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Tausend Jahre sind ein [Frei-]Tag

Zur Zeit wiederholt der Bayerische Rundfunk die wunderbare Zeichentrickserie Es war einmal … der Mensch. Der französische Autor/Zeichner/Regisseur Albert Barillé erschuf diese Serie 1978. Zwei Jahre erweiterte sie meinen Bildungskanon als Grundschulkind. Die Serie führt breit angelegt durch die Geschichte der Menschheit; beginnt dabei noch etwas vorher bei der Entstehung der Erde und endet mit dem Verlassen des Planeten, weil dieser durch Umweltverschmutzung unbewohnbar geworden ist.

Besonders geliebt habe ich das Titellied von Udo Jürgens (mit dem Text von Siegfried Rabe): Tausend Jahre sind ein Tag. Heute höre ich bei YouTube eine alte Version aus dem Jahre 1980 und die Fassung von Udo Jürgens’ letztem Konzert 2014 in Zürich. Beide sind so schön, dass ich sie hier mit einbinden möchte. Ich muss bei dem Text an Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future denken, bzw. an die Reaktionen, die beide bei den konservativen und liberalen mehrheitlich auslösen.

 

Link
https://www.br.de/mediathek/sendung/es-war-einmal-der-mensch
http://www.hellomaestro.de/der-mensch

Nikolaus Kopernikus, all die anderen und ich

Heute vor 544 Jahren, am 19. Februar 1473 wurde Nikolaus Kopernikus geboren. Das ist vielleicht kein besonders rundes Jubiläum, zeigt aber, dass der Mathematiker und Astronom genau 500 Jahre vor mir geboren wurde. Zur Zeit des lutherischen Thesenanschlags in Wittenberg war Kopernikus so alt, wie ich in vier Tagen werde – 44.

Nur im kleinen Kreise kirchlicher Würdenträger war sein bahnbrechendes Werk De hypothesibus motuum coelestium commentariolus aus dem Jahre 1514 bekannt. Die Bahnen der Planeten selbst auch noch kreis- und nicht ellipsenförmig gedacht. Die Lutherische Reformation war noch drei Jahre entfernt. Bekannter wurden die Ideen Kopernikus‘ durch den Druck seines Hauptwerkes De revolutionibus orbium coelestium libri VI in seinem Todesjahr 1543. Verantwortlich dafür zeichnet der Wittenberger Mathematiker Georg Joachim Rheticus, der am 16. Februar 1514 geboren wurde. Ebenfalls an einem 16. Februar, allerdings bereits 1497, wurde Philipp Melanchthon geboren, der nicht nur eine weitere Verbindung zu Wittenberg und Reformation darstellt. Er war auch ein scharfer Kritiker des kopernikanischen Weltbildes. Aus der Bibel zitierte er (Kohelet 1, 4–5):

Eine Generation geht, die andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit.
Die Sonne, die aufging und wieder unterging,
atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.

Und Martin Luther selbst bewies mit seiner Kritik ebenfalls, dass er alles nur kein Mathematiker oder Astronom war. Ein leerer Schwätzer war der am 18. Februar 1546 verstorbene Reformator aber nicht! Da ging Kopernikus mit seinem Vorwurf i Vorwort etwas weit, als er schrieb:

Sollten etwa leere Schwätzer, die allen mathematischen Wissens bar sind, sich dennoch ein Urteil anmaßen und durch absichtliche Verdrehung irgendeiner Stelle der Heiligen Schrift dieses mein Werk zu tadeln oder anzugreifen wagen, so werde ich mich nicht um sie kümmern, sondern ihr Urteil als unbesonnen missachten.

Verboten wurden die Schriften Nikolaus Kopernikus‘ erst 99 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, nämlich 1616 im Zuge des Prozesses um den fest für die Idee der sich bewegenden Erde kämpfenden Galileo Galilei, der wiederum am 15. Februar 1564 in Pisa geboren wurde.

Namenstag des Häuptlings Seattle

Chief Noah Seattle war Häuptling der Suquamish- und Duwamish-Indianer. Er wurde 1786 geboren und starb am 7. Juni 1866. Sein Name lautet in Lushootseed, seiner Muttersprache, Si’ahl. Die Bedeutung dieses Namens konnte ich bisher nicht herausbekommen. Von den weißen Händlern erhielt er den Spitznamen Le Gros oder The Big One, weil er mit seinen 1,85 Metern für die damalige Zeit ein Riese war. Chief Seattle setzte sich für die friedliche Koexistenz von Indianern und weißen Siedlern ein. Die Hauptstadt des Staates Washington trägt seit ihrer Gründung seinen Namen.

