Tag der Ersten Märtyrer von Rom

Heute ist für die evangelische wie die katholische Kirche der Gedenktag der Ersten Märtyrer von Rom. Gemeint sind damit die frühen Christen, die unter Nero verfolgt und oft bestialisch gefoltert und gemordet wurden. Tacitus berichtet von Massenkreuzigungen und von Zirkusspielen, bei denen Christen in Tierhäute gebunden wilden Tieren vorgeworfen wurden. Aber besonders schrecklich ist wohl, dass der Kaiser Nero in seinen Parkanlagen zur Dämmerung Christen als lebende Fakeln aufstellen ließ.

Die lebenden Fackeln des Nero (1876 von Henryk Siemiradzki)
Die lebenden Fackeln des Nero (Henryk Siemiradzki, 1876)

Der polnische Salonmaler Henryk Siemiradzki schuf 1876 selbst in Rom lebend das Gemälde Die lebenden Fackeln des Nero, das keine 20 Jahre später sogar in Theodor Fontanes Roman Die Poggenpuhls Eingang gefunden hat. Unser heutiges Nero-Bild ist jedoch von einem anderen Polen nachhaltig geprägt. Zeitgleich mit der Buchveröffentlichung der Poggenpuhls erschien der Roman Quo Vadis? des Literaturnobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz. Ist der Roman auch schon 1898 auf Deutsch erschienen, kennen heute doch die meisten nur aus dem Kreise der Verfilmungen jene des Regisseurs Mervyn LeRoy aus dem Jahre 1951. Sir Peter Ustinov stellte Nero so raumgreifend und überzeugend dar, dass seine Verkörperung lange Zeit jedes historische Zeugnis verdrängte.

Mittlerweile wird der historische Nero deutlich nüchterner betrachtet. Manche Historiker sehen im Seneca-Schüler einen erst hoffnungsvollen Reformer, der Opfer seines wohl schwachen und ausschweifenden Chrakters und seiner eigentlichen Fehlbesetzung auf dem Kaiserthron wurde. Nero sah sich sein Leben lang als Künstler. Dass in seiner Regierungszeit Christen verfolgt wurden, bleibt aber unbestritten. Um auch ein filmisches Gegenstück zur Ustinov-Variante zu nennen, empfehle ich den Fernsehfilm aus dem Jahre 2004 Imperium: Nero (im Deutschen noch mit dem Untertitel Die dunkle Seite der Macht). Hans Matheson spielt unter dem britischen Regisseur Paul Marcus die Figur des Kaisers so ganz anders aus, dass ich fast schon Mitleid mit diesem visionären aber orientierungslosen Potentaten fühlen möchte.


Ein solcher Tag nun scheint mir angemessen, auf ein Video der Katholischen Kirche in Deutschland aufmerksam zu machen. Flüchtlinge in Deutschland lesen Twitter-Nachrichten von Deutschen über Flüchtlinge. Die Nachrichten sind echt und die Flüchtlinge auch.

Wir sitzen so warm, satt, sicher und über die Maßen selbstgefällig vor unseren Bildschirmen und urteilen leichtfertig über Menschen, die oft nur knapp einem der Ersten Märtyrer von Rom ähnlichen Schicksal entkommen sind. Die Pegida-Demonstrationen, die Brandanschläge auf Asylbewerberheime, die hier verlesenen Tweets – das alles erfüllt mich mit Scham. Sollten wir nicht langsam bessere Menschen geworden sein?

Link
katholisch.de/fluechtlinge

Demetri Martin gegen den Ernst der Welt

Ich habe seit dem frühen Morgen darüber nachgedacht, worüber ich heute schreibe. Ich dachte an den thüringischen Pädagogen Friedrich Fröbel, der heute vor 175 Jahren den ersten Kindergarten gründete. Ihm ist es zu verdanken, dass das Wort Kindergarten in den internationalen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Dann dachte ich an einen besonders pingeligen Eintrag über den Sankt-Veits-Tag, der ja eigentlich am 15. Juni ist. Vor 626 Jahren fand die Schlacht auf dem Amselfeld am Sankt-Veits-Tag statt. Das ist ein Kapitel der europäischen Geschichte, das heute wieder intensiver studiert werden sollte. Es geht um die Zugehörigkeit des Balkan, den Islam und die panslawische Idee. Wie dem auch sei, nach der gregorianischen Kalenderreform rutschte der Gedenktag auf den 28. Juni, aber das möchte ich heute mal nicht weiter ausführen.

