Top-Five-Geburtstagsliste am Ursulatag

Der 21. Oktober ist der Ursulatag. Die Hl. Ursula ist höchstwahrscheinlich keine historische Gestalt. Als Köln von den Hunnen belagert wird, bietet ein hunnischer Prinz ihr die Verschonung ihres Lebens im Gegenzug zu einer Ehe mit ihm. Sie lehnt ab und erleidet lieber das Martyrium.

Der Ursulatag gilt als letzter Erntetag. Was ein Landwirt bis heute nicht eingeholt hat, wird wohl eher verderben als geerntet werden. Eine andere Bauernweisheit sieht diesen Tag eher als ausblick auf den bevorstehenden Winter: Wie der Ursulatag anfängt, so soll der Winter beschaffen sein.

In diesem Spannungsfeld von Ernte und Aussaat soll auch das eigentliche Thema meines Blogeintrags stehen, eine Top-Five-Liste von Geburtstagen. Die Jubilare meiner Liste gaben ihren Namen für Dinge, die wir heute noch kennen und nutzen. Nur in kontrapunktischer Funktion nenne ich hier Kim Kardashian, die – außer bekannt zu sein – wohl keinen anderen Grund für ihre Bekanntheit ernsthaft nennen könnte. Vielleicht wird ihr Name später mal für den endgültigen Niedergang der Unterhaltungsindustrie stehen.

  • Gustav Langenscheidt (1832–1895) – Langenscheidt entwickelte Unterrichtsbriefe zum Erlernen der französischen Sprache und kann somit als Vater des Fernunterrichts gelten. Kein Verlag interessierte sich dafür. Deshalb gab er sie schließlich selbst heraus, so wie ein deutsch-französisches und später noch ein deutsch-englisches Wörterbuch. Heute kennt wohl jeder deutsche Sprachschüler den Namen Langenscheidt.
  • Alfred Bernhard Nobel (1833–1896) – Insgesamt 355 Patente meldete der schwedische Chemiker Nobel an. Seine Erfindungen brachten vor allem die Rüstungsindustrie voran und brachten in der Folge unendliches Leid über die Menschheit. Seinen Nachlass vermachte er für die Zukunft jährlich denjenigen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben.
  • Georg von Siemens (1839–1901) – Er ist nicht der berühmteste Spross seiner Familie. Der in Torgau geborene Bankier ist lediglich ein Neffe zweiten Grades der großen Erfinder. Aber sein Vater stellte einen großen Teil des Gründungskapitals der späteren Siemens AG. Unser Geburtstagskind selbst wurde einer der Gründungsdirektoren der Deutschen Bank.
  • Hermann Müller (1850–1927) – Der Rebzüchter aus dem Kanton Thurgau hat der Welt den Müller-Thurgau hinterlassen, eine Rebsorte, die er selbst als Mischung von Riesling und Silvaner verstand und sie daher Rivaner nannte. Erst durch die Gentechnik kam 1996 heraus, dass nicht der SIlvaner beteiligt war, sondern die Rebe Madeleine Royale (wiederum vom Gutedel). Der Bekömmlichkeit des Müller-Thurgau tut das keinen Abbruch.
  • Leo Kirch (1926–2011) – Vom Filmverleih zum Medienmogul und schließlich zu einem der berühmtesten Bankrotteure der Bundesrepublik, woran Mitarbeiter der Deutschen Bank nicht ganz unschuldig sein sollen. Sein erster Film war La Strada von Federico Fellini. Das filmische Niveau sank dann allerdings mit seiner wachsenden wirtschaftlichen Macht. Die Kirch-Gruppe versorgte das ZDF mit Hollywoodfilmen, bis Kirch einer der wichtigsten Vorreiter im Privatfernsehen wurde. Sat1 und ProSieben sowie DF1 (heute Sky) gehörten ebenfalls zu seinem Wirtschaftsimperium.


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