Namenstag des John Donne

Heute vor 483 Jahren starb John Donne (1572–1631), einer der bedeutendsten Dichter des englischen Barock. Er übersetzte aus dem Lateinischen ins Englische und verfasste Predigten und religiöse Gedichte. Ich habe vor einiger Zeit ein sehr schönes Gedicht von ihm zum Luciatag ins Deutsche übertragen. Aber das passt zeitlich wirklich nicht an das Ende des März.

Dem heutigen deutschen Leser ist John Donne nur mittelbar bekannt. Ernest Hemingways 1940 verfasster Roman For Whom the Bell Tolls (Wem die Stunde schlägt) über den spanischen Bürgerkrieg bezieht sich mit dem Titel auf eine Textpassage Donnes.

No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend’s or of thine own were. Any man’s death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.

Zitiert nach: online-literature.com/donne/

Namenstag des Meister Eckhart

Der als Meister Eckhart bekannte Mystiker wurde 1260 in Hochheim bei Gotha geboren. In seiner Jugend schloss er sich den Dominikanern in Erfurt an. Er studierte und lehrte in Köln, Paris und Straßburg. Eckhart starb 1327 oder 1328 in Köln oder in der damaligen Papstresidenz Avignon, während ein Häresie-Prozess gegen ihn gerade vom Kölner Bistum auf die Päpstliche Ebene gehoben wurde. Er blieb also sein Leben lang im Schoß der Kirche. Postum wurden 28 seiner Sätze als häretisch oder zumindest heräsieverdächtig eingestuft. Eckhart selbst wurde aber nicht verurteilt.

Bemerkenswert für seine Zeit ist, dass Eckhart viele Werk auf Deutsch veröffentlichte. Er war ein früher Verfechter der Volksbildung. Auch theologisch diffizile Themen sollten der einfachen und somit wenig gebildeten Gemeinde vorgestellt werden. Die Möglichkeit, das manches nicht richtig verstanden würde, sah er nicht als größeres Problem.

Bekannte Schüler Meister Eckharts sind Johannes Tauler, von dem heute das Adventslied Es kommt ein Schiff geladen allgemeine Bekanntheit genießt, und Heinrich Seuse, dem das makkaronische Weihnachtslied In dulci jubilo zugeschrieben wird.


Als deutschsprachiger Mystiker schuf er ein neues Verständnis, eine neue Sprache der Theologie. Auch heute sind seine Gedanken (wieder) aktuell. Er sprach von einer Einswerdung der menschlichen Seele mit Gott, aus der Gott im Grunde der Seele neu geboren werde. Er sagte, dass Gott nicht über uns stehe, sondern in uns Menschen lebe. Dies war dann allerdings auch einer der Sätze, welche den langwierigen Prozess gegen Eckhart zur Folge hatten.

Meister Eckhart ist ein Vertreter der sogenannten Negativen Theologie. Der Begriff beschreibt die Idee, dass Gott von uns nicht treffend beschrieben werden kann, weil alle unsere Beschreibungsversuche zwingend als Zuschreibungen aus der Welt der Geschöpfe stammen, Gott aber als Schöpfer jenseits der Geschöpfe stehe.

Diesem Gedanken folgend kann man nicht mehr sagen: Gott ist Vater, weil der Begriff Vater sofort Bilder von menschlichen Vätern mit all ihren Unzulänglichkeiten evoziert. Gott aber ist nicht unzulänglich wie ein menschlicher Vater. Dann wäre es also eher zutreffend zu sagen: Gott ist kein Vater. Wir haben also einen Teilaspekt Gottes nur beschreiben können, indem wir eine negative Formulierung wählten.

Doch Meister Eckhart wehrt sich letztendlich auch gegen die Negative Theologie, wie sie bis dato verstanden wurde. Gott, so sagt Eckhart, sei ja gerade ein Nicht-Verneinender, somit schließe eine negative Beschreibung Gottes stets einen Aspekt aus. Oder, um es auf die sprachliche Spitze zu treiben, man müsse auf dem Weg des Verneinens letztendlich auch zu einem Verneinen des Verneinens kommen.