Dafür möchte ich einen griechischstämmigen amerikanischen Komiker vorstellen. Demetri Martin ist ein mittlerweile 42-jähriger Studienabbrecher, der in New York als Stand-Up-Comedian wirkt. Dem Kinopublikum wurde Martin erst 2009 mit dem Ang-Lee-Film Taking Woodstock vorgestellt, in dem er die Hauptrolle des LGBT-Aktivisten Elliot Tiber spielt. Ich wurde vor einiger Zeit bei einem Chat auf Demetri Martin aufmerksam gemacht. Auf YouTube sind ein paar seiner Shows zu finden. Zwei, die ich gestern Abend angeschaut bzw. angehört habe, sind diese:

Erste Schülertagung der jDPG in Leipzig

Gestern fand die bundesweit erste Schülertagung der jungen Deutschen Physikalischen Gesellschaft (kurz: jDPG) in Leipzig statt. An die 50 Schülerinnen und Schüler aus acht Bundesländern trafen sich im Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, um gemeinsam Vorträge aus den verschiedenen Bereichen der Physik zu hören und auch eben selbst zu halten.

Ich war in meiner Funktion als Local Secretary von Mensa in Deutschland e.V. als Kooperationspartner mit in die Organisation eingebunden. In einer Vortragslücke konnte ich auch meinen Verein vorstellen und mit den Teilnehmern kurz über die Messbarkeit von Intelligenz diskutieren.

Ich maß mir nicht an, die einzelnen Vorträge zu bewerten. Da bin ich nicht qualifiziert genug. Mir blieb aber ein Beitrag in Erinnerung, der sich mit den Möglichkeiten des mikrobiellen Abbaus von Plastik im Meer beschäftigte. Robin Hertel und Finn Sombrutzki aus Neumünster gewannen mit ihren Forschungen den dritten Platz des Bundeswettbewerbs Jugend Forscht.

Hannes Vogel, Regionalgruppensprecher der jDPG, konnte für die Schülertagung auch zwei renomierte Wissenschaftler gewinnen, welche mit ihren Vorträgen die anderen Beiträge umrahmten. Zu Beginn sprach Fatihcan Atay vom MPI über dynamische Systeme. In einer Stunde führte er die Zuhörer von einfachsten Funktionen zu den Überlegungen der Chaostheorie. Zum Abschluss der Tagung gab Wolfhard Janke vom Institut für Theoretische Physik der Universität Leipzig einen Überblick zur Forschung mithilfe von Computersimulationen.

Das Gruppenfoto zeigt den Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser erfolgreichen Schülertagung.

Teilnehmer der SchülertagungLinks
dpg-physik.de/dpg/gliederung/junge/rg/leipzig/2015schuelertagung
jugend-forscht.de/wettbewerbe/bundeswettbewerb-2014
mis.mpg.de
physik.uni-leipzig.de
mensa.de

„Gefälschte“ Statistik

Ich bin auf einen sehr interessanten Artikel bei National Geographic gestoßen, der sich mit typischen aber nicht minder schwerwiegenden Fehlern bei der grafischen Darstellung statistischer Erkenntnisse beschäftigt.

http://news.nationalgeographic.com/2015/06/150619-data-points-five-ways-to-lie-with-charts

Über einige dieser fünf Punkte rede ich auch in meinen Excel-Kursen, z.B. an der Volkshochschule Leipzig. In dem gleichen Zusammenhang nenne ich dann auch gern das berühmt-berüchtigte Zitat:

Ich traue keiner Statistik,
die ich nicht selbst gefälscht habe.

Das Wort wird oft Winston Churchill zugeschrieben, stammt aber sehr wahrscheinlich von Joseph Goebbels, der Churchill mit dieser Zsuchreibung diskreditieren wollte. Wer hat nun gewonnen? – Goebbels, weil wir heute tatsächlich glauben, dass Churchill das gesagt habe, oder Churchill, weil wir ihn alle für sein vermeintliches und feinsinniges Bonmot bewundern.

Radwegekirchen

Es ist schon einige Zeit her, dass ich auf einem Fahrrad saß, geschweige denn regelmäßig auf zwei Rädern von Muskelkraft getrieben den Weg zwischen einem A und einem B überbrückte. Aber Richtung Sommeranfang ist zumindest die Vorstellung einer Radtour relativ verlockend.