Bekannt ist Chief Seattle heute vor allem wegen einer Rede, die er 1854 vor dem Gouverneur des Washington-Territoriums Isaac Ingalls Stevens gehalten haben soll. Fraglich ist dabei nicht, ob er eine Rede hielt – das tat er mit Sicherheit. Allerdings gibt es kein Skript und kein Protokoll. Erst 33 Jahre später schrieb der Journalist und Zeitzeuge Henry A. Smith die Rede, welche in Lushootseed gehalten wurde, in englischer Sprache nach seinen eigenen Notizen auf.

The great, and I presume also good, white chief sends us word that he wants to buy our lands but is willing to allow us to reserve enough to live on comfortably. This indeed appears generous, for the red man no longer has rights that he need respect, and the offer may be wise, also, for we are no longer in need of a great country.

[…] The ashes of our ancestors are sacred and their final resting place is hallowed ground, while you wander away from the tombs of your fathers seemingly without regret. […]

We will ponder your proposition, and when we have decided we will tell you. But should we accept it, I here and now make this the first condition: That we will not be denied the privilege, without molestation, of visiting at will the graves of our ancestors and friends. Every part of this country is sacred to my people. Every hill-side, every valley, every plain and grove has been hallowed by some fond memory or some sad experience of my tribe.

Der texanische Professor Ted Perry schrieb 1972 die Rede für ein Filmskript um. Nun war es ein Brief an den Präsidenten Franklin Pierce, den Chief Seattle geschrieben haben soll. Dies allerdings ist reine Fiktion. Die Veränderungen in der Rede dienen zum einen der Anpassung an modernere Sprachgewohnheiten und zum anderen der Verlagerung des thematischen Schwerpunktes von Völkerverständigung und resignativer Unterwerfung zu globalem Umweltschutz. Chief Seattle wird dem heutigen US-Amerikaner und den anderen Bewohnern vor allem westlicher Staaten als Edler Wilder um die Ohren gehauen. Auch wenn der Text nicht historisch ist, kann eine Ausrichtung an solchen Maßstäben für uns wohl sinnvoll sein.

The great chief in Washington sends word that he wishes to buy our land. The great chief also sends us words of friendship and goodwill. This is kind of him, since we know that he has little need of our friendship in return. But we will consider your offer, for we know that if we do not do so, the white man may come with guns and take our land.

How can you buy or sell the sky—the warmth of the land? The idea is strange to us. Yet we do not own the freshness of the air or the sparkle of the water. How can you buy them from us? Every part of this earth is sacred to my people. Every shining pine needle, every sandy shore, every mist in the dark woods, every clearing and humming insect is holy in the memory and experience of my people.

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Stefan Vesper schrieb 1978 mit 22 Jahren einen Kanon zu dem berühmten Satz Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. In vielen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs findet sich der Kanon. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika gedenkt am 7. Juni des berühmten Häuptlings.

 

Links
duwamishtribe.org – Informationen über Chief Seattle auf der Website des Duwamish-Stammes
en.wikisource.org – Wiedergabe der ersten Aufzeichnung der berühmten Rede (auf Englisch)
studiesincomparativereligion.com – Wiedergabe der unhistorischen Briefversion (auf Englisch)

Namenstag des Hl. Alexander von Lyon

Über den Hl. Alexander ist nicht viel bekannt. Er soll ursprünglich aus Phrygien stammen und in Lyon im Jahre 178 mit seinem Freund Epipodius sowie 34 weiteren jungen Männern das Martyrium erlitten haben. Ob die Christenverfolgung in Lyon unter dem Philosophenkaiser Markus Aurelius historisch ist, wird durchaus bezweifelt. Epipodius soll als der Jüngere bereits am 22. April nach Folterungen enthauptet worden sein. Alexander wurde zwei Tage später ans Kreuz geschlagen. Seine Rippen sollen bereits gebrochen gewesen sein und sein Gedärme herausgequollen, so dass er am Kreuz sofort starb. Das Patronat dieses Alexander konnte ich nciht ermitteln. Epipodius gilt als der Schutzheilige der Studenten. Außerdem ist er der Patron aller Opfer von Betrug und Folter.

Mit dem Hl. Alexander nicht anders in Beziehung stehend als durch seinen Namen möchte ich den heutigen Blog-Eintrag für eine Top-Five-Liste nutzen: berühmte Alexander, welche unsere Sicht auf die Welt nachhaltig verändert haben.