Der Sozialpsychologe und Philosoph Erich Fromm, dessen 115. Geburtstag gerade vier Tage zurückliegt, hat sich viel mit Meister Eckhart beschäftigt. In seinen beiden wohl bekanntesten Büchern Die Kunst des Liebens (1956) und Haben oder Sein (1976) zitiert er den mittelalterlichen Denker immer wieder.

Erich Fromm diskutiert im dritten Kapitel von Haben oder Sein eine Predigt Eckharts über das Jesus-Wort aus der Bergpredigt: Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Himmelreich (Matthäus 5, 3). Eckhart definiert in seiner Predigt diese Armut so: Das ist ein armer Mensch, der nichts will und nichts weiß und nichts hat.

Nichts zu wollen, bedeute, überhaupt keine Begierden zu haben. Und Eckhart zählt auch das Gott-dienen-Wollen zu den Begierden. Nichts zu wissen, bedeute, nicht einem dogmatischen Wissen anzuhängen. Es bedeute aber nach Fromm nicht, zu vergessen, was man weiß, sondern dass man weiß. Ein Denken außerhalb dieses Armutsbegriffs (Fromm nennt es im Gegensatz zum Wissen im Haben ein Wissen im Sein) sei eines, das nie den Wunsch verspürt, stillzustehen, um Gewissheit zu erlangen. Zum Nicht-Haben erklärt Eckhart in seiner Predigt, dass er nicht nur der Welt ledig sein wolle, um eine Stätte Gottes zu sein, sondern Gott selbst sei die Stätte, in der er wirke. Dieser Gedanke steigert sich noch: Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache.


Ich war noch in der Grundschule, als ich zum ersten Mal auf Meister Eckhart stieß oder viel mehr gestoßen wurde. Die Tochter meines Babysitters, der Schule gerade entwachsen, schrieb in mein Poesiealbum folgendes Eckhart-Wort:

Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart,
der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht,
und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.

Ich habe damals natürlich nicht genau verstanden, was das bedeuten soll. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie wusste, warum sie mir diesen Satz ins Album schrieb. Aber ich bin froh, diesen Satz schon so lange mit mir herumtragen zu können.

Die Predigten Meister Eckharts sind recht preiswert bei Reclam erschienen. Und von den beiden Werken Erich Fromms gibt es Taschenbuchausgaben bei Ullstein und dtv.

Wann ist Frühling?

Wir warten in jedem Jahr wieder und immer ein wenig ungeduldiger als im Jahr zuvor auf den Frühling. Fast könnte man die ungeduldige Vorfreude der Erwachsenen in diesen Wochen mit der kindlich-adventlichen Erwartung des Weihnachtsfestes vergleichen, wenn sich dies nicht aus jahreszeitlichen und theologischen Gründen ausschlösse. Weihnachten und Ostern fallen eben tatsächlich niemals auf den selben Tag!

Da uns aber der Frühling so wichtig ist, können wir gleich mehrere Frühlingsanfänge feiern. Da bietet sich doch meine geliebte Form der Top-Five-Liste an:

  1. Frühlingsanfang im Kirchenjahr
    Für die Berechnung des Osterfestes ist der Frühlingsanfang wichtig. Der Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, also dem Vollmond nach Frühlingsanfang, ist der Ostersonntag. Bereits beim Konzil von Nicäa wurde das so festegelegt und der Frühlingsanfang auf den 21. März gesetzt. In Abhängigkeit des Monzykluses kann das Osterfest also schon am 22. März beginnen oder aber erst am 25. April. In diesem Jahr wird der Frühlingsvollmond am 4. April sein. Der 5. April ist dann Ostersonntag.
  2. Der phänologische Frühlingsanfang
    Wenn man einen Spaziergang macht, interessieren einen nicht unbedingt Kalender und Berechnungen von bestimmten Terminen. Man schaut in die Natur. Und was man sieht, bestimmt auch, wie man sich fühlt. Brechen die ersten Schneeglöckchen durch den Schnee, beginnt der Vorfrühling. Die gelben Blüten der Forsythie ordnet man dem sogenannten Erstfrühling zu. Die Apfelblüte zeigt uns schließlich gemeinsam mit dem ersten Flieder den Beginn des Vollfrühlings in Mitteleuropa an.
  3. Der astronomische Frühlingsanfang
    Die erste Tag-und-Nacht-Gleiche des Jahres bestimmt den astronomischen Beginn des Frühling; die zweite dann übrigens den Herbstanfang. In diesem Jahr hat der astronomische Frühling bereits gestern am 20. März begonnen.
  4. Der meteorologische Frühlingsanfang
    Die Meteorologen lieben Statistiken. Damit man diese sauber erstellen kann, braucht es klare Zuordnungen. Daher hat die unter dem Dach der UN arbeitende World Meteorological Organization die drei Monate März, April und Mai dem Frühling zugeorndet. Wir sind heute also schon drei Wochen tief im meteorologischen Frühling. (Die Aufteilung der übrigen neun Monate erspare ich mir, um nicht die Intelligenz meiner Leser zu kränken.)
  5. Der ökonomische Frühlingsanfang
    Böse Zungen behaupten, man erkenne den Beginn des Frühlings am Beginn des Sommerschlussverkaufs, da ja im Handel vieles überpünktlich bis absolut unzeitig angeboten würde. So schlimm ist es allerdings noch nicht um uns gestellt. Obwohl saisonale Schlussverkäufe seit 2004 nicht mehr gesetzlich bestimmt werden, haben sich doch bestimmte Zeiten bewahrt (Juli/August für den SSV und Januar/Februar für den WSV). Das Ende des Winterschlussverkaufs ist also eine Art ökonomischer Frühlingsanfang. Ungefähr zur gleichen Zeit halten dann auch Schokoladenosterhasen und Nugateier Einzug in die deutschen Supermärkte.

Ich möchte den heutigen Blogeintrag auch nutzen, um einen anderen Blog kurz vorzustellen. Unter dem Namen Neues aus Philly stellt Anne Sophie Heisig ihre temporäre Wahlheimat Philadelphia vor. Während ihrer ersten Semester der Theologie habe ich sie in Leipzig, genauer beim Gitarrenabend in der VILLA kennengelernt. Sie spielt nämlich Gitarre und hat – nebenbei bemerkt – eine wunderbare Stimme. Nun ist sie für ein Studienjahr in den USA.

In diesem Sommer aber wird sie zurückkommen. Darauf freue ich mich. Gestern hat sie auf ihrem Blog einem Artikel den Titel Warten auf den Frühling gegeben. Dem schließe ich mich an. Der Blog beinhaltet übrigens deutlich weniger Worte und mehr Bilder als mein Blog. Ein kurzer Besuch lohnt sich also.

Link
neues-aus-philly.blogspot.de

Staring at the sun

Eigentlich wollte ich beginnen mit: Dieser Tag steht ganz im Schatten der Sonne. Aber das ist nicht ganz logisch. Im Schatten des Mondes vielleicht – aber das dann nicht ganz, sondern nur partiell. Also, nochmal.

Dieser Tag steht ganz im Schatten eines Ereignisses: der partiellen Sonnenfinsternis. Und damit verbunden die Angst vor einem Zusammenbruch der bundesrepublikanischen Stromversorgung, was, wie ich jetzt bereits schreiben kann, ganz offensichtlich nicht eingetreten ist. Da haben Atom- und Kohlelobby wohl zu Unrecht Panik geschürt. Gut. Aber das soll jetzt hier nicht zu politisch werden.

Während die Sonne mehr und mehr vom Mond verdeckt wurde und ich mich vor dem Weiterarbeiten am Vatermörder-Projekt drückte, wuchs in mir der halbherzige Wunsch, vielleicht doch ein Foto von diesem Ereignis zu schießen. Klarer Himmel über Leipzig begünstigte dies. Doch was dabei herauskommt – ohne weitere Filter und mit einer Ausrüstung, die für die Erstellung von Porträts angeschafft wurde –, kann man an diesem kläglichen Bildchen ablesen, welches ich in Paint wohl besser hinbekommen hätte.

