Todestag wichtiger Mathematiker und Physiker

Immer mal wieder, wenn ich mir die Liste von Geburts- und Todestagen auf der Wikipedia anschaue, fällt mir eine Häufung auf, die selbstverständlich eine zufällige ist, die in mir aber trotzdem das Gefühl der Besonderheit des Tages für ein bestimmtes Themenfeld entstehen lässt. Heute ist ein solcher Tag, nämlich ein Tag der Mathematik und Physik. Das liegt selbstverständlich vor allem am Todestag Albert Einsteins vor nunmehr 61 Jahren. Aber seht selbst in meiner Top-Five-(+4)-Liste bedeutender Mathematiker und Physiker, die an einem 18. April starben (aufsteigend in zeitlicher Reihenfolge):

  1. John Graunt (1620–1674) – Unter dem englischen König Charles II. versuchte der Kurwarenhändler, aus den Sterberegistern Londons eine Frühwarnsystem für Pestepedemien zu entwickeln. Das gelang ihm nicht. Aber er ist ein früher Vertreter der systematischen Datenauswertung, schlicht der modernen Statistik.
  2. Édouard Albert Roche (1820–1883) – Nach diesem französischen Mathematiker und Astronom ist unter anderem die Roche-Grenze benannt, das ist die Schwelle, an der die Gravitationskraft eines Himmelskörpers der Gezeitenkraft eines anderen erliegt.
  3. John Ambrose Fleming (1849–1945) – Auf den Erkenntnissen Edisons aufbauend ist der Brite Fleming der eigentliche Erfinder der Elektronenröhre. Mit dieser Erfindung begann das Elektronikzeitalter.
  4. Albert Einstein (1879–1955) – Fast berühmter als seine Arbeiten innerhalb der Physik sind heute wohl seine wirren Haare, seine herausgestreckte Zunge und ein paar Sätze über die Unendlichkeit der menschlichen Dummheit, die gerne immer wieder auf Facebook zitiert werden.
  5. Piet Hein (1905–1996) – Er studierte an der Kopenhagener Universität theoretische Physik. Seine wohl bekannteste Leistung hat allerdings eine ganz praktische Auswirkung: die Superellipse. Im Auftrag der Stadt Stockholm entwickelte er die Superellipse als Kompromiss zwischen Kreis und Quadrat, bzw. Ellipse und Rechteck beim Straßenbau. Der Kreisverkehr auf dem Sergels torg in Schwedens Haupstadt ist also rein mathematisch keiner …
  6. Gian-Carlo Rota (1932–1999) – Die moderne Kombinatorik ist von diesem US-Amerikaner italienischer Abstammung geprägt. Seitdem ist die Kombinatorik als mathematisches Fach anerkannt und nicht mehr nur eine Sammlung von Einzelproblemen. Das brachte ihm zahlreiche Ehrendoktorwürden ein. Die längste Zeit arbeitete er am berühmten MIT.
  7. István Vincze (1912–1999) – Vincze ging den beruflichen Umweg über eine Versicherungsgesellschaft und das Bildungsministerium, bevor er sich als Professor in Budapest mit Lehre und Forschung beschäftigte. Seine Themen waren u.a. die parameterfreie Statistik und die Informationstheorie.
  8. Edgar Frank Codd (1923–2003) – Der Brite leistete Entscheidendes für die heute allgegenwärtige Arbeit mit Datenbanken. Das System R stammt von ihm, das auch die Grundlage für SQL und Oracle lieferte. Mit 70 Jahren setzte er mit dem OLAP-Begriff noch einmal Maßstäbe. Er formulierte 12 (später 18) Regeln für ein On-Line Analytical Processing.
  9. Curt Meyer (1919–2011) – Bei Meyer tue ich mich ein wenig schwer, sein Schaffen in kurzen, griffigen Worten zu beschreiben, allein schon, weil ich es nicht verstehe. Es bleibt dabei, dass er ein Mathematiker mit Wikipedia-Eintrag ist. Und heute ist die fünfte Jährung seines Todestages.

Dazu kämen jetzt eigentlich noch die Schachmeister: Rudolf Charousek, Leonid Iwanowitsch Kubbel, Klaus Junge. Auch der Chemiker Justus von Liebig starb an einem 18. April, sowie die Botaniker Léon Dufour und Nicolas-Théodore de Saussure. Aber irgendwo muss man ja die Grenze ziehen. Schließlich erwähne ich ja auch nicht den deutschen Barockdichter Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau oder den norwegischen Anthropologen Thor Heyerdahl.