  1. Alexander der Große von Makkedonien (356–323 v. Chr.) ist wohl der mit Abstand bekannteste Alexander. Er gab den Griechen mit einem Weltreich auch das Selbstvertrauen zurück. Ich stelle mir seine letzten Tage eher tragisch vor. Was macht ein Mensch, der in seiner Welt alles erreicht hat? Wer ist ihm gleich und kann ihm ein Gegenüber sein?
  2. Papst Alexander VI. (1492–1503) aus der Familie der Borgia war zu seiner Zeit durchaus umstritten. Doch ist er u. a. wichtig für die Antikenrezeption im frühneuzeitlichen Rom. Im Jahre seines Amtsantritts wurde Amerika entdeckt. Er teilte die Neue Welt zwischen Spaniern und Portugiesen auf.
  3. Zar Alexander I. von Russland (1777–1825) war der letzte Herrscher Europas, der Napoleon noch die Stirn bieten konnte. Beim Wiener Kongress hatte er großen Einfluss auf die neue Machtverteilung in Europa.
  4. Alexander von Humboldt (1769–1859) hat als Naturforscher unsere Sicht auf die Welt so sehr geprägt, dass man seinen Einfluss wohl kaum überschätzen kann. Nenne eine naturwissenschaftliche Disziplin, und Alexander von Humboldt hat sein Scherflein dazu beigetragen.
  5. Alexander Solschenizyn (1918–2008) schrieb sein Hauptwerk erst 1973, drei Jahre nachdem er bereits den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. In Der Archipel Gulag beschreibt Solschenizyn die Gräuel der stalinistischen Lager. Das Buch zählt zu den einflussreichsten des 20. Jahrhunderts, hat es doch den Blick auf den Kommunismus nachhaltig geschärft.

 

Earth Day 2015

Seit 25 Jahren wird am 22. April international der Earth Day gefeiert. Die Geschichte um diesen Tag ist tatsächlich noch ein bisschen länger. Der 2012 verstorbene Friedensaktivist John McConnell schlug bereits 1969 bei einer UNESCO-Konferenz vor, einen Tag im Jahr der Erde und dem Frieden zu widmen. Mittlerweile ist dieser Tag recht gut verankert – in den Kalendern, die sich mit Namens- und Gedenktagen beschäftigen. Unsere Aufmerksamkeit bezüglich dieser zwei lebenswichtigen Themen braucht allerdings weiteren und eben wiederholten Anstoß.

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts stärkte die Raumfahrt auch in der breiten Bevölkerung das Bewusstsein für die Erde als eine Gesamtheit. Bekannt ist in diesem Zusammenhang ein Foto unseres Planeten, welches während der Apollo-17-Mission am 7. Dezember 1972 aufgenommen wurde. Es zeigt die Antarktis und Afrika mit der Arabischen Halbinsel. Dieses Bild ist als Blue Marble in das kollektive ikonografische Gedächtnis der Menschheit eingegangen. John McConnell schlug vor, dieses Bild als Erdflagge zu nutzen.

Die NASA verneigte sich 2014 vor dem Earth Day mit einem Global Selfie, das wie viele Veröffentlichungen der NASA zur allgemeinen nicht-kommerziellen Verwendung freigegeben ist. Daher möchte ich es hier auch zeigen:

NASA-14147-EarthDay20140422-GlobalSelfie-20140522
Global Selfie der NASA zum Earth Day am 22.04.2014

In diesem Jahr ist der konkrete Schwerpunkt des Earth Day auf das rückstandslose Recycling gelegt. Unter dem Motto „Cradle to Cradle – Nie wieder Müll. Heute Abfall, morgen Nährstoff.“ soll der industrielle Mensch wieder Eingang in den Zyklus finden, der ohne ihn so gut funktioniert.

Den Earth Song schrieb Michael Jackson übrigens nicht für diesen Gedenktag. Er hatte den World Environment Day im Sinn, als er sich die Seele aus dem Leib schrie. In Deutschland begeht auch diesen unter dem Namen Tag der Umwelt am 5. Juni jeden Jahres. Aber ich glaube, auch heute darf man Michael Jackson hören.

Der Kommandant von Apollo 17 Eugene Cernan, der auch als der letzte Mensch auf dem Mond bekannt werden sollte, hat seine Erinnerungen an die zahlreichen Einsätze bis hin zum Mondflug in Interviews und Büchern geteilt.  Aus diesen Erinnerungen haben Paul und Ralph Colwell gemeinsam mit Herbert Allen das Lied Moon Rider geschrieben, das bei den Musik-Shows von Up with People aufgeführt wird. Up with People ist eine 1965 in den USA gegründete Non-Profit-Organisation, die Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Musik-Show um die Welt schickt in dem Gedanken, dass Menschen, die sich privat kennengelernt haben, keine Kriege mehr gegeneinander führen werden.

Es muss Ende der 80er Jahre gewesen sein, dass Up with People auch in meiner Heimatstadt Peine zu Gast waren. Wir nahmen einen der Sänger als Gast auf, und ich besuchte die Show zweimal. Das Lied Moon Rider hat mich besonders fasziniert. Ich habe noch das Songbook von der Tour mit den Unterschriften der Sängerinnen und Sänger darin. Ab und zu spiele ich Moon Rider, doch die Qualität des oben eingebetteten YouTube-Videos verfehle ich deutlich.

 

Links
earthday.de
earthday.org
nasa.gov
upwithpeople.org