Na ja, jetzt hält mich ja nichts mehr von meiner Schreibtischarbeit ab. Obwohl ich natürlich noch den Einkauf für das Wochenende erledigen könnte …

Die Sonne mit Mond und Schlieren auf der Linse

Namenstag des Hl. Joseph von Nazareth

Der Hl. Joseph gehört wohl neben Jesus und Maria zu den bekanntesten Personen des Neuen Testaments. Doch weiß man mehr über seinen Beruf (Zimmermann) als über seine tatsächliche Beziehung zu den beiden anderen. War er der Ehemann Marias, der mit ihr viele Kinder hatte, wie zum Beispiel Jakobus, den „Bruder“ des Herrn? Oder war der alternde Joseph der jungen Maria eher ein väterlicher Freund, der mit ihr die geschlechtslose und nach ihm benannte Josephsehe führte?

Der Stammbaum Jesu, der in den Evangelien nach Matthäus und nach Lukas (unterschiedlich) aufgelistet ist, nennt Joseph als das letzte Glied der Kette, das Jesu Abstammung von König David bezeugen soll. Eine Beweisführung, die bei wortwörtlicher Jungfrauengeburt offenkundig obsolet wäre.

Vielleicht ist das aber auch eine moderne Funktion des Hl. Joseph, uns zu zeigen, dass biologische Vaterschaft am Ende nur für den Genetiker interessant ist. Vater ist, wer die Rolle des Vater annimmt, sie mit Leben füllt und dem Kind gegenüber Verantwortung übernimmt. Joseph hat genau das getan.

In meinem Projekt Vatermörder, an dem ich dieser Tage verstärkt arbeite, beschäftige ich mich mit abwesenden biologischen Vätern und den ihnen folgenden Stiefvätern bis hin zu modernen Patchwork-Familien. Vor allem aber geht es mir darum, was diese Lebenssituation mit den Söhnen macht. Man darf gespannt bleiben.

Der Josephstag war bis in die späten 60er Jahre in Bayern ein gesetzlicher Feiertag, in Italien sogar noch bis 1977. In vielen Kantonen der Schweiz wird er bis heute gefeiert. In manchen Bundesländern Österreichs ist auch heute noch zu Sankt Joseph schulfrei.

Eine schöne Bauernregel verheißt uns nach dem heutigen Sonnentag ein gutes Jahr:

Ist es zu Sankt Joseph klar,
folgt ein gutes Honigjahr.

Namenstag des Hl. Patrick von Irland

Wie bei vielen Heiligen der ersten Jahrhunderte ist über den Hl. Patrick kaum Gesichertes überliefert. Er soll zwischen 385 und 461 gelebt haben. Wahrscheinlich war er ein Sohn eines in Britannien stationierten Römers, der bereits ein Christ war. Mit 16 Jahren soll er von Seeräubern nach Irland verschleppt worden sein, wo er als Sklave verkauft seine Jugend über Schafe hüten musste, bis ihm die Flucht nach Frankreich und dort in ein Kloster gelang. Später als ausgebildeter Geistlicher kehrte er zur Mission nach Irland zurück.

Durch ein Gebet allein soll der Hl. Patrick sämtliche Schlangen von der Insel vertrieben haben. Dies gleicht wohl aber eher dem alten Witz vom Holzfäller, der seine Ausbildung in der Sahara absolvierte und auf die Anmerkung, dass es da doch keine Bäume gebe, erwiderte: „Ja, jetzt nicht mehr.“ Bereits seit der letzten Eiszeit sind keine Schlangen auf Irland nachweisbar.

Noch bekannter als die Geschichte von den Schlangen ist jedoch die vom dreiblättrigen Kleeblatt – Shamrock genannt. Der Hl. Patrick nahm das Kleeblatt, um die Dreifaltigkeit Gottes zu erklären: ein Blatt, das aus drei Blättern besteht. So haben Christen auch nur einen Gott, der sich aber in drei Gestalten zu erkennen gibt: als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Dass diese drei eins sind, ist wichtig, um dem Vorwurf des Polytheismus zu entkräften. Im Islam ist dies der wohl größte Kritikpunkt am Christentum. Dieser Umstand basiert allerdings auf einem Missverständnis und hat mit dem Hl. Patrick nichts zu tun.