Bei der Lektüre des aktuellen ZEIT-Magazins bin ich auf die Deutschlandkarte mit den Radwegekirchen gestoßen. Sie liegen an ausgewiesenen Radwanderwegen und sind geöffnet für kurze Andachten. Außerdem haben sie Toiletten und manchmal sogar Fahrradflickzeug. Besonders stark verbreitet ist die Idee der Radwegekirchen in Sachsen-Anhalt. Und in dem Bundesland liegt auch die Straße der Romanik. So ist zum Beispiel der Dom in Merseburg auch eine Radwegekirche.

Wenn es auch an diesem Wochenende des Sommeranfangs nicht ganz so freundlich aussieht, irgendwann in diesem Jahr sollte ich doch auch einmal wieder eine Radtour wagen. Interessierte Mitreisewillige dürfen sich gern melden.

Link
radwegekirchen.de

Namenstag des Albert Knapp

Der evangelische Pastor und Dichter Albert Knapp (1798–1864) erhielt seine Ausbildung im Seminar in Maulbronn, das vor und nach ihm so namhafte Personen wie Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse besuchten.  Ab 1816 studierte Knapp in Tübingen Theologie und trat einer Burschenschaft bei. Das war allerdings noch die Zeit, in der Burschenschaften allgemein für progressives und libertäres Gedankengut standen. Er beging feierlich das Gedenken an die Schlacht bei Waterloo, deren Tag sich heute beim Schreiben dieses Blogeintrags zum runden 200. Male jährt. Der 18. Juni sollte 1864 auch Knapps Todestag werden; doch das hatte dann mit Napoleon nichts mehr zu tun. Vorher folgter er noch als Pastor der Leonardsgemeinde in Stuttgart dem berühmten Gustav Schwab nach, den bibliophile Kinder und Jugendliche seiner Sagen des klassischen Altertums wegen immer noch verehren.

Albert Knapp gründete im Winter 1837 den ersten Tierschutzverein auf deutschem Boden. Knapp sah, mit Verweis auf den Schöpfungsbericht und den Römerbrief (Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Römer 8, 19), den Tierschutz als eine christliche Aufgabe. Nun bin ich nicht im Tierschutz aktiv, aber als praktizierender Vegetarier fühle ich mich dem Knapp nahe. Apropos Essen: Es gibt ein recht bekanntes Tischgebet von Albert Knapp, das aus dem Gründungsjahr stammt und heute im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 462 zu finden ist. Man kann es also gut nach einer vegetarischen Mahlzeit sprechen:

Wir danken dir, Herr Jesus Christ,
dass du unser Gast gewesen bist.
Bleib du bei uns, so hat’s nicht Not,
du bist das wahre Lebensbrot.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Heute vor 35 Jahren hatte der Kultfilm Blues Brothers in Chicago Premiere. Ich selbst sah ihn fast genau zehn Jahre später in Peine im Sommer 1990 – aber auch im Kino und nicht von einer schlechten VHS-Kopie auf einem unscharfen Röhrenfernseher. Das war dann das zweite bis zwanzigste Mal der Fall, als ich wiederholt John Belushi und Dan Aykroyd im Auftrag des Herrn und im Kreise einiger Musikgrößen Geld für ein katholischen Waisenhaus sammeln sah.

Ich denke, ich muss hier keine Inhaltangabe schreiebn. Der Film ist wohl den meisten bekannt. Außerdem lebt er nicht unbedingt von der Handlung, sondern von der guten Musik zwischen Bues, Rock und Gospel. Große Stars haben ihre Gastauftritte, einige von der Mehrheit unbemerkt, wie z.B. Frank Oz, der sonst in der Muppet Show Miss Piggy seine Stimme leiht. Andere Gastauftritte sind legendär: Ray Charles, John Lee Hooker, Chaka Khan, Aretha Franklin und – last but not least – James Brown.

Mir gefällt besonders gut, dass die religiösen bzw. kirchlichen Bezüge in diesem Film nicht genutzt werden, um sich über den Glauben zu erheben oder Hohn und Spott über Christen auszuschütten. Die Opferrolle bleibt hier der staatlichen Gewalt vorbehalten. Der Glaube ist vielmehr eine weitere Coolness-Faktor. Zu vergleichen ist der Film in seiner Wirkung an dieser Stelle wohl mit Sister Act.