Kuchen zum Pi-Tag

Heute ist der Pi-Tag. Er hat den Namen in den USA erhalten, weil dort der heutige Tag nicht 14. März sondern March 14, oder eben 3-14 geschrieben wird. Und π=3,14 … In wissenschaftlichen oder Nerd-Kreisen isst man heute kurz vor zwei, nämlich genau um 13:59:26 einen Kuchen. Denn π spricht sich im Englischen wie pie (Kuchen) und 13 Uhr heißt in den USA 1 Uhr und π=3,1415926 …

Außerdem hat heute Albert Einstein Geburtstag. 137 Jahre ist seine Geburt her. Daraus kann man keine allgemeine Regel machen. Nächsten Jahr wird er 138 usw. Aber in diesem Jahr nun nähert sich Einsteins Alter dem Goldenen Winkel; Ψ≈137,5°. Der Goldene Winkel ist das Ergebniss der Teilung eines Vollwinkel (360°) im Goldenen Schnitt. Diesem Winkel begegnet man in der Natur bei Blattständen und in den Köpfen von Sonnenblumen.

Das gefällt mir jetzt gerade: Sonnenblumenköpfe.

Happy Pi-Day!

Erste Schülertagung der jDPG in Leipzig

Gestern fand die bundesweit erste Schülertagung der jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft (kurz: jDPG) in Leipzig statt. An die 50 Schülerinnen und Schüler aus acht Bundesländern trafen sich im Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, um gemeinsam Vorträge aus den verschiedenen Bereichen der Physik zu hören und auch eben selbst zu halten.

Ich war in meiner Funktion als Local Secretary von Mensa in Deutschland e.V. als Kooperationspartner mit in die Organisation eingebunden. In einer Vortragslücke konnte ich auch meinen Verein vorstellen und mit den Teilnehmern kurz über die Messbarkeit von Intelligenz diskutieren.

Ich maß mir nicht an, die einzelnen Vorträge zu bewerten. Da bin ich nicht qualifiziert genug. Mir blieb aber ein Beitrag in Erinnerung, der sich mit den Möglichkeiten des mikrobiellen Abbaus von Plastik im Meer beschäftigte. Robin Hertel und Finn Sombrutzki aus Neumünster gewannen mit ihren Forschungen den dritten Platz des Bundeswettbewerbs Jugend Forscht.

Hannes Vogel, Regionalgruppensprecher der jDPG, konnte für die Schülertagung auch zwei renomierte Wissenschaftler gewinnen, welche mit ihren Vorträgen die anderen Beiträge umrahmten. Zu Beginn sprach Fatihcan Atay vom MPI über dynamische Systeme. In einer Stunde führte er die Zuhörer von einfachsten Funktionen zu den Überlegungen der Chaostheorie. Zum Abschluss der Tagung gab Wolfhard Janke vom Institut für Theoretische Physik der Universität Leipzig einen Überblick zur Forschung mithilfe von Computersimulationen.

Das Gruppenfoto zeigt den Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser erfolgreichen Schülertagung.

Teilnehmer der SchülertagungLinks
dpg-physik.de/dpg/gliederung/junge/rg/leipzig/2015schuelertagung
jugend-forscht.de/wettbewerbe/bundeswettbewerb-2014
mis.mpg.de
physik.uni-leipzig.de
mensa.de

John Nash ist tot

Der Mathematiker und Wirtschaftsnobelpreisträger John Forbes Nash ist gestern, am 23.05.2015, in New Jersey bei einem Autounfall in einem Taxi gemeinsam mit seiner Frau tödlich verunglückt. Der 86-Jährige war auf dem Rückweg von der Verleihung des Abelpreises, eines Mathikpreises, der seit 2003von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften in Anwesenheit des Norwegischen Königs verliehen wird und einem Nobelpreis für Mathematik nahekommt.

Wer den Namen Nash hört und nicht zu den mathematischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fachkreisen gehört, denkt wohl zuerst an das Gesicht von Russell Crowe; denn dieser spielte Nash 2001 im Oscar-prämierten Spielfilm A beautiful Mind. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sylvia Nasar, die damit nur knapp den Pulitzer Preis verfehlte. Im Film wird sehr geschickt und einfühlsam das schizophrene Leiden des Mathematikers beschrieben. Außerdem erhält man augenzwinkernd Einblick in den Inhalt seiner Doktorarbeit, die mit dem nach ihm benannten Nash-Gleichgewicht einen wichtigen Lösungsansatz innerhalb der Spieltheorie liefert.

Nash selbst sah diese Arbeit allerdings nicht als seinen größten Beitrag zur Wissenschaft an. Ihm waren beispielsweise die partiellen Differentialgleichungen und das 19. Hilber-Problem ein weitaus größeres Herzensanliegen. Zuletzt beschfätigte er sich mit der Geldtheorie.

Ich selbst zitiere gerne in meinem Unterricht aus dem Film, um eine Klasse zum Diskutieren zu bringen. Natürlich dringen wir nicht vor bis in die Weiten seines Werkes. Aber zu den allgemeinen Sätzen kann sich auch ein Normalsterblicher eine Meinung bilden.