Der Hl. Patrick gehört heute zu den bekannteren Heiligen. Allerdings nicht, weil so viele Menschen die Legenden um ihn kennen würden, sondern nur, weil er der Schutzheilige Irlands ist und Exiliren in der ganzen Welt den Saint Patrick Day bekannt gemacht haben. Heute wird er auch von vielen Nichtiren feierlich begangen. Zumindest nutzen die Irish Pubs in den deutschen Großstädten den Tag, um ihre Kundschaft grün anzumalen, Guinness Beer und Irish Whiskey zu verkaufen.

Der irish-katholische Moraltheologe Denis Vincent Twomey sprach sich 2007 im The Irish Independent gegen die bestehenden Festtagstraditionen aus und sagte, es sei an der Zeit, den Saint Patrick’s Day wieder als einen kirchlichen Feiertag zu beanspruchen. Die alkoholgetriebenen Ausschweifungen sollten einer frommeren [und familientauglicheren] Freude weichen. Ich persönlich stimme ihm mit dem Hinweis zu, dass er sich – ganz echter Ire – nicht absolut gegen den Alkohol ausspricht. Der Artikel im März 2007 war betitelt: More piety, fewer pints ‚best way to celebrate‘

Leipziger Buchmesse 2015

Zwei Tage auf der Leipziger Buchmesse und ich kann meine Füße kaum noch spüren. Manche lieben ja den Trubel um das geschriebene Wort. Andere stehen den plötzlich aufgescheuchten Massen skeptisch gegenüber. Am Donnerstag gehörte ich zu ersten Gruppe und heute zur zweiten. Den Sonnabend möchte ich nicht auf dem Messegelände verbringen.

Beim Gang durch die Hallen traf ich trotz der vielen Besucher auch eine Menge Freunde, die ich aber an dieser Stelle nicht aufzählen mag. Aber ich kann von einigen Personen des öffentlichen Lebens berichten. Wer einen Blog betreibt, kommt wohl an Sascha Lobo nicht vorbei, zumindest kommt er auf der Buchmesse nicht an ihm vorbei, ohne ihn wenigstens einmal fotografiert zu haben (s.u.). Dann habe ich den Stand des Self-Publisher-Verlags aufgesucht, über den ich meine Bücher bisher und bis auf weiteres auch weiterhin veröffentlich habe und werde: epubli. Im Bereich Religion der Halle 3 hörte ich ein Gespräch mit Brigitte Schorr. Sie leitet das Schweizer Institut für Hochsensibilität. Ich selbst bin davon nicht betroffen, aber ich weiß, dass für eine Reihe von Hochbegabten die Hochsensibilität ein wichtiges Thema ist.

Schließlich lauschte ich einem Gespräch mit dem diesjährigen Preisträger des Leipziger Buchpreises im Bereich Belletristik Jan Wagner. Seine Regentonnenvariationen sind der erste Lyrikband, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Und auch, wenn ich ihn kein Gedicht hab sprechen hören, waren seine Worte so behutsam gesetzt, dass auch dieses Gespräch schon ein Genuss war.

Ich hatte auch Peer Steinbrück getroffen. Allerdings  wollte ich nicht wie ein verrücktes Groupie in seinen Weg springen, um ein Foto von ihm zu machen. Ich begnügte mich viel mehr damit, quasi in seinen Fußstapfen zu wandeln, bis er dann allerdings abbog – ich werde jetzt nicht sagen, ob nach rechts oder links.

Im Rahmen der Buchmesse findet auch die Manga Comic Convention statt. Sie ist der Grund für die vielen verkleideten Jugendlichen auf dem Messegelände. In vielen Kunstrichtungen und -gattungen wird diskutiert, ob denn nun das Leben die Kunst oder die Kunst das Leben imitiere.  Bei der Verkleidung der Manga-Fans ist es ein wenig komplizierter. Sie treten auf der Convention in eine Halbwelt, in der sie einerseits einen Charakter ihrer Wahl darstellen und andererseits besonders gelungen Kostümierte mit ihrem Smartphone oder einer größeren Kamera einfangen. Doch die Charaktere, die hier nun also dargestellt werden, sind selbst aus Comics oder Computerspielen, in denen eine naturgetreue Darstellung bereits aufgegeben wurde. Nun müssen diese Jugendlichen also besonders künstlich aussehen. Die eigenen Haare zu stylen, kann nur ein Kompromiss sein. Besser ist da eine nach Theatermaßstäben schlechte Perücke, welche die Haarsträhnen zusammenfassend eher Haarflächen zeigt, fast wie in den Comics und Mangas, in denen die Originale auftreten.