Eine Reihe von Geburtstagen

Heute hätte mein Neffe Jonas geboren werden sollen. Er ist aber bereits vier Tage auf der Welt. Das finde ich gut! Erstens zeigt es, dass bei der Geburt alles gut gegangen ist, zweitens kann der 15. Juni weiterhin ungeteilt der Geburtstag meines Patenkindes Pauline bleiben.

Wobei man fairer Weise sagen muss, dass niemand einen Tag ganz für sich hat. Schon in einer Gruppe von 23 Personen ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei am gleichen Tag geboren sind, etwas höher als 50 Prozent. Wer das jetzt nicht glaubt, mag Begriffe wie Geburtstagsproblem oder Geburtstagsparadoxon suchen. Das inspiriert mich zu der Top-Five-Liste wichtiger Geburtstage des heutigen Tages (neben meinem Patenkind, selbstverständlich):

  1. Wilhelm Leuschner (1890) kämpfte als Gewerkschafter und Sozialdemokrat gegen den Faschismus. Er war Mitglied des Schattenkabinetts, das von den Widerständlern des 20. Juli 1944 gebildet worden war. Leuschner wurde am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
  2. Ezer Weizmann (1924) war von 1993 bis 2000 der siebte Präsident des Staates Israel und Sohn des ersten Präsidenten Chaim Weizmann. Ezer Weizmann war aber der erste israelische Präsident, der im Deutschen Bundestag sprach.
  3. Edvard Grieg (1843) ist wohl der bekannteste norwegische Komponist. Sein berühmtestes Werk ist Peer Gynt. Uraufgeführt wurde es am 24. Februar 1876. Der 24. Februar ist mein Geburtstag. Das muss als Rechtfertigung reichen.
  4. Oliver Kahn (1969) ist einer der Torwarte, die in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen sind. Dreimal wurde er Welttorhüter des Jahres und als bisher einziger Towart bekam er 2002 die Auszeichnung als bester Spieler der Weltmeisterschaft. Ich schätze ihn, wenn er als Experte die Spiele auswertet. Kahn ist überzeugter Christ. Von ihm stammt der Satz: Das mit dem Fußballgott ist Blödsinn, es gibt nur einen Gott, und der hat mit Fußball nichts zu tun.
  5. Der Dannebrog wurde (1219) zwar nicht geboren. Er ist ja auch kein Mensch, sondern ein Kosename für die Flagge Dänemarks. Nach einer Legende soll sie dem König Waldemar II. in der Schlacht gegen die heidnischen Esten erschienen sein. Der Dannebrog gilt als die älteste Nationalflagge der Welt.

Es passt jetzt nicht zu den oberen Angaben; aber wenn ich es jetzt nicht noch schreibe, platze ich wohlmöglich noch vor Ungeduld. das möchte ich natürlich nicht riskieren. Bei meiner Lektüre in der Wikipedia stieß ich darauf, dass heute auch der Tag ist, an dem Walter Ulbricht seinen berühmten Satz sprach: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

So, geschafft! Jetzt habe ich das doch noch unterbringen können.

Namenstag des Häuptlings Seattle

Chief Noah Seattle war Häuptling der Suquamish- und Duwamish-Indianer. Er wurde 1786 geboren und starb am 7. Juni 1866. Sein Name lautet in Lushootseed, seiner Muttersprache, Si’ahl. Die Bedeutung dieses Namens konnte ich bisher nicht herausbekommen. Von den weißen Händlern erhielt er den Spitznamen Le Gros oder The Big One, weil er mit seinen 1,85 Metern für die damalige Zeit ein Riese war. Chief Seattle setzte sich für die friedliche Koexistenz von Indianern und weißen Siedlern ein. Die Hauptstadt des Staates Washington trägt seit ihrer Gründung seinen Namen.

Bekannt ist Chief Seattle heute vor allem wegen einer Rede, die er 1854 vor dem Gouverneur des Washington-Territoriums Isaac Ingalls Stevens gehalten haben soll. Fraglich ist dabei nicht, ob er eine Rede hielt – das tat er mit Sicherheit. Allerdings gibt es kein Skript und kein Protokoll. Erst 33 Jahre später schrieb der Journalist und Zeitzeuge Henry A. Smith die Rede, welche in Lushootseed gehalten wurde, in englischer Sprache nach seinen eigenen Notizen auf.

