisten fasziniert, ist der Himmel. Jedes der Bilder hat einen gotischen Goldhimmel. Aber bei der Geburt Christi scheinen Streben und Rippen zu tanzen. Das gefällt mir außerordentlich.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Weihnacht!

Link
https://mariacki.com/en/