Morgen gehe ich noch mit einer guten Freundin zu einer Lesung von Indie-Autoren, mit denen sie in den letzten Jahren der Buchmesse und über das Internet Freundschaft schloss. Ich bin gespannt.

Links
leipziger-buchmesse.de
saschalobo.com
epubli.de
ifhs.ch
hanser-literaturverlage.de/autor/jan-wagner
manga-comic-con.de

Das Ende von Eddy

Heute habe ich nach nur drei Lesetagen (und das ist für mich als extremer Langsamleser ein Rekord) Das Ende von Eddy endgültig aus den Händen gelegt. Und um es gleich vorab kurz zu sagen: Ich bin begeistert!

Buchcover

Im Dezember 2008 wurde der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Initiative Frankreichs und der Niederlande die Erklärung über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität verlesen. 67 der 192 Mitgliedsstaaten unterzeichneten sie, darunter auch die gesamte EU. Die erforderliche Mehrheit wurde jedoch verfehlt. Von Syrien gab es noch am gleichen Tag eine Gegenerklärung, welche von 57 vorwiegend islamischen Staaten unterstützt wurde.

Wir, die westliche Welt, wähnen uns schon die moralischen Sieger in Fragen der Menschenrechte. Wir verachten die in Russland Regierenden für ihre in neue Gesetze geronnene Homophobie. Doch oft erinnert mich die Aufregung an das Jesuswort in der Bergpredigt von Splittern und Balken.

Sind wir eine Tolerante Gesellschaft, weil wir im Fernsehen Abendkleid und Vollbart auch gemeinsam ertragen? Wie steht es mit dem Wechsel von Haute Couture zu Prêt-à-porter? Trägt das dünne Eis der Toleranz hier noch?

Seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Doch Pegida und Co. zeigen uns, was auch in unserer Gesellschaft noch alles wimmelt und wuchert. Das Feuilleton darf weiter überrascht sein. In den Unterschichten wird der Diskurs nicht ganz so feingliedrig geführt, die Sprache nicht ganz so gewählt verwendet. Und ganz gleich, wie viele Zwischenformen dem Anmeldeformular von Facebook abgerungen werden, wer sich nicht wie ein ganzer Kerl benimmt, ist eben eine Tussi.

Der 1992 als Eddy Bellegueule geborene Autor schildert uns auf knappen 200 Seiten das noch junge Leben eines Menschen, der den Weg aus dieser Schicht geschafft hat. Doch wie gefährdet ist sein Weg! – Auch in unserer westlichen Welt. Was kommt alles nicht in diesem Roman vor? Welche Hilfs- und Förderprogramme haben ihn nicht erreicht? Und wie viele Menschen gibt es, deren Geschichte wir nicht kennen, weil sie nie die Möglichkeit erhielten, sie zu erzählen?

Eddy Bellegueule trennt sich von seiner Herkunft ab. 2013 ändert er seinen Namen zu Édouard Louis. Nun gehört er zu den Kreisen, die man mit der Weltstadt Paris verbindet. Doch bleibt ihm die Erinnerung, die ihn auch hier nun nicht vollständig dazugehören lässt. Er selbst sagt in einem Interview, die Pariser Verleger hätten keine Vorstellung von den Verhältnissen in der nordfranzösischen Provinz. Ein Verleger habe sein Manuskript mit Verweis auf die Unglaubwürdigkeit der Geschichte abgelehnt.