The great, and I presume also good, white chief sends us word that he wants to buy our lands but is willing to allow us to reserve enough to live on comfortably. This indeed appears generous, for the red man no longer has rights that he need respect, and the offer may be wise, also, for we are no longer in need of a great country.

[…] The ashes of our ancestors are sacred and their final resting place is hallowed ground, while you wander away from the tombs of your fathers seemingly without regret. […]

We will ponder your proposition, and when we have decided we will tell you. But should we accept it, I here and now make this the first condition: That we will not be denied the privilege, without molestation, of visiting at will the graves of our ancestors and friends. Every part of this country is sacred to my people. Every hill-side, every valley, every plain and grove has been hallowed by some fond memory or some sad experience of my tribe.

Der texanische Professor Ted Perry schrieb 1972 die Rede für ein Filmskript um. Nun war es ein Brief an den Präsidenten Franklin Pierce, den Chief Seattle geschrieben haben soll. Dies allerdings ist reine Fiktion. Die Veränderungen in der Rede dienen zum einen der Anpassung an modernere Sprachgewohnheiten und zum anderen der Verlagerung des thematischen Schwerpunktes von Völkerverständigung und resignativer Unterwerfung zu globalem Umweltschutz. Chief Seattle wird dem heutigen US-Amerikaner und den anderen Bewohnern vor allem westlicher Staaten als Edler Wilder um die Ohren gehauen. Auch wenn der Text nicht historisch ist, kann eine Ausrichtung an solchen Maßstäben für uns wohl sinnvoll sein.

The great chief in Washington sends word that he wishes to buy our land. The great chief also sends us words of friendship and goodwill. This is kind of him, since we know that he has little need of our friendship in return. But we will consider your offer, for we know that if we do not do so, the white man may come with guns and take our land.

How can you buy or sell the sky—the warmth of the land? The idea is strange to us. Yet we do not own the freshness of the air or the sparkle of the water. How can you buy them from us? Every part of this earth is sacred to my people. Every shining pine needle, every sandy shore, every mist in the dark woods, every clearing and humming insect is holy in the memory and experience of my people.

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Stefan Vesper schrieb 1978 mit 22 Jahren einen Kanon zu dem berühmten Satz Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. In vielen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs findet sich der Kanon. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika gedenkt am 7. Juni des berühmten Häuptlings.

 

Links
duwamishtribe.org – Informationen über Chief Seattle auf der Website des Duwamish-Stammes
en.wikisource.org – Wiedergabe der ersten Aufzeichnung der berühmten Rede (auf Englisch)
studiesincomparativereligion.com – Wiedergabe der unhistorischen Briefversion (auf Englisch)

Namenstag des Hl. Bonifatius

Der Hl. Bonifatius wurde um 673 in Crediton (in der Grafschaft Devon) unter dem Namen Winfried geboren. Seine umfangreiche Missionstätigkeit im Osten des expandierenden Frankenreiches brachte ihm den Titel Apostel der Deutschen ein. Er reorganisierte und begründete eine Reihe von Bistümern in Bayern, Thüringen und Hessen. Besondere Erwähnung verdient dabei das Reichskloster Fulda, welches er 744 errichten ließ. 746 wurde Bonifatius Bischof von Mainz, später Bischof von Utrecht. Am Morgen des 5. Juni 754 oder 755 wurde Bonifatius mit seinen Begleitern euf einer Missionsreise in Friesland bei Dokkum erschlagen.

Er liegt in der Ratgar-Basilika in Fulda begraben. Um das Kloster wuchs die Stadt Fulda heran. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 verlor das Kloster Fulda seine im Heiligen Römischen Reich hervorragende Stellung. Die Städte Crediton, Fulda und Dokkum sind heute Partnerstädte.

Bonifatius ist wohl kein großer Theologe gewesen. Es gibt kein großes theologisches Werk, dass seinen Namen trägt. Die wohl wichtigste von ihm verfasste Schrift ist eine lateinische Grammatik. Aber sein Missionierungseifer ist bis heute legendär. Er soll den friesischen Herzog Radbod davon abgehalten haben, dem Donnergott Thor Menschenzu opfern. Außerdem soll er eine dem Gott geweihte Eiche gefällt haben. Als er dabei nicht von Thor aufgehalten wird und auch später offensichtlich nicht bestraft wurde, ließen sich viele Friesen bekehren. Es kann aber auch sein, dass mit dieser Tat der spätere Mord an Bonifatius durch die Friesen besiegelt wurde.

Link
bistum-fulda.de