Der Spiegel hält zu den Etablierten, wenn man in einer Rezension von Franziska Wolffheim lesen kann, dass man als Leser „tatsächlich mitunter Schwierigkeiten [habe], sich auf diesen etwas holzschnittartig wirkenden Kosmos einzulassen – mag er auch authentisch sein.“

Der franko-kanadische Regisseur und Schauspieler Xavier Dolan hingegen lobt sogar dezidiert die Authentizität der Dialoge. Le Figaro schreibt schließlich: „Es erscheint so selten wie der Halley’sche Komet an unserem Himmel, ein so ungewöhnliches Buch, dass seine schiere Existenz schon einem Wunder gleicht, welches zu beschreiben die Worte fehlen.“

Ein Fachbuch hatte er bereits 2013 im Rahmen seines Soziologiestudiums herausgebracht, über Pierre Bourdieu, und eines 2014 über Michel Foucault. Man könnte ein wenig spotten über den damals noch 21-jährigen Studenten, dessen erstes Belletristisches Werk eine Autobiografie ist. Doch es geht hier nicht um die Aufzählung seiner vermeintlichen Meriten. Es ist ein bedeutendes Überlebenszeugnis. Der Roman wäre schon als reine Schilderung wichtig. Hinzu kommt die Sprache, die viel gelobt, auch in der deutschen Übersetzung überzeugt.

Bereits im Januar 2014 wurde En finir avec Eddy Bellegueule von Édouard Louis in Frankreich veröffentlich. Ins Deutsche übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel ist Das Ende von Eddy bei S. Fischer am 19. Februar 2015 erschienen.

 

Links
edouardlouis.com (auf Französisch)
fischerverlage.de/buch/das_ende_von_eddy
spiegel.de/kultur/literatur/das-ende-von-eddy

Namenstag des Hl. Thomas von Aquin

Heute ist der Gedenktag für den Hl. Thomas von Aquin (1225–1274). Als einer der Kirchenväter hat er großen Einfluss auch auf unser heutiges Verständnis vom Christentum. Thomas war ein Scholastiker, also ein mittelalterlicher Philosoph, der von Aristoteles ausgehend die Methode der Beweisführung anwendet. Sein Hauptverdienst ist wohl, die Theologie zu einer Wissenschaft erhoben zu haben.

Noch heute werden im Unterricht seine quinque viae ad deum (fünf Wege zu Gott) behandelt – unter dem Namen Gottesbeweise. Auch wenn sie nicht die letztendliche Stichhaltigkeit einer mathematischen Beweisführung besitzen, sollte man sie nicht in einer unserer Zeit anhaftenden Arroganz schlicht als widerlegt abtun. Ihnen in Gedanken zu folgen, kann man auch als meditative Übung begreifen, die den Import halbverdauten fernöstlichen Krimskrams obsolet werden lässt.

Urlaubsziele

Ich denke gerade – in einer Arbeitspause – über Urlaubsziele nach. Ich bin kein großer Weltreisender. Und selbst in Europa habe ich mich noch nicht allzu weit herumgetrieben. Wenn ich mich dann aber mal aus Leipzig traue, merke ich, wie schön es ist, einen Ort, den ich bereits aus der Literatur oder aus Filmen kenne, nun auch real selbst zu erleben. Ich reise gern in fremde Großstädte. Meine Top-Five-Liste enthält also nur Städte.

  1. Wien
    Peinlich genug, dass ich tatsächlich noch nie in Wien war. Wenigstens kenne ich mit Bratislava bereits die kleinere Schwester. Aber zum Jahresende ist eine Fahrt nach Wien geplant.
  2. Amsterdam
    Als Teenager hatte ich den Einrduck, man könne nur nach Amsterdam reisen wollen, wenn man ein Kiffer wäre. Doch heute weiß ich, dass die Stadt auch vieles andere zu bieten hat. Ich warte nur noch auf einen Anlass.
  3. Danzig
    Als Deutscher mit einem gewissen Sinn für Geschichte ist Danzig ja wohl Pflichtprogramm. Nach einigen Polenfahrten muss ich doch endlich mal bis nach Danzig kommen.
  4. Madrid
    Die iberische Halbinsel ist mir noch total fremd. Wenn ich Kunstbände anschaue, sehe ich oft Madrid als Standort für die Originale angegeben. Das allein sollte schon Grund genug sein, sich auf die Reise zu begeben.
  5. Lissabon
    Ich lese und verehre Fernando Pessoa. Einmal möchte ich über die Straßen schreiten, auf denen Pessoa einst wandelte. Vielleicht muss ich dazu noch ein wenig älter werden – für den Nachtzug nach Lissabon.